Montag, 25. Oktober 2010

Kurz und Bündig / Best-Of-Spezial

Im Herbst werden nicht nur die Blätter bunt und die Tage grau und kalt, nein, auch in der Musikindustrie gibt es das immer gern wiederkehrende Phänomen der Greatest-Hits und Best-Of-Platten, welche oft einen letzten ausweglosen Versuchen der Plattenfirmen darstellt, in der Vorweihnachtszeit noch ein paar Umsätze zu machen. Diese Compilations bieten dann weniger für die Fans der besagten Künstler etwas, sondern eher für den typischen Gelegenheitskäufer getreu dem Gedankengang „Person xy mag doch irgendwie Künstler xy, also könnt ich doch da mal eine CD kaufen.“ Ein aussterbendes Phänomen, aber noch gibt es genug Menschen, die sich gern die x-te Best-Of von Sting und Co. ins Wohnzimmer stellen und da die größten Hits abfeiern. Die Bands können da oft gar nicht mal viel dagegen machen, sagen aber zum ein oder anderen Gelegenheitskäufer auch nicht Nein. Gute Miene, zum bösen Spiel. Und da mit steigender Best-Of-Platten-Zahl auch die regulären Alben, welche zur Winterzeit erscheinen abnehmen, lohnt sich ein vollständiges „Kurz und Bünding“ diesmal gar nicht, weshalb ich mal fünf Best-Of-Platten erwähne, welche jetzt bzw. vor nicht allzu langer Zeit auf den Markt gekommen sind. Kaufen muss man die natürlich trotzdem nicht.

Kurz-Und-Buendig-5

Pet Shop Boys – Ultimate

Sie gelten seit frühester musikalischer Sozialisation als eine meiner Lieblingsbands und stets musste ich mich dafür rechtfertigen. Doch mittlerweile genießen die Pet Shop Boys ja in der Welt der Musikkritiker und Künstler recht hohes Ansehen und im Zuge des allgemeinen Revivals von kommerziellem 80er-Pop á la Hurts brauchen die Herren Tennant und Lowe sich nicht mehr zu verstecken. Erst letztes Jahr haben sie mit dem famosen „Yes“ bewiesen, dass sie die jüngere Konkurrenz immer noch locker in die Tasche stecken können, falls sie wollen. Nun gibt’s nach 1991 und 2003 die dritte Best-Of-Scheibe des dynamischen Synthie-Duos, die so dermaßen überflüssig ist, dass ich auch gar nicht mehr weiter darüber reden muss. Eine 19-Track-starke, chronologische Auflistung der größten Single-Gassenhauer, welche seltsamerweise dennoch großartige Nummern, wie „Rent“, „It’s Alright“ oder „You only tell me you love me when you’re drunk“ ausspart. Dazu ein billig-zusammengeschusterter neuer Track namens „Together“, welcher in dieser Qualität auf einer Greatest-Hits-Platte wirklich nichts zu suchen hat. Fans ködert man mit einer interessanten, vollgepackten Bonus-DVD, welche alte TV-Auftritte und den feinen diesjährigen Glastonbury-Auftritt beinhaltet. Muss aber auch nicht sein, gibt ja YouTube. Und für alle anderen, die sich für die tolle Welt von Tennant/ Lowe interessieren reicht das ausgiebige, interessant zusammengestellte und feine „PopArt“-Doppel-Album von 2003 immer noch völlig aus.

Zum Anhören... "Being Boring" (1990)

Mew – Eggs Are Funny

Den lustigsten Titel für eine Best-Of wählen mit Sicherheit die dänischen Kunstpopper von Mew. „Eggs Are Funny“ bezieht sich auf einen der ersten Songs, den sie damals, noch zu Schulzeiten schrieben. Die jetzt erscheinende Ansammlung alter Hits gibt einen guten Einblick in die gut zehnjährige Schaffensperiode des Quartetts, das mittlerweile zu einem Trio zusammengeschrumpft ist. Die Verteilung der Songs ist fragwürdig, aber vermutlich hat sich die Band, wie immer, schon irgendwas dabei gedacht. Allein vom tollen internationalen Debüt „Frengers“ stammen 6 der 15 Songs, während der Nachfolger „And The Glass Handed Kites“ lediglich durch zwei Nummern vertreten wird. So entspricht „Eggs Are Funny“ aber wenigstens eher den Ideen der Band. Und essentielle Songs, wie „Am I Wry? No“, das wundervolle „She Came For Christmas“, das verträumte „Silas The Magic Car“ oder das einfach nicht enden wollende Meisterwerk „Comforting Sounds“ sind sowieso drauf. Gerade im Vergleich mit Frühwerken wie „Salvia“ zeigt sich die Entwicklung dieser Band, deren Sound immer verzwickter und eigensinniger wurde und zuletzt immer stärker mit konformen Rhythmen und Strukturen bracht. Das gipfelt dann etwa auch beim einzigen neuen Track „Do You Like It?“, bei dem man ständig das Gefühl hat, dass da alles nicht so sitzt, wie es laut Pop-Empfinden eigentlich sitzen müsste. Es bleibt spannend zu sehen, wohin der Weg denn nun in den nächsten Jahren geht. Vielleicht nehmen sie ja auch noch mal ein paar Songs aus ihrer Schulzeit auf. Zuzutrauen wäre ihnen das allemal.

Zum Anhören ... "Am I Wry? No" (2003)

Athlete – Singles 01-10

Auch das Londoner Quartett Athlete zählt seit Jahren zum engeren Favoritenkreis, wenn es um meine Lieblingsbands geht. Ja, ich muss jetzt auch nicht noch mal vom wunderbar, leicht sommerlichem Debüt „Vehicles And Animals“, dem gesetzten, melancholischen Nachfolger „Tourist“ und dem vollkommen unterschätzten Pop-Kleinod „Beyond The Neighbourhood“ anfangen. Alles schon mal an anderer Stelle hier geschrieben. Durchforstet doch einfach mal das Archiv von Nobono. Da steht auch, dass das letztjährige „Black Swan“ dann leider ziemlich schwächelte, sowohl bei Fans, wie auch bei Kritikern. Der Vorgänger tat das auch schon irgendwie, so dass die Erfolgskurve von Athlete leider in den letzten Jahren etwas nach unten zeigt. Die Best-Of ist also eine gute Zwischenstation, um auf die letzten zehn Jahre zurückzublicken und vielleicht den entscheidenden Schnitt zu machen. Auf CD 1 bekommt man das, was der Titel sagt, nämlich alle Singles seit 2001, sowie einen neuen, alten Track namens „Back Track“, der auch vor zehn Jahren entstand, aber nie veröffentlicht wurde. Nun, fertig produziert, reiht er sich hervorragend ins Bandschaffen ein, auch weil er so herrlich nach den Frühwerken klingt, so dass man das Gefühl hat, das langsame Abdriften in belanglose Formatradiowelten wäre nie passiert. Vielleicht ist dieser Song ein Hoffnungsschimmer für die Zukunft, vielleicht versucht die Band einfach wieder, die Sachen etwas unverkrampfter zu sehen. Die zweite CD empfiehlt sich mit ebenso vielen, tollen B-Seiten ebenfalls wärmstens. Ein perfektes Rundumpaket, dass ich jedem Fan guter Gitarrenpopmusik nun wärmstens ans Herz legen möchte. Auf die Zukunft!

Zum Anhören ... "Tourist" (2005)

Robbie Williams – In And Ouf Of Consciousness

Es ist schon eine gewisse Kunst, den Absprung zu schaffen. Für Musiker sowieso. Gerade Popmusik ist immer an bestimmte Zeiten gebunden, fast jeder hat dabei irgendwann einen Zenit und jeder lässt den logischerweise auch hinter sich. Die Frage ist nur, wie man damit umgeht. Ordnet man die Prioritäten? Zieht man sich ganz zurück? Macht man auf gutem, wenn auch nicht überragendem Niveau weiter? Geht man in ganz neue Richtungen und macht einfach einen Schnitt? Es gibt viele Optionen und viele Beispiele, sowohl negative, wie positive. Ich erspaar mir eine Nennung und komme direkt zu Robbie Williams, den man sicher nicht mögen muss, der aber stets gute und akzeptable Popsongs hergestellt hat. Ein Massenphänomen, mit Licht- und Schattenseiten. Dass die Luft seit einiger Zeit raus ist, dürfte auch klar sein. Selbst Robbie Williams hat keine Lust mehr auf Robbie Williams. Keine Lust mehr auf die großen Soloshows, das Lampenfieber, den Druck und das Playboy/Drogenwrack-Image. Jetzt geht Williams auf die 40 zu, ist verheiratet und hat seinen Frieden mit Take That geschlossen, weshalb er seine Zukunft vorerst da drin sieht. So soll sich mit der neuen Best-Of der 20jährige Kreis seines Egotrips endlich schließen. Er beginnt mit dem Versöhnungsduett zwischen Williams und Gary Barlow und endet mit einem Song von Take That. So erzählt dieses Doppelalbum die rückwirkende Geschichte einer Sololaufbahn, die einige Highlights und Evergreen mit sich brachte und den beeindruckenden Lebenslauf eines Megastars darstellt, der die Generation, die wir ich, seine Karriere verfolgt hat, irgendwie geprägt hat. Vielleicht gibt es diese Megastars auch in Zukunft nicht mehr. Vielleicht bleibt das Take-That-Comeback auch nur ein Intermezzo und er kommt in veränderter Form wieder. Vielleicht hat dieser lustige Mann aus Stoke-on-Trent auch einfach seinen privaten und musikalischen Frieden gefunden. Ich gönne es ihm von ganzem Herzen.

Zum Anhören ... "No Regrets" (1999)

Oasis – Time Flies … 1994 - 2009

In Sachen „Das richtige Ende finden“ sind Robbie’s ehemalige Buddies von Oasis dann eher das komplette Gegenteil. Jahrelang gab’s so häufig Zoff zwischen den beiden Gallaghers, dass das vorzeitig endgültige Ende letztes Jahr dann natürlich zu keinem Zeitpunkt überraschte, aber irgendwie doch keiner mehr damit rechnete, weil Oasis zu diesem Zeitpunkt eh nur noch eine gut geölte Nostalgie-Maschine waren, die zwar in den letzten Jahren stets immer mal wieder tolle Songs, wie „Stop Crying Your Heart Out“ oder „Falling Down“ veröffentlichte, aber stets mit der Bürde ihrer absoluten Hochphase in den 90ern leben musste. Die Band hatte das, bei aller Ironiefreiheit, längst kapiert und spielte in den letzten Jahren immer wieder die Songs, die eine ganze Generation von Menschen geprägt hatte. Auch ohne ein Gespür für die damalige Zeit, sind „Champagne Supernova“, „Roll With It“ oder „Live Forever“ unkaputtbare Hymnen für die Ewigkeit und Popdokumente einer Zeit des Aufbruchs und Neuausrichtung. Kaum zu fassen, wie die Zeit verflogen ist. Das ehemalige Label hat nun noch mal schön alle Hits zusammengepackt, nachdem die Compilation „Stop The Clocks“ vor einigen Jahren eher Fan- und Bandfavoriten vereinte. Damals sträubte sich die Band dagegen. Jetzt kann die alte Kuh aus Manchester gemolken werden. Geld stinkt ja bekanntermaßen nicht. In naher Zukunft werden sich dann Noel Solo und Liam mit dem restlichen Oasis versuchen, aus dem immer noch fallenden Schatten zu befreien. Vielleicht nur um am Ende einzusehen, dass sie zusammen eigentlich ganz gut funktionieren. Bei diesen beiden weiß man ja bekanntlich nie.

Zum Anhören ... "Some Might Say" (1995)

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