Freitag, 22. Juli 2011

A Start Has An End

Unser Blog verzieht sich aus der Blogosphäre. Ein paar Worte zum Abschied ...

Ob man es glaubt oder nicht, aber Nobono-Blogger rhododendron musste sich neulich in seiner Magisterabschlussprüfung tatsächlich mit der Didaktisierung von Blogs im Fremdsprachenunterricht auseinandersetzen. Ein dabei von ihm gelerntes Merkmal eben jener Web-Spezialität waren regelmäßig frequentierte Updates. So sollte ein Blog eben sein. Man schaut regelmäßig drauf, meist in der Vorfreude mindestens jeden zweiten Tag neue Informationen zu finden. Und da liegt der Webhund begraben. Hoch- oder zumindest mittelfrequente Updates waren in den letzten Jahren nie das Steckenpferd von Nobono... das gestehen wir uns gern ein. Zuletzt wurde das allerdings noch spärlicher. Und nichts ist nerviger, als regelmäßig einen vor sich hin siechenden Blog zu besuchen, nur um dann doch wieder nichts neues vorzufinden. Das nervt und eigentlich wünscht man Blogs keinen so langsamen Tod. Also machen wir es kurz und knapp... die aus dem Mangel an Updates resultierenden Befürchtungen sind wahr: Wir machen Nobono dicht! ... erstmal vorübergehend für ein paar Monate. Vielleicht kommen wir zurück, vielleicht auch nicht.
Abschiedscollage-2010

Warum genau?

Wie so häufig handelt es sich dabei um die Summe der Teile. Wo fängt man da an? Vielleicht bei der Zeit, die so ein Blog frisst. Die Zeit, nicht nur irgendeinen zusammengeklauten Schund wiederzukäuen, sondern originale, anständig recherchierte und dadurch fundierte Meinungen zu postulieren. Diese Zeit muss man erstmal aufwenden, was aber angesichts eines Soziallebens, anderer Interessen und diverser beruflicher Verpflichtungen nicht immer in dem Maße möglich ist. Das liegt dann auch am Personal. Während rhododendron die Konstante seit dem Launch 2007 darstellt, wechselten die Blogger an seiner Seite regelmäßig. Mit ihnen änderte sich auch die Frequenz der Beiträge von "Tote Hose" bis "Jeden Tag eine neue Welt". Zuletzt brachte FallOnDeafEars neuen und interessanten Frischwind ins Geschehen, der aber pünktlich mit dem Wintersemester 2010 doch deutlich abflaute. Die Zeit dehnt sich halt nicht aus... wir haben alle diverse Zeitreisen-Filme gesehen. So ergibt es sich also jetzt im Sommer 2011, dass rhododendron, wie anfangs erwähnt, sein Studium beendet hat, während FallOnDeafEars seines erst vor einer Weile begonnen hat. Das Resultat - Zeitmangel - bleibt das gleiche. Wir können schlicht und ergreifend nicht mehr die Reserven aufbringen, um Nobono dauerhaft attraktiv, vielseitig und abwechslungsreich zu gestalten. Und dieser Anspruch ist uns enorm wichtig

Veränderte Prioritäten

Am Schreiben liegt es natürlich nicht. Das machen wir gern und es scheint uns ja, glaubt man dem bescheidenen, aber meist positiven Feedback, auch ganz gut zu gelingen. Doch das Schreiben und Schwadronieren über Auswüchse der Indie- und Populärmusik erfüllt uns schon längst nicht mehr in dem Maße, wie es das bspw. noch vor 2-3 Jahren tat. Wie ja an dieser Stelle schon öfters beworben, haben beide Schreiberlinge sich mittlerweile auch ein kleines, feines musikalisches Standbein geschaffen. Dabei haben wir gemerkt, dass uns das Produzieren als GBB, Pretty Boy Makes Rave oder auch gemeinsam stärker ausfüllt und da die Leidenschaft eher am Brennen ist. Es ist das, was wir in unserer Freizeit fokussieren möchten. Nicht weil wir denken, dass wir das größte Ding seit Boys Noize oder Paul Kalkbrenner sind (da bleiben wir Pragmatiker) - Nein, es ist, weil uns das wirklich ein inneres und äußeres Vergnügen bereitet. Vielleicht ist das ja am Ende der logische Schritt. Vom "Über-Musik-Schreiben" hin zum "Musik-Selber-Machen". Aber nur vielleicht. GBB produziert kontinuierlich starke Banger, PBMR hat jetzt bald sein erstes eigenes Album draußen und auch gemeinsam versuchen wir in Zukunft noch was zu stemmen. Wer den bisherigen Output in Form von Produktionen oder unseren DJ-Mixen irgendwie als hörenswert empfand, ist aufs herzlichste willkommen, uns dabei auf den einschlägigen Internet-Seiten zukünftig zu folgen. Aber es ist ja am Ende nicht nur das. Es sind halt auch die anderen Dinge des Lebens, die für uns wichtiger sind, als noch vor ein paar Jahren. Seien es Freunde, Arbeit, Partner, neue Hobbies und Leidenschaft und eine allgemeine Horizonterweiterung. Gibt ja noch anderes im Leben.

The Times they are a-changing

Ja, und damit einher geht ja prinzipiell auch- so klischeehaft das klingt- das Alter und die Vor- und Nachteile, die das mit sich bringt. Vorteile im Sinne einer gewissen Entspanntheit. Wenn man bedenkt, wie verkrampft man früher der Hipness und all ihren Auswüchsen hinterher gerannt ist. Wie sehr Trends über irgendwas gestellt wurden und wie unglaublich wichtig man den eigenen Musikgeschmack dann doch genommen hat. Klingt altersklug, dabei sind wir erst Mitte 20. Aber irgendwann entwächst man der stets auf Jugend getrimmten Indiekultur halt mal. Zumindest in dieser Intensität. Natürlich hören wir immer noch neue Musik, sogar so hippe und unbekannte Musik, dass wir uns immer noch locker darauf einen verbal runterholen könnten. Das muss aber auch nicht die ganze Welt wissen. Will man das überhaupt? Blogs wie unserer tragen zumindest eine Teilschuld an der Kommerzialisierung der Musik oder des "Sich-Über-Musik-Definierens", welche in den letzten Jahren sprunghaft angestiegen ist. Leute, welche noch intensiv die erste Welle um Franz Ferdinand/ Bloc Party anno 2004/2005 mitgemacht haben werden wissen, wovon wir reden. Jetzt mögen Menschen, für die man sich eigentlich fremdschämen möchte, die Musik, die einem soviel bedeutet(e). Alle 'lieben' angeblich Morrissey, können aber außer "First Of The Gang To Die" wenige Songs aufsagen. Und alles ist heutzutage "Indie". Früher Einstellung, heute umfassender und aufgeweichter Genre-Sammelbegriff . Das trägt dann umso obskurere Blüten. Von der Kommerzialisierung der Mode bis hinzu so unsäglichen Geschichten wie Audiolith, deren "Bands" und Fans sich irgendwie "indie" schimpfen, aber doch eigentlich auch nur assigen Krawall und Remmidemmi machen wollen. Nein, das Verkehren in diesem Umfeld frustriert immer stärker. Und so sind wir halt auch langsam an dem Punkt, wo wir Hypes um Bands wie "Is Tropical" oder "Kakkmaddafakka" nicht mehr nachvollziehen können, weil wir die gleichen Gesten und Melodien schon vor 5 Jahren in anderer, originellerer Form vernommen haben. Das überlassen wir dann halt doch den 18jährigen, die dies noch mit einem Feuer und Elan besprechen können, den wir nicht für diese Musik aufbringen können und wollen. Eher für elektronische Musik bspw., wie das natürlich viele tun, was halt aber auch mit unserer zweiten Leidenschaft zu tun hat. Oder für richtig unbekannten und experimentellen Kram. Oder noch älteren Sachen. Egal... zu jeder Bewegung gibt es eine Gegenbewegung. Eine Alternative zum Mainstream findet sich immer. Wenngleich selbst die aktuell einfach übersättigt erscheint. Man muss diese Alternative also für sich selber finden... und dann nicht den Fehler machen, gleich der ganzen Welt davon zu erzählen ;-)

Was bleibt

Abschiedscollage-2010-2Ein gewisser Stolz auf das Erreichte und all die guten Momente, welche wir mit diesem kleinen gelben Blog so in den letzten über vier Jahren hatten. Danke an alle Leser, egal, ob ihr nur auf'm Sprung wart oder regelmäßig vorbei geschaut hab. Sowohl die, welche Kommentare abgaben, als auch die restliche, schweigende Mehrheit. Und auch Danke an ehemalige Mitstreiter, wie doughnut oder legomännchen, welche das Schlachtschiff zeitweise mit über Wasser gehalten haben. Können wir euch dann am Ende noch was auf den Weg geben? Einen freundlichen Rat? Weisheiten? Oder diverse popkulturelle Zitate? There is a light that never goes out? Take the long road and walk it? Ob-la-di-Ob-la-da. Life goes on? Oder eine unverzichtbare Phrase im Sinne von "Die Hoffnung stirbt zuletzt". Vielleicht kommen wir ja wieder. Reumütig oder altersklug mit ein paar neuen Ideen an anderer Stelle. Vielleicht nicht morgen oder in einem halben Jahr. Vielleicht wissen wir es auch noch nicht. Wenn die Zeit reif dafür ist, kommen wir eventuell wieder. Wer sich daran beteiligen möchte, kann ja einen Kommentar hinterlassen. Ihr hört eh nicht das letzte Mal von uns. Klar, über die Unterstützung unserer musikalischen Aktivitäten würden wir uns sehr freuen. FallOnDeafEars hat sich Richtung Tumblr verzogen und rhododendron schreibt sicher auch zukünftig ein paar Konzertkritiken in seinem last.fm Blog. Wer uns sucht, wird uns auch finden. Das fänden wir natürlich nett.

Bis dahin genießt den Sommer und das Leben. Und in diesem natürlich die Musik. Egal, welche Musik. Solange sie euch berührt, ist es gute Musik. Egal, ob das eine Bon Iver Platte, die neue Lady Gaga oder ein assiger Laidback Luke Remix ist. Es ist unwichtig, was ihr hört und zu was ihr gehört. Steht dazu, lasst euch nix vorschreiben und entwickelt bitte einen individuellen Geschmack, jenseits von Szenen, Spex und sozialer Zugehörigkeit. Rechtfertigt euch gegebenenfalls, selbst wenn manche dies als Arroganz auslegen wollen. Und bleibt offen. Für neue Musik, neue Ideen, neue Menschen. Einrosten ist was für alte Schrauben. Und das dürfte ja kaum euer Anreiz sein. Es ist egal, wie ihr das macht. Durchsurft das Internet, kauft euch mal 'ne Platte, die ihr vorher nicht irgendwo schon runtergeladen habt. Schaut euch nicht nur Bands live an, die ihr vorher schon durch diverse Fachmeinungen kennt. Kauft euch gern mal eine Vinyl oder von mir aus auch CD, selbst wenn das Geld nicht da ist und ihr sie kaum aktiv hört. Es ist egal, ob ihr Hipster, Hippie oder Hinterwäldler seid... Hauptsache ihr seid das, was euer Herz euch sagt. Das waren dann doch ein paar bedeutungsschwangere, etwas abgedroschen wirkende Phrasen am Ende. Aber das geht schon klar. Dafür kann und muss im Leben halt auch mal Platz sein. Es war uns eine große Freude und Ehre. Bleibt geschmeidig!

Aus vollstem Herzen

FallOnDeafEars & rhododendron


Dienstag, 19. Juli 2011

Götterdämmerung

Für ein einzelnes Gastspiel beehrt der Altmeister der britischen Independent-Melancholie die deutsche Hauptstadt und überzeugt, wie enttäuscht dabei gleichermaßen. Über ein langsam verblassendes Idol.

Die Fotos habe ich mir mal wieder von der Homepage der intro "geborgt". Danke fürs Knipsen ;-)

Wie sehr sich doch die Szenarien äußerlich gleichen. Nicht ganz zehn Jahre ist es her, da bespielte Morrissey diverse Hallen seiner britischen Heimat im Jahre 2002. Dabei hatte er zu diesem Zeitpunkt 5 Jahre keine Platte mehr veröffentlicht, keinen Plattenvertrag und spielte im Musikgeschäft nur noch eine historische Rolle. Die Tour geriet zum Triumphzug, zwei Jahre später folgte dann mit „You are the Quarry“ das überfällige Comeback mit eben jenen Songs, die er bereits Jahre zuvor live spielte. Und nun? 2011 wirkt es ähnlich. Zwar ist das letzte Album „Years Of Refusal“ erst 2 Jahre vergangen, aber Morrissey steht wieder ohne Plattenvertrag, unsichere Zukunft da und geht einfach mal auf Tour. Die läuft einigermaßen gut, die Euphorie früherer Zeiten scheint allerdings vergangen zu sein. Morrissey steht am Scheideweg. Ein neues Album hat er angeblich schon fertig, aber veröffentlichen will es momentan kein Label. Oder kein Label will ihn. Warum eigentlich? Jenen Mann, der mit den Smiths Musikgeschichte geschrieben hat, dem die Fans immer noch zu Füßen liegen. Oder tun sie das?

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Hinter Morrissey liegen ereignisreiche Wochen, in denen er immer wieder mit obskuren Meldungen für kleinere Schlagzeilen sorgte. Besonders sein Vegetarier-Militarismus scheint 2011 noch dringlicher zu sein. Ein belgisches Festival musste am Tag seines Auftritts alle Fleischprodukte verbannen. Und letzte Woche schwor Moz eine persönliche Fehde mit dem Betreiber der seit Jahren wichtigsten Fan-Page herauf und verbannte ihm von seinen Konzerten. Seitdem brodelt es leicht bis mittelschwer bei den Fans. Es steht die Frage im Raum, wieviel Nibelungentreue der Mozfather denn verdient hat? Wieviele seine verbalen Entgleisungen und Fotzeleien der letzten Jahre, wieviel aus Stimmungsgründen gecancelte Gigs kann man mit dem guten alten „Das ist Morrissey. So ist der halt“-Argument wegwischen? Musikalisch hat er nach der kurzen Comeback-Phase wieder relativ schnell abgebaut. „Years Of Refusal“ war eher halbgarer Schrammelrock, der einstigen Glanz vermissen ließ, textlich scheint das ewig gleiche Thema „Ich hasse die Welt, die Welt hass mich“ zur Genüge abgegrast und zuletzt machte Moz veröffentlichungstechnisch eher mit den ewigen Re-Packeges und Reissues von sich aufmerksam, welche er einst in „Paint A Vulgar Picture“ verurteilte. 2011 scheint die Zukunft ungewiss zu sein. Von einer Euphorie, wie in den wilden Jahren um die Jahrhundertwende kann also nicht die Rede sein. Nun kommt der Meister also allen Unkenrufen zum Trotz im Zuge seiner Festival/Sommer-Tour für ein Konzert in die Berliner Zitadelle Spandau. Wird das was?

Das witzige bzw. praktische an der Zitadelle Spandau und ihren anwohnerfreundlichen Lärmschutzbestimmungen, ist die Tatsache, dass Konzerte ja um 22 Uhr beendet sein müssen und somit im Sommer ganz praktisch in der Abenddämmerung stattfinden. Na ja, ob das praktisch ist sei mal dahingestellt. Zumindest ist man nicht allzu spät im Bett. So ergibt es sich also, dass bereits die überflüssige Vorgruppe „The Heartbreakers“ kurz vor 7 beginnt und umso schneller wieder vorbei ist. Müssen wir über diese Indie-Rock-Poser noch ein Wort verlieren? Hmmm, eher nicht. Aber ihre Frisuren waren ein schöner Querschnitt der Indie-Haarschnitte der letzten 25 Jahre. Nice. Doch alle warteten am Ende natürlich auf seine Hochheiligkeit, den Mozfather himself. Morrissey kam mitsamt seiner alteingesessenen Backingband kurz nach 8 auf die Bühne, grinste verschmilzt und intonierte gleich zu Beginn den alten Smiths-Reißer „I Want The One I Can’t Have“... wie damals auf besagter 2002er Tour. Und wie immer gab es das gleiche, beeindruckende Bild beim Publikum. Ja, die Damen kreischen ja von Natur aus gern. Aber nur bei Morrissey werden auch gestandene Männer und Familienväter um die 40 nochmal zu euphorisierten Groupies und beten den Meister an. Diesen Stellenwert erreichen nachwievor wenige in der Szene. Man(n) gestikuliert so gut es die Publikumssituation um einen herum erlaubt und „gesungen“ wird natürlich auch in jedem Fall.

In den folgenden knapp 75 Minuten bietet Morrissey eine grundsolide Setlist aus Solo-Hits und handverlesenen Smiths-Klassikern, sowie diversen neuen Tracks von jedem fertigen, aber noch unter Verschluss gehaltenem neuen Album. Beschweren kann man sich über die Auswahl kaum. Obligatorische Solo-Hits, wie „Irish Blood, English Heart“, ein etwas schleppend intoniertes „Everyday Is Like Sunday“ oder „I’m Throwing My Arms Around Paris“ gehen immer. Und auch einige versteckte Solo-Schätze aus den ansonsten eher durchwachsenen 90ern hat man dabei. „You’re The One For Me, Fatty“ kommt gleich an zweiter Stelle, wenig später das tolle „Speedway“ und noch später auch das vollkommen unterschätze Popjuwel „Alma Matters“. Aber, und das ist einfach mal keine subjektive Wahrnehmung, es waren, sind und bleiben einfach die Songs der Smiths, welche den größten Applaus einheimsen, wann immer sie kommen. Es sind die Songs, welche Millionen Leben retteten, die Grundlage von Morrissey’s Karriere bieten und die in ihrer mit Johnny Marr’s Beihilfe entstandenen musikalischen Brillanz auch über ein Vierteljahrhundert später immer noch unkaputtbar sind. Gerade wenn man eine Perle wie das 1986er „I Know It’s Over“ live hört, merkt man deutlich, wie sehr der jüngere Solo-Output gegen so fantastische Meisterwerke abschmiert. Und endlich kam ich auch mal in den Genuß, das legendäre „There Is A Light That Never Goes Out“ live zu hören, welches sich in den letzten Jahren auf Konzerten rar machte. Die Magie dieses Meisterwerkes kam allerdings nur bedingt rüber. Zum einen, weil jetzt wirklich jeder mitgröhlte, was aber prinzipiell nicht zu verhindern und an sich okay ist. Zum andern aber, weil Mozzer’s Band das gute Stück irgendwie nicht mit dem angemessenen Feingefühl intonierte, welches ihm gebührt. Generell: die Band, welche seit Jahren gleich aufgestellt ist, ist durchaus ein Streitthema. Stellenweise wirkt sie halt wie eine amateurhafte Garagenband, die viele Songs, gerade die älteren, bewusst auf „laut“ und „schroff“ trimmt. Das kann man gut finden, muss man aber nicht. Auch bei den jüngeren Solosachen wünsche zumindest ich mir eher wieder einen musikalisch etwas feinfühligeren Morrissey, als einen schroffen Pub-Rocker. Die gespielten neuen Songs, wie „Action Is My Middle Name“ oder das durchaus hittiger „People Are The Same Everywhere“ scheinen allerdings die bereits bestehenden Pfade weiter zu beschreiten. Schade. Ein Wechsel seines Arbeitsumfeldes wäre zu diesem Zeitpunkt vielleicht die cleverste Entscheidung.

18955_largeDoch Morrissey hat’s nicht so mit Veränderungen. Das moderne Leben und unnötige Innovationen sind nicht sein Stil. Das macht ja auch teilweise den Reiz aus, denn so wirkt dieser Mann in unserer technisierten, schnelllebigen Zeit wie das Relikt einer längst verklungenen Ära. Ich meine, er könnte sein Album auch in Eigenregie herausbringen, aber er will es halt lieber so, wie früher. Diese Geisteshaltung kann man gut finden oder kritisch hinterfragen. Je nachdem. Morrissey selber wirkt ganz okay gelaunt. In Berlin hatte er in den letzten Jahren, ganz gleich, wie die jeweilige Tour lief, stets gute Laune. Auch diesmal gibt es das ein oder andere nette Grinsen, ein, zwei lustige Ansagen usw. Und natürlich wird wieder der Fleischverzicht gepredigt. Die Band trägt McDonalds-feindliche Shirts, der Chef selber kritisiert die Stadt für seine hoch frequentierten Fressbuden und es wird auch „Meat Is Murder“ gespielt. Der einzige Smiths-Song mit dem ich mich als Fleischfresser nie identifizieren konnte und von dem ich, wie ich an dem Abend wieder merkte, auch nicht mal den Text kann. Ein Novum bei dieser Band. Aber Leben und leben lassen... ich bin da tolerant. Das kann Morrissey von sich freilich nicht behaupten. Stimmlich ist der Mann dennoch gut drauf und auch optisch sieht er wieder fitter aus, als noch 2009. Wenngleich er früher mehr Tam-Tam gemacht hab. Gelegentlich wirkt er schon etwas lustlos. Händeschütteln mit den Fans fällt diesmal auch aufgrund des enormen Bühnengrabens aus. Und auch die Stage-Invasoren am Ende zu „First of The Gang To Die“ hatten da wenig Chancen. Stichwort „Ende“... Ja, das kam tatsächlich. Nach lächerlichen 70 Minuten. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal bei einem Konzert war, das 21.15 Uhr vorbei war. Und das muss sich dieser Mann bei allen streitbaren Themen vorwerfen lassen. 70 Minuten für 50 Euro, nur eine Zugabe. Es wären locker noch 2,3 Songs drin gewesen. Vor ein paar Jahren war das auch noch der Fall, da spielte er weit über 20 Songs. Und heute? Kann er nicht mehr? Will er nicht mehr? Muss er nicht mehr? Die Frustration nimmt zumindest bei mir zu.

Und das alles trägt dann halt nicht dazu bei, nochmal Kräfte, besonders in finanzieller Form zu mobilisieren, um ein alterndes Idol am Leben zu erhalten. Ich versage Morrissey nicht die Gefolgschaft... das kann ich auch gar nicht, angesichts der musikalischen Meisterwerke, welche er in den letzten 30 Jahren zu verantworten hat. Da können auch tausend Anti-Fast-Food-Kampagnen, kurze Shows und rausgeworfene Kritiker nicht mehr dran rütteln. Aber, und das ist die Erkenntnis der letzten Wochen und... ja, fast schon Jahre bzw. dann auch des gestrigen Abends: manchmal ist man persönlich einfach bestimmten Künstlern entwachsen, kann sich mit denen menschlich, wie musikalisch nicht mehr in der Form identifizieren, wie dies vor Jahren noch der Fall war. Morrissey ist genauso ein Künstler für mich. Sicher haben seine Songs mir das Leben während der späteren Adoleszenz gerettet und sicher war er früher kraftvoller und präsenter als heute... aber das war damals. Die ewige Frustration und das gestrige Denken des Mannes spiegeln schon lange nicht mehr mein Wesen wieder. Warum sollte ich mich also noch hinstellen und einen Mann weiter unterstützen, der in den letzten Jahren menschlich, wie musikalisch das Gespür fürs Wesentliche verloren hat. Einer, der die nicht vorhandene Pressefreiheit in China verurteilt und gleichzeitig Zero-Tolerance bezüglich Kritik an seiner Person oder Nicht-Vegetariern zulässt? Ich esse super gern mal ein vegetarisches Gericht und respektiere Menschen für diese Haltung und Disziplin, erfreue mich aber auch gern an einem Schnitzel. Bin ich deshalb kein guter Mensch? Und wenn ich anmerke, dass sich Morrissey statt auf ewig neu aufgelegte Compilations lieber auf neues Material konzentrieren sollte bzw. seine Band mal auswechseln sollte... bin ich deshalb unloyal? Diese Fragen stellte nicht nur ich mir in den letzten Wochen und Monaten. Und der Moz selber sang es ja bereits auf der letzten Platte: „You were good in your times“. Und das wird und kann ihm keiner mehr nehmen. Und jetzt? Jetzt sollte er vielleicht einfach mal die Zeichen der Zeit erkennen, noch eine finale Tour-Ehrenrunde drehen, das Motto des ebenfalls an diesem Abend gespielten Tracks „One Day Goodbye Will Be Farewell“ verinnerlichen und einfach gehen. Weil er seine Zeit hatte, weil man ihn doch eigentlich für so clever hielt, eben nicht auf diese Altrockstar-Falle hereinzufallen und weil man es ihm doch so gern wünscht. Vor einiger Zeit meinte er mal, das Live-Spielen erhalte ihn am Leben und gäbe ihm die so dringend benötigte positive Energie. Das kam an diesem Abend leider nicht komplett so rüber. Vielleicht ist es mal Zeit, etwas Neues im Leben für sich zu entdecken, abseits der Musik. Dafür ist man nie zu alt. Es wäre ihm, und auch irgendwie seinen treuen Fans zu wünschen.

Setlist:

01 I Want The One I Can't Have
02 You're The One For Me, Fatty
03 You Have Killed Me
04 Speedway
05 Scandinavia
06 Ouija Board, Ouija Board
07 People Are The Same Everywhere
08 Action Is My Middle Name
09 Alma Matters
10 Satellite Of Love
11 I Know It's Over
12 Everyday Is Like Sunday
13 One Day Goodbye Will Be Farewell
14 There Is A Light That Never Goes Out
15 I'm Throwing My Arms Around Paris
16 Meat is Murder
17 Irish Blood, English Heart
18 First Of The Gang To Die

Samstag, 16. Juli 2011

Chillaxing

PBMR präsentiert sein 'finales' Mixtape ... relaxte Beats für den Sommer

Es ist mal wieder soweit. In meiner Zweit-Identität als Pretty Boy Makes Rave gibt es nun wieder einen weiteren Teil aus meiner seit Ende 2008 regelmäßig produzierten "Mixtape"-Serie. Dies wird allerdings auch der letzte in dieser Form sein. Nicht, weil mir diese Mixe nicht mehr Spaß machen... ich glaub einfach nur, mit dem zehnten Teil ist ein sehr netter Schlusspunkt erreicht und zusammen mit den anderen neun konnte ich meine vielseitigen musikalischen Interessengebiete sicher sehr recht gut präsentieren. Manchmal etwas tanzbarer, manchmal etwas relaxter. Wer einen Teil der Serie verpasst hat, kann das alles per bequemen Download auf last.fm nachholen. Zukünftig werden die Mixe dann wohl regelmäßiger und in Sachen länge und Genrevielfalt etwas kompakter. Watch out und so...

Mixtape-10-Cover
Abschließend drossel ich angesichts der Urlaubssaison allerdings noch einmal schön das Tempo und präsentierte mit "We Don't Sleep When The Sun Goes Down" einen chillig-groovenden 60-Minuten-Mix aus alten und neuen Schätzen. Mal mehr poppig, mal weniger. Es geht dabei nicht so sehr um ein straightes Set im DJ-Sinne, sondern mehr um verschiedene Auswüchse einer Grundstimmung. Ihr wisst schon... Relaxen am Strand, in der Hängematte, mit Fahrrad oder Auto herumdüsen, es sich auf der Picknick-Decke bequem machen. Der Soundtrack dazu stammt von verschiedenen Interpreten. Unbekanntere Tracks bereits bestehender Helden, wie Coldplay, The National oder den Pet Shop Boys treffen auf aufstrebende Künstler, wie Princeton, Chad Valley, Edwin Van Cleef oder Gossip Culture. Es wird poppig, aber auch dezent tanzbar und balladesk. Und vielleicht, ja nur vielleicht erfasst euch auch diese spezielle Grundstimmung, welche ich beim Kompilieren und Mixen dieser Ansammlung gespührt habe. Wäre ja möglich. Für's regelmäßige Downloaden der Mixtape-Serie an dieser Stelle danke ich recht herzlich und hoffe, ihr bleibt dem Pretty Boy auch in Zukunft gewogen. Und jetzt schnell runterladen, weg vom ollen Internet und raus in die freie Natur!

01 Empire Of The Sun - Country
02 Zimmer - Cruisin'
03 Edwin van Cleef ft. Jane Hanley - Lisztomania (Phoenix Cover)
04 Princeton - To The Alps
05 Air France with Roos - GBG Belongs To Us
06 Pretty Boy Makes Rave - Simplicity
07 Adrian Lux - Teenage Crimes (Original Miix)
08 Kollektiv Turmstraße - Grillen im Park
09 Hurts - Stay (Groove Armada Remix)
10 CSLSX - Keep On Shining
11 Chad Valley - Anything (Seams Remix)
12 The National - Sleep All Summer
13 Gossip Culture - Whispers In My Ear
14 Jeremy Glenn - New Life
15 Pet Shop Boys - Violence (Extended 1993 Hacienda Version)
16 Aeroplane ft. Kathy Diamond - Whispers (Original Mix)
17 Memoryhouse - Modern, Normal
18 Coldplay - See You Soon

We Don't Sleep When The Sun Goes Down (Mixtape #10) by Pretty Boy Makes Rave

Freitag, 1. Juli 2011

Kurz und Bündig - 07/2011

Once more with feeling... ein verliebter Traumtänzer, ein Hamburger House-Produzent, the upcoming star of Chillpop, vergessene Indie-Restbestände und die Hohepriester der derben deutschen Rapmusik. Ein bunter Mix an Alben in diesem Monat. Frauen nicht erwünscht!
Kurz-Und-Buendig-11
Patrick Wolf - Lupercalia

Irgendwann findet jeder Topf seinen Deckel. Und damit auch den Frieden. In der Regel. Zumindest im Fall vom britischen Pop-Elferich Patrick Wolf scheint dies zu stimmen. Der heiratete vor einer Weile den Mann seiner Träume und will so gar nicht mehr mit der Welt hadern, sondern sich einfach nur freuen. Das merkt man dem neuen Album "Lupercalia" bei jedem Ton an. Nicht nur im bildlichen Sinne hängt der Himmel bei Wolf voller Geigen. "Lupercalia" ist die musikalisch gewordene Hochzeitstorte, voller großer und schmachtvoller Hymnen. Die meisten ("Time Of My Life", "House") kennt man schon als Singles, doch der Rest fügt sich da nahtlos ein. Große Momente und noch größere Gefühle, eingebettet in ein astrein produziertes Pop-Gewand und vorgetragen von einem Sänger, dessen stimmliche Qualitäten das Album zu jedem Moment tragen. Nix mehr mit düster, verdrehten Queer-Pop. Und das Fideln überlässt Wolf diesmal eh dem Streichquartett. Am Ende vielleicht einfach mal etwas zu viel von allem und stellenweise zu überladen. Aber so ist das halt mit der Hochzeitstorte. Da darf es gern mal etwas mehr sein angesichts des freudigen Moments.

"Lupercalia"-Stream auf der Homepage des Guardian

Tensnake - Live + Mix

Seit einiger Zeit geistert der Name "Tensnake" durch die Clubs, selbst wenn er noch nicht groß genug scheint. Doch immer mehr Menschen, zu denen ich mich auch zähle, interessieren sich für die Produktionen des Hamburger Masterminds Marco Niemerski. Das liegt zum einen an der beständigen Qualität seiner eigen und Remix-Arbeiten. Zum anderen - und as hat ja damit durchaus zu tun - mit der spielenden Einfachheit mit welcher Niemerski House und Disco mischt. Die Tracks sind stets unglaublich deep, aber gleichzeitig recht poppig und funky. Wie das Beste aus den 80ern und 90ern gemischt. Kein Wunder, dass sich Tensnake mitlerweile in einem Atemzug mit der neuen Disco-Welle um Acts wie Hercues And Love Affair oder Azari & III nennen lässt. Letzteren hatte er bspw. einen sehr feisten Früh-90er-Dance-Mix verpasst. Inklusive verdammten Snap!-Sample! Als Kind der 90er horche ich da natürlich auf. Und noch mehr, wenn es jetzt eine kostenlose Mix-Platte zum Download auf seiner Homepage gibt. Darauf befinden sich diverse Eigenproduktionen und Remixe, tanzflächentauglich zusammengemixt. Gegen die Angabe einer Mailadresse lässt sich das eigene Wohnzimmer also in den Club verwandeln. Kann man schwer ablehnen

Gratis Download auf Tensnake Homepage

Chad Valley - Equatorial Ultravox EP

Streng genommen ist "Equatorial Ultravox" von Chad Valley ja gar kein Album, sondern ne EP. Dabei hätte er die restlichen 4 Plätze auch durchaus mit den Songs seiner letztjährigen Debüt-EP füllen können. Hätte alles gepasst. Egal. Chad Valley heißt eigentlich Hugo Manuel, kommt aus Oxford und strebt nun nach diversen Remixen und Demos eine ernsthafte Karriere als Popstar an. Oder sowas ähnliches. Trotz hoher Melodieverliebtheit lässt Manuel das Experimentelle nämlich nicht außen vor. Seit jeher bewegen sich seine Produktionen zwischen leichter Popmusik und sphärischen Klangwelten. Das kann man durchaus dem neumodischen Genre des Chillwave zuordnen. Also schön viel Reverb, Hall und gediegenes Hängematten-Herumlunger-Tempo. So gesehen könnte Chad Valley also zum ersten Chillpopstar der Musikwelt werden. Hits sind auf jeden Fall vorhanden und alle sieben Tracks der EP gefallen durch ihre entspannte, träumerische Grundstimmung, bei der man sich am liebsten einfach nur an den Strand oder gleich direkt ins Meer legen möchte. Warum auch nicht, ist ja Sommer. Die Aufmerksamkeit um Valley nimmt sichtlich zu und evtl. scheint hier wirklich jemand zur richtigen Zeit am richtigen Mode-Ort zu sein. Ich drücke die Daumen!

In einige Tracks bei Soundcloud hören

Kaiser Chiefs - The Future Is Medieval

Manchmal ist es beeindruckend, wie sich die Relationen von Zeit manchmal verschieben. Ist es wirklich erst fünf Jahre her, dass wir alle zur neuen Indie-Britpop-Welle um Maximo Park oder den Kaiser Chiefs abtanzten und das Gefühl hatten, etwas halbwegs epochalen beizuwohnen? Kommt einem vor, als wäre das Äonen her. Auch weil die Sub- mittlerweile zur Jugend- bzw. Popkultur mutiert ist, sich selber aufgefressen hat und man sich fragt, warum es soweit kommen musste. Die Kaiser Chiefs sind da so ein Beispiel. Nach Zwangspause durch Überpräsenz nun schon fast ein kleines Comeback mit einem Album, was man sich erst selber zusammenstellen und nun inkonsequenterweise doch im Laden kaufen kann. Radiohead für Ideenlose. Und musikalisch? Da gibt man sich schroffer, versucht nicht mehr auf Krampf die nächste große Bierzelt-Mitgröhl-Hymne zu produzieren. Andererseits... ist es nicht das, was die Kaiser Chiefs immer ausmachte? Worin sie am besten waren? Was eigentlich ihre Existenz auf dem Markt rechtfertigte? Was bleibt, wenn das wegfällt? Halbgare Songs nach dem ewig gleichen Schema? Lauter 70s Rock vielleicht. Ich hab keine Ahnung. Bei jedem Hörversuch merke ich einfach nur, dass mich das nicht mehr anspricht. Muss nicht primär an der Musik liegen. Einige Kritiker haben's ja ganz gut aufgenommen. Ich will irgendwie nicht mehr, behalte die Mannen um Ricky Wilson aber in guter Erinnerung. Auf das sie weiterhin Spaß an dem haben, was auch immer sie da versuchen, zu machen.

Ausschnitte der Songs anhören

K.I.Z. - Urlaub fürs Gehirn

Die Einbeziehung dieser Band auf Nobono ist sicher das Kontroverseste seid meiner Albumbesprechung von Lady Gaga oder Take That. Warum eigentlich? K.I.Z., die Fleischfresser unter den deutschen Populärmusikern haben doch schon vor Jahren den Feuilleton erobert. Von Spex bis Süddeutsche ist man sich einige, dass der Brachial-Rap der Berliner einfach zur zum Todlachen ist. Und das stimmt sogar. Der Titel führt da sogar ein wenig in die Irre. Natürlich ist "Urlaub fürs Gehirn" über weite strecken struntzdumm, unterschreitet die Gürtellinie und schlägt wild um sich, aber das ist ja nur Fassade. Die wollen nur spielen. Und deine Mutter wollen sich auch nicht wirklich ficken. Als Humorbotschafter des Landes hat man die Ärzte eh vor 'ner Weile abgelöst. Während die in Altersteilzeit gegangen sind, wird bei K.I.Z. auf alles und jeden Verbal gespuckt. Oder uriniert. Masturbiert sowieso. Wortschatz und -witz sind vorhanden, manchmal auch überraschend unterschwellig. Man muss nur am Offensichtlichen vorbeischauen und den Fäkalhumor akzeptieren. Klar, manchmal übertreiben es die Burschen auch, aber gerade wenn in Songs wie "Raus aus dem Amt" oder "Durch die Scheibeboxer" der präkariate Arbeitsablehner das Mikrofon übernimmt, bleibt kein Auge trocken. Man könnte stundenlang darüber diskutieren. Ob das jetzt intelligent oder asssozial ist. Ob die Jugend dadurch verroht wird? Ob K.I.Z. ideologisch näher an den Atzen oder Tocotronic liegen... Ziel erreicht. Die Republik redet über die Jungs, die kugeln sich obgleich dieser Tatsache vermutlich zu Tode. Und texten schon den nächsten Song darüber. Doch, doch, dass hier hat echt was. Und das von jemand, der mit deutschsprachiger Musik im Allgemeinen und Deutschrap im Speziellen eigentlich sonst wenig anfangen kann.

Das komplette Album lässt sich problemlos bei YouTube anhören. Einfach mal in Eigenregie suchen ;-)

Dienstag, 21. Juni 2011

Gesetz des Wachstums

Müssen alle mit. Viel Regen, noch mehr Menschen und ein vielfältiges musikalisches Sortiment. Ein Erlebnisbericht vom erstmaligen Besuch des Hurricane Festivals in Scheeßel. Inklusive all der nervigen Begleiterscheinungen, die wohl nie wirklich verschwinden werden.

PS: Alle Fotos stammen von der Homepage des
Rolling Stone Magazins. Da gibt's auch noch mehr. Bitte vorbeischauen.

Ein Hoch auf die eigene Inkonsequenz. Eigentlich hatte ich mir ja mal vor einiger Zeit so halb geschworen, nie wieder große Massenfestivals mit Zuschauerzahlen im hinteren, fünfstelligen Bereich aufzusuchen. Irgendwann ist das Tohuwabohu neben der Musik, wegen welcher ich stets primär ein Festival besuchen wollte, zu viel des Guten. Idiotie, gute Laune und Hochprozentiges in aller Ehre, aber das Rockfestival an sich schien in den letzten Jahren immer stärker zum eskapistischen Ventil einer verrohten Masse zu verkommen. Ein Hort der Gesetzlosigkeit, wo man den im Alltag angestauten Frust endlich mal loswerden konnte, komme was wolle. Eigentum ist relativ, deshalb wurde mitgenommen, was irgendwo herumlag bzw. auch gern mal in den Zelten. Pinkeln und Kacken kann man sowieso überall und die Musik des Festivals verkommt zur Nebensache, maximal zum Soundtrack des eigenen Triebes. Die Grenzen kann und sollte ein Festivalbesucher vielleicht im Auge behalten, aber zuletzt schien es so, als ob sie bewusst überschritten würden. Das ein Massenfestival aber im gewissen Maße auch stets eine Massenabfertigung ist, dürfte außer Frage stehen. Die Einstellungen variieren dementsprechend auch. Für viele, gerade ältere Semester, ist es einfach ein stinknormaler Camping-Ausflug, wo man halt mal etwas mehr trinkt und sich Abends mal 1,2 Bands anschaut. Für diverse Atzen und Dorfdeppen ein weiterer Anlass um Stunk zu machen, für Menschen, die gerade dem Teenager-Alter entwachsen sind dann vielleicht ein Ventil für Freiheit. Man weiß es nicht. Und wo steck ich, welcher alterstechnisch der 30 näher ist, als der 20, da eigentlich drin?

Warum sich nun also ein weiteres Mal in dieses Getümmel stürzen, wenn es einen doch so nervt? Zum Einen, weil sich eine gewisse Entspanntheit mit dem Alter bei mir breit macht. Man hat schon zu viel Festivals gesehen und weiß eben, wie die Leute ticken und worauf man sich einlässt. Zu Anderen, weil man sich hat irgendwie breitschlagen lassen und das Line-Up ja auch diverse hervorragende Momente erahnen ließ und zum Dritten, weil vermutlich extra für Menschen, wie mich, das Green Camping eingeführt wurde, was sich als goldrichtig erwies. Im Prinzip nicht großartig anders, appelliert der neu errichtete Camping-Platz mit Zulassungsbeschränkung aber ans eigene Gewissen. Es gab wesentlich mehr Platz, wesentlich mehr Grün und wesentlich weniger, bis kaum vorhandene Krawalltouristen. Müll und Lautstärke hielten sich auch in Grenzen und das einzige, was mein Zelt attackierte waren ein paar vereinzelte Feldmäuse, die an unseren Äpfeln nagten. Es sei ihnen verziehen. In diesem entspannten Umfeld konnte es sich leben lassen. Und da erträgt man auch die ganzen Unannehmlichkeiten. Die teils wieder haarsträubende Organisation zum Beispiel. Über zwei Stunden stehen, um an Bändchen zu kommen? Ein überfülltes Festivalgelände (vier Bühnen, Disco-Atzen-Zelt, gefühlte 800 Stände, zu viel Menschen)? Amateurhafte Bühnenorganisation (fragen sie mal die Sum41-Fans)? Nimmt man alles in Kauf, wenngleich man sich fragt, warum Deutschlands zweitgrößtes Festival es nach jahrelanger Routine nicht gebacken bekommt, den Ansturm zu verarbeiten. Kommerz statt Kundenfreundlichkeit. Stimmt, auch so ein Argument gegen diese Festivals. Aber es gibt ja noch das alles entscheidende Pro-Argument: die Musik.

Elbow
Und die Musik war dieses Jahr wieder gut ausgesucht, viele interessante Acts für mich, oft auch abseits der großen Headliner. Dafür kennt und schätzt man das Hurricane. In Sachen Booking haben die Damen und Herrschaften immer noch ein feines Händchen. Also nahm ich mir vor so viel zu sehen, wie möglich. Hab ich je bezahlt. Das arktische Wetter mit starken Böen und häufigen Regen war zwar teils etwas hinderlich, aber am Ende ja auch keine Ausrede. Also, Freitag am frühen Abend aufs Gelände. Vorbei an den ewig gleich jaulenden Portugal. The Man (zu denen ich zeitlebens keinen Zugang mehr finden werde) hinein in die Red Stage zu Kvelertak! Ja, Metal aus Norwegen. Was für ein gelungener Einstieg. Wenn schon dann richtig. Eigentlich nicht meine Musik, aber in dem Moment sehr passend. Sänger Erlend Hjelvik hatte das T-Shirt schon hinter sich gelassen und sah aus, als ob er bereit wäre, direkt in den Wäldern seiner Heimat auf Trolljagd zu gehen. Fein. Und wie es der Zufall wollte, spielten anschließend die Landsleute von Kaizers Orchestra auf der Bühne neben an. Und die stammen sogar aus dem gleichen Nest, wie ihre Metal-Kollegen, nämlich Starvanger. Die Musik ist aber ganz anders, seit Jahren allerdings beliebt und als guter Live-Tipp verschrien. Deshalb musste ich die Gelegenheit 2011 mal beim Schopfe packen und mir deren Experimental-Blech-Folk-Mix anschauen. Nicht schlecht. Riesige Showtalente in jedem Fall. Das sind Glasvegas im Anschluss eher nicht. Deren Show-Element beschränkt sich auf eine riesige Leuchtschrift im Hintergrund und Sänger James Allan, der von Jahr zu Jahr bizarrer auszusehen scheint. In diesem Fall irgendwo zwischen Elvis und "Dave Gahan anno 1990" angesiedelt. Aber Leiden tut er immer noch, wenngleich die Musik halt live bei weitem nicht so episch rüberkommt, wie auf Platte. Egal, Time ist auf so 'nem Festival, auch angesichts der Überschneidungen eh immer Money, also ging's nach drei Songs rüber auf die Mainstage, wo eines meiner persönlichen Highlights auf mich warten sollte: Elbow haben sich angekündigt. Seit Jahren eine meiner Lieblingsbands und genauso häufig live verpasst. Fünf Jahre sind seit meiner letzten Begegnung vergangen. Seitdem gab es mit "Seldom Seen Kid" und jüngst "Build A Rocket, Boys!" zwei geniale Alben und mittlerweile immerhin einen großzügigeren Slot. Natürlich spielten die Herren aus Manchester nur Songs aus diesen beiden Platten und natürlich sind wir hier nicht af dem Glastonbury, wo tausende Briten diese Songs euphorisch mitgesungen hätten, aber die Band um dem charismatischen Teddybären Guy Garvey tut ihr Bestes, schmettern beseelt und begleitet vom Streichquartett große Hymnen wie "Lippy Kids" oder "One Day Like This" heraus und ernten ehrlichen Applaus. Gott, es war aber auch schön. Vermutlich konnte man den Bekanntheitsgrad damit wieder ein wenig steigern. Ehrliche Arbeiter, die Lads. Freue mich schon auf ein Konzert im intimeren Rahmen im Herbst. Nach einer kurzen Distanz-Betrachtung des Kommerz-Dubsteps von Chase & Status auf der White Stage verhaarte ich weiterhin vor der Hauptbühne, sah mir erstmals Portishead an, was allerdings nicht wirklich super für meine Müdigkeit war. In diesem Moment war der Sound der alten Trip-Hop-Heroen einfach ein wenig zu einschläfernd. Wäre eher was für den Abendausklang gewesen. Lag aber vielleicht auch am Wetter, bei dem Nicht-Bewegen eher schädlich war. Das musste sich dann mit Arcade Fire im Anschluss ändern. Im Vorfeld des Hurricane wurde viel darüber diskutiert, ob die Wahl der Kanadier als Headliner clever war. Ist Deutschland schon soweit? Trotz Grammy- und Feuillton-Hype genießt die Band um Win Buttler hierzulande halt noch nicht den stellenwert, wie bspw. in Großbritannien. Germany hinkt wieder etwas hinterher. Das merkte man an dem Abend auch etwas. Sicher, die Könige des Indie-Stadionrocks bleiben eine Live-Institution, fahren mittlerweile auch eine ziemlich protzige Bühnenshow auf, aber so richtig euphorisiert wirken Publikum und Band nicht. Kann aber auch Einbildung sein. Schön, sie allerdings noch mal im Zuge ihres aktuellen Albums "The Suburbs", was allerdings wenig berücksichtigt wurde, zu sehen.
Arcade-Fire
Der anschließende Tagesabschluss mit den legendären Chemical Brothers konnte sich auch sehen lassen. Die beiden Dance-Pioniere packten mehr als einmal die Beat- und Basskeule aus und regten meinen schon müde geglaubten Körper noch einmal zum ordentlichen mitraven an. Die Licht und Bühnenshow kann sich auch mehr als sehen lassen. Und ich glaube, ich habe in weiter Ferner irgendwo hinter all dem optischen Overkill auch die Herren Rowlands und Simons entdeckt. Könnten aber auch Roadies gewesen sein. Egal. Danach ging eh nix mehr. Feierabend.

Der Samstag ließ es dann in Sachen "Bands, die mich interessieren" etwas ruhiger angehen. Man könnte auch von Ereignisarmut sprechen. Los ging's um 4 mit den kurzweiligen British Sea Power, deren neues Album "Valhalla Dancehall" zwar nicht so toll, wie das letzte ist, aber als schmissiger Festivaltageseinstiegs-Soundtrack trotzdem funktioniert. Man schunkelt, klatscht und tanzt sich quasi schon mal warm. In meinem Fall für die Friendly Fires, welche einer meiner Hauptanzugspunkte dieses Wochenendes darstellten. Als großer Fan beider Platten, hoffte ich, die Band aus St. Albarns ist am Ende live besser, als das was ich über ihre Auftritte vorher gehört habe. Und das war sie auch. Bereits als der ulkige Saxophonist mit todsicherer "Verrückter-Professor"-Frisur auf die die Bühne kam und Sänger Ed MacFarlane uns erst sein Overkill-Hawaii-Hemd und anschließend seine Overkill-Dance-Moves präsentierte, war klar, dass hier getanzt werden musste. Das tat ich dann auch bei reichlich Platz und Endorphinausschuss eine Stunde lang intensivst. Die Songs sind nach wie vor Hits, selbst wenn das neue Album "Pala" vielleicht etwas zu sehr auf den Ibiza-House-Floor schielt.
friendfires
Aber in Sachen Rythmussektion macht denen keiner was vor und MacFarlane ist halt eine ziemliche Entertainment-Maschine, trotz oder gerade wegen seiner Verrenkungen, die stets etwas übertrieben wirkten. Aber so ist halt die Band und auch oft ihre Musik. Geht also prinzipiell klar. Fein war's. Nach einer dezenten Pause meinerseits gab's dann später noch die souveränen Gipsy-Punks von Gogol Bordello, denen allerdings ein wenig die Sonne fehlte, um bei mir die gleiche Euphorie wie vor ein paar Jahren auf dem Highfield zu erzeugen. Anschließend Two Door Cinema Club, bei denen ich immer wieder überrascht bin, welch großen Stellenwert die Iren in der Altersgruppe 14 bis 24 genießen. Sicher, das Debüt "Tourist History" hat extrem eingängige Hits zu bieten, aber im Prinzip ist das ja der x-te Aufguss von anderen Indie-Bands. Das ewig gleiche Muster, dazu noch extrem auf Hochglanz und Radiokompatibilität produziert. Gut, letzteres dürfte den Erfolg etwas erklären. Na ja, vielleicht nicht mehr meine Generation. Mehr als drei Songs konnte ich mir dann auch nicht geben, weil das irgendwie live so schrecklich belanglos wirkte, dass ich mir lieber was zu essen holen ging. Oder My Chemical Romance anschauen. Die haben wenigstens den attraktiveren Frontmann und ein bisschen Feuer unterm Emo-Glamrock-Hintern. Sonderlich berauschend aber auch nicht. Es fehlten die Highlights. Nächster Versuch: Kasabian. Nach der Auflösung von Oasis endlich Alleinherrscher des Stadion-Britpops und mittlerweile auch mit ordentlicher Fanscharr in Germany. Zu den Hits wird gut mitgemacht, ein Großteil lässt sich, ganz festivaltauglich, auch mit alkoholisierten Zustand ohne Textwissen mitgröhlen. Geht in Ordnung. Beim anschließend letzten Act des Abends entschied ich mich, ganz Popper wie ich im Herzen immer schon war, gegen Incubus und die Kaiser Chiefs. Beide schon gesehen, aber mittlerweile nicht mehr von musikalischem Interesse für mich. Stattdessen fiel die Wahl auf die White Stage und Andre Butler's New Yorker Disco-Projekt Hercules And Love Affair. Auf Platte trotz vereinzelter Hits, aus meiner Sicht stets überbewertetes Blabla, entpuppte sich die Kapelle live dann allerdings als Überraschung des Wochenendes. Knackige, teils sehr deepe, manchmal auch minimalistische, aber stets druckvolle House-Beats, die bewusst so klingen wollen, als wären sie 1990 entstanden paaren sich mit schwarzen Soulstimmen und erzeugen eine homoerotisch-groovende Disco-Grundstimmung, der ich mich an diesem Abend gar nicht entziehen konnte. Bulter hat ein Geschick für die richtigen Leute an den Mikrophonen, hält sich selber auch gern im Hintergrund, wenngleich er auch ab und an mal Ansagen macht und den Motivator spielt. Hoffentlich hat er das gewünschte Boy-Toy an diesem Abend noch gefunden. Großartige Stimmung, tighter Sound. Auch das kann das Hurricane sein.

Der Sonntag bescherte dann jede Menge Regen, dem es galt mit jede Menge Klamottenschichten und improvisierten Planen/Tape/Müllbeutel-Kreationen zu trotzdem. So eingepackt konnte man es zwar vergessen, rechtzeitig zu William Fitzsimmons ins Zelt zu kommen, aber na ja... was will man auch erwarten. Wie ein solch gehypter Act einfach nicht auf eine größere Bühne gelassen wurde, verstehe wer will. Das ganze Zeltkonzept sollte entweder verworfen oder stark überarbeitet werden. Ein bis zwei Stunden anstehen, um den gewünschten Act zu sehen, sollte auch nicht Sinn der Sache sein. Also begannen die Band Of Horses den finalen Konzerttag. Die haben zwar noch nicht so lange Bärte, wie Kollege Fitzsimmons, aber ebenfalls schmucken Indie-Rock alter Schule zu bieten, bei dem man sich schon mal angesichts der arktischen Temperaturen warm schunkeln konnte. Danach herrschte erstmal Unwissenheit, wohin denn die Reise geht. Der tief-irische Folk-Punk von Flogging Molly ist zwar nicht ganz meins, passte aber irgendwie zum rauen Wetter. Anschließend kamen die unkaputtbaren Hives. Der seit Jahren immer gleiche Poser-Rock-Witz in variierenden Frisuren und Kostümen. Immerhin hörte der Regen auf. Und das lag nur an den Hives. Davon war, wie immer, Howlin' Pelle Almquist überzeugt. Gott liebt die Hives. Geht nicht anders. War schon immer so, wird immer so bleiben. Na ja, kann man sich mal anschauen, die Zwischenreden bleiben witzig. Im Zelt legt zwischenzeitlich A-Trak auf. Kommerz House. Geht so, aber ist eindeutig noch ein wenig zu früh für "Barbara Streisand" und Co. Also wieder Hives. Pardon... The Hiiiiiiiiiiiiiiiives natürlich. Da mich die Wombats gar nicht interessierten, man zu den Kills sicher eh nicht ins Zelt kam und ich schon beim Gedanken an die Subways Krämpfe bekomme, wurde fleißig auf die Arctic Monkeys gewartet.
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Wie würden sie mit dem neuen Album "Suck It And See" auftreten? Vor zwei Jahren spielten sie auf dem "Highfield" fast nur Songs der damals neuen "Humbug"-Platte. Konsequent, aber massenfeindlich. Diesmal ging man den anderen Weg, feuerte zu Beginn des Sets gleich die Gassenhauer "The View From The Afternoon" und "Brianstorm" heraus und bot ansonsten viel Abwechslung. Die Gassenhauer kommen immer noch gut an und die neuen Songs werden immerhin zur Kenntnis genommen. Und passend zum surf-poppigen L.A-Sound des Albums bricht auch die Sonne erst- und einmalig an diesem Tag aus den Wolken hervor. Es scheint, als würde Gott die Monkeys den Hives dann doch vorziehen. "When The Sun Goes Down" verabschiedet die Lichtquelle dann schon wieder und zu "505" darf dann sogar Alex Turner's Last Shadow Puppets Kollege Miles Kane auf die Bühne, dessen Slot früher am Tag dem Regen zum Opfer gefallen war. Fein. Beim Festivalabschluss hatten dann bei mir Clueso, die Klaxons und Dave Grohl das Nachsehen und der dänische Klangwelten-Künstler Anders Trentemøller die Nase vorn. Zum Glück. Denn was war das für ein grandioser Abschluss auf der White Stage. Live hat Trentemøller deutlich an der Verbesserung der Umsetzung gearbeitet und präsentiert nun Tracks der beiden Alben "The Last Resort" und "Into The Great Wide Yonder" mit kompletter Band, Schlagzeug, jede Menge Gitarren, Gastsängerinnen und einer sehr passenden Lichtshow. Der Meister selber hüpft an den Keyboards herum und leitet die Zeremonie, die wie ein düster verhaltener Nachttraum beginn und sich dann in Sachen Tanzbarkeit und Party ordentlich steigert. Angesichts der Tatsache, dass sich Trentemøllers Sounds zuletzt immer stärker von der Tanzfläche entfernten und eher karge Nebelwälder und nachtaktive Lebensräume aufsuchten, wirkt gerade das überraschend. Denn live gewinnen viele der introvertierten Songs noch mal ordentlich an Fahrt. Dennoch drosselt und variiert die Band das Tempo immer wieder und sorgt so für einen dramaturgischen Spannungsaufbau, der sich gewaschen hat. Am Ende herrscht richtig euphorische Stimmung und einen besseren Festivalabschluss kann man sich kaum wünschen. Mit abwechslungsreichen, experimentellen und interessanten Sounds scheint Trentemøller in einer ganz anderen Welt zu agieren, als bspw. Dave Grohl mit seinen Foo Fighters draußen auf der Hauptbühne. Trotz seiner Sympathiewerte und Biographie wirkt Grohls gestriger Mainstream-Rock dann doch noch blasser und belangloser als erwartet. Zumal die Band auch in ihrer Routine etwas unmotiviert daherkommt. Am Ende fordert Grohl das Publikum auf, dann doch mal langsam nach hause zu gehen. Zugaben gibt's auch nicht. Aber anschließend gleich die Ankündigung auf der Leinwand, das man ab morgen schon Tickets fürs nächste Jahr kaufen kann. Die Ärzte und Blink 182 hat man sich auch gesichert. Kommt also alle vorbei. Muss ja weitergehen.
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Und das wird es auch. Vielleicht wird man einige Fehler korrigieren, vermutlich aber nicht. Das Gesetz des Wachstums bleibt bestehen und so wird auch das Hurricane 2012 so werden, wie 2011. Irgendwie zu viel von allem. Aber am Ende, und diese Erkenntnis, war und ist einfach immer so, muss jeder selber entscheiden, wie er ein Musikfestival für sich definiert. Alles gehört am Ende dazu. Der Wahnsinn, die Prolls, die Abkehr von der Zivilisation, Frust und Lust und die vielen unterschiedlichen Bands und Künstler, von dem jeden am Ende selbst überlassen wird, wie viel er sich in welchem Maße anschaut. Die eigene Toleranzgrenze sollte man an so einem Wochenende eh nicht allzu hoch ansetzen. Da ich dieses Jahr nicht so viel Konzerte besuchen konnte, wie ich wollte, habe ich mich gefreut, bestimmte Bands noch mal abzudecken. Enttäuscht wurde ich in keinem Fall, unbedingt wiederkommen muss ich aber auch nicht. Der Schwur, keine Massenfestivals mehr zu besuchen wird reaktiviert, allerdings gibt's da sicher noch eine Ausstiegsklausel. Nächstes Jahr dann doch mal lieber im Ausland versuchen. Oder endlich mal rechtzeitig Tickets fürs Haldern Pop besorgen. Irgendwas in der Richtung. Aber ich möchte am Ende auch nicht, wie ein pseudo-elitärer Klugscheißer wirken, der nicht wusste, worauf er sich einlässt. In diesem Sinne... Je ne regrette rien.

Mittwoch, 8. Juni 2011

Kleiner Tipp

CoverIch muss der Welt nur mal fix dieses Stück kundtun, welches ich gar nicht mehr aufhören kann zu hören.
Es ist ein Remix eines relativ unspektakulären R'n'B-Songs namens Rolling Stone des kanadischen Sängers Abel Tesfaye AKA The Weeknd, der jenseits des großen Teiches bereits moderate Erfolge feiern kann und von dem man demzufolge auch hierzulande demnächst noch etwas hören könnte. Sein Landsmann Andy Sills hat unter seinem Künstlernamen Andy's Ill einen derart massiven und dennoch sehr emotionalen Bratz-Schlager draus gemacht, dass man nach den grandiosen sechs Minuten erstmal seine Kinnlade vom Fußboden auflesen kann.
Viel Spaß.

The Weeknd - Rolling Stone (Andy's iLL Refix) Link in description by Andy's iLL

Montag, 6. Juni 2011

Opium fürs Volk

Hype ist sein Hobby... Deutschlands Techno-Botschafter Paul Kalkbrenner hat ein neues Album veröffentlicht. Dieser Fakt und sein Inhalt sind allerdings eher Nebensache angesichts seiner Popularitätswerte. Doch was taugt das Ganze nun wirklich?

51__320x240_paul-kalkbrenner-1Was soll man noch über diesen Mann schreiben, was nicht schon an anderer Stelle irgendwie erwähnt wurde? Über neue Musik von Paul Kalkbrenner zu reden ohne dabei auf das Phänomen einzugehen ist schlichtweg nicht mehr möglich. Zu groß ist das alles geworden, gerade für deutsche Verhältnisse ist Kalkbrenner ein Hype, wie ihn diese Republik musikalisch nur selten erlebt. Fast über Nacht wurde aus einem von dutzenden Hauppstadt-DJ’s DAS deutsche DJ-Aushängeschild. Der Heilsbringer der Hedonisten, König der Knöpfchendreher! Von der oberen Mittelschicht bis ins tiefste Präkariat kann man sich scheinbar die ganze Republik auf ihren Volks-DJ einigen. Und immer mehr kamen dazu. Aus netten Clubs sind längst Mehrzweckhallen oder jetzt jüngst zwei Mal die Berliner Wuhlheide geworden. Das hängt natürlich und ohne Zweifel zu großen Teilen mit „Berlin Calling“ zusammen, jenem kleinen, unscheinbaren Programmkino-Schmuckstück, welches Kalkbrenner als DJ am Rande des Nervenzusammenbruchs zeigte. Irgendwie ist er ein Kultfilm geworden. Vielleicht auch, weil er so häufig romantisch verklärt wird. Kalkbrenners „DJ Ickarus“ wurde zur Leid- und Symbolfigur einer Gesellschaft im Banne des Exzesses. Immer mehr, immer feiern. Egal, ob die Klapse die Endstation ist. Das Ickarus am Ende im Film geläutert ist und die Kurve kriegt macht das ganze nur noch massenwirksamer. Seitdem müssen und wollen alle mit, wenn’s um Minimal, Clubs, AfterHours und das Berliner Nachtleben geht. Den Mehrweit dieser Entwicklung überlass ich dem subjektiven Empfinden jedes Einzelnen.

Und was macht Kalkbrenner selber? Der ist längst ein gut funktionierendes Unternehmen, bespielt permanent und konstant erfolgreich die Bühnen dieser Welt und nimmt seine Rolle als Kulturbotschafter gelassen. Er scheint das ganze locker zu nehmen. So auch das Album. Das heißt halt „Icke wieder“, weil... na ja, wie soll det och sonst heißen? Das Album ist lediglich ein Nebenprodukt des nicht enden wollenden Hypes. So wirkt es zumindest auf den Beobachter. Groß Promo ist da nicht. Und auch keine kommerzielle Ausrichtung. Paul selber meinte ja auch, er hätte jetzt durchaus noch einen Song mit Bruder Fritz im Stile von „Sky And Sand“ aufnehmen können. Wollte er aber nicht. Er hätte auch ganz viel bekannte Gaststimmen draufpacken können (dem Ruf wären sicher viele gefolgt). Wollte er aber auch nicht. Er macht das halt lieber alles allein. Also bietet diese Kalkbrenner Platte genau das, was man irgendwie vom Namen erwartet. 10 flauschig, groovende und instrumentale Minimal Tracks, die gar nicht erst versuchen, anders zu klingen. Butterweiche Grooves, mal härter, mal chilliger, aber stets in die exakt gleiche Richtung der Tracks auf dem "Berlin Calling"-Soundtrack. Nicht mehr, nicht weniger. Kalkbrenner liefert den Standard ab, der ihn, in Kombination mit den Bildern des Films bundesweit bekannt machte.

Diese Art von Musik funktioniert aus meiner Sicht auch deshalb so gut, weil sie trotz ihrer treibenden Art auch zu großen Teilen irgendwie belanglos ist. Und nicht unbedingt tanzbar. Wie schon zuletzt der "Berlin Calling"-Soundtrack kann man "Icke wieder" auch problemlos zum Putzen, Einschlafen, Steuererklärung-machen, Grillen im Park, Autofahren oder sonst irgendwo hören. Musik zum Überhören, denn... seien wir mal ehrlich: sonderlich hochwertig ist Kalkbrenners Minimal-Techno auch nie gewesen. Handwerklich aber ziemlich gut und vor allem schafft er es als einer der wenigen diese bestimmte Stimmung zu erzeugen, die einher geht, wenn man an diese Musik denkt. Die Aufregung scheint meistens in dem Drumherum zu liegen, statt in der Musik selber. Kalkbrenners Mucke ist entspannt, unnötig knarzende Basssequenzen, dramatische Aufbauten oder zerhackte Dance-Beats, die mal die 130 BpM hinter sich lassen sucht man nach wie vor vergebens. Wenn ein Track zwei Minuten läuft, kann man sicher sein, dass sich da in den nächsten fünf nichts Weltbewegendes mehr tut. Es liegt sicher auch im eigenen Verständnis von Dance-Musik, wie man die Wertigkeit von Kalkbrenners' Stücken einschätzt. Zum Schmunzeln laden Songtitel wie "Des Stabes Reuse", "Schmökelung" und "Der Breuzen" in jedem Fall ein. Die Sympathiewerte liegen eindeutig beim Hobby-Linguisten. Paule wird sein Ding weiter durchziehen, egal was man von all dem drum herum und seiner Musik so halten kann und will. "Icke wieder" wird sich gut verkaufen, die Stadien werden voll bleiben und die Maschine wird, getragen durch die Massen, weiter durch die Welt rollen. Wenn der ein oder andere dabei erkennen sollte, das elektronische Tanzmusik auch mehr sein kann, als das, was sie nach Kalkbrenners' Verständnis ist, dann besteht vielleicht Hoffnung, dass auch andere Produzenten mal etwas Ruhm abbekommen. Film hin oder her.

Dienstag, 31. Mai 2011

Kurz und Bündig - 06/2011

Alte Bekannte, neue Liebe. In der Kürzer liegt nach wie vor die Würze. Ein paar Kurzeindrücke zu fünf aktuellen Platten, die ich aus Zeitmangel jetzt nicht detailliert ausführen kann und werde.
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Death Cab For Cutie – Codes And Keys

Man kennt sie, man schätzt sie. Wenngleich auch nicht mehr so stark wie früher. Die Indie-Helden meiner Spät-Jugend, Death Cab For Cutie, legten einst in der ersten Hälfte der 00er Jahre mit „Transatlanticism“ und „Plans“ zwei unbestreitbare Meisterwerke vor, die ich nie wieder missen möchte. Dann scheiterte man 2008 mit „Narrow Stairs“ an der eigenen Messlatte und weil man nicht genau wusste, was man denn jetzt zwischen Mainstream und Indie irgendwie mit sich anfangen sollte. Und dann auch noch’n Song für „Twilight“ machen... ts,ts,ts, schlechte Vorzeichen. Glücklicherweise kann man angesichts der neuen Platte „Codes And Keys“ Entwarnung geben. Sicher, ein zweites „Plans“ liefern die eh nicht mehr ab, was auch einfach an der damaligen Zeit und meiner persönlichen Biographie lag und liegt... aber „Codes And Keys“ zeigt die Mannen um Ben Gibbard wieder zurück zu alter Stärker. Der verkündete im Vorfeld ja seine neuentdeckte Liebe zu alten Synthies, so dass man ja schon Angst haben konnte, Death Cab machen jetzt auch einen auf 80s Pop. Glücklicherweise spielen die Synthies keine entscheidende Hauptrolle, sondern fügen sich ins Gesamtbild unter. Alles wirkt wieder stimmiger, in sich geschlossener, treffsicherer. Kleine und große Melodien, die Gibbard mit seiner unverwechselbaren Stimme prägt. Eine Platte, die sich einem auch nicht sofort erschließt, aber im Gegenteil zum letzten Album erschließt sie sich einem überhaupt. Death Cab for Cutie wissen auch 2011 noch nicht richtig, wo sie hinsollen. Aber dafür machen sie’s sich in ihrer Nische bestens bequem.

Stream von "Codes and Keys" auf der Musikexpress Homepage

Seapony – Go With Me

Wenn ein Albumcover schon eine junge Dame im Sonnenschein am Strand zeigt, dann dürfte wenig Überraschung bezüglich des musikalischen Inhalts dieser Platte zu erwarten sein. Ich meine, es könnte, aber in diesem Fall tut es das nicht. Das Debüt-Album der amerikanischen Indie-Popper von Seapony verspricht genau die Form von Sommermusik, die man angesichts dieser Jahreszeit braucht. Surfpop at its best. Leichte Melodien, bewusst amateurhafter Sound, viel Hall und Wärme, sowie Texte, die Tiefgang nicht unbedingt voraussetzen. Was das Debütalbum von Best Coast im Jahr 2010 war, das ist „Go With Me“ im Prinzip für 2011. Das Trio aus Seattle zeigt, dass man auch in der Stadt des Regens nach kalifornischem Strand klingen kann. An sich ist das, wie schon besagtes Best-Coast-Album keine sonderlich aufregende oder innovative Musik. Und man kann da gern drauf verzichten. Ich für meine Fälle, als verkappter Hippie, bin in jedem Fall hochgradig anfällig für diese Lieder. Sie lassen mich träumen, vom Sommer, der Jugend und einer vermeintlichen Freiheit, die in dieser Form nicht jedem vorbehalten ist. Also ganz großes Eskapismus-/Kopfkino an dieser Stelle. Doch. Ich find's gut, auch ohne Strand in unmittelbarer Nähe.

Album-Stream auf "Yourstru.ly"

Digitalism – I Love You, Dude

Vier Jahre Zeit zwischen erstem und zweitem Album sind nicht nur für heutige Verhältnisse eine ewig lange Zeit. Doch die beiden Hamburger von Digitalism schmiedeten ihr im Zuge von NuRave und Co. aufgeheiztes Eisen dann doch nicht unmittelbar in musikalischer Form. Das Duo, das damals zur richtigen Zeit am richtigen Ort war ließ dem kometenhaften Aufstieg in der Szene viel Tour und wenig neues Material folgen. Vielleicht haben sie am Ende zu lang gewartet und liefern angesichts der Erwartungshaltung mit dem Zweitwerk „I Love You, Dude“ halbgaren Elektro-Pop ab, der irgendwie nie richtig weiß, was er sein will. Bollernder Elektrobanger, Prodigy-Rip-Off oder seichter Radio-Pop zum Mädchen-Beeindrucken? Digitalism wollen alles, vor allem wollen sie mit „2 Hearts“ ein zweites „Pogo“, wirken dabei aber, wie auf weiten Strecken der Platte etwas verkrampft. Sicher, einige Tracks erreichen ihr Ziel auch, aber ein ebenso großer Teil versackt am Ende auch. Und Jens Mölle ist und bleibt halt einfach nur ein mittelmäßiger „Sänger“. Irgendwie beschleicht mich beim Hören die ganze Zeit das Gefühl, dass hier etwas fehlt. Der entscheidende Wille, Pop- oder Club-Act zu sein, der rote Faden oder vielleicht am Ende einfach gutes Material. Ich weiß es nicht. Irgendwie nichtssagend, irgendwie irgendwas. Ich kann es nicht mal richtig benennen. Hören sie selber und urteilen sie anschließend.

Zwei Tracks schonmal bei "Earmilk" anhören

SebastiAn – Total

Und wo wir gerade bei NuRave und falschem Timing sind… Sebastian Akchoté ist auch so ein Kandidat. Eins gehörte SebastiAn zur Sperrspitze der neuen französischen Welle um Justice, Uffie und das Ed Banger Label. Das war damals, 2006, als das gerade so richtig am Explodieren war. Bollernde Bässe, zerhackte Beats, jede Menge Samples und nie den Pop vergessen... SebastiAn hatte sein Sound-Trademark gefunden und neben ein paar Eigenproduktionen vor allem seine Remix-Finger von Bloc Party, über Daft Punk bis hin zu den Kills eingesetzt. Das ging eine ganze Weile recht gut, doch dann war irgendwie Schluss. Mit dem Ed Banger-Hype auf der einen, und mit regelmäßigen SebastiAn-Produktionen auf der anderen Seite. Eigentlich sind Sound und Stil im Jahr 2011, in dem von Atzen bis Usher alle versuchen auf knarzigen House zu machen, durch. Es stellt sich ein dezenter Überdruss ein. Jetzt das Debüt rauszuhauen ist also ein eher gewagtes Unterfangen. „Total“ heißt das gute Stück nun und bietet insgesamt 22 Tracks, wobei viele davon auch nur kleine Interludes und Sample-Spielereien sind. Ansonsten bleibt SebastiAn seinem Stil treu. Wie kann er auch nicht. Schleppende House-Beats, oft im Midtempo-Bereich, viel Geknarzte, zerhackte Samples, polternde Beats... halt der Sound, der Ed Banger einst so dick ins Geschäft brachte und den P. erst so Busy machte. Gretchen-Frage: Braucht man das noch? Durchaus, denn ungeachtet aller Trends lässt „Total“ mehr als einmal erahnen, warum diese Musik so tight und treffsicher ist, dass die Massen auf kurz oder lang drauf anspringen müssen. SebastiAn’s Dance-Musik rockt einfach, ist gleichermaßen eingängig, wie experimentell. Mitreißend, wie eh und je. Ich könnte jetzt schimpfen und kritiker-like mit dem guten „Das is doch alles out“ kontern... oder ich könnte einfach sagen, dass das ziemlich hittig und kurzweilig ist. Immer noch. You’ll never be alone again.

Komplettes Album bei Soundcloud anhören

Arctic Monkeys – Suck It And See

Nach dem Hype ist vor der ernsthaften Karriere? Zumindest fällt es vielen hochgelobten Künstlern schwer, nach dem Aufstieg kontinuierlich für Fans, Kritiker und potentielle Käufer interessant zu bleiben. Manchmal stellt sich da schon das Gefühl ein, man könne nur verlieren. Irgendeiner ist immer gegen dich. Wenn’s dir Kritiker gut finden, kann die Masse nichts mehr damit anfangen und umgedreht. Einfach nicht draufhören und losspielen. Oder besser freispielen. Die Arctic Monkeys singen davon nun schon seit einigen Jahren ein paar Lieder. Das düstere, wüstenrockige „Humbug“ verschreckte 2009 die Indie-Pop-„Dancing-like-a-robot“-Fangemeinde dann doch ziemlich. Wie kann es denn sein, dass sich diese 18jährigen Pubertierenden auf einmal musikalisch, wie menschlich weiter entwickeln? Pff! Und nun das ganze noch mal. „Suck It And See“ wurde wieder in Amerika, wieder mit Josh Homme aufgenommen. Das Ergebnis natürlich nicht mehr, wie das Debüt, aber auch nicht mehr wie „Humbug“, wenngleich man sich natürlich diesem näher wiegt. Insgesamt fällt das vierte Album des Quartetts aber deutlich heller und optimistischer aus. Alex Turner kann seine 60s-Leidenschaft diesmal so stark ausleben, wie sonst nur bei den Last Shadow Puppets. Viel Harmoniegesang, entspannte Grooves treffen aber auch gern mal auf das ein oder andere harte Riff. Und ein bisschen Psychodelic darf eh nicht fehlen. Insgesamt versprüht das neue Album schon diesen Retro-Vibe ohne allzu sehr von dem wegzugehen, was die Monkeys in der jüngeren Vergangenheit schufen. Das ist alles, nur kein Britpop. Von mir aus auch nicht indie. Nennt es doch, wie ihr wollt. Schlucken und dann sehen. Doch als eine der wenigen Ausnahmen ihres Jahrgangs bleiben die Monkeys auch 2011 noch überraschend, irgendwie unvorhersehbar und musikalisch hochwertig. Ist der Ruf erst ruiniert...

"Suck It And See" bei Soundcloud anhören

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