Dienstag, 31. Mai 2011

Kurz und Bündig - 06/2011

Alte Bekannte, neue Liebe. In der Kürzer liegt nach wie vor die Würze. Ein paar Kurzeindrücke zu fünf aktuellen Platten, die ich aus Zeitmangel jetzt nicht detailliert ausführen kann und werde.
Kurz-Und-Buendig-10

Death Cab For Cutie – Codes And Keys

Man kennt sie, man schätzt sie. Wenngleich auch nicht mehr so stark wie früher. Die Indie-Helden meiner Spät-Jugend, Death Cab For Cutie, legten einst in der ersten Hälfte der 00er Jahre mit „Transatlanticism“ und „Plans“ zwei unbestreitbare Meisterwerke vor, die ich nie wieder missen möchte. Dann scheiterte man 2008 mit „Narrow Stairs“ an der eigenen Messlatte und weil man nicht genau wusste, was man denn jetzt zwischen Mainstream und Indie irgendwie mit sich anfangen sollte. Und dann auch noch’n Song für „Twilight“ machen... ts,ts,ts, schlechte Vorzeichen. Glücklicherweise kann man angesichts der neuen Platte „Codes And Keys“ Entwarnung geben. Sicher, ein zweites „Plans“ liefern die eh nicht mehr ab, was auch einfach an der damaligen Zeit und meiner persönlichen Biographie lag und liegt... aber „Codes And Keys“ zeigt die Mannen um Ben Gibbard wieder zurück zu alter Stärker. Der verkündete im Vorfeld ja seine neuentdeckte Liebe zu alten Synthies, so dass man ja schon Angst haben konnte, Death Cab machen jetzt auch einen auf 80s Pop. Glücklicherweise spielen die Synthies keine entscheidende Hauptrolle, sondern fügen sich ins Gesamtbild unter. Alles wirkt wieder stimmiger, in sich geschlossener, treffsicherer. Kleine und große Melodien, die Gibbard mit seiner unverwechselbaren Stimme prägt. Eine Platte, die sich einem auch nicht sofort erschließt, aber im Gegenteil zum letzten Album erschließt sie sich einem überhaupt. Death Cab for Cutie wissen auch 2011 noch nicht richtig, wo sie hinsollen. Aber dafür machen sie’s sich in ihrer Nische bestens bequem.

Stream von "Codes and Keys" auf der Musikexpress Homepage

Seapony – Go With Me

Wenn ein Albumcover schon eine junge Dame im Sonnenschein am Strand zeigt, dann dürfte wenig Überraschung bezüglich des musikalischen Inhalts dieser Platte zu erwarten sein. Ich meine, es könnte, aber in diesem Fall tut es das nicht. Das Debüt-Album der amerikanischen Indie-Popper von Seapony verspricht genau die Form von Sommermusik, die man angesichts dieser Jahreszeit braucht. Surfpop at its best. Leichte Melodien, bewusst amateurhafter Sound, viel Hall und Wärme, sowie Texte, die Tiefgang nicht unbedingt voraussetzen. Was das Debütalbum von Best Coast im Jahr 2010 war, das ist „Go With Me“ im Prinzip für 2011. Das Trio aus Seattle zeigt, dass man auch in der Stadt des Regens nach kalifornischem Strand klingen kann. An sich ist das, wie schon besagtes Best-Coast-Album keine sonderlich aufregende oder innovative Musik. Und man kann da gern drauf verzichten. Ich für meine Fälle, als verkappter Hippie, bin in jedem Fall hochgradig anfällig für diese Lieder. Sie lassen mich träumen, vom Sommer, der Jugend und einer vermeintlichen Freiheit, die in dieser Form nicht jedem vorbehalten ist. Also ganz großes Eskapismus-/Kopfkino an dieser Stelle. Doch. Ich find's gut, auch ohne Strand in unmittelbarer Nähe.

Album-Stream auf "Yourstru.ly"

Digitalism – I Love You, Dude

Vier Jahre Zeit zwischen erstem und zweitem Album sind nicht nur für heutige Verhältnisse eine ewig lange Zeit. Doch die beiden Hamburger von Digitalism schmiedeten ihr im Zuge von NuRave und Co. aufgeheiztes Eisen dann doch nicht unmittelbar in musikalischer Form. Das Duo, das damals zur richtigen Zeit am richtigen Ort war ließ dem kometenhaften Aufstieg in der Szene viel Tour und wenig neues Material folgen. Vielleicht haben sie am Ende zu lang gewartet und liefern angesichts der Erwartungshaltung mit dem Zweitwerk „I Love You, Dude“ halbgaren Elektro-Pop ab, der irgendwie nie richtig weiß, was er sein will. Bollernder Elektrobanger, Prodigy-Rip-Off oder seichter Radio-Pop zum Mädchen-Beeindrucken? Digitalism wollen alles, vor allem wollen sie mit „2 Hearts“ ein zweites „Pogo“, wirken dabei aber, wie auf weiten Strecken der Platte etwas verkrampft. Sicher, einige Tracks erreichen ihr Ziel auch, aber ein ebenso großer Teil versackt am Ende auch. Und Jens Mölle ist und bleibt halt einfach nur ein mittelmäßiger „Sänger“. Irgendwie beschleicht mich beim Hören die ganze Zeit das Gefühl, dass hier etwas fehlt. Der entscheidende Wille, Pop- oder Club-Act zu sein, der rote Faden oder vielleicht am Ende einfach gutes Material. Ich weiß es nicht. Irgendwie nichtssagend, irgendwie irgendwas. Ich kann es nicht mal richtig benennen. Hören sie selber und urteilen sie anschließend.

Zwei Tracks schonmal bei "Earmilk" anhören

SebastiAn – Total

Und wo wir gerade bei NuRave und falschem Timing sind… Sebastian Akchoté ist auch so ein Kandidat. Eins gehörte SebastiAn zur Sperrspitze der neuen französischen Welle um Justice, Uffie und das Ed Banger Label. Das war damals, 2006, als das gerade so richtig am Explodieren war. Bollernde Bässe, zerhackte Beats, jede Menge Samples und nie den Pop vergessen... SebastiAn hatte sein Sound-Trademark gefunden und neben ein paar Eigenproduktionen vor allem seine Remix-Finger von Bloc Party, über Daft Punk bis hin zu den Kills eingesetzt. Das ging eine ganze Weile recht gut, doch dann war irgendwie Schluss. Mit dem Ed Banger-Hype auf der einen, und mit regelmäßigen SebastiAn-Produktionen auf der anderen Seite. Eigentlich sind Sound und Stil im Jahr 2011, in dem von Atzen bis Usher alle versuchen auf knarzigen House zu machen, durch. Es stellt sich ein dezenter Überdruss ein. Jetzt das Debüt rauszuhauen ist also ein eher gewagtes Unterfangen. „Total“ heißt das gute Stück nun und bietet insgesamt 22 Tracks, wobei viele davon auch nur kleine Interludes und Sample-Spielereien sind. Ansonsten bleibt SebastiAn seinem Stil treu. Wie kann er auch nicht. Schleppende House-Beats, oft im Midtempo-Bereich, viel Geknarzte, zerhackte Samples, polternde Beats... halt der Sound, der Ed Banger einst so dick ins Geschäft brachte und den P. erst so Busy machte. Gretchen-Frage: Braucht man das noch? Durchaus, denn ungeachtet aller Trends lässt „Total“ mehr als einmal erahnen, warum diese Musik so tight und treffsicher ist, dass die Massen auf kurz oder lang drauf anspringen müssen. SebastiAn’s Dance-Musik rockt einfach, ist gleichermaßen eingängig, wie experimentell. Mitreißend, wie eh und je. Ich könnte jetzt schimpfen und kritiker-like mit dem guten „Das is doch alles out“ kontern... oder ich könnte einfach sagen, dass das ziemlich hittig und kurzweilig ist. Immer noch. You’ll never be alone again.

Komplettes Album bei Soundcloud anhören

Arctic Monkeys – Suck It And See

Nach dem Hype ist vor der ernsthaften Karriere? Zumindest fällt es vielen hochgelobten Künstlern schwer, nach dem Aufstieg kontinuierlich für Fans, Kritiker und potentielle Käufer interessant zu bleiben. Manchmal stellt sich da schon das Gefühl ein, man könne nur verlieren. Irgendeiner ist immer gegen dich. Wenn’s dir Kritiker gut finden, kann die Masse nichts mehr damit anfangen und umgedreht. Einfach nicht draufhören und losspielen. Oder besser freispielen. Die Arctic Monkeys singen davon nun schon seit einigen Jahren ein paar Lieder. Das düstere, wüstenrockige „Humbug“ verschreckte 2009 die Indie-Pop-„Dancing-like-a-robot“-Fangemeinde dann doch ziemlich. Wie kann es denn sein, dass sich diese 18jährigen Pubertierenden auf einmal musikalisch, wie menschlich weiter entwickeln? Pff! Und nun das ganze noch mal. „Suck It And See“ wurde wieder in Amerika, wieder mit Josh Homme aufgenommen. Das Ergebnis natürlich nicht mehr, wie das Debüt, aber auch nicht mehr wie „Humbug“, wenngleich man sich natürlich diesem näher wiegt. Insgesamt fällt das vierte Album des Quartetts aber deutlich heller und optimistischer aus. Alex Turner kann seine 60s-Leidenschaft diesmal so stark ausleben, wie sonst nur bei den Last Shadow Puppets. Viel Harmoniegesang, entspannte Grooves treffen aber auch gern mal auf das ein oder andere harte Riff. Und ein bisschen Psychodelic darf eh nicht fehlen. Insgesamt versprüht das neue Album schon diesen Retro-Vibe ohne allzu sehr von dem wegzugehen, was die Monkeys in der jüngeren Vergangenheit schufen. Das ist alles, nur kein Britpop. Von mir aus auch nicht indie. Nennt es doch, wie ihr wollt. Schlucken und dann sehen. Doch als eine der wenigen Ausnahmen ihres Jahrgangs bleiben die Monkeys auch 2011 noch überraschend, irgendwie unvorhersehbar und musikalisch hochwertig. Ist der Ruf erst ruiniert...

"Suck It And See" bei Soundcloud anhören
marcel (Gast) - 6. Jun, 10:06

genau das was ich auch denke zu digitalism, norman... gut formuliert..!

gruß,
lego

rhododendron - 6. Jun, 18:01

Das freut mich, Legomann! :-)

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ZoneZero (Gast) - 6. Jul, 18:04
Kurz und Bündig - 07/2011
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rhododendron - 1. Jul, 15:55

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