Freitag, 1. Juli 2011

Kurz und Bündig - 07/2011

Once more with feeling... ein verliebter Traumtänzer, ein Hamburger House-Produzent, the upcoming star of Chillpop, vergessene Indie-Restbestände und die Hohepriester der derben deutschen Rapmusik. Ein bunter Mix an Alben in diesem Monat. Frauen nicht erwünscht!
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Patrick Wolf - Lupercalia

Irgendwann findet jeder Topf seinen Deckel. Und damit auch den Frieden. In der Regel. Zumindest im Fall vom britischen Pop-Elferich Patrick Wolf scheint dies zu stimmen. Der heiratete vor einer Weile den Mann seiner Träume und will so gar nicht mehr mit der Welt hadern, sondern sich einfach nur freuen. Das merkt man dem neuen Album "Lupercalia" bei jedem Ton an. Nicht nur im bildlichen Sinne hängt der Himmel bei Wolf voller Geigen. "Lupercalia" ist die musikalisch gewordene Hochzeitstorte, voller großer und schmachtvoller Hymnen. Die meisten ("Time Of My Life", "House") kennt man schon als Singles, doch der Rest fügt sich da nahtlos ein. Große Momente und noch größere Gefühle, eingebettet in ein astrein produziertes Pop-Gewand und vorgetragen von einem Sänger, dessen stimmliche Qualitäten das Album zu jedem Moment tragen. Nix mehr mit düster, verdrehten Queer-Pop. Und das Fideln überlässt Wolf diesmal eh dem Streichquartett. Am Ende vielleicht einfach mal etwas zu viel von allem und stellenweise zu überladen. Aber so ist das halt mit der Hochzeitstorte. Da darf es gern mal etwas mehr sein angesichts des freudigen Moments.

"Lupercalia"-Stream auf der Homepage des Guardian

Tensnake - Live + Mix

Seit einiger Zeit geistert der Name "Tensnake" durch die Clubs, selbst wenn er noch nicht groß genug scheint. Doch immer mehr Menschen, zu denen ich mich auch zähle, interessieren sich für die Produktionen des Hamburger Masterminds Marco Niemerski. Das liegt zum einen an der beständigen Qualität seiner eigen und Remix-Arbeiten. Zum anderen - und as hat ja damit durchaus zu tun - mit der spielenden Einfachheit mit welcher Niemerski House und Disco mischt. Die Tracks sind stets unglaublich deep, aber gleichzeitig recht poppig und funky. Wie das Beste aus den 80ern und 90ern gemischt. Kein Wunder, dass sich Tensnake mitlerweile in einem Atemzug mit der neuen Disco-Welle um Acts wie Hercues And Love Affair oder Azari & III nennen lässt. Letzteren hatte er bspw. einen sehr feisten Früh-90er-Dance-Mix verpasst. Inklusive verdammten Snap!-Sample! Als Kind der 90er horche ich da natürlich auf. Und noch mehr, wenn es jetzt eine kostenlose Mix-Platte zum Download auf seiner Homepage gibt. Darauf befinden sich diverse Eigenproduktionen und Remixe, tanzflächentauglich zusammengemixt. Gegen die Angabe einer Mailadresse lässt sich das eigene Wohnzimmer also in den Club verwandeln. Kann man schwer ablehnen

Gratis Download auf Tensnake Homepage

Chad Valley - Equatorial Ultravox EP

Streng genommen ist "Equatorial Ultravox" von Chad Valley ja gar kein Album, sondern ne EP. Dabei hätte er die restlichen 4 Plätze auch durchaus mit den Songs seiner letztjährigen Debüt-EP füllen können. Hätte alles gepasst. Egal. Chad Valley heißt eigentlich Hugo Manuel, kommt aus Oxford und strebt nun nach diversen Remixen und Demos eine ernsthafte Karriere als Popstar an. Oder sowas ähnliches. Trotz hoher Melodieverliebtheit lässt Manuel das Experimentelle nämlich nicht außen vor. Seit jeher bewegen sich seine Produktionen zwischen leichter Popmusik und sphärischen Klangwelten. Das kann man durchaus dem neumodischen Genre des Chillwave zuordnen. Also schön viel Reverb, Hall und gediegenes Hängematten-Herumlunger-Tempo. So gesehen könnte Chad Valley also zum ersten Chillpopstar der Musikwelt werden. Hits sind auf jeden Fall vorhanden und alle sieben Tracks der EP gefallen durch ihre entspannte, träumerische Grundstimmung, bei der man sich am liebsten einfach nur an den Strand oder gleich direkt ins Meer legen möchte. Warum auch nicht, ist ja Sommer. Die Aufmerksamkeit um Valley nimmt sichtlich zu und evtl. scheint hier wirklich jemand zur richtigen Zeit am richtigen Mode-Ort zu sein. Ich drücke die Daumen!

In einige Tracks bei Soundcloud hören

Kaiser Chiefs - The Future Is Medieval

Manchmal ist es beeindruckend, wie sich die Relationen von Zeit manchmal verschieben. Ist es wirklich erst fünf Jahre her, dass wir alle zur neuen Indie-Britpop-Welle um Maximo Park oder den Kaiser Chiefs abtanzten und das Gefühl hatten, etwas halbwegs epochalen beizuwohnen? Kommt einem vor, als wäre das Äonen her. Auch weil die Sub- mittlerweile zur Jugend- bzw. Popkultur mutiert ist, sich selber aufgefressen hat und man sich fragt, warum es soweit kommen musste. Die Kaiser Chiefs sind da so ein Beispiel. Nach Zwangspause durch Überpräsenz nun schon fast ein kleines Comeback mit einem Album, was man sich erst selber zusammenstellen und nun inkonsequenterweise doch im Laden kaufen kann. Radiohead für Ideenlose. Und musikalisch? Da gibt man sich schroffer, versucht nicht mehr auf Krampf die nächste große Bierzelt-Mitgröhl-Hymne zu produzieren. Andererseits... ist es nicht das, was die Kaiser Chiefs immer ausmachte? Worin sie am besten waren? Was eigentlich ihre Existenz auf dem Markt rechtfertigte? Was bleibt, wenn das wegfällt? Halbgare Songs nach dem ewig gleichen Schema? Lauter 70s Rock vielleicht. Ich hab keine Ahnung. Bei jedem Hörversuch merke ich einfach nur, dass mich das nicht mehr anspricht. Muss nicht primär an der Musik liegen. Einige Kritiker haben's ja ganz gut aufgenommen. Ich will irgendwie nicht mehr, behalte die Mannen um Ricky Wilson aber in guter Erinnerung. Auf das sie weiterhin Spaß an dem haben, was auch immer sie da versuchen, zu machen.

Ausschnitte der Songs anhören

K.I.Z. - Urlaub fürs Gehirn

Die Einbeziehung dieser Band auf Nobono ist sicher das Kontroverseste seid meiner Albumbesprechung von Lady Gaga oder Take That. Warum eigentlich? K.I.Z., die Fleischfresser unter den deutschen Populärmusikern haben doch schon vor Jahren den Feuilleton erobert. Von Spex bis Süddeutsche ist man sich einige, dass der Brachial-Rap der Berliner einfach zur zum Todlachen ist. Und das stimmt sogar. Der Titel führt da sogar ein wenig in die Irre. Natürlich ist "Urlaub fürs Gehirn" über weite strecken struntzdumm, unterschreitet die Gürtellinie und schlägt wild um sich, aber das ist ja nur Fassade. Die wollen nur spielen. Und deine Mutter wollen sich auch nicht wirklich ficken. Als Humorbotschafter des Landes hat man die Ärzte eh vor 'ner Weile abgelöst. Während die in Altersteilzeit gegangen sind, wird bei K.I.Z. auf alles und jeden Verbal gespuckt. Oder uriniert. Masturbiert sowieso. Wortschatz und -witz sind vorhanden, manchmal auch überraschend unterschwellig. Man muss nur am Offensichtlichen vorbeischauen und den Fäkalhumor akzeptieren. Klar, manchmal übertreiben es die Burschen auch, aber gerade wenn in Songs wie "Raus aus dem Amt" oder "Durch die Scheibeboxer" der präkariate Arbeitsablehner das Mikrofon übernimmt, bleibt kein Auge trocken. Man könnte stundenlang darüber diskutieren. Ob das jetzt intelligent oder asssozial ist. Ob die Jugend dadurch verroht wird? Ob K.I.Z. ideologisch näher an den Atzen oder Tocotronic liegen... Ziel erreicht. Die Republik redet über die Jungs, die kugeln sich obgleich dieser Tatsache vermutlich zu Tode. Und texten schon den nächsten Song darüber. Doch, doch, dass hier hat echt was. Und das von jemand, der mit deutschsprachiger Musik im Allgemeinen und Deutschrap im Speziellen eigentlich sonst wenig anfangen kann.

Das komplette Album lässt sich problemlos bei YouTube anhören. Einfach mal in Eigenregie suchen ;-)

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