Dienstag, 21. Juni 2011

Gesetz des Wachstums

Müssen alle mit. Viel Regen, noch mehr Menschen und ein vielfältiges musikalisches Sortiment. Ein Erlebnisbericht vom erstmaligen Besuch des Hurricane Festivals in Scheeßel. Inklusive all der nervigen Begleiterscheinungen, die wohl nie wirklich verschwinden werden.

PS: Alle Fotos stammen von der Homepage des
Rolling Stone Magazins. Da gibt's auch noch mehr. Bitte vorbeischauen.

Ein Hoch auf die eigene Inkonsequenz. Eigentlich hatte ich mir ja mal vor einiger Zeit so halb geschworen, nie wieder große Massenfestivals mit Zuschauerzahlen im hinteren, fünfstelligen Bereich aufzusuchen. Irgendwann ist das Tohuwabohu neben der Musik, wegen welcher ich stets primär ein Festival besuchen wollte, zu viel des Guten. Idiotie, gute Laune und Hochprozentiges in aller Ehre, aber das Rockfestival an sich schien in den letzten Jahren immer stärker zum eskapistischen Ventil einer verrohten Masse zu verkommen. Ein Hort der Gesetzlosigkeit, wo man den im Alltag angestauten Frust endlich mal loswerden konnte, komme was wolle. Eigentum ist relativ, deshalb wurde mitgenommen, was irgendwo herumlag bzw. auch gern mal in den Zelten. Pinkeln und Kacken kann man sowieso überall und die Musik des Festivals verkommt zur Nebensache, maximal zum Soundtrack des eigenen Triebes. Die Grenzen kann und sollte ein Festivalbesucher vielleicht im Auge behalten, aber zuletzt schien es so, als ob sie bewusst überschritten würden. Das ein Massenfestival aber im gewissen Maße auch stets eine Massenabfertigung ist, dürfte außer Frage stehen. Die Einstellungen variieren dementsprechend auch. Für viele, gerade ältere Semester, ist es einfach ein stinknormaler Camping-Ausflug, wo man halt mal etwas mehr trinkt und sich Abends mal 1,2 Bands anschaut. Für diverse Atzen und Dorfdeppen ein weiterer Anlass um Stunk zu machen, für Menschen, die gerade dem Teenager-Alter entwachsen sind dann vielleicht ein Ventil für Freiheit. Man weiß es nicht. Und wo steck ich, welcher alterstechnisch der 30 näher ist, als der 20, da eigentlich drin?

Warum sich nun also ein weiteres Mal in dieses Getümmel stürzen, wenn es einen doch so nervt? Zum Einen, weil sich eine gewisse Entspanntheit mit dem Alter bei mir breit macht. Man hat schon zu viel Festivals gesehen und weiß eben, wie die Leute ticken und worauf man sich einlässt. Zu Anderen, weil man sich hat irgendwie breitschlagen lassen und das Line-Up ja auch diverse hervorragende Momente erahnen ließ und zum Dritten, weil vermutlich extra für Menschen, wie mich, das Green Camping eingeführt wurde, was sich als goldrichtig erwies. Im Prinzip nicht großartig anders, appelliert der neu errichtete Camping-Platz mit Zulassungsbeschränkung aber ans eigene Gewissen. Es gab wesentlich mehr Platz, wesentlich mehr Grün und wesentlich weniger, bis kaum vorhandene Krawalltouristen. Müll und Lautstärke hielten sich auch in Grenzen und das einzige, was mein Zelt attackierte waren ein paar vereinzelte Feldmäuse, die an unseren Äpfeln nagten. Es sei ihnen verziehen. In diesem entspannten Umfeld konnte es sich leben lassen. Und da erträgt man auch die ganzen Unannehmlichkeiten. Die teils wieder haarsträubende Organisation zum Beispiel. Über zwei Stunden stehen, um an Bändchen zu kommen? Ein überfülltes Festivalgelände (vier Bühnen, Disco-Atzen-Zelt, gefühlte 800 Stände, zu viel Menschen)? Amateurhafte Bühnenorganisation (fragen sie mal die Sum41-Fans)? Nimmt man alles in Kauf, wenngleich man sich fragt, warum Deutschlands zweitgrößtes Festival es nach jahrelanger Routine nicht gebacken bekommt, den Ansturm zu verarbeiten. Kommerz statt Kundenfreundlichkeit. Stimmt, auch so ein Argument gegen diese Festivals. Aber es gibt ja noch das alles entscheidende Pro-Argument: die Musik.

Elbow
Und die Musik war dieses Jahr wieder gut ausgesucht, viele interessante Acts für mich, oft auch abseits der großen Headliner. Dafür kennt und schätzt man das Hurricane. In Sachen Booking haben die Damen und Herrschaften immer noch ein feines Händchen. Also nahm ich mir vor so viel zu sehen, wie möglich. Hab ich je bezahlt. Das arktische Wetter mit starken Böen und häufigen Regen war zwar teils etwas hinderlich, aber am Ende ja auch keine Ausrede. Also, Freitag am frühen Abend aufs Gelände. Vorbei an den ewig gleich jaulenden Portugal. The Man (zu denen ich zeitlebens keinen Zugang mehr finden werde) hinein in die Red Stage zu Kvelertak! Ja, Metal aus Norwegen. Was für ein gelungener Einstieg. Wenn schon dann richtig. Eigentlich nicht meine Musik, aber in dem Moment sehr passend. Sänger Erlend Hjelvik hatte das T-Shirt schon hinter sich gelassen und sah aus, als ob er bereit wäre, direkt in den Wäldern seiner Heimat auf Trolljagd zu gehen. Fein. Und wie es der Zufall wollte, spielten anschließend die Landsleute von Kaizers Orchestra auf der Bühne neben an. Und die stammen sogar aus dem gleichen Nest, wie ihre Metal-Kollegen, nämlich Starvanger. Die Musik ist aber ganz anders, seit Jahren allerdings beliebt und als guter Live-Tipp verschrien. Deshalb musste ich die Gelegenheit 2011 mal beim Schopfe packen und mir deren Experimental-Blech-Folk-Mix anschauen. Nicht schlecht. Riesige Showtalente in jedem Fall. Das sind Glasvegas im Anschluss eher nicht. Deren Show-Element beschränkt sich auf eine riesige Leuchtschrift im Hintergrund und Sänger James Allan, der von Jahr zu Jahr bizarrer auszusehen scheint. In diesem Fall irgendwo zwischen Elvis und "Dave Gahan anno 1990" angesiedelt. Aber Leiden tut er immer noch, wenngleich die Musik halt live bei weitem nicht so episch rüberkommt, wie auf Platte. Egal, Time ist auf so 'nem Festival, auch angesichts der Überschneidungen eh immer Money, also ging's nach drei Songs rüber auf die Mainstage, wo eines meiner persönlichen Highlights auf mich warten sollte: Elbow haben sich angekündigt. Seit Jahren eine meiner Lieblingsbands und genauso häufig live verpasst. Fünf Jahre sind seit meiner letzten Begegnung vergangen. Seitdem gab es mit "Seldom Seen Kid" und jüngst "Build A Rocket, Boys!" zwei geniale Alben und mittlerweile immerhin einen großzügigeren Slot. Natürlich spielten die Herren aus Manchester nur Songs aus diesen beiden Platten und natürlich sind wir hier nicht af dem Glastonbury, wo tausende Briten diese Songs euphorisch mitgesungen hätten, aber die Band um dem charismatischen Teddybären Guy Garvey tut ihr Bestes, schmettern beseelt und begleitet vom Streichquartett große Hymnen wie "Lippy Kids" oder "One Day Like This" heraus und ernten ehrlichen Applaus. Gott, es war aber auch schön. Vermutlich konnte man den Bekanntheitsgrad damit wieder ein wenig steigern. Ehrliche Arbeiter, die Lads. Freue mich schon auf ein Konzert im intimeren Rahmen im Herbst. Nach einer kurzen Distanz-Betrachtung des Kommerz-Dubsteps von Chase & Status auf der White Stage verhaarte ich weiterhin vor der Hauptbühne, sah mir erstmals Portishead an, was allerdings nicht wirklich super für meine Müdigkeit war. In diesem Moment war der Sound der alten Trip-Hop-Heroen einfach ein wenig zu einschläfernd. Wäre eher was für den Abendausklang gewesen. Lag aber vielleicht auch am Wetter, bei dem Nicht-Bewegen eher schädlich war. Das musste sich dann mit Arcade Fire im Anschluss ändern. Im Vorfeld des Hurricane wurde viel darüber diskutiert, ob die Wahl der Kanadier als Headliner clever war. Ist Deutschland schon soweit? Trotz Grammy- und Feuillton-Hype genießt die Band um Win Buttler hierzulande halt noch nicht den stellenwert, wie bspw. in Großbritannien. Germany hinkt wieder etwas hinterher. Das merkte man an dem Abend auch etwas. Sicher, die Könige des Indie-Stadionrocks bleiben eine Live-Institution, fahren mittlerweile auch eine ziemlich protzige Bühnenshow auf, aber so richtig euphorisiert wirken Publikum und Band nicht. Kann aber auch Einbildung sein. Schön, sie allerdings noch mal im Zuge ihres aktuellen Albums "The Suburbs", was allerdings wenig berücksichtigt wurde, zu sehen.
Arcade-Fire
Der anschließende Tagesabschluss mit den legendären Chemical Brothers konnte sich auch sehen lassen. Die beiden Dance-Pioniere packten mehr als einmal die Beat- und Basskeule aus und regten meinen schon müde geglaubten Körper noch einmal zum ordentlichen mitraven an. Die Licht und Bühnenshow kann sich auch mehr als sehen lassen. Und ich glaube, ich habe in weiter Ferner irgendwo hinter all dem optischen Overkill auch die Herren Rowlands und Simons entdeckt. Könnten aber auch Roadies gewesen sein. Egal. Danach ging eh nix mehr. Feierabend.

Der Samstag ließ es dann in Sachen "Bands, die mich interessieren" etwas ruhiger angehen. Man könnte auch von Ereignisarmut sprechen. Los ging's um 4 mit den kurzweiligen British Sea Power, deren neues Album "Valhalla Dancehall" zwar nicht so toll, wie das letzte ist, aber als schmissiger Festivaltageseinstiegs-Soundtrack trotzdem funktioniert. Man schunkelt, klatscht und tanzt sich quasi schon mal warm. In meinem Fall für die Friendly Fires, welche einer meiner Hauptanzugspunkte dieses Wochenendes darstellten. Als großer Fan beider Platten, hoffte ich, die Band aus St. Albarns ist am Ende live besser, als das was ich über ihre Auftritte vorher gehört habe. Und das war sie auch. Bereits als der ulkige Saxophonist mit todsicherer "Verrückter-Professor"-Frisur auf die die Bühne kam und Sänger Ed MacFarlane uns erst sein Overkill-Hawaii-Hemd und anschließend seine Overkill-Dance-Moves präsentierte, war klar, dass hier getanzt werden musste. Das tat ich dann auch bei reichlich Platz und Endorphinausschuss eine Stunde lang intensivst. Die Songs sind nach wie vor Hits, selbst wenn das neue Album "Pala" vielleicht etwas zu sehr auf den Ibiza-House-Floor schielt.
friendfires
Aber in Sachen Rythmussektion macht denen keiner was vor und MacFarlane ist halt eine ziemliche Entertainment-Maschine, trotz oder gerade wegen seiner Verrenkungen, die stets etwas übertrieben wirkten. Aber so ist halt die Band und auch oft ihre Musik. Geht also prinzipiell klar. Fein war's. Nach einer dezenten Pause meinerseits gab's dann später noch die souveränen Gipsy-Punks von Gogol Bordello, denen allerdings ein wenig die Sonne fehlte, um bei mir die gleiche Euphorie wie vor ein paar Jahren auf dem Highfield zu erzeugen. Anschließend Two Door Cinema Club, bei denen ich immer wieder überrascht bin, welch großen Stellenwert die Iren in der Altersgruppe 14 bis 24 genießen. Sicher, das Debüt "Tourist History" hat extrem eingängige Hits zu bieten, aber im Prinzip ist das ja der x-te Aufguss von anderen Indie-Bands. Das ewig gleiche Muster, dazu noch extrem auf Hochglanz und Radiokompatibilität produziert. Gut, letzteres dürfte den Erfolg etwas erklären. Na ja, vielleicht nicht mehr meine Generation. Mehr als drei Songs konnte ich mir dann auch nicht geben, weil das irgendwie live so schrecklich belanglos wirkte, dass ich mir lieber was zu essen holen ging. Oder My Chemical Romance anschauen. Die haben wenigstens den attraktiveren Frontmann und ein bisschen Feuer unterm Emo-Glamrock-Hintern. Sonderlich berauschend aber auch nicht. Es fehlten die Highlights. Nächster Versuch: Kasabian. Nach der Auflösung von Oasis endlich Alleinherrscher des Stadion-Britpops und mittlerweile auch mit ordentlicher Fanscharr in Germany. Zu den Hits wird gut mitgemacht, ein Großteil lässt sich, ganz festivaltauglich, auch mit alkoholisierten Zustand ohne Textwissen mitgröhlen. Geht in Ordnung. Beim anschließend letzten Act des Abends entschied ich mich, ganz Popper wie ich im Herzen immer schon war, gegen Incubus und die Kaiser Chiefs. Beide schon gesehen, aber mittlerweile nicht mehr von musikalischem Interesse für mich. Stattdessen fiel die Wahl auf die White Stage und Andre Butler's New Yorker Disco-Projekt Hercules And Love Affair. Auf Platte trotz vereinzelter Hits, aus meiner Sicht stets überbewertetes Blabla, entpuppte sich die Kapelle live dann allerdings als Überraschung des Wochenendes. Knackige, teils sehr deepe, manchmal auch minimalistische, aber stets druckvolle House-Beats, die bewusst so klingen wollen, als wären sie 1990 entstanden paaren sich mit schwarzen Soulstimmen und erzeugen eine homoerotisch-groovende Disco-Grundstimmung, der ich mich an diesem Abend gar nicht entziehen konnte. Bulter hat ein Geschick für die richtigen Leute an den Mikrophonen, hält sich selber auch gern im Hintergrund, wenngleich er auch ab und an mal Ansagen macht und den Motivator spielt. Hoffentlich hat er das gewünschte Boy-Toy an diesem Abend noch gefunden. Großartige Stimmung, tighter Sound. Auch das kann das Hurricane sein.

Der Sonntag bescherte dann jede Menge Regen, dem es galt mit jede Menge Klamottenschichten und improvisierten Planen/Tape/Müllbeutel-Kreationen zu trotzdem. So eingepackt konnte man es zwar vergessen, rechtzeitig zu William Fitzsimmons ins Zelt zu kommen, aber na ja... was will man auch erwarten. Wie ein solch gehypter Act einfach nicht auf eine größere Bühne gelassen wurde, verstehe wer will. Das ganze Zeltkonzept sollte entweder verworfen oder stark überarbeitet werden. Ein bis zwei Stunden anstehen, um den gewünschten Act zu sehen, sollte auch nicht Sinn der Sache sein. Also begannen die Band Of Horses den finalen Konzerttag. Die haben zwar noch nicht so lange Bärte, wie Kollege Fitzsimmons, aber ebenfalls schmucken Indie-Rock alter Schule zu bieten, bei dem man sich schon mal angesichts der arktischen Temperaturen warm schunkeln konnte. Danach herrschte erstmal Unwissenheit, wohin denn die Reise geht. Der tief-irische Folk-Punk von Flogging Molly ist zwar nicht ganz meins, passte aber irgendwie zum rauen Wetter. Anschließend kamen die unkaputtbaren Hives. Der seit Jahren immer gleiche Poser-Rock-Witz in variierenden Frisuren und Kostümen. Immerhin hörte der Regen auf. Und das lag nur an den Hives. Davon war, wie immer, Howlin' Pelle Almquist überzeugt. Gott liebt die Hives. Geht nicht anders. War schon immer so, wird immer so bleiben. Na ja, kann man sich mal anschauen, die Zwischenreden bleiben witzig. Im Zelt legt zwischenzeitlich A-Trak auf. Kommerz House. Geht so, aber ist eindeutig noch ein wenig zu früh für "Barbara Streisand" und Co. Also wieder Hives. Pardon... The Hiiiiiiiiiiiiiiiives natürlich. Da mich die Wombats gar nicht interessierten, man zu den Kills sicher eh nicht ins Zelt kam und ich schon beim Gedanken an die Subways Krämpfe bekomme, wurde fleißig auf die Arctic Monkeys gewartet.
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Wie würden sie mit dem neuen Album "Suck It And See" auftreten? Vor zwei Jahren spielten sie auf dem "Highfield" fast nur Songs der damals neuen "Humbug"-Platte. Konsequent, aber massenfeindlich. Diesmal ging man den anderen Weg, feuerte zu Beginn des Sets gleich die Gassenhauer "The View From The Afternoon" und "Brianstorm" heraus und bot ansonsten viel Abwechslung. Die Gassenhauer kommen immer noch gut an und die neuen Songs werden immerhin zur Kenntnis genommen. Und passend zum surf-poppigen L.A-Sound des Albums bricht auch die Sonne erst- und einmalig an diesem Tag aus den Wolken hervor. Es scheint, als würde Gott die Monkeys den Hives dann doch vorziehen. "When The Sun Goes Down" verabschiedet die Lichtquelle dann schon wieder und zu "505" darf dann sogar Alex Turner's Last Shadow Puppets Kollege Miles Kane auf die Bühne, dessen Slot früher am Tag dem Regen zum Opfer gefallen war. Fein. Beim Festivalabschluss hatten dann bei mir Clueso, die Klaxons und Dave Grohl das Nachsehen und der dänische Klangwelten-Künstler Anders Trentemøller die Nase vorn. Zum Glück. Denn was war das für ein grandioser Abschluss auf der White Stage. Live hat Trentemøller deutlich an der Verbesserung der Umsetzung gearbeitet und präsentiert nun Tracks der beiden Alben "The Last Resort" und "Into The Great Wide Yonder" mit kompletter Band, Schlagzeug, jede Menge Gitarren, Gastsängerinnen und einer sehr passenden Lichtshow. Der Meister selber hüpft an den Keyboards herum und leitet die Zeremonie, die wie ein düster verhaltener Nachttraum beginn und sich dann in Sachen Tanzbarkeit und Party ordentlich steigert. Angesichts der Tatsache, dass sich Trentemøllers Sounds zuletzt immer stärker von der Tanzfläche entfernten und eher karge Nebelwälder und nachtaktive Lebensräume aufsuchten, wirkt gerade das überraschend. Denn live gewinnen viele der introvertierten Songs noch mal ordentlich an Fahrt. Dennoch drosselt und variiert die Band das Tempo immer wieder und sorgt so für einen dramaturgischen Spannungsaufbau, der sich gewaschen hat. Am Ende herrscht richtig euphorische Stimmung und einen besseren Festivalabschluss kann man sich kaum wünschen. Mit abwechslungsreichen, experimentellen und interessanten Sounds scheint Trentemøller in einer ganz anderen Welt zu agieren, als bspw. Dave Grohl mit seinen Foo Fighters draußen auf der Hauptbühne. Trotz seiner Sympathiewerte und Biographie wirkt Grohls gestriger Mainstream-Rock dann doch noch blasser und belangloser als erwartet. Zumal die Band auch in ihrer Routine etwas unmotiviert daherkommt. Am Ende fordert Grohl das Publikum auf, dann doch mal langsam nach hause zu gehen. Zugaben gibt's auch nicht. Aber anschließend gleich die Ankündigung auf der Leinwand, das man ab morgen schon Tickets fürs nächste Jahr kaufen kann. Die Ärzte und Blink 182 hat man sich auch gesichert. Kommt also alle vorbei. Muss ja weitergehen.
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Und das wird es auch. Vielleicht wird man einige Fehler korrigieren, vermutlich aber nicht. Das Gesetz des Wachstums bleibt bestehen und so wird auch das Hurricane 2012 so werden, wie 2011. Irgendwie zu viel von allem. Aber am Ende, und diese Erkenntnis, war und ist einfach immer so, muss jeder selber entscheiden, wie er ein Musikfestival für sich definiert. Alles gehört am Ende dazu. Der Wahnsinn, die Prolls, die Abkehr von der Zivilisation, Frust und Lust und die vielen unterschiedlichen Bands und Künstler, von dem jeden am Ende selbst überlassen wird, wie viel er sich in welchem Maße anschaut. Die eigene Toleranzgrenze sollte man an so einem Wochenende eh nicht allzu hoch ansetzen. Da ich dieses Jahr nicht so viel Konzerte besuchen konnte, wie ich wollte, habe ich mich gefreut, bestimmte Bands noch mal abzudecken. Enttäuscht wurde ich in keinem Fall, unbedingt wiederkommen muss ich aber auch nicht. Der Schwur, keine Massenfestivals mehr zu besuchen wird reaktiviert, allerdings gibt's da sicher noch eine Ausstiegsklausel. Nächstes Jahr dann doch mal lieber im Ausland versuchen. Oder endlich mal rechtzeitig Tickets fürs Haldern Pop besorgen. Irgendwas in der Richtung. Aber ich möchte am Ende auch nicht, wie ein pseudo-elitärer Klugscheißer wirken, der nicht wusste, worauf er sich einlässt. In diesem Sinne... Je ne regrette rien.

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