Taschendiebstahl

Electropop ist eine feine Sache. Einfach, verständlich, tanzbar, was zum Frauengefallen. Worum es geht ist nicht der fortschrittlichste Beat oder das ausgefallenste Arrangement. Es geht ausschließlich um den Song. Ist der gut, ist die Musik gut. Ist der Song eher mau, ist die Musik auch schlecht. Die Australier Bag Raiders haben auf ihrem ersten, selbstbetitelten Album eine hübsche Auswahl an guten Songs aneinander gereiht und damit auch ein hübsches Electropop-Album aus ihren Köpfen gehämmert.
Vielmehr lässt sich dazu fast gar nicht beschreiben. Zwei Typen, schöne Stimmen, schöne Beats, viel Synthie oft etwas Percussion. Und vor allem:
Songs zum Niederknien!
Die besten Songs sind, wie sich das gehört, bereits als Singles ausgekoppelt worden und sind einfach unfassbar gut. Shooting Stars lässt einem fast ausflippen mit dem Synth der sich immer weiter nach oben schraubt und gerade wo man denkt, es geht nicht mehr weiter, haben die Bag Raiders immer noch eine Steigerung parat. Nebenbei wird noch ein hervorragendes Stück Lied gesungen, dass aber durch diesen vor sich hin fiepselnden Sound eine sehr krasse Intensität erhält.
Das Stück Sunlight hat seinen Titel völlig zurecht bekommen. Dem scheint die Sonne ehrlich aus dem Arsch. Gute Laune garantiert. Und auch dieses Lied ist unglaublich voll, sehr spannend, mit einer infizierenden Melodie versehen. Etwas für das Sommermixtape halt.
Schließlich der absolute Übersong Way Back Home, der beim ersten Mal Hören vielleicht noch nicht die Löcher aus dem Käse fliegen lässt, aber spätestens das nächste Mal ist man in die Trance-Hölle hinabgestiegen, die die Bag Raiders mittels Flächen und Acid-Knattern öffnen, während die einfachen und einfach großartigen Melodien von Strophe und Refrain einen immer mehr verzaubern. Ein großer Abschluss eines großen Albums.
Jetzt könnte man natürlich annehmen, das auch dies ein typisches Popalbum ist, wie man es von anderen Format-Ikonen kennt: 3 Killers, Rest=Filler. Das stimmt natürlich nur bedingt. Klar sind die anderen Sachen nicht so genial wie die drei genannten Killer, aber weit mehr als Filler. Der Einstieg Castles In The Air funkt sich so derbe einen Wolf und bleibt auch ohne Gesang catchy, Not Over nimmt da auch keinen Gefangenen und lädt zum Mitsingen ein. Snake Charmer klingt zwar reichlich seltsam, ist aber dennoch ohrwurmend.
Wie das ganze Album eben. Unbedingt entdecken!