Samstag, 9. April 2011

Funk sei Dank

Als ob das Studio 54 nie dicht gemacht hätte. Holy Ghost! sind das neue große und gute Ding auf dem New Yorker DFA-Label. Deren Debüt erscheint zwar erst nächste Woche, kann aber bereits jetzt gratis gestreamt werden. Hört rein, es lohnt sich.

51fV31-cdaL-_SL500_AA300_Es war irgendwann zu Beginn der 80er-Jahre, da gab es in den USA eine kurzlebige, aber intensive „Disco Sucks“-Bewegung, entsprechende Buttons inklusive. Amerika (und anschließend auch die Welt) hatte die Schnauze voll von 70er-Jahre-Disco-Musik. Platten wurden zusammengetragen und verbrannt, musikalisch widmete man sich dann eher schlimmen 80er-Rock oder dem guten alten Synthie-Pop. Smoothe Discobeats hatten ausgedient, so ist halt das zirkulare Wesen der Popkultur. Sobald etwas lang genug und omnipräsent vorhanden ist und der Konsument gesättigt ist, dreht sich das Genre-Rad weiter. Der Indie-Rockwelle der mittleren 00er-Jahre ging es ja zuletzt ähnlich. Auf einmal muss jede Band 80er und 90er-Synthies benutzen und der Pop wird wieder ganz groß geschrieben. Und auch im Kontext dieser verstärkten Hinwendung zum Pop ist die Welt mal wieder reif für Disco. Eine eindeutige Welle ist erkennbar, das haben Acts, wie Hercules And Love Affair, Aeroplane oder viele der jüngsten Releases auf dem alt eingesessenen New Yorker DFA Label gezeigt. Und wo wir gerade dabei sind… auch Holy Ghost! bewegen sich im Dunstkreis von James Murphy’s Label, haben in der Vergangenheit schon einige sehr schwungvolle Remixe für Phoenix, Datarock, MGMT oder Moby abgeliefert und hauen jetzt endlich nach der feinen „Static On The Wire“-EP aus dem Vorjahr ihr Debütalbum auf den Markt.

Holy Ghost!, das sind Nick Millhiser und Alex Frankel. Angefangen als Wohnzimmerprojekt, haben die beiden in den letzten Jahren ihren Sound kontinuierlich verfeinert, ihm mehr Nuancen verpasst und sind mittlerweile sogar als richtige Live-Band unterwegs. Im Jahr 2011 klingen die beiden deshalb wie eine perfekte Symbiose aus analgogen und elektronischen Elementen und wissen mit den zehn Tracks des Debüts zu überzeugen. Die einzelnen Bestandteile der Musik sind dabei natürlich all jene, die man dem guten alten Disoc-Genre zuschreiben kann. Beats, Claps, Shaker, funky Bassläufe, sowohl vom analogen Bass, als auch direkt vom Synthie, diverse Piano-Spielereien und Gesang, der auch gern mal mehrstimmig bzw. hoch angestimmt werden kann. Egal, ob langsameres Tempo, wie in den bereits bekannten Tracks „Say My Name“ oder „Static On The Wire“, Midtempo, wie bei der Single „Do It Again“ oder richtige Brecher, wie „Wait And See“ oder „Jam For Jerry“… stets haben Holy Ghost! den Groove für sich gepachtet, bestechen die Tracks durch einen unglaublich poppigen, funkigen Drive. Dabei geben sich Millhiser und Frankel natürlich gar nicht erst Mühe, von ihren Vorbildern aus der Hochphase des synthetischen Disco-Funk abzuweichen: die Beiden wollen den Sound dieser Zeit bewusst kopieren und im gewissen Sinne auch dadurch konservieren. Modern wirkt dann halt nur die glasklare Produktionsweise der Scheibe. Ansonsten wären Bobby Orlando oder Giorgio Moroder stolz auf ihre musikalischen Enkel. Natürlich ist diese Musik unglaublich glatt, popig und zu keinem Zeitpunkt auf Krawall gebürstet. Allerdings wirkt sie auch stets authentisch und nie gekünstelt, eben weil Holy Ghost! ihr Handwerk bestens beherrschen. Hier herrscht nicht der Punk, sondern der pure Funk! Und wenn man, wie ich, einen gewissen Zugang zu dieser musikalischen Stilrichtung hat und ansteckenden Discobeats abseits von House und Techno nicht abgeneigt ist, dann sollte man um diese Platte definitiv keinen Bogen machen. So schön groovte schon lange kein Debüt mehr vor sich hin. Verkehrt ist an dieser Musik ja sowieso nix… also, natürlich nur bis das nächste Rock-Revival um die Ecke kommt.

Download - "Wait And See" [mp3]

nobono

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