Rainbow Party - (6) Prosperousness
Ach, wie sehr habe ich mich darauf gefreut. Heute endlich kann ich meinen Beitrag leisten zum Thema peinliche Lieblingslieder. Sprich Songs, die sehr gut sind, nur leider von Interpreten vorgetragen werden, die eher nicht dadurch auffallen. Jeder hat sie und so halt auch ich. Viel Freude beim Wiederentdecken!
25.) Die Ärzte - Junge, 2007
Gut ... wirklich peinlich ist es nicht Die Ärzte toll zu finden. Schließlich haben sie sich beharrlich und mit sehr viel Eigensinn einen unabhängigen und dennoch erfolgreichen Status erspielt. Und dass sie musikalisch wirklich was drauf haben, ist auch kein Geheimnis. Was soll's: Der Titel war auf Platz 1 und wurde in dem Sommer vor 2 Jahren zu Tode gespielt. Nur halt nicht bei mir.
Auch jetzt höre ich es noch sehr gerne. Kompositorisch kann man einfach nur neidisch sein auf dieses kraftvolle und dennoch - durch die Melodie in Moll - melancholische Werk. Und auch die Performance ist kaum steigerbar. Herr Urlaub singt mit so viel Leidenschaft, dass es eine wahre Freude. Der Einsatz in den Refrain entfacht einen wahren Orkan, der droht den Hörer hinfort zu spülen, wenn er sich nicht rechtzeitig festhält. Die Gitarren peitschen, das Schlagzeug hämmert und prompt bricht es auch wieder in der Strophe zusammen. Dazu der wahrscheinlich extrem nachvollziehbare Text über die Diskrepanz zwischen Eltern und Kind. Macht summa summarum einen reifen, kraftvollen und wunderschönen Popsong.
Eigentlich wäre es ja angebracht dazu auch das recht aufwendige Zombievideo zu zeigen. Jedoch finde ich, dass es leider zu sehr von dem fantastischen Lied ablenkt und es leider auch etwas ins Lächerliche zieht, was es nicht verdient hat. Aber so ist das nunmal mit den störrischen Die Ärzte. Alles Schöne muss anscheinend zerstört werden.
24.) Kylie Minogue - Can't Get You Out Of My Head, 2001
Auch das dürfte nicht gerade eine große Überraschung sein. Schließlich wurde ja schon zur Zeit der Veröffentlichung klar, dass wir es hier mit einem unglaublich eingängigen und dennoch langlebigen Titel zu tun haben, der am Ende des Tages einfach nur brilliant komponiert, arrangiert und produziert ist.
Wenngleich Kylie Minogue das Lied ganz hübsch eingesungen hat, dürfte klar sein, dass sie sonst nicht viel damit zu tun hat. Die Anerkennung geht an dieser Stelle an die beiden Schreiberlinge. Das wären zum Einen Rob Davis, der früher mit seiner eigenen Band Mud schon recht erfolgreich war und später vor allem mit dem Song Groovejet (Spiller) wieder in Erscheinung getreten ist. Zum Anderen gehen die Props an die Britin Cathy Dennis, die bereits eine erstaunliche Latte an tollen Songs mitgeschrieben hat, wie beispielsweise Katy Perrys I Kissed A Girl , oder auch Toxic von Britney Spears, die neben ihrer unbestreitbaren Güte auch unwahrscheinlich erfolgreich waren. Wobei dieser hier wohl zu ihrer wichtigsten Arbeit gehören dürfte.
Was ist daran nun so toll? Wer die Original Disko-Version nicht so mag, dem sei an dieser Stelle empfohlen, sich die schon fast postrockige Interpretationen von Coldplay oder die pompös-schmachtende von The Flaming Lips mal zu Gemüte zu führen. Da werden wirklich noch ganz neue Qualitäten dieses Machwerks offenbart. Zum Beispiel wie wunderbar traurig diese Melodie ist (Flaming Lips), oder wie sich der Song immer flächiger aufbaut, bis man nahezu in einen Trancezustand verfällt. Und was das für ein Lied ist, das eigentlich nur zur Nacht passt (Coldplay).
Doch auch das Original hat so seine Qualitäten. Neben dem offensichtlichen hervorragendem Groove und dem hauchenden Mädchen-Gesang von Ms. Minogue, sind es auch die kleinen Detail, die dieses Lied so liebenswert machen. Beispielsweise, die hin und wieder auftretenden spacigen Störgeräusche, dem schönen hohen Streichersynthie gegen Ende, dieser Wah-Synth rechts bei Won't you staaayy, der kurze Background-Gesang zum Schluss. Und vor allem dem ganz gar perfekten Rhodes-Piano ab der zweiten Strophe. Das sind Sachen, die man eigentlich nur mit Kopfhörern wahrnimmt, weil sie so weit an den Rand gedrängt sind, dass sie fast verloren gehen. Aber halt nicht ganz. Und dadurch tragen sie das Lied in wahrhaft höhere Ebenen.
23.) Avril Lavigne - Losing Grip, 2003
Die vierte Single aus dem absoluten Kassenhit Let Go wurde, glaube ich, schon gar nicht mehr so richtig wahrgenommen und konnte auch nur noch in Hong Kong die Spitzenposition der Charts erklimmen. Warum das so ist, erschließt sich mir aber nicht. Denn im Gegensatz zu den recht langweiligen und auch nicht gerade mit Jahrhundertmelodien gesegneten ersten Singles Complicated und Sk8er Boy haben wir hier einen grandiosen, treibenden, eingängigen und leidenschaftlichen Hit vorliegen, der, wenn er von den Foo Fighters gespielt worden wäre, sicher auch in erlauchten Musikkritiker-Kreisen ein gutes Renommee erhalten würde. Schließlich stammt er auch aus der Feder des erfahrenen Songwriters Cliff Magness. Zwar bekommt auch Avril Lavigne writing credits, die sich wahrscheinlich aber hauptsächlich auf den Text beziehen, der aber leider etwas flach geraten ist.
Nichtsdestotrotz haben wir hier einen unfassbar tollen und wieder einmal gut molligen Refrain vorliegen, auf den natürlich das ganze Lied zuläuft, was aber nicht heißen soll, dass die Strophen nur zum unnützen Beiwerk vorkommen, sondern auch diese sind sehr stringent und schön anzuhören. Nicht zuletzt ist es auch beachtenswert, dass an der Stelle doch recht laute Gitarren zum Einsatz kommen, was dem ganzen einen hübschen Grunge-Touch verleiht, dem ich natürlich sehr zugetan bin.
Ein superber und kraftvoller Album-Opener, wie er im Bilderbuch der Poprock-Musik steht.
PS: Ich möchte die Leserschaft mal dazu anhalten auch die Vorgänger-Single I'm With You und das sehr gute David LaChapelle-Video jetzt viele Jahre nach dem Hype noch einmal neu zu goutieren und ein halbwegs objektives Urteil zu fällen. Ihr werdet staunen. Hoffe ich. Sonst muss ich ganz schön an mir zweifeln.
22.) Evanescence - Going Under, 2003
Noch ein vergleichsweise unbeachteter Albumopener. Neben den Smashern Bring Me To Life und My Immortal fand Going Under etwas mehr außerhalb der Öffentlichkeit statt.
Gut, Vorraussetzung um das zu mögen ist natürlich, die sehr gepresste Gesangsart von Amy Lee und auch die pseudo-düsteren Samples zu ertragen. Wenn man da aber mal drüber wegschaut, kommt ein erstaunlich kompakter und dennoch schwelgerischer Popsong bei rum, den ich mir immer wieder gerne anhöre. Besonders hervorzuheben ist natürlich der sehr luftige Pre-Chorus (I'm dying again) der daraufhin sehr hübsch von dem schon übermenschlich schönen Chorus samt Post-Chorus niedergewalzt wird und den Hörer dabei ganz weit weg befördert. Das textliche Bild vom Treiben im Wasser wurde - meiner Meinung nach - ziemlich gut getroffen, um die Stimmung des Liedes zu vermitteln. Okay. Mehr kann ich dazu gar nicht beschreiben, denn dafür ist das ganze doch viel zu eingängig und vordergründig. Das Lied hat kein Geheimnis, sondern legt sich dem Hörer frei vor die Füße. Es liegt dann nur an ihm, ob er es aufnimmt, oder darüber hinwegsteigt. Ich empfehle sehr ersteres zuzulassen.
21.) Britney Spears - Everytime, 2004
So ein schönes, poetisches, trauriges Liebeslied, das für so eine Big Production erstaunlich zurückhaltend produziert wurde.
Dass Britney Spears in den meisten peinliche Lieblingslieder-Listen auftauchen muss, weiß man spätestens seit dem Travis-Cover von Hit Me Baby One More Time. Denn irgendwie schafft sie es immer, die besten Songwriter um sich zu scharren. So konnte sie unter anderem Cathy Dennis und Max Martin verpflichten, welche uns bereits viele Popperlen verschafft haben. Für diesen Song hat sie sich jedoch mit Αννέτ Αρτάνι (repräsentierte 2006 mal Zypern beim Eurovision Song Contest) zusammengesetzt und gemeinsam haben sie diesen Traum von Ballade entworfen.
Luftig instrumentiert mit Piano, Glockenspiel und sehr dezenten Tabla-Percussions bietet es genug Raum, damit sich Britney Spears mit großer Zärtlichkeit in die Ohren des Hörers schmeicheln kann. Und der kann sich rundherum wohl fühlen, wenn sie ihren traurigen Abgesang auf eine Beziehung heraushaucht. Im weiteren Verlauf gesellen sich dann noch Synths und Streicher dazu, die aber nie die Oberhand gewinnen und stets Raum zum atmen lassen.
Aber auch ohne den ganzen Produktionshandwerk von Guy Sigsworth (u.a. Björk, UNKLE) haben wir immer noch ein wunderbar melancholisches Werk vorliegen, dass in allen Teilen und im Zusammenspiel perfekt ist. Dass wir den Song nun mit dieser sehr hübschen Instrumentierung und nicht als episches Death Metal-Stück haben, halte ich für einen doppelten Bonus. Denn so kann es sein komplettes Potenzial entfalten. Und das ist groß.
Das wäre es dann erstmal mit dem Special. Von nun an gibt es wieder Titel, die einem nicht von jedem Billboard entgegen schreien. Dennoch sollte dadurch mal wieder klar geworden sein, dass tolle Musik überall liegt, vom feinsten Bob Dylan-Loft bis zur Eurodisco-Gosse. Man sollte nur die Ohren offen halten.
Bis nächste Woche.
25.) Die Ärzte - Junge, 2007
Gut ... wirklich peinlich ist es nicht Die Ärzte toll zu finden. Schließlich haben sie sich beharrlich und mit sehr viel Eigensinn einen unabhängigen und dennoch erfolgreichen Status erspielt. Und dass sie musikalisch wirklich was drauf haben, ist auch kein Geheimnis. Was soll's: Der Titel war auf Platz 1 und wurde in dem Sommer vor 2 Jahren zu Tode gespielt. Nur halt nicht bei mir.
Auch jetzt höre ich es noch sehr gerne. Kompositorisch kann man einfach nur neidisch sein auf dieses kraftvolle und dennoch - durch die Melodie in Moll - melancholische Werk. Und auch die Performance ist kaum steigerbar. Herr Urlaub singt mit so viel Leidenschaft, dass es eine wahre Freude. Der Einsatz in den Refrain entfacht einen wahren Orkan, der droht den Hörer hinfort zu spülen, wenn er sich nicht rechtzeitig festhält. Die Gitarren peitschen, das Schlagzeug hämmert und prompt bricht es auch wieder in der Strophe zusammen. Dazu der wahrscheinlich extrem nachvollziehbare Text über die Diskrepanz zwischen Eltern und Kind. Macht summa summarum einen reifen, kraftvollen und wunderschönen Popsong.
Eigentlich wäre es ja angebracht dazu auch das recht aufwendige Zombievideo zu zeigen. Jedoch finde ich, dass es leider zu sehr von dem fantastischen Lied ablenkt und es leider auch etwas ins Lächerliche zieht, was es nicht verdient hat. Aber so ist das nunmal mit den störrischen Die Ärzte. Alles Schöne muss anscheinend zerstört werden.
24.) Kylie Minogue - Can't Get You Out Of My Head, 2001
Auch das dürfte nicht gerade eine große Überraschung sein. Schließlich wurde ja schon zur Zeit der Veröffentlichung klar, dass wir es hier mit einem unglaublich eingängigen und dennoch langlebigen Titel zu tun haben, der am Ende des Tages einfach nur brilliant komponiert, arrangiert und produziert ist.
Wenngleich Kylie Minogue das Lied ganz hübsch eingesungen hat, dürfte klar sein, dass sie sonst nicht viel damit zu tun hat. Die Anerkennung geht an dieser Stelle an die beiden Schreiberlinge. Das wären zum Einen Rob Davis, der früher mit seiner eigenen Band Mud schon recht erfolgreich war und später vor allem mit dem Song Groovejet (Spiller) wieder in Erscheinung getreten ist. Zum Anderen gehen die Props an die Britin Cathy Dennis, die bereits eine erstaunliche Latte an tollen Songs mitgeschrieben hat, wie beispielsweise Katy Perrys I Kissed A Girl , oder auch Toxic von Britney Spears, die neben ihrer unbestreitbaren Güte auch unwahrscheinlich erfolgreich waren. Wobei dieser hier wohl zu ihrer wichtigsten Arbeit gehören dürfte.
Was ist daran nun so toll? Wer die Original Disko-Version nicht so mag, dem sei an dieser Stelle empfohlen, sich die schon fast postrockige Interpretationen von Coldplay oder die pompös-schmachtende von The Flaming Lips mal zu Gemüte zu führen. Da werden wirklich noch ganz neue Qualitäten dieses Machwerks offenbart. Zum Beispiel wie wunderbar traurig diese Melodie ist (Flaming Lips), oder wie sich der Song immer flächiger aufbaut, bis man nahezu in einen Trancezustand verfällt. Und was das für ein Lied ist, das eigentlich nur zur Nacht passt (Coldplay).
Doch auch das Original hat so seine Qualitäten. Neben dem offensichtlichen hervorragendem Groove und dem hauchenden Mädchen-Gesang von Ms. Minogue, sind es auch die kleinen Detail, die dieses Lied so liebenswert machen. Beispielsweise, die hin und wieder auftretenden spacigen Störgeräusche, dem schönen hohen Streichersynthie gegen Ende, dieser Wah-Synth rechts bei Won't you staaayy, der kurze Background-Gesang zum Schluss. Und vor allem dem ganz gar perfekten Rhodes-Piano ab der zweiten Strophe. Das sind Sachen, die man eigentlich nur mit Kopfhörern wahrnimmt, weil sie so weit an den Rand gedrängt sind, dass sie fast verloren gehen. Aber halt nicht ganz. Und dadurch tragen sie das Lied in wahrhaft höhere Ebenen.
23.) Avril Lavigne - Losing Grip, 2003
Die vierte Single aus dem absoluten Kassenhit Let Go wurde, glaube ich, schon gar nicht mehr so richtig wahrgenommen und konnte auch nur noch in Hong Kong die Spitzenposition der Charts erklimmen. Warum das so ist, erschließt sich mir aber nicht. Denn im Gegensatz zu den recht langweiligen und auch nicht gerade mit Jahrhundertmelodien gesegneten ersten Singles Complicated und Sk8er Boy haben wir hier einen grandiosen, treibenden, eingängigen und leidenschaftlichen Hit vorliegen, der, wenn er von den Foo Fighters gespielt worden wäre, sicher auch in erlauchten Musikkritiker-Kreisen ein gutes Renommee erhalten würde. Schließlich stammt er auch aus der Feder des erfahrenen Songwriters Cliff Magness. Zwar bekommt auch Avril Lavigne writing credits, die sich wahrscheinlich aber hauptsächlich auf den Text beziehen, der aber leider etwas flach geraten ist.
Nichtsdestotrotz haben wir hier einen unfassbar tollen und wieder einmal gut molligen Refrain vorliegen, auf den natürlich das ganze Lied zuläuft, was aber nicht heißen soll, dass die Strophen nur zum unnützen Beiwerk vorkommen, sondern auch diese sind sehr stringent und schön anzuhören. Nicht zuletzt ist es auch beachtenswert, dass an der Stelle doch recht laute Gitarren zum Einsatz kommen, was dem ganzen einen hübschen Grunge-Touch verleiht, dem ich natürlich sehr zugetan bin.
Ein superber und kraftvoller Album-Opener, wie er im Bilderbuch der Poprock-Musik steht.
PS: Ich möchte die Leserschaft mal dazu anhalten auch die Vorgänger-Single I'm With You und das sehr gute David LaChapelle-Video jetzt viele Jahre nach dem Hype noch einmal neu zu goutieren und ein halbwegs objektives Urteil zu fällen. Ihr werdet staunen. Hoffe ich. Sonst muss ich ganz schön an mir zweifeln.
22.) Evanescence - Going Under, 2003
Noch ein vergleichsweise unbeachteter Albumopener. Neben den Smashern Bring Me To Life und My Immortal fand Going Under etwas mehr außerhalb der Öffentlichkeit statt.
Gut, Vorraussetzung um das zu mögen ist natürlich, die sehr gepresste Gesangsart von Amy Lee und auch die pseudo-düsteren Samples zu ertragen. Wenn man da aber mal drüber wegschaut, kommt ein erstaunlich kompakter und dennoch schwelgerischer Popsong bei rum, den ich mir immer wieder gerne anhöre. Besonders hervorzuheben ist natürlich der sehr luftige Pre-Chorus (I'm dying again) der daraufhin sehr hübsch von dem schon übermenschlich schönen Chorus samt Post-Chorus niedergewalzt wird und den Hörer dabei ganz weit weg befördert. Das textliche Bild vom Treiben im Wasser wurde - meiner Meinung nach - ziemlich gut getroffen, um die Stimmung des Liedes zu vermitteln. Okay. Mehr kann ich dazu gar nicht beschreiben, denn dafür ist das ganze doch viel zu eingängig und vordergründig. Das Lied hat kein Geheimnis, sondern legt sich dem Hörer frei vor die Füße. Es liegt dann nur an ihm, ob er es aufnimmt, oder darüber hinwegsteigt. Ich empfehle sehr ersteres zuzulassen.
21.) Britney Spears - Everytime, 2004
So ein schönes, poetisches, trauriges Liebeslied, das für so eine Big Production erstaunlich zurückhaltend produziert wurde.
Dass Britney Spears in den meisten peinliche Lieblingslieder-Listen auftauchen muss, weiß man spätestens seit dem Travis-Cover von Hit Me Baby One More Time. Denn irgendwie schafft sie es immer, die besten Songwriter um sich zu scharren. So konnte sie unter anderem Cathy Dennis und Max Martin verpflichten, welche uns bereits viele Popperlen verschafft haben. Für diesen Song hat sie sich jedoch mit Αννέτ Αρτάνι (repräsentierte 2006 mal Zypern beim Eurovision Song Contest) zusammengesetzt und gemeinsam haben sie diesen Traum von Ballade entworfen.
Luftig instrumentiert mit Piano, Glockenspiel und sehr dezenten Tabla-Percussions bietet es genug Raum, damit sich Britney Spears mit großer Zärtlichkeit in die Ohren des Hörers schmeicheln kann. Und der kann sich rundherum wohl fühlen, wenn sie ihren traurigen Abgesang auf eine Beziehung heraushaucht. Im weiteren Verlauf gesellen sich dann noch Synths und Streicher dazu, die aber nie die Oberhand gewinnen und stets Raum zum atmen lassen.
Aber auch ohne den ganzen Produktionshandwerk von Guy Sigsworth (u.a. Björk, UNKLE) haben wir immer noch ein wunderbar melancholisches Werk vorliegen, dass in allen Teilen und im Zusammenspiel perfekt ist. Dass wir den Song nun mit dieser sehr hübschen Instrumentierung und nicht als episches Death Metal-Stück haben, halte ich für einen doppelten Bonus. Denn so kann es sein komplettes Potenzial entfalten. Und das ist groß.
Das wäre es dann erstmal mit dem Special. Von nun an gibt es wieder Titel, die einem nicht von jedem Billboard entgegen schreien. Dennoch sollte dadurch mal wieder klar geworden sein, dass tolle Musik überall liegt, vom feinsten Bob Dylan-Loft bis zur Eurodisco-Gosse. Man sollte nur die Ohren offen halten.
Bis nächste Woche.
The Fall On Deaf Ears - 2. Dez, 18:38


Wie kann der gute Mann denn weiter oben schreiben, das “Seldom Seen Kid” das wohl beste und ausgereifteste Elbow Album ist und dann befindet sich noch eins weiter oben? Ja, auf dem Papier mag das vielleicht so sein, aber dieses Ranking ist ja weitab davon entfernt, nur objektiv zu sein. Also ist es vor allem die Tatsache, dass mich „Cast By Thousands“ aus dem Jahr 2003 schon wesentlich länger begleitet, als das 5 Jahre später erschienene Album welches der Band aus Manchester endlich den großen Erfolg brachte. Und somit verbindet mich mit dem Zweitwerk der Band auch wesentlich mehr, weshalb es vermutlich auf nicht absehbare Zeit mein Favorit bleiben wird. Nach dem etwas introspektiven Debüt „Asleep In The Back“ wagt sich die Band hier auf ihre schrullige Art und Weise ein wenig in die Welt hinaus und lässt bereits ihr Stärken erahnen. Wunderbar gefühlvolle Britpopsongs voller Sehnsucht und Melancholie, aber auch voll Schrulligkeit und auch gern mal Sex. „I’ve got your Number“ dürfte dafür der beste Beweis sein. Aber auch der noch etwas verschlafene Opener „Ribcage“, der uns sozusagen inklusive Gospelchor am Aufstehen teilhaben lässt, bevor uns dann das schmissige „Fallen Angel“ durch den Tag begleitet. Doch immer wieder ist es die Melancholie, die uns dabei einholt. Wie bei der streichergetränkten Hommage an das „Fugitive Motel“, in der wundervollen Ballade „Switching Off“ oder der entspannt-sommerlichen Ballade „Not A Job“. Hier läuft die Band zu absoluter Höchstform auf. Und schon wieder und permanent ist es Guy Garveys Stimme. Dieser warme, biergestählte Klang seiner Worte, voller Hoffnung und Trauer. Als ob er trotz seines nicht so hohen Alters schon alles gesehen hätte. Dann wird das Album wieder ein wenig düsterer und verspielter und besucht bei „Crawling With Idiot“ auch schon mal, so scheint es, die örtliche Irrenanstalt. Doch aus diesem Dunkel dringen die ersten Gitarrenakkorde des wunderbaren „Grace Under Pressure“, welches in den nächsten fünf Minuten zu einem der schönsten Songs aller Zeiten heranwachsen wird. Als am Ende halb Glastonbury mit anstimmt: „We still believe in love so fuck you!“ ist das ein Moment nahe der Perfektion, bei dem man gern selber unter dem Cast von Tausenden dabei gewesen wäre. Große Songkunst, welche diese Band hier erneut zelebriert. Songs, welche sich bedingungslos allen Klischees verweigern, aber dann irgendwie doch „klassisch“ klingen. Aber vor allem klingen sie, wie kaum eine andere Band. „Cast By Thousands“ bleibt, gerade durch die 3,4 wirklich herausragenden Songs drauf, die Elbow’s Sperrspitze gegen den schlechten Geschmack bilden, auch 6 Jahre nach seiner Erstveröffentlichung immer noch ein Kapitel für sich, dass ich mir immer wieder gern gönne.
Es ist vielleicht das überraschenste Album in meinen Top 20. Denn wenn ich meine Liebe zum 2004er Werk der Manic Street Preachers äußere treff ich häufig über erstaunte Gesichter. Kein Mensch scheint dieses album zu mögen. Kritiker haben es damals verrissen, Käufer gemieden, Fans sowieso und selbst die Band war schon kurz nach dem Release nicht mehr davon überzeugt und hat es mittlerweile als missglücktes Experiment zu den Akten gelegt. So wird „Lifeblood“ immer der Aussetzer in der Manics Biographie bleiben. Ein vollkommen zu dick produziertes Kitsch-Pop-Album voller 80er-Stadion-Rock-Momente. Kaum etwas, wofür man die drei Waliser mag findet sich auf diesem Album in Fülle wieder. Warum also? Weil ich es liebe und nicht anders kann. Allein der Opener, der melancholische, aber kraftvolle Rückblick ins Jahr 1985 reißt einen in einen Sog aus Hymnen, Gitarrensoli und jede Menge Synthesizern. Zu viel von allem, aber ich nehm es gern in Kauf. „Morrissey and Marr gave me a choice.“ Da kann man Nicky Wire nur zustimmen. Auch der Rest steigt locker mit ein. Egal, ob Coldplay-Pianos auf „Empty Souls“, furchtbare Schwulst-Soli auf „Glastnost“, dicke 80er Bassläufe auf „Always Never“ oder ne Mundharmonika auf „Fragments“… was die Killers erst Jahre später für sich beanspruchen sollten… die Manic Street Preachers waren eindeutig schneller. Das ganze funktioniert vielleicht nicht unbedingt als Manics Album, aber als hervorragendes Gitarren-Retropop Album mit extrem eingänigen Melodien und guten Songs. Und das muss man der Platte einfach zu gute halten: die Songs sind sehr, sehr stark. Eigentlich keine Schwachstellen auf dem Album. Und die Kitsch-Produktion ist natürlich gerade bei den Garagenrock-verwöhnten Manics Fans sicher umstritten, aber man muss halt einen Draht dazu finden. Vielleicht hätte die Band das Album mal lieber 5 Jahre später veröffentlichen sollen, denn heute ist das Ganze vermutlich wieder wesentlich salonfähiger, als damals. Im Jahr 2004 hatte die Welt zu Zeiten von Libertines und Franz Ferdinand vermutlich ein anderes Zeichen von den Herren erwartet. Ironischerweise habe ich abseits dieses Albums und einiger ihrer tollen großen Hits der 90er nie wirklich einen Zugang zu der Band gefunden. Kommt vielleicht noch. Aber vielleicht geht es auch anderen, verlorenen Seelen ähnlich und ihnen gibt „Lifeblood“ etwas, das ihnen andere Manics Alben nicht geben. Und all die können diese Platzierung hier nachvollziehen. Der doughnut ist schon mal auf meiner Seite. Wer schließt sich noch an?
Ja, das ganz große Gefühl. Athlete können da sicher das ein oder andere Liedchen von singen. Am besten auf diesem Album hier, ihrem Zweitwerk „Tourist“. Nachdem verspielt-leichten Debüt „Vehicles & Animals“ (Platz 45 der Liste) schlägt man danach richtig traurige Töne ein. Als ob die Band über Nacht erwachsen geworden ist. Und so begrüßt einen der Opener „Chances“ sofort mit Piano und großen Streicherflächen, sowie der eindringlichen Botschaft „I need some more love“. Donnerwetter! Nix mehr mit Kurzurlaub in El Salvador. Dennoch funktioniert der ernstere Grundton auf „Tourist“ außerordentlich gut, weil die Songs zum Einen sehr gut gemacht sind und die Produktion zwar voller Pathos und Kitsch ist, einen dabei aber selten erschlägt. So wie beim Opener bleibt das ganze auch bei anderen Schmonzballaden, wie „Wires“ oder „Yesterday Threw Everything At Me“ im Rahmen. Und die richtig ruhigen Momente, wie „Trading Air“ oder das traumhafte „Street Map“ berühren sogar mit angezogener Handbremse. Zwischendurch gibt es das schleichende Tittellied und uplifiting Momente mit „Half Light“, sowie dem wunderbar melancholischen „If I Found Out“, bei dem am Ende sogar der Chor noch mitsingen darf. Doch nie wirkt es übertrieben, stets schafft die Band eine gute Balance. Gut, außer vielleicht am Ende bei „Twenty Four Hours“. Da trägt man dann vielleicht sogar etwas zu dick auf, entschädigt aber gleich im Anschluss mit dem akustischen „I Love“. Und neben der neuen Melancholie mit Streichern und Piano schimmern auch nachwievor ein wenig die schrulligen Elektroexperimente des Debüt durch, wenngleich natürlich in wesentlich reduzierterer Form. Irgendwie würde es auch nicht ganz so klingen. Das etwas heitere „Modern Mafia“ fällt somit auch irgendwie aus dem Kontext. Schon beeindruckend, das eine Band hintereinander zwei Alben wie Tag und Nacht produzieren kann, sie aber beide mit einem individuellen Farbton bemalen kann. So funktioniert „Tourist“ als geschlossenes Album mit traumhaft melancholischen Britpopsongs und vielen sehr guten Erinnerungen in meinem Herzen. Der Brillianz dieser ersten beiden Alben läuft die Band seit dem ein wenig verzweifelt hinterher. Gerade das diesjährige „Black Swan“ ist trotz seiner Rückkehr zu vielen Stärken von „Tourist“ eine gleiche Enttäuschung. Vielleicht ist die Luft ja doch schneller raus, als ich damals dachte. Aber wer so gute Songs wie hier schreiben kann, der macht das doch nicht aus Zufall. Ich behalte die Hoffnung vorerst.
Hoffnung ist auch ein gutes Stichwort bei den Landsmännern von Athlete, den Thirteen Senses. Die waren ja mit ihrem Debüt große Hoffnungsträger auf den Raum, den Coldplay mit ihrem Melancholiepop hinterlassen hatten, nachdem sie sich Richtung Stadionrock entschieden haben. Heute wie damals ist „The Invivation“ eines der besten Debüts der vergangenen zehn Jahre. Ich erinner mich noch an den Moment, als Blogkollege doughnut auf mich zukam und mir 2005 den Song „Into The Fire“ ans Herz legte. Was für ein traumhaftes Stück melancholischer Britpop. Die butterweiche Stimme von Sänger Will South legte sich auf ein feines Instrumentarium, welches man von eben jenen einschlägigen Bands aus England zu Beginn dieses Jahrzehnts so kannte. Pianopop, der niemandem weh tut und dabei aber zum melancholischen Nachdenken anregt. Während da sicher auch bei mir der Durst danach mittlerweile etwas erlischt ist, war dies vor fünf Jahren noch nicht der Fall, also nahm ich die musikalische Einladung von „The Invitation“ dankend an und habe mich sehr schnell in die wunderbar traurigen Liebeslieder mit ihren kryptischen Lyrics verliebt. Eine Liebe, die bis heute angehalten hat. „The Salt Wound Routine“ bleibt einer der schönsten Songs dieser Dekade, genauso wie das wunderbar leichte „History“. Doch wirklich leicht ist natürlich nichts auf „The Invitation“. Über den Songs liegt Trauer, Zerbrechlichkeit und das große Gefühl. Vom erlischenden Feuer der Liebe in „Gone“ bis hin zur vermeindlichen Rettung in der sechsminütigen Pianoträumerei „Saving“. „I need this undivided, I want this thing to stop“ fleht South mit seinem zerbrechlichen Falsetto. Dies alles ist natürlich ziemlich weit entfernt davon, irgendwie kreativ oder innovativ zu sein. Genaugenommen waren die Thirteen Senses ja relativ spät dran mit dieser Musik, denn in England regten sich schon ganz neue Strömungen. Mein Argument für „The Invitation“ heißt Liebe! Ich habe mich damals in dieses Album verliebt und die Songs verinnerlicht und zu einem wichtigen Teil meines Lebens gemacht. So hat mir dieses Album über viele Probleme hinweg geholfen und dafür muss ich ihm einfach danken. Für mich hat die Musik immer noch die Magie von damals. Vielleicht würde ich’s ansonsten heut anders sehen. Den Erfolg konnte die Band leider nicht mehr wiederholen. Trotz okayer Qualität floppte der Nachfolger „Contact“ in gigantischer Art und Weise und an einem vermeindlichen dritten Album arbeitet man irgendwie schon verdächtig lange. Na ja, die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.
Beweisen muss mir diese Band nichts mehr. Bei Interpol steht der Name für Qualität. Drei Herausragende Alben in fünf Jahren sprechen eine eindeutige Sprache. Auf ihrem letzten nähert sich die Band mit Lichtgeschwindigkeit der Perfektion des eigenen Sounds, so dass man sich ernsthaft fragt, was denn da noch auf dem für Anfang 2010 angekündigten neuen Longplayer kommen soll, außer Stagnation auf hohem Niveau oder der komplette Umbruch. Auf „Our Love To Admire“ spielt das Quartett aus New York die bisherigen Stärken aus und serviert ihr bestes und zielgerichtetes Album bisher. Die Band selber überlässt keinen Akkord dem Zufall. Das merkt man diesen Songs auch an. Alles ist an seinem Platz, alles wirkt stimmig, atmosphärisch sowieso. Allein der Opener „Pioneer To The Falls“ ist von einer so erschreckend guten Qualität, dass es einem die edlen Schuhe auszieht. Daniel Kessler’s markante Gitarren, Paul Banks Stimme ... und von Carlos Dengler’s Bass fang ich mal gar nicht an. Bereits „Pioneer“ umweht dieser düstere Wind der Präzision, der Interpol so magisch macht. Auch die neuen Elemente des Albums, Keyboard, Bläser und Piano fügen sich nahtlos in das Gesamtkonzept Interpol ein. Und obwohl Songs wie „No I in Threesome“ oder das kongeniale „Pace Is The Trick“ irgendwie eingängiger als bisher wirken, haben sie dennoch nix von ihrer Tiefe verloren. Interpol besitzen diese eigenen, prägnanten Sound, welcher sie unverkennbar macht. Sehr verhalten und introvertiert auf der einen Seite, aber auch sehr druckvoll und spannungsgeladen auf der anderen. Wie eine innere Zerrissenheit. Auch wenn Songs wie „Mammoth“ und „Who Do You Think?” so direkt nach vorn gehen, wie vorher selten Songs der Band, so bleiben auch sie in diesem seltsam, verhaltenen Rahmen. Spannung durchsetzt die Musik von Interpol. Ein radikaler Soundwechsel blieb auch diesmal aus, die düstere Magie der epischen Songs ist geblieben, wenngleich man halt etwas fokussierter zu Werk geht. Doch die Überraschungen bleiben. Wundervoll und gespenstisch zugleich, wenn die Band am Ende bei „The Lighthouse“ mit ihrem Gitarrenspiel die Wellen des Meeres immitiert. Die etwas sehr reine Produktion des Albums könnte unter Umständen Fans des Debüts abschrecken, aber zu meckern gibt es bekanntlich immer etwas und wir jammern hier ja auch auf einem sehr hohen Niveau.