|:Mottenkiste:| / It’s now that we’re ready

Seattle war Anfang bis Mitte der Neunziger die Hochburg von krachiger Musik. Das man in dieser Bottich aus Lärm auch durchaus hübsche Melodien verpacken kann, sollte ein Allgemeinplatz sein. Die Band Flop hat zwar nie so richtig die Anerkennung für ihr Tun bekommen. Sie sollten dennoch einmal für ihre Fähigkeit, herrlich eingängige Popsongs zu schreiben geehrt werden. Stellvertretend für ihr gesamtes Oeuvre soll hier das ‘93er Schmuckstück Whenever You’re Ready besprochen sein.
Wer Pop sagt, muss auch Pop-Punk sagen. Denn wer ein wahrhafter Anhänger und edler Verfechter der Eingängigkeit, der Einfachheit, des Direktem ist, sollte die Ohren nicht vor den Hymnen verschließen, die solch halbharte Knaben wie Alkaline Trio, AFI, My Chemical Romance oder Bad Religion emittieren. Man wird fündig werden. Und man wird Mitsingsrefrains für die Ewigkeit finden.
Aber an und für sich braucht man diese Tatsache auch nicht mehr zu erwähnen. Ein etwas unbeachteter Vertretung dieser Gattung der Unterhaltungsmusik sind Flop aus Seattle. Irgendetwas wurde den Trunkenbolden ins Müsli getan, was sie dazu veranlasst hat, Melodien und Harmonien zu komponieren, die einem nur den Mund offen stehen lassen. Was immer es auch war, jeder, der selbst versucht schöne, eingängige Lieder zu schreiben, möchte etwas von dem Zeug abbekommen.
Wie man bereits durch die Gattungsbezeichnung “Pop-Punk” vermuten könnte, ist die Musik, die die Harmonien vorträgt, nicht gerade würdig den Preis für die neuartigste Untermalung von Gesang zu erhalten. Denn letztendlich ist das zu hören, was man halt damals in Seattle fabriziert hat: ein hustender Bass, ein rumpliges Schlagzeug, sowie kratzende und pfeifende E-Gitarren. Darum wollen wir uns an diesem Punkt auch nicht länger aufhalten.
Wohl aber an den Liedern. Oh, was für Songs! Da sind schon ein paar Schmankerl dabei, die es schaffen einem ein peinlich-seliges Lächeln aufs Gesicht zu zaubern. Mit den Mundwinkeln geht’s aufwärts bei diesen Brillanten. Da wären zum Beispiel das Smith-ig flotte Eat, die wunderbaren “ooh-hoo-hoo”-Chöre von Woolworth, das Eröffnungsopus A Wiley, das dann tatsächlich sehr klingt wie Nirvana mit einem etwas klarerem Kurt Cobain am Gesang oder auch der schier unbegreifliche Pre-Chorus von En Route to the Unified Field Theory, um den manche Bands zwei Alben bauen würden. Und vor allem der Song, wodurch man überhaupt hierzulande auf die Band hätte aufmerksam werden sollen. Nämlich das extrem hittige Julie Francaville, dass kurz in der Dokumentation Hype! von Doug Prey angespielt wird, die sich nämlich um die Eintausendundzwei Bands dreht, die Anfang der letzten Dekade in Seattle ihr Unwesen trieben und plötzlich bekannt und begehrt worden wie Goldesel. Man sieht die lustigen Buben von Flop im Studio, wie sie eben diesen Song spielen und wird sofort von dieser überschießenden Melodieseligkeit vereinnahmt. Und so kann sich das über weite Strecken dieses dazugehörigen Albums Whenever You’re Ready ebenso halten. Letztendlich befindet sich in praktisch jedem der siebzehn Stücke eine Hookline, die einen aufhorchen lässt.
Für alle Popjünger sehr empfehlenswert. Zwar schade, dass man solche Sachen erst sehr spät zur Kenntnis nimmt, aber manchmal spielt das Leben einem so mit. Die Band hat aber schon die notwendige Gelassenheit dafür vorgegeben: Whenever You’re Ready!

Seit dem 01.April ist die neue LP von New Young Pony Club erhältlich. The Optimist - so ihr Titel - ist jetzt nicht gerade ein Leuchtfeuer in der gegenwärtigen Poplandschaft. Zwei Perlen fallen aber doch ab
Endlich kann ich auch mal ein wenig Hipster-mäßig Sätze á la „Die Band kannte ich schon vor allen anderen“ und so raus hauen… Gut, den Zenit ihrer Popularität hat das Londoner Trio We Have Band noch nicht erreicht, dennoch kann die Band mittlerweile eine gewisse Aufmerksamkeit seitens der Musikpresse für sich verbuchen. Verdient haben sie sich diese durchaus. Es war irgendwann im Sommer 2008 als mir ein Kurztrip in Englands Hauptstadt den Erstkontakt mit dieser Band bescherte. Irgendeine hippe Londoner Bar/ Kneipe/ Club/ Szenetreff hatte zum Bandabend geladen. Und während sich die Foals und Does If Offend You, Yeah? im Publikum die Hände reichten, gab es Beschallung durch Nachwuchsbands, die ja bekanntermaßen die statt überwuchern, wie Asbest alte Plattenbauten. Da war einiges aus dem Bereich „nett“ dabei, doch erst als relativ spät We Have Band auf die winzige Bühne stiegen, ihre Synthies anwarfen und zum munteren Tanz einluden, kam Leben in die Bude. Schnell standen die Leute und machten mit zu den zackigen Beats, deren ungeheure Treffsicherheit und Melodieverliebtheit bereits damals bei mir hängen blieb.
Auf ihrer
Postrock ist schon eine Sache für sich. Letztendlich ist es wie Krieg. Größtenteils Langeweile. Wenn es losgeht, dann ist es meist verheerend und traumatisch. Nicht, dass Alcest auf seinem neuen Album Écailles De Lune das Genre auf den Kopf stellt. Ein paar andere Ansätze kann der Knabe dem Genre allerdings schon entringen.