Mittwoch, 2. Dezember 2009

Rainbow Party - (6) Prosperousness

Ach, wie sehr habe ich mich darauf gefreut. Heute endlich kann ich meinen Beitrag leisten zum Thema peinliche Lieblingslieder. Sprich Songs, die sehr gut sind, nur leider von Interpreten vorgetragen werden, die eher nicht dadurch auffallen. Jeder hat sie und so halt auch ich. Viel Freude beim Wiederentdecken!

25.) Die Ärzte - Junge, 2007



Gut ... wirklich peinlich ist es nicht Die Ärzte toll zu finden. Schließlich haben sie sich beharrlich und mit sehr viel Eigensinn einen unabhängigen und dennoch erfolgreichen Status erspielt. Und dass sie musikalisch wirklich was drauf haben, ist auch kein Geheimnis. Was soll's: Der Titel war auf Platz 1 und wurde in dem Sommer vor 2 Jahren zu Tode gespielt. Nur halt nicht bei mir.
Auch jetzt höre ich es noch sehr gerne. Kompositorisch kann man einfach nur neidisch sein auf dieses kraftvolle und dennoch - durch die Melodie in Moll - melancholische Werk. Und auch die Performance ist kaum steigerbar. Herr Urlaub singt mit so viel Leidenschaft, dass es eine wahre Freude. Der Einsatz in den Refrain entfacht einen wahren Orkan, der droht den Hörer hinfort zu spülen, wenn er sich nicht rechtzeitig festhält. Die Gitarren peitschen, das Schlagzeug hämmert und prompt bricht es auch wieder in der Strophe zusammen. Dazu der wahrscheinlich extrem nachvollziehbare Text über die Diskrepanz zwischen Eltern und Kind. Macht summa summarum einen reifen, kraftvollen und wunderschönen Popsong.
Eigentlich wäre es ja angebracht dazu auch das recht aufwendige Zombievideo zu zeigen. Jedoch finde ich, dass es leider zu sehr von dem fantastischen Lied ablenkt und es leider auch etwas ins Lächerliche zieht, was es nicht verdient hat. Aber so ist das nunmal mit den störrischen Die Ärzte. Alles Schöne muss anscheinend zerstört werden.


24.) Kylie Minogue - Can't Get You Out Of My Head, 2001




Auch das dürfte nicht gerade eine große Überraschung sein. Schließlich wurde ja schon zur Zeit der Veröffentlichung klar, dass wir es hier mit einem unglaublich eingängigen und dennoch langlebigen Titel zu tun haben, der am Ende des Tages einfach nur brilliant komponiert, arrangiert und produziert ist.
Wenngleich Kylie Minogue das Lied ganz hübsch eingesungen hat, dürfte klar sein, dass sie sonst nicht viel damit zu tun hat. Die Anerkennung geht an dieser Stelle an die beiden Schreiberlinge. Das wären zum Einen Rob Davis, der früher mit seiner eigenen Band Mud schon recht erfolgreich war und später vor allem mit dem Song Groovejet (Spiller) wieder in Erscheinung getreten ist. Zum Anderen gehen die Props an die Britin Cathy Dennis, die bereits eine erstaunliche Latte an tollen Songs mitgeschrieben hat, wie beispielsweise Katy Perrys I Kissed A Girl , oder auch Toxic von Britney Spears, die neben ihrer unbestreitbaren Güte auch unwahrscheinlich erfolgreich waren. Wobei dieser hier wohl zu ihrer wichtigsten Arbeit gehören dürfte.
Was ist daran nun so toll? Wer die Original Disko-Version nicht so mag, dem sei an dieser Stelle empfohlen, sich die schon fast postrockige Interpretationen von Coldplay oder die pompös-schmachtende von The Flaming Lips mal zu Gemüte zu führen. Da werden wirklich noch ganz neue Qualitäten dieses Machwerks offenbart. Zum Beispiel wie wunderbar traurig diese Melodie ist (Flaming Lips), oder wie sich der Song immer flächiger aufbaut, bis man nahezu in einen Trancezustand verfällt. Und was das für ein Lied ist, das eigentlich nur zur Nacht passt (Coldplay).
Doch auch das Original hat so seine Qualitäten. Neben dem offensichtlichen hervorragendem Groove und dem hauchenden Mädchen-Gesang von Ms. Minogue, sind es auch die kleinen Detail, die dieses Lied so liebenswert machen. Beispielsweise, die hin und wieder auftretenden spacigen Störgeräusche, dem schönen hohen Streichersynthie gegen Ende, dieser Wah-Synth rechts bei Won't you staaayy, der kurze Background-Gesang zum Schluss. Und vor allem dem ganz gar perfekten Rhodes-Piano ab der zweiten Strophe. Das sind Sachen, die man eigentlich nur mit Kopfhörern wahrnimmt, weil sie so weit an den Rand gedrängt sind, dass sie fast verloren gehen. Aber halt nicht ganz. Und dadurch tragen sie das Lied in wahrhaft höhere Ebenen.

23.) Avril Lavigne - Losing Grip, 2003




Die vierte Single aus dem absoluten Kassenhit Let Go wurde, glaube ich, schon gar nicht mehr so richtig wahrgenommen und konnte auch nur noch in Hong Kong die Spitzenposition der Charts erklimmen. Warum das so ist, erschließt sich mir aber nicht. Denn im Gegensatz zu den recht langweiligen und auch nicht gerade mit Jahrhundertmelodien gesegneten ersten Singles Complicated und Sk8er Boy haben wir hier einen grandiosen, treibenden, eingängigen und leidenschaftlichen Hit vorliegen, der, wenn er von den Foo Fighters gespielt worden wäre, sicher auch in erlauchten Musikkritiker-Kreisen ein gutes Renommee erhalten würde. Schließlich stammt er auch aus der Feder des erfahrenen Songwriters Cliff Magness. Zwar bekommt auch Avril Lavigne writing credits, die sich wahrscheinlich aber hauptsächlich auf den Text beziehen, der aber leider etwas flach geraten ist.
Nichtsdestotrotz haben wir hier einen unfassbar tollen und wieder einmal gut molligen Refrain vorliegen, auf den natürlich das ganze Lied zuläuft, was aber nicht heißen soll, dass die Strophen nur zum unnützen Beiwerk vorkommen, sondern auch diese sind sehr stringent und schön anzuhören. Nicht zuletzt ist es auch beachtenswert, dass an der Stelle doch recht laute Gitarren zum Einsatz kommen, was dem ganzen einen hübschen Grunge-Touch verleiht, dem ich natürlich sehr zugetan bin.
Ein superber und kraftvoller Album-Opener, wie er im Bilderbuch der Poprock-Musik steht.

PS: Ich möchte die Leserschaft mal dazu anhalten auch die Vorgänger-Single I'm With You und das sehr gute David LaChapelle-Video jetzt viele Jahre nach dem Hype noch einmal neu zu goutieren und ein halbwegs objektives Urteil zu fällen. Ihr werdet staunen. Hoffe ich. Sonst muss ich ganz schön an mir zweifeln.

22.) Evanescence - Going Under, 2003



Noch ein vergleichsweise unbeachteter Albumopener. Neben den Smashern Bring Me To Life und My Immortal fand Going Under etwas mehr außerhalb der Öffentlichkeit statt.
Gut, Vorraussetzung um das zu mögen ist natürlich, die sehr gepresste Gesangsart von Amy Lee und auch die pseudo-düsteren Samples zu ertragen. Wenn man da aber mal drüber wegschaut, kommt ein erstaunlich kompakter und dennoch schwelgerischer Popsong bei rum, den ich mir immer wieder gerne anhöre. Besonders hervorzuheben ist natürlich der sehr luftige Pre-Chorus (I'm dying again) der daraufhin sehr hübsch von dem schon übermenschlich schönen Chorus samt Post-Chorus niedergewalzt wird und den Hörer dabei ganz weit weg befördert. Das textliche Bild vom Treiben im Wasser wurde - meiner Meinung nach - ziemlich gut getroffen, um die Stimmung des Liedes zu vermitteln. Okay. Mehr kann ich dazu gar nicht beschreiben, denn dafür ist das ganze doch viel zu eingängig und vordergründig. Das Lied hat kein Geheimnis, sondern legt sich dem Hörer frei vor die Füße. Es liegt dann nur an ihm, ob er es aufnimmt, oder darüber hinwegsteigt. Ich empfehle sehr ersteres zuzulassen.

21.) Britney Spears - Everytime, 2004




So ein schönes, poetisches, trauriges Liebeslied, das für so eine Big Production erstaunlich zurückhaltend produziert wurde.
Dass Britney Spears in den meisten peinliche Lieblingslieder-Listen auftauchen muss, weiß man spätestens seit dem Travis-Cover von Hit Me Baby One More Time. Denn irgendwie schafft sie es immer, die besten Songwriter um sich zu scharren. So konnte sie unter anderem Cathy Dennis und Max Martin verpflichten, welche uns bereits viele Popperlen verschafft haben. Für diesen Song hat sie sich jedoch mit Αννέτ Αρτάνι (repräsentierte 2006 mal Zypern beim Eurovision Song Contest) zusammengesetzt und gemeinsam haben sie diesen Traum von Ballade entworfen.
Luftig instrumentiert mit Piano, Glockenspiel und sehr dezenten Tabla-Percussions bietet es genug Raum, damit sich Britney Spears mit großer Zärtlichkeit in die Ohren des Hörers schmeicheln kann. Und der kann sich rundherum wohl fühlen, wenn sie ihren traurigen Abgesang auf eine Beziehung heraushaucht. Im weiteren Verlauf gesellen sich dann noch Synths und Streicher dazu, die aber nie die Oberhand gewinnen und stets Raum zum atmen lassen.
Aber auch ohne den ganzen Produktionshandwerk von Guy Sigsworth (u.a. Björk, UNKLE) haben wir immer noch ein wunderbar melancholisches Werk vorliegen, dass in allen Teilen und im Zusammenspiel perfekt ist. Dass wir den Song nun mit dieser sehr hübschen Instrumentierung und nicht als episches Death Metal-Stück haben, halte ich für einen doppelten Bonus. Denn so kann es sein komplettes Potenzial entfalten. Und das ist groß.

Das wäre es dann erstmal mit dem Special. Von nun an gibt es wieder Titel, die einem nicht von jedem Billboard entgegen schreien. Dennoch sollte dadurch mal wieder klar geworden sein, dass tolle Musik überall liegt, vom feinsten Bob Dylan-Loft bis zur Eurodisco-Gosse. Man sollte nur die Ohren offen halten.
Bis nächste Woche.
rhododendron - 3. Dez, 16:31

Gar nich so peinlich

Und mit Avril Lavigne triffst du nen guten Punkt... ich find "I'm With You" in der Tat sehr gut, muss ich sagen. Schade, dass sie statt künstlerischem Potential zuletzt auf totalen Mist setzte...

Der Britney Song ist auch sehr in Ordnung, wenngleich ihr "Gesang" halt nervt. Aber schöne Sachen. Ich vermisse Scooter in dieser Aufzählung? ;-)

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