Mittwoch, 25. November 2009

Rainbow Party - (5) Estrangement

Hi there!

Weiter geht's im Text. Heute wieder viel Nachdenkliches. Aber es ist ja auch November da hört man sowas gern. Keine Sorge, einen Arschtritt habe ich dennoch parat.
Viel Freude nichtsdestotrotz.

30.) Leonard Cohen - A Thousand Kisses Deep, 2001



Billige Keyboards. Viel zu viel Hall an allen Ecken und Enden. Warum muss eigentlich die Frau permanent im Hintergrund die gleiche Melodie mitsingen? Boah, ist das lang. Was will mir Herr Cohen eigentlich mit dem Text sagen? Kann der nicht mal konkret werden? Da muss ich ja glatt eine Internetseite zu Rate ziehen! Solche Musik kommt normalerweise, wenn Chris de Burgh bei Verstehen Sie Spaß? auftritt. Mit viel Kunstnebel, dämlicher Beleuchtung, Weichzeichner und schwarzen Backgroundsängerinnen. Der Mensch der das "Schlagzeug" programmiert hat, muss ja schwer auf Dope gewesen sein. Es geht wirklich spannender. Oh! Das ist die Frau, der diese Stimme gehört, die da im Hintergrund zu hören ist. Sowas darf nicht, kann nicht, sollte nicht als gute Musik bezeichnet werden!
Aber wie meditativ und kontemplativ kann ein Lied eigentlich noch sein? Wieso schlafe ich dennoch nicht ein, sondern bin konzentriert und gleichzeitig beruhigt? Wie kraftvoll und klar kann eine Komposition eigentlich sein? Kann mal bitte einer einen poetischeren Text schreiben? Wieso stört mich die Frau im Hintergrund nicht, sondern trägt sie Melodie entscheidend mit? Und vor allem: Wo bekomme ich mal bitte eine so unfassbare Stimme her?

29.) Straylight Run - Now It's Done, 2004



Taking Back Sunday sind im Prinzip die Band, bei der im Prinzip jeder sofort sagen würde: Das ist 100% Emo. Sie sind quasi der Stil. Sie waren mit die ersten die auf der Bildfläche erschienen und irgendwie auch mehr oder weniger Vorreiter und Könige des Emo-Rocks. Gerade als sie dabei waren so richtig durch die Decke zu gehen, findet John Nolan, dass er mehr Lust auf andere Musik hat. Er verlässt die Shooting Stars der Szene, um gemeinsam mit seiner Schwester und zwei anderen Enthusiasten fortan unter dem Banner Straylight Run Popmusik mit sehr viel Piano und wenig bratenden Gitarren zu machen.
Zum größten Teil singt er selbst und es klingt richtig gut. Doch wenn seine - sehr hübsche (ja das finde ich erwähnenswert) - Schwester zum Zuge kommt, dann geht die Sonne auf.
Wenngleich sie im vorliegenden Lied von der Bitterkeit einer Trennung singt, klingt das Lied dennoch sehr süß und bekömmlich. Um nicht zu sagen himmlisch. Zart instrumentiert, ordentlich strukturiert, sauber produziert wie man es erwarten kann, ist das Fundament geschaffen, dass Michelle Nolan ihre traurige und wunderschöne Weise singen kann.
Ja, das ist Kitsch. Ja, das ist schmalzig. Ja, das ist OC California-Musik. Ja, ich bin froh, dass ich dieses Lied kenne.

28.) The Fall Of Troy - Act One, Scene One, 2005



Na? Wem ist das hier zu High Energy?
Ich weiß nicht was die Herren Troy so zum Frühstück essen, aber ich wette, irgendwo ist da Speed, Crystal, Ecstasy und Kokain versteckt. Das alles garniert mit reichlich Tabasko und dazu einen schönen fünffachen Espresso! Die Musik kann einfach nicht so richtig still sitzen. Ich frage mich, wie die Jungs spielen gelernt haben. Man sollte sich vor Augen halten, dass sie zum Zeitpunkt der Aufnahme etwa 18 Jahre alt waren. Allerdings befinden sich auf dem Album Doppelgänger auch Songs, die sie bereits zwei Jahre vorher auf einem selbstbetitelten Demo-Album veröffentlicht haben. Mit 16 (!). Und wir reden hier nicht von irgendwelchen schrammeligen Bright Eyes-Folk Songs. Nein, wir reden hier von einer Band die supertight zusammenspielt, obwohl jeder Instrumentalist für sich eigentlich Parts spielt, die das Spiellevel von 80% anderer Leute, welche in einer Band spielen, übersteigt. Dazu kann der Gitarrist noch singen wie ein Verrückter. Schaltet blitzschnell von einem recht klaren und schönen Gesang zu einem berserkerhaften Geschrei um, oder auch mal zu einem Justin Timberlake-Falsetto ("I just want your attention baby, every sweat-soaked night, every taunting fight!!!") der poppigsten Sorte. Dieses ganze Können gießen sie in Songs, die dermaßen zerhackstückelt sind bzw. so viele Haken schlagen, dass man sich fragt, wie die sich das zur Hölle alles merken können.
Bis hierhin könnte man natürlich meinen, das ist im Wesentlichen so eine Muckerband-Band wie Dream Theater oder so, die also hauptsächlich Musik machen, damit andere Musiker blass vor Neid werden. Doch noch nicht mal das trifft zu - zumindest meiner bescheidenen Meinung nach. Nein, was wir hier vorliegen haben, ist hoch emotionale, eingängige und durchaus Ohrwurm-taugliche Musik, die allerdings den Hörer ein wenig hin und her wirft. Und im Gegensatz zu den Kollegen von The Mars Volta, die sich bei gleichem Ziel gerne mal im Raum-Zeit-Kontinuum verlieren, besteht diese Gefahr bei The Fall Of Troy nie so richtig. Dafür sind die Stücke doch zu straff, kompakt und letztendlich auch ... poppig.
Atemberaubend das.

27.) Beth Gibbons & Rustin Man - Sand River, 2002



Von hart zu zart. Zärter. Am zärtlichsten. Zaghafter kann man einen Song eigentlich nicht instrumentieren und singen. Vorsichtig. Suchend. Unsicher.
Dass man allerdings auch nicht gerade Thrash Metal erwartet, wenn sich die Sängerin von Portishead mit dem Bassisten von Talk Talk zusammentut, dürfte auch klar sein. Aber sowas? Wo man immer Angst hat, dass das Lied unter seiner eigenen Last zusammenbricht? So leise, fast flüsternd, bringt Ms. Gibbons ihre Beobachtungen an den Mann, dass man automatisch konzentriert bleibt, um ja nix zu verpassen. Dazu streicht, wer auch immer gerade Gitarre spielt, scheinbar mit einer Feder über die Saiten. Dezent wird der Bass gezupfelt, und das Schlagzeug hat hier seinen Namen auch nicht verdient. Tupfzeug wäre angebrachter.
Das wäre eigentlich hervorragende Musik für den Herbst, für die Zeit am Kamin, oder auch um in einer klaren Sommernacht sich auf einem Floß stromabwärts treiben zu lassen. Wären die fallenden Blätter, das Knistern des Feuers, das sanfte Rauschen des Flusses nicht so verdammt laut im Vergleich zu diesem fragilen Wunderwerk.

26.) Blackmail - Airdrop, 2003



Friend Or Foe ist nicht nur das beste Album, was in den letzten zehn Jahren aus Deutschland kam. Nein, es ist auch noch allgemein eins der besten Alben, die jemals veröffentlicht wurden. Denn auf diesem war die sowieso schon fabelhafte Band Blackmail auf dem absoluten Höhepunkt ihres Schaffens. Rauh, schroff und laut, wie man es vorher bereits von Gitarrist Kurt Ebelhäusers erster Band Scumbucket kennt, im Sound. Melodisch, traurig, kraftvoll in der Musik. Kein einziger Ausfall. Nirgends. Weder in der Komposition, noch im Arrangement, oder in der Performance. Alles passt. Alles sitzt. Und - vor allem! - alles atmet. Das Werk ist voller Leben, voller Emotionen, voller Schönheit.
Aber an der Stelle soll es ja nicht um das Album gehen, sondern um dessen Opener. Einigen vielleicht als Abschlussong des Films Kammerflimmern bekannt. Alle anderen sind herzlich eingeladen, ihn an dieser Stelle kennen zu lernen. Seinen sehr leisen, dezenten und luftigen Einstieg. Darauf folgend, den pompösesten Ausbruch, den man sich dafür vorstellen kann. Den irrwitzigen Drive der dadurch aufgebaut und der, bevor es überhand nimmt, auch schnell wieder beendet wird. Nur um den Suchtfaktor noch weiter ins Unermessliche zu steigern. Und natürlich des Liedes hervorragender Text mit den unglaublichen Zeilen
Your tears have turned the water black
you just stumble
and wait for the attack
Your hands protect your eyes
You're sure you´ve lost your speech
but things don´t happen
before they´ve come to grief...

Besser kann das Gefühl des Verlorenseins nicht beschrieben werden. Blackmail die Meister.

PS: Bei dieser Band habe ich mich natürlich am schwersten getan einen Lieblingshit rauszusuchen. Denn davon gibt es bei den Koblenzern einfach zu viele. Daher kann ich einfach nicht anders, als an dieser Stelle noch folgende Titel der Band hervorzuheben:
Ken I Die
Sunday Sister
Club 45
It's Always A Fuse To Live At Full Blast
Foe

Sonntag, 22. November 2009

rhododendron's ranking ... 47/ 2009

Nur leichte Veränderung im Ranking diese Woche. Die Girls können mit „Lust For Life“ die Spitze halten, bekommen aber gleich dahinter Besuch vom einzigen Neueinsteiger diese Woche. The Drums beweisen mit „I Felt Stupid“ eindrucksvoll, dass das kurzweilige „Let’s Go Surfing“ vielleicht doch keine Eintagsfliege war und man sich aufs Debütalbum freuen kann. Immerhin ist hier eine weitere Popperle am Start. Der Rest bleibt in den Top 10 relativ stabil, wenngleich es leichte Platzwechsel gibt. Athlete können in der 2. Woche nochmal 3 Plätze gut machen und entern die vorderen 10 Plätze. Auch US-Kollege Jay-Z kann nochmal punkten. Mew halten sich ebenfalls recht stabil in den hinteren Plätzen… diese Woche geht’s für „Repeaterbeater“ mal wieder einen Platz hoch. Ansonsten wenig Neues diese Woche am Start. Muss ja auch nicht unbedingt. Der geneigte Leser kann sich ja auch gern immer wieder die Hits vergangener Wochen gönnen.

01.( 01 / #3 ) Girls “Lust For Life”
02.(NEW/ #1) The Drums “I Felt Stupid”
03.( 02 / #5 ) Florence And The Machine “You’ve Got The Love”
04.( 05 / #3 ) Muse “Undisclosed Desires”
05.( 03 / #7 ) The Sound Of Arrows “Into The Clouds”
06.( 04 / #4 ) Ellie Goulding “Under The Sheets”
07.( 08 / #2 ) Yeasayer “Ambling Alp”
08.( 06 / #2 ) The Big Pink “Dominos”
09.( 09 / #5 ) Arctic Monkeys “Cornerstone”
10.( 13 / #2 ) Athlete “Black Swan Song”
11.( 07 / #6 ) Julian Casablancas “11th Dimenson”
12.( 15 / #2 ) Jay-Z “Empire State Of Mind”
13.( 12 / #3 ) Calvin Harris “Flashback”
14.( 10 / #10) The xx “Basic Space”
15.( 11 / #5 ) Vampire Weekend “Horchata”
16.( 16 / #3 ) Jamie T “The Man’s Machine”
17.( 14 / #7 ) Röyksopp “This Must Be It”
18.( 19 / #6 ) Mew “Repeaterbeater”
19.( 17 / #13) Editors “Papillon”
20.( 18 / #8 ) La Roux “I’m Not Your Toy”

Donnerstag, 19. November 2009

Neues Charlotte Gainsbourg ft. Beck Video "Heaven Can Wait"

Der Antichrist Superstar ist zurück. Nein wir sprechen nicht von Marilyn Manson, der sich gerade auf Deutschland-Tour befindet, sondern von niemand geringerem als der Protagonistin des aktuellen Lars von Trier Films Antichrist. Diesmal meldet sich Charlotte Gainsbourg glücklicherweise weniger verstörend und in musikalischer Hinsicht zurück. Zusammen mit Beck veröffentlicht sie nun die erste Single aus ihrem neuen Album IRM namens Heaven Can Wait. Der Regiesseur Keith Schofield ließ keine Gelegenheit aus um dem Clip jegliche Konventionalität zu entreißen. Schofield drehte bis dato schon Videos für CSS, Goose, Death Cab For Cutie, aber auch beispielsweise schon Commercials für McDonalds. Warum jedoch so viele Menschen in seltsamen Kostümen herumlaufen, manche davon übergroße Walnüsse mit sich herumtragen oder etwa ein Skateboard auf gestapelten Cheeseburgern steht, bleibt ungeklärt. Fest steht jedoch, dass Schofield durch die Absurdität der Szenen ein sehr interessantes Video geschaffen hat.

Mittwoch, 18. November 2009

Rainbow Party - (4) Topsyturvydom

Und es geht wieder quer durch den Gemüsegarten weiter mit dem schönsten, traurigsten, berührendstem, beeindruckendstem meines vergangenem musikalischen Jahrzehnts.
Viel Freude.

35) Arcade Fire - In The Back Seat, 2004



Ich halte von Arcade Fire nicht wirklich viel. Womöglich liegt es an dem großen medialen Interesse, der ihnen von allen Seiten entgegengeschnappt ist, das ich persönlich in keinen Bezug zur musikalischen Qualität setzen kann. Erstens hat Wim Butler eine furchtbare Stimme. Dann ist die Musik monoton und maßlos überladen zugleich. Die Texte sollen wohl ganz gut sein, aber das hat mich alles nicht sonderlich interessiert. Also eigentlich eine Band, ohne die ich hervorragend leben könnte.
Gäbe es da nicht dieses Lied. Was mich bestürzt und beruhigt. Traurig und glücklich zugleich macht. Was zeitgleich intim und weltumarmend ist.
Außerdem ist es alles, was Arcade Fire für gewöhnlich nicht ist. Aufregend in seiner Struktur - immer kurz vor der Explosion, findet es immer wieder die Bremse, um sich letztendlich doch mit stetigem Schritt zu steigern, bis nur noch ein gespieltes Fade Out, diesen Zug stoppen kann. Der Hörer verliert dennoch nicht den Überblick: Jedes Instrument kann klar geortet werden und hilft dem Song nach vorn. Und vor allem trällert hier Mr. Butlers inzwischen-Gemahlin Régine Chassagne, die ganz hervorragend singt und mit ihrer Tonation bei mir immer voll ins Schwarze trifft. Selig ergriffen zwitschert sie den sehr nachvollziehbaren Text hinunter, dass es mir wohlige Schauer über den Rücken jagt und auch schon das ein oder andere Male Tränen der Rührung entlockt hat.
Wenn doch nur der Rest so toll wäre ...

34.) The Thermals - A Stare Like Yours, 2004



Ja! Dieses Lied ist tongewordenes Adrenalin. Rauh der Sound, hoch das Tempo, groß die Wortdichte. Es bleibt einem keine Luft mehr zu atmen, so eilig hatten die Herren und Dame Thermals es, uns diesen Reißer um die Ohren zu hauen.
Inzwischen haben sie zwar keine Lust mehr, einem solche Backpfeifen zu verpassen, sondern lassen es lieber langsam angehen und gleichzeitig auch die Lyrics etwas mehr wachsen zu lassen. Doch auf dem sehr empfehlenswerten Album Fuckin' A musste das noch sein. Auf diesem reißen sie noch schön 12 Stücke in nicht einmal einer halben Stunde runter. Wie im Vorrübergehen wirft die Band einem diese Knochen vor, die sich ziemlich schnell, als hervorragende (here we go again) Popsongs entlarven. Mitreißende Melodien zum Mitsingen und nachvollziehbare Strukturen. Obendrauf noch sehr parolenhafte Texte, wo gedacht hinter jeder Wortgruppe ein Ausrufezeichen steht. Dazu knarzt die Produktion von Chris Walla (Death Cab For Cutie) an allen Ecken und enden. Das Schlagzeug rumpelt, der Bass pumpelt, die Gitarren schneiden ins Trommelfell und der Sänger klingt als sänge er in ein Megaphon. Auch das ist manchmal sehr wünschenswert und passt zu dieser dringlich schiebenden Musik wie Arsch auf Eimer.
Im Prinzip ist auch das ein Album, welches von vorne bis hinten keinen Schwachpunkt besitzt und auch eine erstaunlich lange Halbwertszeit. Jedoch zeigt sich nach geraumer Zeit, dass vor allem Keep Time und eben A Stare Like Yours als die absoluten Überhits offenbaren. Diesen hier lege ich halt als erstes ein, wenn ich mir denke "Hey es ist mal wieder Zeit, Thermals zu hören!". Darum steht er hier.
Für alle, die manchmal einfach an einer genauso kurzen Aufmerksamkeitsspanne leiden, wie Hutch Harris oder ich, seien die ersten beiden Thermals-Alben an dieser Stelle sehr ans Herz gelegt.

33.)Beirut - Prenzlauerberg, 2006



Das Lied klingt nach allem möglichen, aber auf jeden Fall nicht nach Berlin. Es klingt nach einer Zigeunerbeerdigung, nach sommerlichen Nächten auf der Terasse einer italienischen Bar, nach einem schlurfigen russischen Marsch oder nach Klezmer in Slow Motion. Es klingt nach Trauer, nach Ruhe, Ausgeglichenheit und Lebensfreude zugleich. Schwer und voll tröten die Blechbläser gemeinsam mit dem Akkordeon (!) im Dreivierteltakt. Schleppend und monoton der Beat und Zach Gondon singt mit sich selbst einen krass versetzten Chor. Dieses Lied hat etwas hervorragend träumerisch. Es ist irgendwie kaum fassbar. Man hat das Gefühl als gleite es einem permanent zwischen den Fingern davon.
Was hat das eigentlich noch mit Popmusik zu tun? Auf den ersten Blick natürlich nix. Das ist etwas, was man normalerweise im Multi-Super-Duper-Bombast-Elektronikmarkt unter der Rubrik World/Ethno finden würde. Und dennoch waren Beirut 2006 einfach zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle und konnten mit derart - nun ja - uncooler Musik, einen beachtlichen Erfolg erzielen. Vor allem bei mir. Denn das 2006er Werk mit dem fragwürdigen Titel Gulag Orkestar schlug bei mir mit beachtlicher Wucht ein, so dass ich es seitdem unzählige Male gehört habe. Zwar meist nebenbei, wenn ich gelesen oder was weiß ich gemacht habe, aber ebenso nebenbei versetzte es mich in eine seltsam fröhliche Stimmung, die man sonst nicht allzu oft findet. Nicht die karnevalige Gröhl-Freude, sondern mehr so ein diffuses Gefühl der Gelöstheit und der Gewissheit, dass man nicht immer alles sooo wichtig nehmen muss.
Dies alles und noch viel mehr vor allem in dem ganz und gar berauschenden Prenzlauerberg kulminierend. Das liegt sicherlich daran, dass hier die Bläser sehr prominent platziert sind - im Vergleich zum restlichen OEuvre von Beirut - und mich von daher wahrscheinlich am effektivsten gefangen nehmen.

32.)Interpol - Stella Was A Diver And She Was Always Down, 2002



Ha! Endlich die erste Übereinstimmung in einer Woche mit dem guten Rhododendron! Da bin ich aber froh.
Okay bei Interpol ein bestes Lied auszuwählen ist eine verdammt harte Aufgabe... Ich möchte an der Stelle gleich noch die Stücke Leif Erikson, Take You On A Cruise, Pace Is The Trick, Say Hello To The Angels und Not Even Jail, sowie den Paul-Banks-Remix von Narc empfehlen. Das alles sind hervorragende, treibende, intensive und wunderschöne Songs, die man sich nicht entgehen lassen sollte!
Den ich mir hier ausgesucht habe, ist auch bei weitem nicht der beste Titel der düsteren Herren aus NYC. Oder? Er ist viel zu lang und zerstückelt, die letzten anderthalb Minuten Nachschlag, könnte man auch weglassen. Der Refrain ist sehr sehr simpel. Vom Handwerk her müsste ich eigentlich Take You On A Cruise vom 2004er Werk Antics wählen. Da herrscht kompositorische Brillanz.
Aber hier herrscht eine so intensive Atmosphäre, dass sie kaum zu ertragen ist. Schon der Anfangsriff zieht einen ganz tief in den dunklen Ozean hinein. Aus diesem wird man dann auch für die nächsten 6 1/2 Minuten nicht entweichen können. Licht gibt es nun nicht mehr. Es ist mehr ein Treibenlassen in der Dunkelheit. Keine hohen Wellen, mehr ein stetiges Auf und Ab. Das alles wird von dem inbrünstig gesungenen Text bis ins letzte Detail unterstützt. Eine todtraurige Serenade an Stella, einem town bicycle, die einen jedem Hoffnung auf Besserung der Situation nimmt.
When she walks down the street,
She knows there's people watching.
The building fronts are just fronts
To hide the people watching her

Wenngleich der Text am wenigsten von mir spricht, fühle bzw. fühlte ich mich durch die grundsätzliche Aussage doch sehr wiedergefunden und als ob Stella eine Seelenverwandtschaft wäre. Das "Stella! Stella-ha!" meine ich zu rufen. "Ja, auch ich fühle mich mehr gelebt, als dass ich richtig lebe. Manchmal meine auch ich, mein Dasein findet auf dem Grund des Ozeans in seiner ganzen erdrückenden Schwere statt. Stella, du bist nicht allein, lass den Kopf nicht hängen!", möchte ich ihr zurufen. Und dabei ist das alles nur eine literarische Figur!
Geht es noch besser? Geht es noch intensiver? Schwer. Würde ich die 45 Titel außerhalb der Top 5 ranken, wäre dieser Titel auf Platz 6. Ein sehr wichtiges Stück Musik der letzten zehn Jahre für mich.

31.)Röyksopp - Only This Moment, 2005



Bei Röyksopp einen besten Titel herauszupicken ist ebenfalls extrem schwer. Denn von Remind Me bis This Must Be It waren ja schon bei den Singles fast nur Knaller dabei. Und dann befinden sich ja noch um die offensichtlichen Hits drumherum sehr schöne und packende Popsongs.
Der Titel der mich allerdings am meisten geflasht hat, stammt von dem 05er Album The Understanding, ist da der zweite Titel und heißt Only This Moment.
Was diesen Song so besonders macht: Hauptsächlich die Stelle ab 1:49, in der Kate Havnevik mit ihrer zum Schmelzen schönen Stimme singt
Stay or forever go
Play or you'll never know
Your spirit's divided
You will decide if I'm
All you've been waiting for
.
Da schmelze ich jedesmal erneut dahin. Zusätzlich noch die sehr schöne Akustikgitarrenlinie, die von Zeit zu Zeit angespielt wird, sowie die hervorragenden Flächen, welche mittels Synthies und ausgedehntem "aahahaaa"-Gesang aufgebaut werden. Außerdem enthält der Song die sehr tolle Textzeile
love without pain isn't really romance,
der dafür gemacht zu sein scheint, sämtliche Schiefermappen der westlichen Welt zu zieren.
Ein durch und durch romantischer Song, der zum Lieben und Träumen einlädt. Hach!
P.S.: Wer zufällig schonmal den Lindsay Lohan-Film Just My Luck(dt.:Zum Glück geküsst) gesehen hat, konnte Zeuge werden, wie dieses Lied einem ansonsten nicht so überzeugendem Film einen kräftigen Glanz verleihen kann. Jaja, die Kraft der Musik...

Bis nächste Woche erstmal. Gehabt euch wohl.

Sonntag, 15. November 2009

Meine 100 Alben 2000 - 2009 / Plätze 30 - 21

AlbumsOfTheDecade-100-91

30. PeterLicht “Lieder vom Ende des Kapitalismus” (2006)
Als fast schon prophetisch könnte man das 2006er Werk des deutschen Songwriters PeterLicht beschreiben. Bereits ein paar Jahre vor der Finanzkrise besang er das Ende des guten alten Kapitalismus auf seinem gleichnamigen Konzeptalbum. Dass dabei keine linke „Ton-Steine-Scherben“-Prolemik herausgekommen ist, liegt vor allem daran, dass Herr Licht ein hervorragender Songschreiber ist, vielleicht der Beste, den wir in diesem Land haben. Seine Wortwahl ist feinstens und schafft eine durchaus gute Balance zwischen Kryptik und Klarheit. Dazu kommt die entspannte Grundstimmung dieses Albums, die etwas von einem lauen Sommertag hat. So verkommt der Zusammenbruch des westlichen Finanzsystems zu einem entspannten Befreiungsschlag, dem PeterLicht jegliche Dramatik und Panik nimmt. So ist dieses Album auch ein Gegenentwurf zur Leistungsgesellschaft, zu Konsum und zum alltäglichen Funktionieren und der Hektik. Licht besingt das „absolute Glück“ der Ruhe, ruft zum „Wettentspannen“ auf schaut ein wenig melancholisch aber durchaus zuversichtlich im Titelstück auf das System zurück. Doch stets blinkt der Schalk im Nacken durch, ein gewisser Wortwitz, welcher dem ganzen Thema die Schwere nimmt. Hinzu kommt die Tatsache, dass sich „Mr. Sonnendeck“ nach seinen ersten beiden Alben hier deutlich vom Prinzip des Elektropops löst und Platz für Gitarre, Bass und Schlagzeug macht, was das ganze erdiger und greifbarer macht. Ein Aufbruch in eine neue Zeit, der aber die Melancholie nie außen vor lässt. Auch weil Licht sich nicht nur auf Politik beschränkt, sondern auch Zwischenmenschlichem einen Platz gibt, wie in dem phänomenal guten „Kopf Zwischen Sterne“, meinen nach wie vor liebsten deutschsprachigen Song. Und sicher, ich hab vielleicht nicht alle deutschen Klassiker der vergangenen zehn Jahre gehört, aber „Lieder vom Ende des Kapitalismus“ ist offiziell mein liebstes deutsches Album dieser Dekade. Intelligent, aber dennoch verständlich und außerdem voller Gefühl und Emotionen. Und trotzdem lädt es zum Mitsingen ein. Und dann auch noch mit jede Menge Politik drin. Eine Gradwanderung, welche sicher nicht alle Künstler so gut hinbekommen. Man braucht eine Weile, um es zu verstehen, aber dann erschließt sich dieses Album gern demjenigen, der bereit ist zuzuhören. Deutschland kann am Ende, wenn es will, doch noch Land der Dichter und Denker sein.
Hörpflicht: „Das Absolute Glück“, „Lied vom Ende des Kapitalismus“, „Kopf zwischen Sterne“

29. Morrissey “You Are The Quarry” (2004)
Retro sei Dank! Er war wirklich weg vom Fenster, der gute Stephan Patrick Morrissey. In den 80ern war er als Smiths-Frontmanm ein Idol, in den 90ern versank er langsam im musikalischen Niemandsland. Nach Jahren ohne Plattenvertrag und guter Songs, kam 2004 das überfällige Comeback. In einer Welt, in der britischer Indie-Rock gerade seinen x-ten Frühling hatte und sich alle Bands auf die Smiths als Einfluss einigen konnten, war die Welt wieder bereit für diesen Mann und seine Songs. Und so war „You Are The Quarry“ ein Erfolg auf ganzer Linie. Nicht nur wegen der Hits „Irish Blood, English Heart“ oder „First Of The Gang To Die“, welche Morrissey eine neue Generation von Fans erschloss. Auch der Rest kann sich sehen lassen. Morrissey ist wieder erstärkt und macht das, was er schon immer gemacht hat. Ein Rundumschlag gegen falsche Prominente (“The World Is Full Of Crashing Bores”), intolerante Amerikaner (“America Is Not The World”) oder seine Kritiker („How Can Anybody Possibly Know How I Feel?“). Und dazu das ewige Hadern mit sich selbst. Er resümiert über sein Leben (“I’m Not Sorry”), nur um an Ende voller Stolz, Würde und Pomp festzustellen: “You Know I Couldn’t Last“. Von allem bitte eine Spur mehr. Mehr Gitarren, mehr Pomp. Die Haare werden zwar grauer und der Vegetarierbauch etwas dicker, aber die großen Gesten sitzen wieder perfekt. „You Are The Quarry“ ist das stärkste Morrissey Soloalbum seit Beginn der 90er. Alles, was es an diesem Mann zu lieben gibt, findet sich hier. Und auch seine Kritiker werden wieder genug Material finden. Ihm ist alles egal. Er ist eine lebende Legende, hat Generationen von Musiker und Menschen nachträglich beeinflusst. Ein einsamer Fels, welcher sich in einem immer schneller werdenden Pop-Business eine gewisse Robustheit und Stilsicherheit bewahrt hat. Wenn es so einen Jacko-like-Titel, wie „King Of Indie“ geben würde, dieser Mann würde ihn zurecht tragen. Doch vermutlich würde er ihn gar nicht annehmen wollen. Morrisseys astreines Comeback war der Startschuss zu einer fulminanten zweiten Hälfte der Dekade, in denen dieser Mann noch mal alles gab. Vielleicht am Ende etwas zu viel, denn langsam geht ihm wieder die Puste aus, sowohl musikalisch, als auch wörtlich. Wenn sich dieser Mann demnächst noch mal eine Pause gönnt und bereit ist in 1,2 Jahren noch mal anzugreifen, dann kann dies durchaus etwas bringen, obwohl er eigentlich in Rente gehen wollte. Brauchen tut ihn die Musikwelt trotzdem nach wie vor.
Hörpflicht: “Irish Blood, English Heart”, “I’m Not Sorry”, “First Of The Gang To Die”, “You Know I Couldn’t Last”

28. Kent “Du Och Jag Döden” (2005)
Bereits zum zweiten Mal begegnen uns nun die Schweden von Kent in der Top 100. Nach einem okayer 73. Platz für das 2002er „Vapen Och Ammunition“, schafft es der Nachfolger „Du Och Jag Döden“ (Du und ich tot) sogar in die Top 30. Ein Wunder ist das nicht, denn „Döden“ ist das persönliche Meisterstück dieser Band, ein Album welches man als Band, wenn man Glück hat, nur einmal im Leben aufnimmt. So besticht das 2005er Werk mit viel atmosphärischer Dichte und wundervollen Songs, für die jegliche Sprachbarriere kein Hindernis darstellt. Nach dem poppigen Vorgänger schlägt „Du Och jag Döden“ einen deutlich düsteren, nachdenklicheren und melancholischeren Ton ein, trotz einer Powernummern, wie „Palace & Main“ oder „Max 500“. Der schnittige Basslauf von „400 Slag“ zählt immer noch zu meinen Lieblings-Albumanfängen, zumal dem Basslauf auch ein wundervoll hymnischer Song folgt. Die weiteren Songs bleiben hochmelodiös, lassen aber immer wieder diese spezielle nordische Melancholie durchsickern. Bsp. Beim akustischen „Järspoken“ oder dem anschließenden „Klåparen“. Die Stimme von Joakim Berg bleibt dabei das heimische Element, das die Songs auch weiterhin trägt. Und gerade wenn die Instrumentierung sich reduziert, wie beim simplen, traurigen „Rosor & Palmblad“ zeigt sie ihre ganze Kraft. Einer der Hauptgründe, dieses Album zu lieben bleibt für mich aber immer noch der epische Schlusstrack über den Mann mit dem weißen Hut. „Mannen I Den Vita Hatten“ ist über sechseinhalb Minuten ein wunderbares Wechselbad der Gefühle, in welches ich mich auch nach Jahren immer noch gern reinfallen lassen, auch weil der Song nach all der Dunkelheit des Albums am Ende eine gewisse Aufbruchsstimmung versprüht, voller Kraft und Energie. Mit diesem Geniestreich verpasst die Band dem Album das i-Tüpfelchen. Diese wunderbare Symbiose aus kraftvollen Gitarrenwänden und ruhigen, zerbrechlichen Momenten hat diese Band seitdem nie wieder in dieser Form hinbekommen, vielleicht auch weil sie es vielleicht so nicht mehr schaffen würde. Die Nachfolgealben „Tillbaka Till Samtiden“ und das jüngst erschienene „Röd“ gehen eher in eine elektronische Richtung, was an sich nicht verkehrt ist, aber dem Ganzen fehlt einfach die häufig Seele, die auf diesem Album noch so wunderbar zu hören ist. Bitte in Zukunft wieder mehr davon.
Hörpflicht: „400 Slag“, „Palace & Main“, „Mannen I Den Vita Hatten (16 År Senare)“

27. Interpol “Turn On The Bright Lights” (2002)
Aaaaahhh... Interpol. Nothing to explain! Mit drei unglaublich guten Alben (die anderen beiden kommen noch weiter oben, logischerweise) hat sich das Quartett aus New York in mein Herz gespielt und mich mit ihrer Musik öfters berührt als viele andere Bands. Hier ist mal wieder der Begriff „Lieblingsband“ fällig, wenngleich ich den auch gern mal bei zehn anderen benutze. Ist halt alles ne Herzensangelegenheit. Witzigerweise habe ich den Nachfolger „Antics“ eher kennen gelernt, deshalb ist das Debüt „Turn On The Bright Lights“ sozusagen mein zweites Interpol-Album. Das Gefühl ist aber das gleiche. Bereits beim Eröffnungstrack „Untitled“ entfaltet die Band ihre fulminante, düstere Energie, auch wenn sie hier noch hinter einer Nebelwand verborgen scheint. Erst beim darauf folgenden Song „Obstacle 1“ wird man konkreter. Die Geschwindigkeit wird angezogen, der Bass von Carlos Dengler vibriert vor sich hin und die treibende Stimme von Paul Banks dringt durch alle Körperzellen. In diesem Wechsel gibt sich auch das Album. Zum einen träumerisch-melancholisch, wie bei „NYC“ oder „Hands Away“ oder ruppig treibend, wie bei „Say Hello To The Angels“ oder „Ronald“. Doch stets bleibt man dabei düster und voller geheimnisvoller Magie. Ich kann das, wie immer, ganz schwer in Worte fassen. Ja, von mir aus, nehmt die Joy Division Vergleiche der Musikpresse, aber diese Band klingt in erster Linie nach sich selbst. Die einzelnen Elemente sind dabei bestens aufeinander abgestimmt, so dass man das Gefühl hat, jeder Akkordwechsel, jede Bridge ist genau da, wo sie hinmuss. Für ein Debütalbum ist „Turn On The Bright Lights“ recht professionell, das muss man zugeben. Textlich gibt sich Banks melancholisch-kryptisch, so dass die Songs gern zur Eigeninterpretation freigegeben sind. „She doesn’t know that I left my urge in the icebox“ stellt Banks dabei am Ende fest. Die Stimme unterlegt mit viel Hall über einem traurig, tragendem Melodiegefüge. Selten klang Musik gleichzeitig so kühl und distanziert, wie gleichzeitig herzlich. Im Vergleich zu den beiden Nachfolgern fehlt der Musik auf dem Debüt noch ein wenig das Konkrete. Man merkt, dass die Band noch nicht alle Trümpfe ausspielt. Ich kann gar nicht mehr dazu schreiben, ohne in belanglosen Mist abzudriften. Ich lade deshalb alle Leute ganz herzlich ein, sich näher mit dieser Band zu beschäftigen und in ihre Musik einzutauchen. Vielleicht wird es ja auch eine von euren Lieblingsbands.
Hörpflicht: “Untitled”, “Obstacle 1”, “Stella Was A Diver And She Was Always Down”, “Leif Erikson”

26. I Love You But I’ve Chosen Darkness „Fear Is On Our Side“ (2006)
Ha, und wo wir gerade bei der düsteren Magie sind... diese Band passt auch voll und ganz in diese Thematik. Hab ich ja schon bei „The Organ“ geschrieben. Mich kannst du einfach mit diesem düsteren New-Wave-Post-Punk-Scheiß rumbekommen. Interpol sind sicher die Band, die es diesbezüglich am meisten drauf hat, dich sollte man darüber hinaus auch nicht einige andere aus dem Fahrwasser vergessen. Den passenderen Namen haben I Love You But I’ve Chosen Darkness ohnehin. Wie EMO ist das denn bitte schön? Musikalisch sind Chosen Darkness eigentlich ein Interpol-Klon, wenngleich die es natürlich nicht ganz so perfekt hinbekommen und Frontmann Christian Goyer natürlich kein zweiter Paul Banks ist. Dennoch versprüht das Debüt „Fear Is On Our Side“ ebenfalls diese düstere Kälte, die ich an dieser Musik so liebe. Da ist man auch näher an den 80ern dran, als die Kollegen aus New York. Man beachte nur einmal den Hall des Schlagzeugs auf dem wunderbaren „Long Walk“, welches besagten Gang natürlich musikalisch bestens wiedergibt. Dazu kommen unglaublich viel Gitarren- und Synthiewände, die gern mal in Sphärische abdriften und es auf Tracks wie „We Choose Faces“ oder dem fulminanten Abschluss „If It Was Me“ gern mal maaslos übertreiben. Tracks wie die Single „According To Plan“ oder „Last Ride Together“ kann man eine gewisse Tanzbarkeit aber ebenfalls nicht aberkennen. Auch wenn Chosen Darkness stellenweise für viele Geschmäcker etwas zu dick aufdrücken (Mehr Delay, bitte!), ändert das nichts an der wunderbaren Atmosphäre, welches dieses Album von der ersten bis zur letzten Minute erzeugt. Es ist dieses Gefühl, welches nur diese Form von Musik bei mir auslösen kann. Wer also der Meinung ist, in dem musikalischen Feld noch etwas Neues zu entdecken, der möge gern mal reinhören und sich bezaubern lassen. Die etwas poppigere und etwas kitschigere Interpol-Ausgabe. Trotz eines gewissen Kritikererfolges fehlt von der Band seit einiger Zeit jede Spur. Entweder arbeitet man fernab der Zivilisation doch noch am Nachfolger, oder der Ofen ist bereits jetzt schon aus. Wäre irgendwie schade, wie so oft.
Hörpflicht: “According To Plan”, “Lights”, “Long Walk”, “If It Was Me”

25. Elbow “The Seldom Seen Kid” (2008)
Das war aber überfällig! 2008 war das Jahr, in welchem die famosen Elbow endlich in der britischen Heimat vom Geheimtipp zu etwas Größerem wurden. Top 10 Platzierungen gab’s, Radiohead hat man den renommierten Mercury Prize vor der Nase weggeschnappt und den Brit-Award gab’s genauso, wie ne ausverkaufte Wembley Arena. Von Album zu Album hat sich diese Band auf einem ohnehin schon sehr hohen Niveau immer wieder gesteigert, um mit „The Seldom Seen Kid“ den vorläufigen kreativen Höhepunkt zu erreichen und ihr stärkstes Werk vorzulegen. Die Jahre als Geheimtipp hinter Coldplay und Co. haben die Band aus Manchester geformt und ließ sie ihre melancholischen, immer etwas schrulligen und auch irgendwie sehr britischen kleinen Popsongs perfektionieren. Und wie bei den Vorgängern ist es am Ende wieder die Stimme von Sänger Guy Garvey, welche einen wie ein heller Leuchtturm, durch alles Chaos und alle Experimentierfreude nach hause geleitet. Die Texte sind gefühlvoll, die lyrischen Bilder Garvey’s schwanken zwischen Genialität und witzigem Unterton. „The Seldom Seen Kid“ wirkt dabei wie aus einem Guss und wurde einem vorher verstorbenem Freund der Band gewidmet. Dies verleiht der Platte eine gewisse Intimität und Authentizität. Ein Album, welches sich hervorragend für die Nacht eignet. Sperrigen Songs, wie dem groovigen „Grounds For Divorce“ oder dem bartrunkenen „The Riot“ stellen sich melancholische Songs wie „Mirrorball“ gegenüber. Und immer lockt der Hang zu großen Momenten. „The Loneliness Of A Tower Crane Driver“ entwickelt sich am Ende zu einem gewaltigen Monster und spielt orchestral in einer anderen Liga. „Weather To Fly“ strotz vor vorsichtigem Optimismus, den „One Day Like This“ später inklusive Chor auf die Spitze treibt. Das Album endet mit dem unglaublichen „Friends Of Ours“, einem der traurigsten Songs, den ich je gehört habe. Die Trauer über den Verlust eines geliebten Menschen, der vorsichtige Optimismus und die leise Erkenntnis „Love you, mate“. So ist dieses Album Trauerbewältigung, Nachtsoundtrack und Liebeserklärung in einem. Untermalt von Musik, der ich wirklich den Begriff „Anbetungswürdig“ verleihen möchte. Schön, dass es immer noch so aufrichtige, bewegende Musik, wie diese gibt. Ein episches Meisterwerk, das eben keins sein will und bei dem man sich ausnahmsweise mal mit Kritikern und Käufern einig sein kann. Wann gibt es so etwas schon noch mal. Ich hoffe auch für die nächsten zehn Jahre, dass sich die Band treu bleibt. Dann besteht noch Hoffnung! Ich trinke drauf!
Hörpflicht: „Mirrorball“, „Grounds For Divorce“, „One Day Like This“, „Friend Of Ours”

24. Sigur Rós “( )” (2002)
Ach, mal wieder meine Lieblingsisländer von Sigur Rós. Was soll ich da eigentlich noch schreiben, was ich nicht schon bei „Takk…“ weiter oben bereits getan hab und was die Welt ohnehin schon weiß. Natürlich macht diese Band die wundervollste Musik auf Erden über deren Kraft und Emotionalität ich ja eigentlich niemandem mehr großartig was erzählen muss, oder? Fokussieren wir uns mal kurz auf das 2002er Album, welches eigentlich keinen Namen hat, aber gern als das weiße Album der Band bezeichnet hat, bzw. als „( )“. Dabei treibt die Band die Namenlosigkeit auf die Spitze und stellt die Musik mehr denn je vor alles andere. Das Album hat keinen Namen, auch die 8 Stücke darauf haben keine. Und selbst das Booklet ist durchsichtig und bietet keine Informationen. Und wenn das nicht schon genug wäre, singt Sänger Jonsí auch nicht, wie üblich auf Isländisch, sondern in einer Art Fantasiesprache, die man sich selber ausgedacht hat. Ich glaube, er singt in dieser Sprache auch nur einen einzigen Satz in unterschiedlichen Variationen, bin mir da aber nicht sicher. Musikalisch geht „( )“ den Weg des Vorgängers “Ágætis Byrjun” natürlich weiter, wenngleich der Grundton vielleicht noch ne Spur düstere ist und gerade in der zweiten Hälfte verstärkter ins Experimentelle und Verstörende abgleitet. Die verhältnismäßig ruhigen, traurigen Songs 1 bis 4 sprechen da noch eine ganz andere Sprache. Doch gerade der fast 12minütige Abschlusssong ist noch mal eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Vielleicht ist „( )“ nicht das ideale Einstiegsalbum in die Klangwelt von Sigur Rós. Bei mir war es das aber ironischerweise. Vermutlich ist der Rest dagegen ein wenig Kindergarten. Aber gerade deshalb hat das weiße Album der Band für immer einen besonderen Platz in meinem Herzen. Und jetzt hör ich hier aber auch mit Schwafeln. Über diese Musik redet man nicht, sondern man hört sie! Versteht das hiermit als verbindliche Aufforderung dazu! Danke!
Hörpflicht: “Untitled #1”, “Untitled #3”, “Untitled #8”

23. Arctic Monkeys “Whatever People Say I Am, That’s What I’m Not” (2006)
Es war die Band, die damals aus dem Nichts kam und alles überrannte… die Arctic Monkeys haben es trotz Verbreitung durchs Internet geschafft, am schnellsten verkaufte Debüt der britischen Chartsgeschichte abzuliefern. Der Wirbelsturm der arktischen Affen um Alex Turner aus dem beschaulichen Sheffield umfasste in Windeseile Kritiker, Musikerkollegen und natürlich die Fans. Die füllten in England bereits vor dem Release des Albums die größeren Hallen und sangen im Festivalsommer 2006 zu Tausenden die Songs des Debüts auf den großen englischen Festivals… ein Hype, den es in dieser Form seit Oasis nicht mehr gab. Und die Parallelen sind durchaus vorhanden, was die Arctic Monkeys vielleicht zu der einzig wahren Band der Generation „Indie“ (hat die eigentlich ’nen Namen?) macht, wenngleich da natürlich mit Maximo Park, Bloc Party oder anderen Kandidaten noch reichlich Konkurrenz mit am Start war. Doch die Monkeys sprachen einfach die Mehrheit ihrer Generation. Selbst gerade mal die 20 geknackt, versprühen die Lads aus Sheffield vor allem viel Authentizität auf „Whatever People Say I Am… .“ Das sind dann natürlich die Themen aus dem Arbeitermilieu, Songs über verzweifelte Liebe, Diskotheken, Alkohol und die alltägliche Tristesse von Orten, wie eben Sheffield. Turner verpackt all dies in eine erstaunlich direkte, aber trotzdem noch sehr lyrische Sprache, mit welcher er häufiger zu rappen, als zu singen scheint. Und obwohl die Songs teilweise hingerotzt wirken und diesen Garagenrock-Charme haben, wird deutlich, dass diese Band bereits damals vor allem musikalisch sehr, sehr talentiert war. Selbst wüste Songs wie „You Probably Couldn’t See For The Lights…“ oder “Perhaps Vampires Is A Bit Strong...” lassen unter all der jugendlichen Energie interessante Strukturen entdecken. Und auch ruhigere, melodiösere Songs, wie „Mardy Bum“ oder das abschließende „A Certain Romance“ beweisen, was für gute Musiker und kreative Songschreiber hier am Werk sind. Die Songs kennt eh jeder. „The View From Afternoon“ erschlägt einen gleich zu Beginn, „Dancefloor“ kann man vermutlich nicht mehr hören und „When The Sun Goes Down“ ist immer noch pure Energie. Der Erfolg kommt nicht von ungefähr. Die Monkeys sind als 19jährige Lads einfach authentischer als viele andere Bands. Hinzukommen tolle, lebensechte und gut geschriebene Songs voller Energie, die genau in die Lücke trafen, welche die Libertines damals hinterlassen hatten. Echter, gut gemachter Gitarrenrock ist halt immer ein Erfolgsgarant, auch außerhalb des Vereinigten Königreiches. Man muss einfach die Zeit hinzusehen, um dieses Album, diese Band und diesen Wirbel zu verstehen. Vielleicht wär das heute in der Form auch nicht mehr so möglich, aber damals waren die Arctic Monkeys für kurze Zeit die Lebensretter schlechthin. Auch heute erinnere ich mich beim Hören immer noch gern an diese Zeit zurück. Die Band hat sich glücklicherweise nie auf diesem Erfolg ausgeruht, sondern sich stetig musikalisch weiterentwickelt und macht gerade deshalb heut immer noch viel Spass, auch oder gerade weil sie halt nicht mehr so grün hinter den Ohren ist.
Hörpflicht: “The View From The Afternoon”, “Fake Tales Of San Francisco”, “When The Sun Goes Down”, “A Certain Romance”

22. Tiger Lou “The Loyal” (2005)
Rasmus Kellermann aka Tiger Lou hat wohl nur darauf gewartet, bis er endlich eine Band um ein Indiefolk-Projekt scharren konnte, um dann in die Vollen zu gehen. War das Debüt „Is My Head Still On?“ noch von melancholischen Akustikgitarren geprägt, wird der Musik auf dem Nachfolger „The Loyal“ etwas Strom hinzugefügt. So überrascht uns Kellermann mitsamt Band nun mit einem neuen, noch düsteren, noch melancholischeren Sound. „The Loyal“ ist dabei wie ein packender Nachtflug. Damit meine ich sowohl den gleichnamigen Titeltrack, wie auch das ganze Album. Der gesamte Spund bekommt eine Art New-Wave-Anstrich und damit dürfte ja schon klar sein, was mich an diesem Werk so fasziniert. Es sind diese unglaublich atmosphärischen Songs, die zwischen Energie und Melancholie wechseln. Doch selbst druckvolleren Songs wie „Patterns“, „Functions“ oder „Like My Very Own Blood“ haftet etwas nachdenkliches, trauriges an, welches sich bei den ruhigen Nummern vollends entfalten kann. In den richtigen Momenten können Lieder, wie „Ten Minutes To Take Off“ oder „Nixon“ lebensrettend sein. Gerade Ersteres klingt wie ein wunderbar düsterer Traum. Wenn ihr nachts in der U- oder S-Bahn sitzt und nach draußen ins schwarze Nichts schaut, dann werdet ihr es verstehen. Die Musik von Tiger Lou ist intensive Gitarrenpopmusik voller kleiner Hits, die voller großer Atmosphäre stecken. So geht das Konzept mit „The Loyal“ voll und ganz auf, von „Woland’s First“ bis „Woland’s Last“. Eine ganz eigene, kleine Welt. Auf dem Nachfolger „A Partial Print“ wird die Thematik Konzeptalbum sogar noch etwas direkter umgesetzt. Mittlerweile hat Kellermann das Projekt Tiger Lou erst einmal für unbestimmte Zeit auf Eis gelegt um sich neuen Dingen zu widmen. Das ist natürlich ein ziemlich herber Verlust, weil die Musik von Tiger Lou sich in den letzten Jahren zu etwas sehr Eigenem geformt hat, was nicht häufig passiert. „The Loyal“ ist ein traumhaftes Album, welches mir viele gute und lebensrettende Stunden beschert hat und das ich nicht missen möchte. Vielleicht kann es ja einen ähnlichen Effekt auch auf andere Menschen haben. Und wenn die dann auch alle das Album kaufen, dann überlegt es sich die Band vielleicht noch mal mit der Pause.
Hörpflicht: “The Loyal”, “Nixon”, “Ten Minutes To Take Off”, “Like My Very Own Blood”

21. Maximo Park “A Certain Trigger” (2005)
“Hallo, wir sind Maximo Park aus Newcastle“ – „Und was habt ihr zu bieten?“ – „Na, wir haben hier ein Debüt mit so Wave-Indie-Pop-Rock“ – „Es ist 2005, das hat doch grad jeder“ – „Gut, dann hören sie sich’s doch mal an“ – es folgt bedächtiges Schweigen. Schon beeindruckend, was die Herren um Paul Smith da auf ihrem Debüt verzapft haben. „A Certain Trigger“ haut einem mal eben so 13 Superhits um die Ecke, bei denen jeder Song aus sich herausschreit: „Wir sind hier, wir sind jung, wir zeigen’s euch!“ Ich hab’s damals in voller Fülle nicht sofort verstanden, sondern etwas länger gebraucht, wenngleich die richtig großen Hits natürlich sofort zünden. Ich rede von „Apply Some Preasure“, „Going Missing“ oder „Limassol“… die Songs die jeder kennt und jeder mitsingen können sollte. Oder auch das unverzichtbar wundervolle „The Coast Is Always Changing“, mein heimlicher Liebling des Albums, der Leben retten kann, wenn er denn muss. Musikalisch fischt man in den bekannten Gewässern. So bissle „Gang Of Four“ und auch ruhig die Smiths nicht außen vor lassen. Das funktioniert aber deshalb so gut, weil es damals natürlich zum einen, wie schon weiter oben, bei den Herren Monkeys erwähnt, einfach frisch und unverbraucht wirkte und zum anderen, weil die Songs wirklich ausnahmslos eingängig und zackig sind. Kurz, kompromisslos und hoffnungslos melodieverliebt. Dazu die wunderbar sophisticated lyrics von Everybody’s Darling Paul Smith, welche dem ganzen, gepaart mit seinem naturgegebenen Charisma so ein gewisses Extra geben. Stärker als die Konkurrenz versuchte sich die Band neben der schroffen Tanzbarkeit ihrer Post-Punk-Hits auch am Pop, was ebenfalls ein gewisses Ausrufezeichen mit sich brachte. Es wird die Kombination aus all diesen Elementen sein. Das Auftreten der Band, das Timing innerhalb dieser neuen musikalischen Strömung und natürlich die fulminanten Songs auf „A Certain Trigger“. Manchmal könnte man dabei schon nostalgisch werden und an den Sommer 2005 zurückdenken, als dies alles irgendwie neu war und man davon noch nicht so genervt war, wie heute. Doch das Leben geht ja bekanntlich weiter und die Küste ändert sich ja ebenfalls ständig, wie wir wissen. Es folgten 2 weitere, sehr gute Alben, die aber nie wieder diesen Effekt hatten, den „A Certain Trigger“ hatte. Aber so ein Debüt machst du halt bekanntlich auch nur einmal. Ob ein heute 20jähriger dieses beim Hören des Maximo Park Debüts auch so sehen würde, kann man im Raum stehen lassen. Ein heute 25jähriger, wie ich sieht es zumindest so und ist mit seinem Top-100-Countdown nun tatsächlich bei den heiligen Top 20 angekommen, welche wir dann demnächst gemeinsam entern werden.
Hörpficht: “Apply Some Preasure”, “Graffiti”, “Going Missing”, “The Coast Is Always Changing”

rhododendron's ranking ... 46/ 2009

Nachdem hohen Einstieg auf Platz 3 in der Vorwoche war’s ja nur eine Frage der Zeit bis die Girls mit ihrem wunderbaren kleinen Liedchen “Lust For Life” direkt nach der Spitze greifen. Deshalb darf man sich ab diese Woche offiziell „Nummer Eins“ betiteln. Und mit insgesamt vier Neueinsteigern wird das Feld mal wieder ordentlich durcheinander gewühlt. Den höchsten gibt’s für die Psychodelic-Popper von The Big Pink mit ihrer Single „Dominos“. Ob das als Genre-Beschreibung ausreicht, sollte jeder selber feststellen. Yeasayer halten sich ja eh nicht an Genres und servieren uns mit der neuen Single „Ambling Alp“ wieder einen astreinen Stilmix. Das macht Lust aufs zweite Album. Ansonsten können Muse nochmal 2 Plätze hinzugewinnen, während Calvin Harris oder die Arctic Monkeys bspw. Plätze verteidigen können. Außerhalb der Top 10 gibt es auf Platz 13 die neue Single von Athlete. Der Titeltrack aus ihrem „Black Swan“-Album ist eine gewohnt hymnenhafte Ballade, die aber durchaus ihren Reiz hat. Sehr schönes Video. Und als letzten Neuzugang begrüßen wir noch eine schwergewichtige Größe des US-Hip-Hop auf der 15: The one and only Jay-Z! Ja, Tatsache, Freunde! Auch für Jigga muss Platz in meinen Top 10 sein. Kein Wunder bei einer so schönen Hymne auf seine Heimatstadt New York, wie „Empire State Of Mind“. Den Song kann selbst Alicia Keys als Gastsängerin nicht kaputt machen. Keep it real, Homies!

01.( 03 / #2 ) Girls “Lust For Life”
02.( 02 / #4 ) Florence And The Machine “You’ve Got The Love”
03.( 01 / #6 ) The Sound Of Arrows “Into The Clouds”
04.( 04 / #3 ) Ellie Goulding “Under The Sheets”
05.( 07 / #2 ) Muse “Undisclosed Desires”
06.(NEW/ #1) The Big Pink “Dominos”
07.( 05 / #5 ) Julian Casablancas “11th Dimenson”
08.(NEW/ #1) Yeasayer “Ambling Alp”
09.( 09 / #4 ) Arctic Monkeys “Cornerstone”
10.( 06 / #9 ) The xx “Basic Space”
11.( 08 / #4 ) Vampire Weekend “Horchata”
12.( 12 / #2 ) Calvin Harris “Flashback”
13.(NEW/ #1) Athlete “Black Swan Song”
14.( 10 / #6 ) Röyksopp “This Must Be It”
15.(NEW/ #1) Jay-Z “Empire State Of Mind”
16.( 14 / #2 ) Jamie T “The Man’s Machine”
17.( 11 / #12) Editors “Papillon”
18.( 15 / #7 ) La Roux “I’m Not Your Toy”
19.( 17 / #5 ) Mew “Repeaterbeater”
20.( 13 / #8 ) Empire Of The Sun “Without You”







Freitag, 13. November 2009

Neues Grizzly Bear Video "Ready, Able"

1/4 Nobono alias legomaennchen meldet sich aus seiner neuen Zentrale in Berlin mit dem ebenso neuen Video, der schon seit 2004 bestehenden Band Grizzly Bear, zurück. Durch ihr drittes und aktuelles Album Veckatimest wuchs die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Band stark an. Mit Ready, Able schicken Grizzly Bear jetzt ihre dritte Single aus besagtem dritten Album an den Start. Für das verträumte und verspielte Stopmotion-Video mit dem Knetmännchen zeigt sich Allison Schulnik verantwortlich. Das Video, sowie der Song stellen eine kleine Entdeckungsreise dar. Ready, Able wächst ganz langsam mit vielen neu hinzukommenden Arrangements und entfaltet seine volle Wirkung erst gegen Ende der Reise des bunten Knetmännchens. Der Clip stellt defintiv einen Anwärter auf das Video des Jahres dar.



Nochmal einen Gruß an unseren neuen Schreiberling hier bei Nobono und herzlich Willkommen an Bord The Fall on Deaf Ears :-)

Mittwoch, 11. November 2009

Rainbow Party - (3) Commiseration

Helau!

Wie es der Name bereits andeutet, werde ich mich heute ausschließlich meinen liebsten Emo-Titeln widmen. Vermutlich wird da ein Aufschrei durch die vereinigte Leserschaft gehen, denn das ist ja etwas womit der gemeine Indie mal gar nix zu tun haben möchte.
Die Frage ist natürlich nur: Warum eigentlich? Peer pressure, schon klar. Denn prinzipiell hören wir, wie junge Männer auf den Hintergrund von mehr oder weniger heftigen Gitarren mit hoher Stimme astreine Popsongs singen. Wir lassen jetzt mal außen vor, wie die Buben aussehen und was für Fans sie haben. Und ja, auch die Texte bieten für gewöhnlich mehr Potenzial, als meinetwegen alle Beatles-Lyrics. Was ist schon falsch daran, über Trauer, Angst, Verlassenwerden und Einsamkeit zu singen: Ich stelle hier gerade eine Liste zusammen, wo mindestens 2/3 der Lieder davon handeln. Das aber, wohlgemerkt, bei Bands, die nicht in Verdacht stehen auf dem Emo-Zug zu fahren. Herrgott, Beth Gibbons (Portishead) hat noch nie von etwas anderem gesungen. Behaupte ich jetzt mal.
Naja, macht euch euer eigenes Bild. Ich stelle mal fünf meiner Lieblingsstücke vor, die in diesen Bereich fallen müssten. Ein weiteres Stück wird erst viel später kommen, da es eins meiner absoluten Favorites ist und auch - keine Sorge - nicht gerade den klassischen Emostil bedient.

From First To Last - Ride The Wings Of Pestilence, 2004



Diese jungen Herren brachten einst ein Album mit dem unschlagbaren Namen "Dear Diary, My Teen Angst Has A Bodycount" raus, was aber nicht weiter bedeutend ist. Lediglich dieser eine Song ist einfach dermaßen über alles Andere erhaben, dass er ... äääh ... den kompletten The Velvet Underground-Backkatalog in die Tasche steckt. Eigentlich beginnt er mit einem relativ simplen Riff, welcher aber sofort hervorragend weiter geführt wird. Die Zeit ist reif, den Song bahn brechen zu lassen. Die Struktur ist zwar deutlich erkennbar, schlägt aber unfassbare Haken. Ein Element nach dem nächsten wird eingeführt und wieder verlassen. Möglicherweise interpretiere ich zu viel rein, aber wie kann man denn das Gefühl der Ziellosigkeit besser vertonen. Dennoch ist das Arrangement zu jedem Zeitpunkt nachvollziehbar und stringent. Dazu umspielen sich die drei ähemm Vokalisten permanent. Hauen dem Hörer von allen Seiten Zeilen um die Ohren, bis der nicht mehr weiß, wo vorne und hinten ist. Bis zu dem Refrain, bei dem sich alle dazu vereinen, einen herrlichen Hymnus anzustimmen. All dies geführt von dem sehr schönen Falsettgesang des Sonny Moore (Jahrgang '88). Nach dem der Refrain erneut ertönt, folgt schließlich das Finale, welches dann vollendet die Apokalypse verkündet, so dass man eigentlich nicht mehr sitzen kann. Nach dem der Hörer nun einmal anständig gebügelt wurde, hat er nun Zeit Luft zu holen und auf Replay zu drücken, um sich wieder diesem faszinierendem Gesang und der harschen Abrissbirne von Musik hinzugeben.
Ach ja: Getreu dem Albumtitel, der ja auch im Song rezitiert wird, handelt der Text natürlich nicht von dem einsamen verlassenen Jungen, der nicht mehr weiter weiß. Nein er ergreift Initiative!

Panic! At The Disco - Lying Is The Most Fun A Girl Can Have Without Taking Her Clothes Off, 2005



Jaja, die waren ja sowieso immer anders, hatten Electro-Elemente und eine Varieté-Show. Nichtsdestotrotz in meinen Ohren sehr diesem Genre zugehörig. Dieses Lied, mit einem weiteren unfassbar griffigem Songtitel, ist schlicht und ergreifend ein perfekter Popsong. Beginnt - wie schon bei den Beatles üblich - ohne großes Intro direkt mit der Strophe, welche Brandon Urie mit warmen Ton in der Stimme intoniert. Im Hintergrund die beste denkbare Begleitung mit dezenten Gitarren, einen ansatzweise funkigen Bass und den sehr schönen Keyboard-Elementen. Bridge und Chorus natürlich wieder mit voller Maschine. Aber auch hier sehr hervorragend, einprägsam und hängen bleibend. Der C-Teil ist eine einfache Variante der Bridge, die aber schnell wieder zu der schönen Strophe führt. Und so weiter und so fort. Ein klarer, sauberer Song, megadick produziert und mit einem hervorragendem Gaga-Text. Wie gesagt, ein perfekter Popsong.

My Chemical Romance - To The End, 2005



Was für eine unfassbare Band. Mir egal, ob die irgendwie überheblich, oder sonstwie abgefahren sind. Diese Songs! Das Album, dem dieses Lied entnommen ist, "Three Cheers For Sweet Revenge", ist eines dieser wenigen Alben, wo ausschließlich gute Lieder drauf sind. Eingängig, sauber arrangiert, treibend, schmissig, technisch anspruchsvoll. Und ziemlich krasse Ohrwürmer. Das alles noch verpackt in eine Art übergeordnetes Konzept. Besser kann man Rock nicht machen.
"To The End" ist quasi das Destillat davon. Der für mich beste Song auf dem Werk. Kurz und knackig, rasant runtergespielt, lässt sich die Band doch ausreichend Zeit ihre großen Melodien erklingen zu lassen. Die beiden Gitarren umspielen sich permanent, der Gesang kommt wieder aus allen Richtungen auf einen zugeflogen. Eine Ruhepause gibt es nicht und bevor es langweilig wird, hat der ganze Spaß auch schon wieder ein Ende.
Ich weiß gar nicht, was ich noch groß darüber schreiben soll. Mal so gesagt: Jeder der schonmal versucht hat einen Popsong zu schreiben und/oder zu arrangieren, sollte vor diesen jungen Herren auf die Knie gehen und sie als eine seiner absoluten Meister anerkennen. Wie bereits erwähnt: Unfassbare Band.

On The Might Of Princes - Here Come The Sirens, 2003



Diese Band ist scheinbar an der Welt spurlos vorrüber gegangen. Dabei haben sie mit ihrem zweiten Werk Sirens ein sehr eingängiges, rockiges, emotionales und geradezu futuristisches Album auf den Markt gehauen. Nur leider nahm davon kaum einer Notiz. Ich aber doch. Und prompt haben sie sich mit Liedern, wie Go Fuck Yrself, oder You Whistle, I Shoot und natürlich dem hier vertretenen Quasi-Titelsong ganz tief in mein Herz gefräst. Trotz der recht martialischen Songtitel und dem New-York-Hardcore-Hintergrund sind diese vier Herren im Wesentlichen Poeten und Schöngeister. Nur das allerdings mit allerhand Sambal Oelek im Heck. So poltert es im Prinzip ganz ordentlich und der Sänger hat auch eine recht aggressive Gesangsart, aber sehr häufig kommt dann doch wieder der elegische, flächige, hell funkelnde Moment, der einen letztendlich ganz weit fort trägt. In die Schwerelosigkeit. Vergleichbar mit dem Surfen, wo eine Welle, die letztendlich wassergewordene Kraft darstellt, den Menschen auf dem Brettchen eine kleine Strecke trägt. Während dieser Zeit ist ist der Surfer der Schwerkraft entbunden, euphorisch und frei.

The Used - Poetic Tragedy, 2002



The Used kennt man eigentlich nur deshalb, weil deren Sänger Bert McCracken einst mit der Tochter Kelly von Ozzy Osbourne eine kurze Liaison hatte. Passenderweise zu der Zeit, als gerade die MTV-Kameras deren trautes Heim besetzten. Noch passender war, dass praktisch zeitgleich das selbstbetitelte Debüt-Album des Knaben und seiner Band erschien. Dieses hat durch genau diesen Marketing-Kniff einen ziemlich schäbigen Beigeschmack bekommen. Leider wird dabei gern übersehen, dass es musikalisch absolute Spitze ist. Abwechslungsreich, herausragend komponiert - weil oft vom Popschema abweichend, ohne seine Catchy-ness zu verlieren - und schließlich liebevoll arrangiert - unter anderem mit sehr schönen Streichern von Nick Ingmann. Und das alles unter der Federführung von John Feldmann, seines Zeichens Sänger der Funpunker von Goldfinger, dem man so etwas nicht gerade zugetraut hätte. Kurz und gut: ein weiteres hervorragendes Popalbum.
Warum gerade dieser Song? Ganz kurz: Neben der Tatsache, dass er insgesamt so schön, traurig und etwas kitschig ist: Bei 2:01 bekam ich schon oft und bekomme auch immer noch eine wahnsinnige Gänsehaut. Ganz großer Moment! So einfach ist das manchmal.

Gut ihr Jecken! Das wäre es für heute. Nächste Woche gibt es dann wieder den normalen Stoff, der keiner thematischen Gruppe unterteilt ist, sondern es geht wieder quer durch den Gemüsegarten. Bis dahin, gehabt euch wohl.

Meine 100 Alben 2000 - 2009 / Plätze 40 - 31

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40. Franz Ferdinand “Franz Ferdinand” (2004)
Und schon befinden wir uns mitten in den Top 40. Jetzt folgt die Crême de la Crême dieses Jahrzehnts und zum Einstieg gleich mal einer der ganz großen Klassiker dieser Dekade. Unverzichtbar in jeder solchen Auflistung, wenngleich es beim Feuilleton meist unter den vorderen drei Plätzen rangiert. Die Rede ist natürlich vom selbstbetitelten Debüt der vier Schotten von Franz Ferdinand. Dessen primäre Essenz besteht natürlich eher in der Welle, welches dieses Machwerk seinerzeit losgetreten hat, weshalb ihm allein für das Lostreten einer Subkultur, der ich mich sehr heimisch fühle, gedankt sei. Damals, als „Indie“ noch kein Schimpfwort für alles war, was sich anmaßte, mit Musik auszukennen, weil es ne Killers Platte besitzt, war dieses Album schon etwas Besonderes. Eine saubere 11-Songs-Ansammlung voller zackiger, kleiner Hits. Alex Kapranos und seine Mitstreiter machten die verrauchten Indie-Clubs der Welt zu Dancefloors im wahrsten Sinne des Wortes. Zackige Disco-Beats, schnittige Gitarren und idiotensichere Mitgröhlhits. Über „Take Me Out“ oder „This Fire“ muss man keine Worte mehr verlieren. Längst moderne Pop-Geschichte. Das ganze wirkt heute zwar schon leicht antiquiert, eben weil es in den vergangenen 5 Jahren so präsent war, aber man muss sich zurückerinnern um die Wirkung und Wichtigkeit dieses Albums nachzuvollziehen. Und da wirk ich gern mal übermäßig nostalgisch und erzähle von der Zeit, als das noch aufregend, neu und spannend war und wir alle Schampus mit Lachsfisch getrunken haben. Bildlich, nicht wörtlich. Dass „Franz Ferdinand“ dennoch nicht in meinen Top 3 ist, liegt schlicht und einfach daran, dass ich nie der größte Fan dieser Band war und selber wohl derjenige bin, der dies am wenigsten nachvollziehen kann. Ich mochte viele Songs, mochte sogar die Alben und gerade dieses Debüt ist unbestritten hittauglich. Aber wegweisende Bands waren für mich in dieser Dekade andere. Siehe Top 10. Aber auch diese wären ohne Franz Ferdinand nicht das, was sie heute sind. Bloc Party’s Kele Okereke drückte einst ein Demo-Tape Backstage in die Hände von Alex Kapranos. Der Rest ist auch Geschichte. Dennoch immer wieder ein Freudenfest in dieses Album hineinzuhören, auch nachdem sich das alles mit dem „Indie“-Ding wieder unnötig kommerzialisiert hat. Na ja, so ist das halt immer. Fragen sie mal den Grunge, zehn Jahre davor.
Hörpflicht: „Jacqueline“, „Take Me Out“, „This Fire“, „Darts Of Pleasure“

39. Coldplay “Viva La Vida Or Death And All His Friends” (2008)
Nur vier Alben benötigten Coldplay, um vom kleinen Newcomer zur erfolgreichsten Band des ausgehenden Jahrzehnts zu werden. Beeindruckend und leider auch irgendwie hochverdient. Das „leider“ benutze ich in dem Kontext immer gern, weil es durchaus ne Hassliebe ist. Freunde von mir wissen ja, dass ich gern mal damit prahle, die Karriere der Band von Anfang an aktiv zu verfolgen. Und irgendwie fühlt sich das halt immer blöd an, wenn die persönliche Lieblingsband auf einmal Fußballstadien bespielt. Kannste nix machen. Und es fällt mir wirklich schwer, dies zu verurteilen, denn die Band hat es leider drauf. Sicher, es gibt jene, welche der Band schon nach „Rush Of Blood“ den Rücken gekehrt hat und die man in ihrer Verbitterung eh nicht mehr retten kann. Und das 2005er „X&Y“ war natürlich in seiner Unausgereiftheit Wasser auf deren Mühlen und hat selbst mich ins Zweifeln gebracht. Doch dann kam dieser Befreiungsschlag namens „Viva La Vida“. Die lang ersehnte Runderneuerung und das Album, welches der Größenordnung dieser Band uneingeschränkt gerecht wird. Album Nr. Vier ist ein geschlossenes Gesamtkunstwerk, welches die Band in Höchstform zeigt. „Viva La Vida Or Death And All His Friends“ ist eine Ode an die Freiheit, eine Zelebrierung des Lebens, trotz aller Rückschläge und Trauer, die es mit sich bringt. Manche mögen das Kitschig nennen, naiv ist es auf keinen Fall, denn zu jedem Zeitpunkt wirkt die Band dabei unauthentisch oder peinlich. Also, ich kauf das Chris Martin und Konsorten bedingungslos ab. Jeder Song ein Treffer. Das groovende „Lost“, das hymnische „Lovers In Japan“, der poppige, mittlerweile etwas tot geleierte Titelsong oder das sommerlich entspannte „Strawberry Swing“. Coldplay ergänzen ihren klassischen Sound um viele neue Elemente und schütten alle Farben ihrer Songs in einem großen Topf zusammen, aus dem am Ende dieses Projekt entstanden ist. Vielfältig, hochwertig musikalisch und vor allem immer noch weit von dem Einheitsbrei entfernt, welcher seit Jahren versucht, diese Band zu kopieren. Coldplay haben einfach dieses gewisse Etwas, bei dem alle Elemente zu funktionieren scheinen. Die Tatsache, dass diese Band fast den ganzen Planeten anspricht sollte nicht als Makel empfunden werden, sondern als die Erkenntnis, dass dieser Sound so gut, so universell ist, dass es gar nicht anders als so funktionieren kann. Aller paar Jahre gibt es mal solche Bands. Und wenn die Entwicklung im nächsten Jahrzehnt ähnlich spannend ist, wie bspw. bei U2, dann bleib ich auch noch etwas länger am Ball.
Hörpflicht: “Lost!”, “Lovers In Japan”, “Viva La Vida”, “Death And All His Friends”

38. New Order “Get Ready” (2001)
Hach, als ob sie nie weg gewesen wären. Rob Gretton sei Dank! New Orders ehemaliger Manager brachte die Band wieder auf einen gemeinsamen Nenner, nachdem man Anfang der 90er wohl keinen gemeinsamen musikalischen Nenner mehr gefunden hat. Doch dann war die Zeit reif und New Order machen da weiter, wo das 93er „Republic“ aufgehört hatte… und wenn man sich mit einem Paukenschlag, wie dem genialen „Crystal“ zurückmeldet, verstummen schnell alle Zweifler. Einer der besten Songs der vergangenen 10 Jahre! New Orders Ausnahmestellung in der Geschichte des Pop untermauerte dann auch das anschließende Comeback-Album „Get Ready“, welches die Band wieder in alter Stärke zeigt. Bernie Sumner singt wie immer gefühlvoll mit einer Stimme, die dies nicht kann, Hooky zupft am Bass, wie eh und je und die Synthies klingen klar, wie lange nicht mehr. Dazu eben so passende Songs, wie die Singles „Crystal“ oder „60 Miles An Hour“, die relaxte Aussteiger-Hymne „Turn My Way“ oder das chillige „Vicious Streak“. Auch Songs, wie „Someone Like You“ oder „Run Wild“ sind tadellos. Da verzeiht man auch schon mal nen Komplettausfall, wie „Rock The Shack“ mit Primal Scream Frontmann Bobby Gillespie. Na ja, der alten Madchester-Rave-Zeiten wegen. Von mir aus. Insgesamt gibt sich die Band nach den Dance-Experimenten Ende der 80er und Anfang der 90er wieder deutlich song-orientierter und rückt die Gitarren wieder in den Vordergrund, ohne die heiß geliebte Elektronik zu vernachlässigen. Insgesamt eine richtige Balance aus alten und neuen Elementen, welche die Band richtig jugendlich und frisch erscheinen lässt. Leider hielt der neue Geist nicht allzu lange durch. Der Nachfolger „Waiting For The Sirens’ Call“ ging den gitarrenlastigen Weg noch konsequenter weiter, danach ging man wieder einmal getrennte Wege. Peter Hook verlässt die Band, ohne dem Rest Bescheid zu sagen und löst sie eigenmächtig auf. Der Rest weiß davon nichts, macht aber auch keine Anstalten Hooky zum Bleiben zu überreden. Ein unwürdiges Ende für eine der vielseitigsten und wichtigsten Popbands des vergangenen Vierteljahrhunderts. Bleibt die Hoffnung, dass die Nachfolgebands dann auf Dauer doch nicht befriedigend sind und man sich im Rentenalter noch mal zusammenrauft. Rob Gretton ist mittlerweile verstorben und kann dementsprechend nicht nachhelfen.
Hörpflicht: “Crystal“, „Turn My Way“, „Vicious Streak“, „Someone Like You“

37. Mew “Frengers” (2003)
Also, musikalisch ist mir unser nördlicher Nachbar Dänemark nach wie vor relativ unbekannt, muss ich sagen. Klar, da gab’s in den 90ern mal die lustigen Aqua mit dieser schnuckligen Frontfrau und dem furchtbaren „Barbie Girl“ und Techno-Halbgott Trentemøller ist da auch zuhause. Und Alphabeat? Die nerven irgendwie. Gar nicht nerven hingegen die begnadeten Mew, die nicht nur aufgrund meines mangelnden Wissens bezüglich der dänischen Musiklandschaft meine liebste Band des Landes sind. Nach großem regionalen Erfolg mit den ersten Alben, veröffentlichte man 2003 das internationale Debüt „Frengers“, welches zu großen Teilen aus neueingespielten Versionen der besten Songs der ersten Alben besteht. Qualitativ bedeutet dies aber keine Einbußen. Im Gegenteil. Seitdem ich das erste Mal das wundervolle „Comforting Sounds“ bei Viva Zwei (daran sieht man mal, wie alt das Album ist) gesehen habe, bin ich hoffnungslos in diese Band verknallt. Und das war damals nur die kurze Videofassung. Von der genialen Brillanz der gut 9minütigen Originalversion mal ganz zu schweigen, welche einen immer noch eine Gänsehaut verpasst. Im Gegensatz zu ihren sperrigen späteren Kunstpopalben, umweht „Frengers“ eine geradezu simple Leichtigkeit, was natürlich nicht bedeutet, dass wir es hier mit belanglosem Formatradio-Singsang zu tun haben. Ganz im Gegenteil. Ihr breitschichtiger Sound wirkt immer noch verspielt und manchmal mit viel zu viel Zuckerguss serviert. Wie bei der traumhaft zerbrechlichen Powerpop-Ballade „She Came Home For Christmas“ mit all den Synthie- und Gitarrenwänden und Jonas Bjerre’s Knabengesang. Oder der wunderbare Opener „Am I Wry? No“, mitsamt den wuchtigen „Snow Brigade“ gleich hintendran, welchem wiederum das melancholische Duett „Symmetry“ folgt. Mit wem eigentlich? Ach, vergessen. Ist auch nicht so wichtig, denn was zählt ist dieses famose Gitarrenpopalbum, welches für jeden Geschmack etwas bietet und eigentlich sogar alles im Überfluss bietet, wenn man’s mal genau nimmt. Oder weiß einer, wie man eben jenes „Comforting Sounds“ noch größer machen könnte, als es am Ende dann ist? Ein Versuch wäre zwecklos. Die Songs sind wunderbare Ohrwürmer, die meine Liebe zu kitschigen Arrangements voll und ganz bedienen, eben weil die Band zwischen immer wieder klar macht, dass man es hier nicht mit herkömmlichen Popliedchen zu tun hat. Es ist halt nach wie vor Liebe…
Hörpflicht: „Am I Wry? No“, „Her Voice Is Beyond Her Years“, „She Came Home For Christmas“, “Comforting Sounds”

36. The Organ “Grab That Gun” (2005)
Falls sich irgendwer, der das ließt, da draußen so fragt, mit welchem Musikgenre man mich auch im x-ten Aufguss immer wieder locken kann, dem sag ich’s an dieser Stelle nochmal (denn ich glaub, ich hab’s weiter hinten bei The Departure schon gemacht)… Melancholisch angehauchter New-Wave-Post-Punk. Seien es die großen Originale wie The Cure, Joy Division oder die Smiths, die großen Nachfolger, wie Interpol oder die Editors und von mir aus auch die neuste Generation mit The xx… damit bekommt man mich. Melancholisch hallende Gitarren, düstere Atmosphäre, Tristesse, Introvertiertheit und der ganze Kram. Dabei wird allerdings nie der durchaus monton-tanzbare Beat und die Mitsingbarkeit vergessen. Es ist eine Kombination aus all diesen Elementen, die ich so faszinierend finde. Vielleicht ist es auch das Gefühl von Dunkelheit, welches Post Punk immer unschwirrt. Wer weiß. Worauf ich eigentlich hinaus wollte. 2005 veröffentlichte die Gitarrengirlband The Organ aus Kanada ihr Debüt „Grab That Gun“. Zugleich war es auch ihr einziges Album, weil man danach wieder getrennte Wege ging. Aber genau dieses eine Album fährt voll die Spur, welche ich an diesem Genre so liebe und hat einen starken Eindruck bei mir hinterlassen. Und natürlich kopieren The Organ hier vielleicht sogar noch ne Spur schamloser, als die Konkurrenz, aber daran liegt auch der gewisse Reiz. Selten hat es eine Band so gut geschafft, diesen speziellen Klang von 80er-Jahre Post-Punk so gut zu konservieren und wiederzugeben. Ich meine, das klingt ausnahmsweise mal wirklich altbacken, wie man es lange nicht gehört hat. Und außerdem umweht das Album auch dieser spezielle Geist, den Debüts so haben. Nicht ganz perfekt, aber einzigartig. Hinzukommt natürlich Frontfrau Katie Sketch, welche es, wie kaum jemand anderes schafft, den großen Stephan Patrick Morrissey stimmlich zu kopieren. Fast schon dreist, wie sie da nachleidet. Immerhin wird ihm, ganz offensichtlich, der Song „Steven Smith“ gewidmet. Und natürlich freut man sich als alter Smiths-Fan wie ich, nach deren verfrühtem Ende, wenn da irgendwie noch mal etwas um die Ecke kommt, was so ähnlich klingt und sich irgendwie auch so anfühlt. Großes Gefühlschaos. Angst, Trauer, verzweifelte Liebe! Alles drin und in perfekte kleine Songs verpackt. „Love, Love, Love… I really like a small part of it“ Gott, was’n Pathos! Ja, hier wird ehrlich gelitten, zwar unglaublich unoriginell und unglaublich kurz (nur ne knappe halbe Stunde lang), aber für mich genau richtig. Nein, das war und ist genau mein Ding, Baby. Auch heute noch. Teile der Band inkl. Sketch haben mittlerweile ein Restaurant eröffnet, sagt Wikipedia. Was’n Abstieg! Das schreit doch schon nach neuem Songmaterial.
Hörpflicht: “Brother”, “Love, Love, Love”, “A Sudden Death”, “I Am Not Surprised”

35. Depeche Mode “Exciter” (2001)
Das schlimmste an Depeche Mode sind zweifelsohne ihre Fans. Wohl kaum eine Band kann sich, gerade in Deutschland, einer so hartnäckigen und treuen Fangemeinde sicher sein, die während der langen Touren gern mal auf mehrere Konzerte geht, alle Singles in allen Ausführen kauft oder sich auf DM Parties die immer gleichen Gassenhauer aus der guten, alten Zeit um die Ohren haut. Dave-Gahan-Haarschnit-Anno-1990 inklusive. So aufopfernd, wie sie manchmal sind, so kritisch sind sie gleichzeitig. Denn während da einige DM eher als nostalgisches Gefühl ihrer Jugend behalten wollen, entwickelt sich diese Band im neuen Jahrtausend nach wie vor musikalisch weiter und versucht, na ja, so gut es halt geht, nicht wie DeeeeMoooo zu klingen. Das krasseste Beispiel folgte gleich zu Beginn des Jahrzehnts. Nach den drogen- und krisengetränkten 90ern warfen Dave Gahan, Martin Gore und Andrew Fletcher ihren dunklen Balast ab und kreierten zusammen mit Björk-Produzent Mark Bell einen neuen, leichteren Sound für eine neue Dekade. Herausgekommen ist „Exciter“, das frischeste und sicher experimentierfreudigste Album, welches diese Band in den letzten Jahren gemacht hat. Der schwermütige dunkle Touch ist immer noch in Teilen vorhanden, denn er ist Teil dieser Band, aber gleichzeitig gesellt sich eine losgelöste Heiterkeit und Klarheit hinzu. Reduzierte, minimalistische Arrangements tuen ihr Übriges und lassen Depeche Mode in einem ganz neuen Licht erscheinen. Vor allem werfen sie nach Jahren der Dunkelheit mal überhaupt wieder Licht auf die Band. „Dream On“ mit leicht zupfender Blues-Gitarre, oder das wunderbare Liebeslied „Freelove“. Und das wunderbar-traurige „When The Body Speaks“ ist ohne jeden Zweifel eines der schönsten und ehrlichsten Liebeslieder, welches die Band bisher geschrieben hat. Zwar wagt man sich mit dem sperrigen „The Dead Of Night“ oder dem Disco-Track „I Feel Loved“ auch mal in andere Gefilde, aber der Grundton bleibt der gleiche. Eine Band, die nach Jahren des Umherirrens ihre innere Ruhe gefunden hat und Lust hat, auch mal über andere, positive Sachen zu singen. Ich meine, im Abschlussschlaflied „Goodnight Lovers“ heißt es dennoch „When you born a lover, you’re born to suffer“. Nur singt es Dave Gahan auf eine Art und Weise, wie er dies noch nie vorher getan hat. Viele der alten Fans wollen oder können „Exciter“ nicht verstehen. Für alle, bei denen der musikalische Horizont auch jenseits der Dunkelheit weitergeht, bietet dieses Album viel zu entdecken. Das vielleicht letzte Mal, dass Depeche Mode wirklich überraschend und wirklich, ganz im Sinne des Titels, aufregend klangen. Die beiden Alben danach waren zweifelsohne auch sehr ordentlich, aber irgendwie ist es nicht ganz so toll, wie es damals 2001 war. Oh Gott, und jetzt kling ich auch schon, wie einer von ihnen.
Hörpflicht: „Shine“, „When The Body Speaks“, „Goodnight Lovers“

34. Pet Shop Boys “Release” (2002)
Ironischerweise verhält es sich mit “Release” von den Pet Shop Boys ähnlich, wie mit „Exciter“. Genauso wie Depeche Mode gehören sie zu den wenigen immer noch präsenten und vor allem relevanten Bands der 80er Jahre und genauso beschreitet „Release“ neue Wege, welche vielen Fans des britischen Popduos heut immer noch nicht ganz geheuer sind. Dabei ist „Release“ natürlich genau der richtige Schritt zur richtigen Zeit gewesen. Neil Tennant und Chris Lowe liefern das Gegengewicht zum ungebremsten Elektro-Art-Hedonismus, welchen man in den 90ern zelebriert hatte und welcher zuletzt mit dem schillernden 99er Album „Nightlife“ seinen vorläufigen Höhepunkt gefunden hat. Inklusive Musicalshow, bunter Kostüme und gelber Wuschelperrücken. Nein, die Pet Shop Boys wollten weg davon und die Musik sprechen lassen. So ist „Release“ Tennant und Lowe pur, nur statt Disco gibt’s diesmal Britpop mit handgemachten Instrumenten. Das ändert natürlich nichts an ihren Qualitäten, sondern verdeutlicht einfach den letzten Kritikern, dass hinter den oft kitschigen und übertriebenen Arrangements in der Regel intelligente, super komponierte Popsongs stehen. Irgendwo hab ich damals gelesen, dass Noel Gallagher für so etwas wie „I Get Along“ töten würde. Und recht hatte der Journalist, denn dieser Song hat einfach Schmiss und ist sicher das letzte, was man in dieser Form von den beiden erwartet hätte. Ansonsten überwiegen wirklich Gitarren, Piano und Beats, welche zwar meist immer noch aus’m Synthie kommen, aber dabei so organisch klingen, das man es fast nicht glauben kann. Hinzu entfalten Tennant und Lowe als Songwriter ihre sensible, introspektive Seite, singen über Verlust, Schmerz, wie in „Birthday Boy“ oder dem bitteren „Love Is A Catastrophe“. Aber es ist auch Zeit für die wunderbaren kleinen Geschichten, wie die der Einwanderer in „London“, Neils Technikfrustration mit „E-Mail“ oder der homoerotischen Abenteuer mit Eminem in „The Night I Fell In Love“. Man gibt sich ungewohnt ehrlich und direkt, weshalb der Gesamtsound der Platte durchaus logisch erscheint. Am Ende resümiert Tennant noch einmal über die Liebe und bleibt Pragmatiker, als er im melancholischen „You Choose“ einsieht, dass man letztendlich vielleicht doch Schmied seines eigenen Glückes oder Unglückes ist. Was’n Schlusswort! Selten waren die Pet Shop Boys ehrlicher, direkter und verblüffender, als auf diesem Album. Zu vielen Nummern hatte und habe ich immer noch eine starke Bindung, stärker als beim vielleicht etwas besseren „Yes“ aus diesem Jahr. Wenn man den Glitter und Glamour bei den Boys weglässt, dann wirkt das durchaus überraschend, wenngleich man sie aber am Ende doch lieber mit sieht.
Hörpflicht: “I Get Along”, “London”, “Love Is A Catastrophe”, “You Choose”

33. Tomte “Hinter All Diesen Fenstern” (2003)
Viel Deutsches ist ja angesichts der internationalen Übermacht hier nicht dabei, das gebe ich zu. Deutschsprachige Musik hat es bei mir seit jeher, wohl aufgrund meiner vorwiegenden Sozialisation durch englischsprachige Musik, schwer. Dabei ist die deutsche Sprache eine schöne. Die, der Dichter und Denker. Aber oft denken zu wenige, vom Defizit an Dichtung mal ganz zu schweigen. Es ist aber auch schwer, denn ruckzuck steckt man in der Schlager- oder Klischeeecke. Mir kann man’s vermutlich nicht recht machen. Es sei denn, man heißt Thees Uhlmann und hat ’ne Band namens Tomte in der Hinterhand. Anfangs von mir noch schlicht belächelt, schaffte es diese Band Stück für Stück mein Herz immer mehr zu erobern und nimmt nun Ende 2009 einen festen und durchaus großen Platz da ein. Und falls es irgendein Argument gibt, warum gerade diese Band bei mir den Vorzug gegenüber all den Kettcars, Tocotronics oder Kantes dieser Welt hat, dann ist es dieses kleine, große Meisterwerk. Ein deutscher Klassiker der Moderne sozusagen. „Hinter All Diesen Fenstern“ zeigt die Band auf ihrem musikalischen Zenit, nachdem man sich jahrelang qualitativ nach oben gespielt hatte. An diesem Album stimmt alles. Fangen wir mal mit dem Sound an. Tomtes melodischer Indierock ist hier eindeutig auf internationalem Niveau produziert worden und hat auch diesen speziellen Klang, den ich an vielen deutschen Bands vermisse. Ich kann’s auch recht schwer in Worte fassen, aber hier sitzen die Elemente hervorragend zusammen. Vor der großen Konkurrenz muss man sich jedenfalls nicht verstecken. Dazu kommen unglaublich gute Songs, die auch deshalb so gut sind, weil Thees Uhlmann in all seiner Kryptik die richtigen Worte findet. Klar, manches versteht man nicht und vieles lässt sich frei interpretieren, aber gerade darin besteht auch der Reiz. Und immer mal wieder diverse Anspielungen auf andere Songs. Doch ungeachtet dieser Tatsache findet Uhlmann eine wunderbare Ehrlichkeit in den Sachen, die er singt. Erkenntnisse über das Leben, das Hadern mit der eigenen Existenz und dadurch auch immer die gleichzeitige Rechtfertigung von eben dieser. Die ganz normalen Ängste eines Mannes um die 30? Vielleicht! Vielleicht auch für ein paar Jahre davor. Lebensweisheiten, die ans Herz gehen. „Die Schönheit der Chance, dass wir unser Leben lieben, so spät es auch ist.“ Songs, wie diese, aber auch „Für immer die Menschen“ oder „Bastarde“ sind ganz, ganz großes deutsches Liederkino. Und vermutlich werden die, welche die streitbare Figur des Thees Uhlmann nicht verstehen wollen oder können, es einfach nicht raffen. Der Rest fühlt sich, wie ich, in den Songs einfach unglaublich verstanden. Und trotz all der schönen englischen Wortschöpfungen eines Stephan Patrick Morrissey, ist es einfach schön und angenehm, dass auch mal alles passend in der Sprache zu hören, die man täglich spricht.
Hörpflicht: „Für Immer die Menschen“, „Die Bastarde, die dich jetzt nach Hause bringen“, „Du bist den ganzen Weg gerannt“, „Die Schönheit der Chance“

32. The Killers “Hot Fuss” (2004)
Ach, hier noch so ein paar Kandidaten aus den Band-“Gründerjahren“ 2004/ 2005… die Killers aus Las Vegas. Mittlerweile sind sie ja selbst dem letzten Deppen bekannt. Egal, ob Human oder Dancer. „Hot Fuss“ machte damals den Anfang und zeigt bereits überdeutlich, worauf die Band um Brandon Flowers abzielte. Sie besingen es ja selber: Glamorous Indie Rock & Roll! Nichts anderes machen die Killers. Die Songs bleiben eingängig, bedienen sich aber großzügig bei den 80ern. Synthie-Flächen und Disco-Beats inklusive. Und auf den Basslauf in „Jenny Was A Friend Of Mine“ wäre sogar Peter Hook stolz. Die Killers sind halt von allem etwas mehr. Ein bisschen mehr Kitsch und ein bisschen mehr Pathos. Aber der Rhododendron steht drauf, zumal man auch sagen muss, dass die Band damals nach den Garagenrock-Ausflügen der Strokes oder Libertines ein willkommener Farbtupfer in der aufkeimenden neuen Indie-Rock-Bewegung waren. Die Songs blieben schmissige Hits und „Mr. Brightside“ oder „Somebody Told Me“ sind ja eh schon moderne Klassiker… doch die Band machte alles etwas kitschiger. Hier ein paar 80er-Trompeten, da ein Gitarrensolo. Sachen, die jahrelang irgendwie keiner mehr gewagt hatte zu bringen (eben weil es manchmal höchst grenzwertig ist), brachten die Killers wieder auf den Tagesordnungspunkt. Ich meine, wie kann man so einem Soul-Ghospel-Monster, wie „All These Things That I’ve Done“ schon widerstehen? Ich persönlich konnte es nicht und finde die Band, trotz des Kritiker-Gegenwindes zuletzt immer noch recht spannend. Hauptsächlich, weil sie ihr Ding durchziehen und dabei auf Kritiker pfeifen und sich in ihrer kitschigen Glitzerwelt pudelwohl fühlen. Für so was verdient jede Band Respekt und die richtigen Songs haben sie ja auch noch. Die besten haben sie allerdings nach wie vor auf „Hot Fuss“. Vielleicht hängen einem manche Nummern heute ein wenig zum Hals raus, aber als ich das Album Ende 2004 entdeckte hat es einen glitzernden Eindruck bei mir hinterlassen, der immer noch anhält. Für mich selber waren sie damals mit die ersten in einer neuen musikalischen Welt, welche gerade erst anfing sich mir zu öffnen. Soviel Pioniergeist wird natürlich ausreichend mit einer guten Platzierung gewürdigt.
Hörpflicht: “Jenny Was A Friend Of Mine”, “Mr. Brightside”, “All These Things That I’ve Done”, “Believe Me Nathalie”

31. Keane „Hopes And Fears“ (2004)
Im Sommer davor, im selben Jahr, waren Keane auch ein sehr erfrischender Wind in meinen Gehörgängen. Ich erinner mich noch gern zurück. „Somewhere Only We Know“ fand ich nett, aber nicht berauschend. Schon damals war ich der permanent aufkeimenden Coldplay-Klone gelegentlich etwas überdrüssig. „Everybody’s Changing“ mochte ich aber irgendwie schon eher, also hab ich in einem CD-Fachgeschäft (hört, hört!) mal reingehört und ich erinnere mich noch gut, in welcher Rekordzeit ich meine Kaufentscheidung zugunsten von „Hopes And Fears“ damals getroffen habe. Ich glaube, da reichten die ersten paar Takte jeder Songs aus, um mich zu überzeugen. Den ganzen Sommer hab ich dann fast nix anderes gehört und auch ganz detailliert jeden mp3-Schnipsel dieses Trios gesammelt, welches ich finden konnte. Doch warum gerade Keane mit ihrem kitschigen Formatradio-Gesinge, dass wirklich an Harmlosigkeit manchmal nicht zu überbieten ist? Primär zwei Gründe. Nummer Eins war einfach, ähnlich, wie bei den Killers, dass das damals ne recht frische Sache war. Lange hatte ich keine so gute neue Popmusik gehört und ich liebe ja bekanntermaßen Popmusik. Und das geht fließend einher mit dem zweiten Grund: „Hopes And Fears“ bietet einfach ausnahmslos 12 sehr gute, bis herausragende Songs, die allesamt vor allem schlimmste Ohrwürmer sind, die man gar nicht mehr aus dem Ohr bekommt. Seien es die Power-Nummern, wie „Bend & Break“ oder „This Is The Last Time“ oder die etwas gemäßigten, wie „Can’t Stop Now“. Dazu klimpert Tim Rice-Oxley im Hintergrund unentwegt schönen Klavierpop zusammen, während Tom Chaplin darüber säuselt. Auch das Weglassen der Gitarre fand und find ich heut noch recht spannend an dem Album. Gibt’s ja auch eher selten. Und gerade die ruhigen Momente wie „We Might As Well Be Strangers“ oder das hymnische „Bedshaped“ am Ende können immer noch in richtigen Momenten die Gefühle hoch kochen lassen. Sicher, mittlerweile hab ich meine Keane-Hysterie ein wenig überwunden und an dem Album hat sicher auch die Zeit etwa genagt. Aber dieses Ranking umfasst halt verschiedene Kriterien und „Hopes And Fears“ war 2004 mein Album des Jahres, selbst wenn es im Nachhinein heute vielleicht ein anderes hätte werden können. Aber die Erinnerungen und Empfindungen sind ja nach wie vor vorhanden. Und es ist irgendwie immer noch ein echt gut gemachtes Popalbum. So etwas sollen die Kritiker erstmal hinbekommen.
Hörpflicht: “Bend And Break”, “Everybody’s Changing”, “Can’t Stop Now”, “Bedshaped”

Sonntag, 8. November 2009

rhododendron's ranking ... 45/ 2009

Jamie T erweist sich als recht hartnäckiger Typ im Ranking dieses Jahr. Im Prinzip ist er seit der 29. Woche permanent in den Top 20 vertreten, auch weil er immer rechtzeitig neue Singles nachschiebt, wenn die alten langsam gehen. So auch diese Woche. Für das alte „Chaka Demus“ kommt nun „The Man’s Machine“ und steigt neu auf der 14 ein. Mal sehen ob es sich hier auch bis zur vierten Single halten kann. Ansonsten haben wir noch weitere Bekannte unter den Neueinsteigern. Disco-Erfinder Calvin Harris meldet sich mit neuer Single „Flashback“ auf der 12 zurück, während seine britischen Kollegen von Muse mit neuer Single gleich Platz 7 entern können. Weiter oben in den Top 10 bleibt erstmal alles beim alten, doch mit dem sympathischen kleinen Gute-Laune-Surf-Pop-Song „Lust For Life“ von den Girls gesellt sich ein kurzweiliger neuer Ohrwurm zu meinen momentanen Lieblingsliedern. Sowohl Song, als auch Video machen extrem Lust auf Sommer und Sonne, was angesichts des trüben deutschen Herbstwetters leider nur ein frommer Wunsch bleiben wird. Aber zumindest kann man ihn einlegen und sich zweieinhalb Minuten lang wünschen, es würde nicht so schlimm sein. Warum auch nicht . . .

01.( 01 / #5 ) The Sound Of Arrows “Into The Clouds”
02.( 02 / #3 ) Florence And The Machine “You’ve Got The Love”
03.(NEW/ #1) Girls “Lust For Life”
04.( 04 / #2 ) Ellie Goulding “Under The Sheets”
05.( 05 / #4 ) Julian Casablancas “11th Dimenson”
06.( 03 / #8 ) The xx “Basic Space”
07.(NEW/ #1) Muse “Undisclosed Desires”
08.( 06 / #3 ) Vampire Weekend “Horchata”
09.( 10 / #3 ) Arctic Monkeys “Cornerstone”
10.( 09 / #5 ) Röyksopp “This Must Be It”
11.( 08 / #11) Editors “Papillon”
12.(NEW/ #1) Calvin Harris “Flashback”
13.( 07 / #7 ) Empire Of The Sun “Without You”
14.(NEW/ #1) Jamie T “The Man’s Machine”
15.( 11 / #6 ) La Roux “I’m Not Your Toy”
16.( 13 / #2 ) LCD Soundsystem “Bye Bye Bayou”
17.( 19 / #4 ) Mew “Repeaterbeater”
18.( 12 / #10) Jamie T “Chaka Demus”
19.( 14 / #4 ) Ladyhawke “Magic”
20.( 17 / #2 ) Ou Est Le Swimming Pool “Dance The Way I Feel”







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rhododendron - 8. Jul, 13:49
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