Mittwoch, 9. Dezember 2009

Meine 100 Alben 2000 - 2009 / Platz 08

08. The Arcade Fire “Funeral” (2004)

61JZVEK14JL-_SL500_AA240_Und plötzlich kam dieses Album... quasi aus dem Nichts. Arcade Fire schufen mit „Funeral“ eines der spannensten und wunderbarsten Debüt-Alben der letzten Jahre. Und Mund- und Musikpressepropaganda waren sich genauso schnell einig, wie David Bowie, welcher die Band bereits früh förderte oder Bono, welcher „Wake Up“ damals als U2-Tourintro benutzte. Vermutlich weil er die Zeichen der Zeit erkannt hatte… „Funeral“ ist eine emotionale Großtat. Stadion-Indierock, der sich gern mit Virtuosität und klassischen Instrumenten schmückt und dabei einfach gehört werden will. Bandleader Win Buttler treibt die Songs mit seiner brüchigen Stimme und dem wuchtigen Instrumentarium seiner Mitspieler immer voran, so dass „Funeral“ am Ende genauso energiegeladen, wie kunstvoll erscheint. Und dennoch ist es auch hochgradig eingängig. Es ist manchmal schon fast gespenstisch, wie gut diese Platte klingt, zumal es sich ja um ein Debüt handelt. Buttler und Ehefrau Régine Chassagne bilden den Kopf des kanadischen Künstlerkollektivs. Die Songs handeln von Trauer und Verlust, denn während der Arbeit zum Debüt sind viele nahstehende Familienmitglieder verstorben, so dass der Tod immer ein wenig präsent ist. Doch „Funeral“ ist trotz wundervoller Balladen wie „Tunnels“ oder „Haiti“ kein Album, welches sich selbst betrauert. Im Schmerz entwickelt die Band gleichzeitig eine Aufbruchsstimmung. Selbst eine herzerweichende Walzer-Ballade, wie „Crown Of Love“ entwickelt in der letzten Minute noch mal ordentlich Leben und zieht das Tempo an. Arcade Fire sind keine Band, die einfach klein bei gibt. So sind Songs wie „Power Out“ oder „Wake Up“ schmetternde Bretter mit stampfenden Rhythmen und Buttlers unnachahmlichen Flehen in der Stimme. Damit diese durchhält holt er sich natürlich Chöre, Pauken, Trompete, sowie jede Menge Gitarrenwände hinzu. Das ganze findet seinen vorläufigen Höhepunkt in „Rebellion (Lies)“, einem der stärksten Rocksongs aller Zeiten. Eine euphorisierte Hymne, die von Aufbruch und revolutionären Umbrüchen in einer immer komplizierteren modernen Welt träumt. Children, Wake Up! Es folgt ein ganz großer Ausstand mit dem traumhaften „In The Backseat“ bei dem Regine noch einmal alles in die Wagschale wirft. Auf „Funeral“ treffen viele Faktoren aufeinander, welche dieses Album so groß und wichtig machen. Es ist der ganze Klang und auch die Tatsache, dass es sich eine Band damals unter all den Garagenrock-orientierten Bands getraut hat, einen Schritt weiterzugehen. Der Schritt zur großen Geste, zum Übertriebenen, zu Streichern, Cello und Blechbläsern… all dies tut der Musik gut und macht sie musikalisch so abwechslungsreich und begeisternd. Und dazu kommen diese Songs, die stets etwas Erhabenes haben. Selbst in dem Moment, als es einfach mal zu viel Pomp zu sein scheint. Mit nur zwei Alben hat es diese Band geschafft an die musikalische Weltspitze zu stoßen. Dass sich darauf jeder ausnahmslos einigen kann, liegt auch daran, dass diese Musik einfach so universell funktioniert. Was auch immer diese Band in den nächsten zehn Jahren noch anstellt… sie hat bereits jetzt gewonnen.
Anhören:: “Neighbourhood #1 (Tunnels)”, “Neighbourhood #3 (Power Out)”, “Wake Up”, “Rebellion (Lies)”

Rainbow Party - (7) Tidings

Wie bereits versprochen, werde ich heute am 100. Jahrestages der Versicherung von zwei deutschen Luftschiffen bei Lloyd's (für 600 000 Mark!) wieder Programm-frei meine Lieblingshits runterleiern.

20.) Black Kids - Love Me Already, 2008



Ich halte ja Partie Traumatic ja für ein sehr gelungenes Album, was in meinen Ohren de facto ausschließlich Hits (wobei I'm Not Gonna Teach Your Boyfriend How to Dance with You noch nicht mal wirklich das beste ist) zu bieten hat, die alle nochmal zahlreich mit vielen liebenswürdigen Details aufwarten. Der absolute Höhepunkt dieses fantastischen Werkes ist meiner Meinung nach Love Me Already. Schon den Titel/Refraintext finde ich sehr geil. Dieser dringliche Aufruf einen endlich zu lieben, der irgendwie klingt wie ein kleines quengeliges Kind, dass auf der einen Seite total niedlich und unbeholfen wirkt und auf der anderen 100%ig nachvollziehbar. So fühle ich auch, das spricht mir aus der Seele. So passt es natürlich auch sehr gut, dass diese kleine Anektode, die in dem genannten Ausruf kulminiert, von ziemlicher Kirmes-Musik unterlegt wird. Zwar nicht im klassischen Stampf-Stampf Stumpf-Stumpf-Sinne, sondern eher von der Grundstimmung - da passiert an allen Ecken und etwas und von allem viel zu viel. Da hört man die Streicher vom Karussel, den hüpfelten Bass vom Breakdance, irgendein Mini-Piano-Synth-Sound von der Losbude, ein gut rumpelndes Schlagzeug vom Autoscooter, hibbelige Percussion von der Schiffsschaukel und eine hübsche Orgel vom Riesenrad. Und rundherum aus allen Ecken und Enden freudig erregtes Reden und Rufen. Nur der Kartenabreißer am Eingang stimmt einen mit seinem leidenden, flehenden, weinerlichen Organ etwas melancholisch. Ja, die Musik wirkt wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen, ist unruhig und schwer unter Kontrolle zu halten, was den Black Kids aber doch gelingt, weil sie sich nicht in Spielereien verlieren, sondern lieber so viele wie möglich in einen Dreieinhalbminuten-Song quetschen möchten. Herrlich.

19.) The Twilight Sad - I Became A Prostitute, 2009



Eine brachiale Urgewalt das! Die Schotten lassen die Verstärker glühen, dass es eine wahre Freude ist. Zwischen die massiven Soundwälle passt kaum noch ein Blatt Papier, wenn sie erstmal auf einen niederprasseln. Da hilft auch kein Festhalten mehr, wann wird doch früher oder später einfach fortgespült. Das hört sich dann oft ziemlich deutlich wie My Bloody Valentine an und erinnert auch an deren Vorschlaghammer-Schönheit. Doch im Gegensatz zu ihren schottischen Kollegen aus den 90ern verlieren sich The Twilight Sad nicht in psychedelische Spielereien, sondern sind immer darauf bedacht einen Popsong durch den Phonwolf zu drehen. Dass I Became A Prostitute auch ohne den Lärm funktioniert, kann man sich gerne hier vergegenwärtigen. Ja, die Herren sind begnadete Songwriter und mit diesem hier haben sie definitiv ein Meisterstück abgeliefert, welches sich ganz tief in die Ohren frisst, um dort als Wurm weiterzuleben, der dann recht schnell zum Herzen weiterwandert und sich dort zu den anderen Lieblingsliedern legt und ein einfaches, aber glückliches Leben führt.

18.) Tiger Lou - Days Will Pass, 2005



Was für ein Runterzieher. Dunkel, mollig, zwischen schleppend und treibend, aber stoisch, und eine todtraurige Melodie mit brüchiger Stimme vorgetragen. Gut, das könnte auf jedes Tiger Lou-Lied passen. Aber hier sind all diese Komponenten ins Extrem getrieben. Trauriger und hoffnungsloser, bei gleichzeitiger melodiöser Ohrschmeichelung, klang er meiner Meinung nach nie.
Viel brauche ich nicht mehr dazu schreiben, schließlich ist der depressive Schwede bekannt wie ein bunter Hund. Und alle die seine Musik vorher nicht kannten, wurden sofort gefangen genommen und sind große Fans geworden. Zumindest habe ich die Erfahrung gemacht. Zuerst bei mir (nochmal danke, rhododendron!) und schließlich prinzipiell bei jedem, dem ich das vorgestellt habe. Irgendwie schafft Herr Kellermann es, einen ganz speziellen Nerv zu treffen. Nämlich den für traurige Popmusik. Und das aber in Perfektion. Von mir aus könnte das Lied 20 Minuten lang sein, ich würde immer noch gebannt und in die Atmosphäre gezogen zuhören.

17.) Revolt - Leader Of My Soul, 2006



Ob das "mal" eine gute deutsche Band ist, kann ich nicht sagen. Wohl aber weiß ich, dass dieses Lied einfach nur der Knüller ist. Leidenschaft, tolle Melodie und kompositorisch ein gutes Händchen kommen hier zusammen. Dummerweise hatte ich bisher bloß noch nicht die Möglichkeit gehabt, mich mit dem OEuvre der Herren Berliner genauer auseinander zu setzen. Daher kann ich nicht sagen, ob das bei der Band nun die Regel ist, so geile Lieder zu schrieben, oder mehr eine glückliche Ausnahme. Auf jeden Fall war es sogar den Businessmen beim Major Universal Grund genug, die Buben unter Vertrag zu nehmen. Ob sich das ausgezahlt hat, wage ich mal stark zu bezweifeln. Immerhin scheinen sie es noch nicht mal zu einem zweiten Album gebracht zu haben.
Ist ja auch Wurst. Denn wir haben uns ja hier eingefunden, um den Song zu feiern. Und der ist einfach grandios. Wie schön am Anfang der Bass rollt. Wie reduziert und dennoch effektiv die Gitarre erklingt. Was für eine tolle Melodie der Sänger singt. Und mit was für einer schönen Stimme. Das hat Kraft und ist dennoch wohlgeordnet. Und man beachte das hübsche Produktionsgimmick bei der Textzeile "The leader of my soul".

16.) Goldfrapp - Utopia, 2000



Wie sich das für das Goldfrapp-Album Felt Mountain geziemt, schreibe ich dazu einfach mal:
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Hoffentlich waren wieder ein paar Entdeckungen für die veehrte Leserschaft dabei. Ich wünsche einen schöne zweite Adventswoche.

Dienstag, 8. Dezember 2009

Meine 100 Alben 2000 - 2009 / Platz 09

09. Sigur Rós “Ágætis Byrjun” (2000)

41N31BC5AFL-_SL500_AA240_Ja, die Sigur-Rós-Frage. Vier Alben gab’s in diesem Jahrzehnt, eines schöner als das andere und insgesamt drei konnten sich in meinen Top 100 platzieren. Doch welches ist nun das Beste? Vielleicht gibt es so etwas gar nicht, aber am Ende muss halt ein Ergebnis her. Und da bietet sich natürlich „Ágætis Byrjun” an. Sicher, es gibt auch noch das 1997er Debüt „Von“, aber das war selbst mir etwas zu abgedreht. „Ágætis Byrjun” ist vielleicht das eigentliche Debüt der Band, denn hier findet das isländische Quartett zu seinem markanten Sound, einem breitflächigen Post-Rock, irgendwo zwischen fragiler Zerbrechlichkeit und wüstem Chaos. Beides existiert auf wundersame Weise nebeneinander in der Welt von Sigur Rós. So definiert „Ágætis Byrjun” all die Elemente, welche die Musik von Sigur Rós so unbeschreiblich machen. Eine Berg- und Talfahrt der Gefühle, voller Größe und Musikalität. Musik, die Bilder in deinem Kopf erschafft. Im Idealfall natürlich Bilder der schroffen isländischen Landschaft, denn die passt, wie keine zweite zur Musik der Band. Der Rest kann als Soundtrack zum ganz persönlichen Film des Lebens dienen. So bewegt sich das Zweitwerk der Band trotz des schwerelosen Anfangs mit dem traumhaften „Svefn-G-Englar“ und dem eingängigen „Starálflur“ (dass spätere Pop-Exkurse bereits erahnen lässt) insgesamt eher im Nebel, aus dem es dann aber in gewissen Momenten immer wieder ausbricht. „Ný Batterí“ sei da mal stellvertretend zu nennen. Oder das epische “Viðrar vel til loftárása”. Kaum in Worte zu fassen ist der Moment, als hier das Orchester aufspielt. Sigur Rós sind für die Musikwelt eine ungeheure Bereicherung, soviel steht am Ende des Jahrzehnts fest. Keine Band klingt so, wie sie und sie klingen auch wie keine andere Band. Hier kann der Begriff „einzigartig“ endlich auch wieder gebraucht werden, ohne aufgesetzt zu erscheinen. Kaum eine Band schafft es mich immer wieder aufs Neue musikalisch so mitzureißen. Die Musik von Sigur Rós zwingt einen förmlich zum Innehalten und Hinhören. Selten klang Melancholie so gut, wie hier. Auch nach gut zehn Jahren hat diese Musik nichts von ihrer Kraft und Genialität verloren, so dass anzunehmen ist, dass sie auch weiterhin noch viele Jahrzehnte überdauern wird. Wenn die Welt der Populärmusik schon etwas für die Nachwelt zu hinterlassen hat, dann doch bitte diese Klänge.
Anhören: “Svefn-G-Englar”, “Viðrar vel til loftárása”, “Olsen Olsen”, “Ágætis Byrjun”

Montag, 7. Dezember 2009

Neues These New Puritans Video "We Want War"

Nachdem uns These New Puritans schon den Dezember 2007 mit ihrer Debut-Single "Elvis" versüßt haben, tun sie dies 2 Jahre später wieder mit einer neuen Single , die den Namen "We Want War" trägt. Die Hedi Slimane-Style-Band wurde epischer, elektronischer, etwas anstrengender und besitzt auf "We Want War" sehr harte Percussions, die stark an Björk oder Bat For Lashes erinnern. Zudem folgen Trompeten-und Chorarrangements wie man sie auch von der kleinen Isländerin kennt. These New Puritans haben sich weiterentwickelt, zumindest sagt dies der Vorbote des neuen Album "Hidden", welches sie wieder auf Domino Records Anfang 2010 veröffentlichen, und auf mehr hoffen lässt.

Meine 100 Alben 2000 - 2009 / Platz 10

10. Nada Surf “Let Go” (2002)

618F78RKSXL-_SL500_AA240_Nach vielen Wochen und unzähligen Alben sind wir nun in der Königskategorie angekommen und zwar bei meinen persönlichen Top 10 Alben aus dieser ausgehenden Dekade. Und um das ganze noch etwas dramaturgisch aufzuwerten, gibt’s das ganze jetzt häppchenweise… ich versuche sozusagen jeden Tag einen Platz zu posten und hoffe natürlich, dass ich dies zeitlich auch einigermaßen schaffe. Von vornherein sollte natürlich klar sein, dass jedes dieser zehn Alben ein absoluter Klassiker für mich ist und gerade hier die Anordnung sehr schwierig war. Den Einstieg macht das New Yorker Trio Nada Surf, bei denen sich Fans, Kritiker sowie vermutlich die Band selber, einig darüber sind, dass „Let Go“ aus dem Jahr 2002 das Meisterwerk dieser Band ist. Das Album, dass man nur einmal im Leben macht und bei dem alles stimmt. Und so ist es einfach aus. „Let Go“ ist auch nach über sieben Jahren immer noch eines der schönsten und qualitativ hochwertigsten Alben, welches ich kenne. Nada Surf perfektionieren ihren melodischen Indie-Rock auf wunderbare Art und Weise und vereinen zwölf hochwertige Songs auf einem Album. „Let Go“ ist wirklich ein Album, welches von den tollen Popsongs und Matthew Caws’ wundervoll ehrlichen und auch gefühlvollen Texten lebt und dabei eine ganz eigene Atmosphäre verbreitet, irgendwo zwischen Optimismus und bittersüßer Melancholie. Die rockigen Nummern „The Way You Wear Your Head“, “Hi-Speed Soul” oder das locker-leichte “No Quick Fix” laden zum Mitschunkeln und Tanzen ein. Die Balladen hingegen bewegen auf wunderbare Weise. Sei es die Verneigung vor Dylan’s „Blonde On Blonde“ oder das wunderbar ehrliche „Inside Of Love“, dass in all seinem traurigen Pragmatismus einfach so voller Wahrheit steckt. Und dann wär da noch das epische „Killian’s Red“, sowie der traumhafte Abschluss „Paper Boats“. „Sit on a train, reading a book. Same damn planet every time i look“ resümiert Caws darin. Dabei nimmt der Song einen mit auf die traurig melancholische Zugfahrt, durch eine Welt, der man sich irgendwie gern verweigern möchte. Egal, ob es um die große Liebe geht oder einfach nur die Fruchtfliegen in der Küche… „Let Go“ scheint ein Album mitten aus dem Leben zu sein, um am Ende doch irgendwie über ihm zu stehen. Ich finde keinen einzigen Schwachpunkt, na gut, vielleicht die französische Nummer… aber selbst das ist kein Beinbruch und mindert die Qualität von „Let Go“ in keinster Weise. Ein Album, welches mir über viele Jahre so viel gegeben hat und voller kleiner Wahrheiten ist. Seitdem bewegen sich Nada Surf immer auf angenehmen Niveau und lassen auch gern mal die Brillanz durchblicken, mit der sie Anno 2002 noch ein ganzes Album gefüllt haben. Ach, ist das traumhaft… ich hör’s mir gleich noch mal an.
Anhören: „Fruit Fly“, „Blonde On Blonde“ „Inside Of Love“, „No Quick Fix“, “Paper Boats”

Sonntag, 6. Dezember 2009

rhododendron's ranking ... 49/ 2009

So, frisch erwacht vom gestrigen Doublefeature von Bad Lieutenant und den Pet Shop Boys in Berlin. Das hat natürlich teilweise Eindruck hinterlassen, denn witzigerweise ist die neue Nummer Eins diese Woche auch die neue Single der Herren Tennant und Lowe. Wenngleich das auch zu großen Teilen daran liegt, dass es der stärkste Song vom diesjährigen Album „Yes“ ist, der nun darauf schon seit nem halben Jahr schlummert und jetzt endlich verspätet doch noch Single zu werden. Vielleicht reißen sie damit ja noch was, hier werden damit selbstverständlich die Girls an der Spitze abgelöst. Ansonsten schieben sich Depeche Mode etwas höher in den Top 10 und die Arctic Monkeys steigen wieder in diese ein. Gleich dahinter befinden sich auf Platz 11 mit Le Corps Mince de Françoise die neuesten Zugpferde des französischen Elektrolabels „Kitsuné“ mit ihrer schnittigen neuen Single „Something Golden“, welcher man sich nicht so leicht entziehen kann. Eindrücke vom PSB-Gig folgen an dieser Stelle in den nächsten Tagen und auch sonst lohnt es sich ja immer mal, hier vorbeizuschauen. Wisst ihr ja alle ;-)

01.(NEW/ #1) Pet Shop Boys “All Over The World”
02.( 01 / #5 ) Girls “Lust For Life”
03.( 04 / #2 ) Vampire Weekend “Cousins”
04.( 02 / #3 ) The Drums “I Felt Stupid”
05.( 03 / #5 ) Muse “Undisclosed Desires”
06.( 06 / #4 ) Yeasayer “Ambling Alp”
07.( 05 / #7 ) Florence And The Machine “You’ve Got The Love”
08.( 10 / #2 ) Depeche Mode “Fragile Tension”
09.( 07 / #6 ) Ellie Goulding “Under The Sheets”
10.( 11 / #7 ) Arctic Monkeys “Cornerstone”
11.(NEW/ #1) Le Corps Mince de Françoise ”Something Golden”
12.( 08 / #9 ) The Sound Of Arrows “Into The Clouds”
13.( 13 / #4 ) Jay-Z “Empire State Of Mind”
14.( 12 / #4 ) Athlete “Black Swan Song”
15.( 09 / #4 ) The Big Pink “Dominos”
16.( 16 / #8 ) Julian Casablancas “11th Dimenson”
17.( 15 / #12) The xx “Basic Space”
18.( 14 / #5 ) Calvin Harris “Flashback”
19.( 19 / #8 ) Mew “Repeaterbeater”
20.( 17 / #5 ) Jamie T “The Man’s Machine”



Donnerstag, 3. Dezember 2009

Meine 100 Alben 2000 - 2009 / Plätze 15 - 11

AlbumsOfTheDecade-100-91

15. Coldplay “Parachutes” (2000)

313NygFe0PL-_SL160_AA115_Alles auf Anfang. Vor dem Stadionrock, vor “Clocks”, “Talk” und “Viva La Vida”, all den Grammys und Gwyneth Palthrow... da war “Parachutes”. Das Alpha in der Gleichung „Coldplay“. Das Album, welches alle Aufhören ließ, obwohl es eigentlich alles andere als laut war. Es war lediglich zur richtigen Zeit am richtigen Ort und besaß die richtigen Songs. Als die Welt zur Jahrtausendwende in Plastepop á la Britney und ’N Sync, sowie in Goldkettchen-Hip-Hop und Nu Metal, sowie diverser anderer 90er-Jahre-Leichen zu versinken drohte, läuteten Coldplay mit „Parachutes“ den Wechsel ein. Während Radiohead sich der Kunst und Oasis dem Kokain widmeten, schuf das Quartett Kunststudenten um den lockigen Chris Martin kleine, große Popsongs, die vor allem eines waren: Gefühlsecht, eingängig und emotional authentisch. Gut eben… durch und durch. Und so horchte die Welt auf, weil die Welt einen Hauch Ehrlichkeit nötig hatte. Und das mein ich nicht nur auf globaler Ebene, denn selbst mich haben Coldplay damit gerettet. Als ich das erste Mal „Trouble“ hörte, öffnete sich vor meinem musikalischen Auge bzw. Ohr eine komplett neue Welt, welche ich in der Form nicht kannte. So sorgten Coldplay dafür, dass ich ganz persönlich eine neue Stufe in meinem Musikkonsum erklomm und mich von da an wirklich abseits von dem bewegte, was die Mitschüler damals so toll fanden. „Parachutes“ war der Startschuss für mich und sicher auch für viele andere. Die Brillanz der Songs bleibt unbestritten, da könnnen sich damals weder Bono noch P. Diddy irren. Der wunderbar leichte Schmerz, der das Album durchweht, seien es die düsteren Momente wie „Spies“ oder die romantischen wie „Sparks“ oder „We Never Change“. Und mit „Shiver“ oder „Everything’s Not Lost“ empfiehlt man sich bereits auf diesem Album für die großen Hymnen der Zukunft. Doch noch hält sich das alles in Grenzen. „Parachutes“ ist ein wunderbar ehrliches und smiples Album voller kleiner Songperlen, deren Emotionen man in jeder Minute abkauft. Eine ganze eigene, heimische Atmosphäre, die so gar nichts mit all dem zu tun hat, was Coldplay in den nächsten Jahren machen sollten. Vielleicht sind deshalb auch viele alte Fans bereits nach dem Debüt angesprungen. Ein leises, fast schon schüchternes Ausrufezeichen einer Band, von der man damals nur erahnen konnte, zu was sie noch alles fähig ist, wenn man sie lässt. Ein ganz persönlicher lebensrettender Fallschirm, der in den vergangenen fast zehn Jahren nichts von seiner Einzigartigkeit verloren hat.
Anhören: „Don’t Panic“, „Spies“, „Trouble“, „Everything’s Not Lost“

14. Death Cab For Cutie “Plans” (2005)

41MVaB3xSUL-_SL160_AA115_Es gab die Death Cab vor “Plans”, die Erwartungen schürten und dann die Death Cab nach „Plans“, die seit dem irgendwie nicht wissen wohin sie wollen. Und dazwischen gibt es halt „Plans“, das Album von dem ich mir noch nicht ganz getraue zu sagen, es zeige die Band auf ihrem Zenit, wenngleich es allerdings immer stärker danach aussieht. Bleiben wir beim bisher stärksten Album des Quartetts aus Seattle. Nachdem man sich vorher von album zu Album gesteigert hatte, erreicht die Band um Ben Gibbard auf „Plans“ einen qualitativen Level auf dem ihrem melancholischen Indie Pop scheinbar alles gelingen kann. Keine Schwachstellen. All Killer, No Filler. Vom ersten Moment an, als die Keyboardflächen von “Marching Bands Of Manhatten“ einen willkommen heißen, nimmt einen dieses Album mit auf eine spannende Reise voller kleiner, großer Gitarrenkunstwerke. Dabei lässt man das Stürmische und Rauhe vergangener Death-Cab-Tage ein wenig hinter sich und zeigt sich auf „Plans“ von der ganz gefühlvollen und weichen Seite, was an sich ja nicht vekehrt ist. So gibt es hier wunderbare Liebeslieder, wie das fröhlich-beschwingte „Soul Meets Body“ oder die Understatement-Hymne „Your Heart Is An Empty Room“. Und es wird auch traurig, wie „Summer Skin“, auf dem Gibbard das Ende einer Liebe besingt oder in „Someday You Will Be Loved“, in welchem er der Verflossenen alles Gute wünscht. Egal, ob die melancholische Schwere der „Brothers On A Hotel Bed“ oder das rein akustische Liebesbekenntnis „I Will Follow You Into The Dark“… die Band gibt sich vielfältig und dabei immer sehr bewegend. Dazu besitzt „Plans“ auch einen ganz eigenen Klang mit seinen warmen Keyboardflächen, den weichen Gitarren, sowie dem prägnanten Piano. Ein Klang, den man zwar in Ansätzen auch auf allen anderen Death Cab For Cutie Platten findet, jedoch niemals so perfektioniert und gut produziert, wie an dieser Stelle. So versprüht „Plans“ unglaublich viel Herzlichkeit und Geborgenheit von der ersten bis zur letzten Note. Das hat sie jedenfalls stets wann immer ich sie gehört habe. Wunderbar intelligente Gitarrenpopsongs, welche die Band musikalisch noch einmal ordentlich nach vorn bringen und ganz neue Seiten zeigt. Dass man im Zuge dieses Albums auch noch mal einen ordentlichen Popularitätsschub genossen hat, erstaunt eigentlich auch nicht wirklich. O.C. California hin oder her. „Plans“ bleibt das stille Meisterwerk dieser Band, an dem sich nun halt leider mal alle zukünftigen Alben messen lassen müssen. Aber da ist der offen noch lang nicht aus. Da bleibe ich, ganz im Sinne des Albums und trotz Twilight-Soundtrack, ein grenzenloser Optimist.
Anhören: „Marching Bands Of Manhatten“, „Soul Meets Body“, „I Will Follow You Into The Dark“, „What Sarah Said“

13. The Rifles “No Love Lost” (2006)

31H3CBS28pL-_SL160_AA115_So, nach all der Melancholie hier muss auch mal wieder Platz für zünftige Gitarren, flotte Bassläufe und etwas Rock’n Roll in der Disko sein. Natürlich hat die Indie-Welle zu Mitte des Jahrzehnts in England einige feiste Bands ans Tageslicht gespühlt, die alle auf ihre Weise begeistern konnten. Und darunter befinden sich definitiv die besten Debüts dieses Jahrzehnts. Doch eine Band sticht mit einem Album deutlich heraus und kann, wenn es nach mir geht, sogar die Konkurrenz von Maximo Park, Franz Ferdinand und Arctic Monkeys spielend hinter sich lassen. Das Debütalbum „No Love Lost“, der Rifles aus London ist eines der besten Debüts der vergangenen zehn Jahre, welches vor allem deshalb beeindruckend ist, weil es ausnahmslos zwölf Songs serviert, die alle für sich astreine Hits sind. Ich weiß, den Satz sagt man öfters, aber hier stimmt das… wirklich! Du kannst jeden Song nehmen, vom Opener „She’s Got Standards“ über den „Hometown Blues“, bis hin zu den eigentlichen Singles „Peace & Quiet“ oder „Repeated Offender“… jeder Song ist ein lupenreines Lehrstück dafür, wie ein Gitarrenpopsong in dreieinhalb Minuten zu funktionieren hat. Strophe, Chorus, Strophe, Chorus, Bridge, Chorus… und das klappt auch, weil es astrein produziert und auf den Punkt gebracht ist und das Quartett aus London akribisch genau darauf achtet, dass man auch schön jeden Refrain mitsingen kann. Am besten gleich mehrstimmig aufnehmen, damit gleich jeder den Mitgröhlrefrain checkt. Und dazu noch ein paar lebensnahe, etwas bissige Texte genommen über Themen, die einen als junge Gitarrenband halt so interessieren. Sei es der eigene Hype, das Pro und Contra von One Night Stands, der Wunsch nach Ruhe, der lokale Looser im Pub oder das mulmige Gefühl, welches einen beschleicht, wenn man nach langer Zeit mal wieder in seiner Heimat aufschlägt… kennt man, liebt man, singt man bedingungslos auch nach ein paar Bier noch mit. The Rifles sind die stereotypischen britischen Working Class Heroes, die auf ihrem Debüt all das verkörpern, was man an der Gitarrenpopmusik dieses Landes so gut findet oder eben nicht. Sogar die Balladen bekommt man hin. Selten klang eine Liebeserklärung so aufrichtig, wie in „Spend A Lifetime“. Und die Gesellschaftskritik in „Narrow Minded Social Club“ ist auch wundervoll. Und lässt sich trotzdem mitgröhlen. Ja, selbst der Hidden Track „Fat Cat“ hat’s faustdick hinter den Ohren. Auf „No Love Lost“ stimmt alles. Form, Inhalt und Attitüde verschmelzen zu einem kurzweiligen und unwiderstehlichen Gitarrenpopmix, der es geschafft hat, mir mehrere Sommer zu versüßen. Und fragen sie bitte auch den doughnut, der hier im Blog rumgeistert. Der vermutlich größte Rifles-Fan dieses Landes. Auch nach über drei Jahren hat „No Love Lost“ nichts von dieser Energie, diesem Lebensgefühl verloren, welches damals, 2006, so faszinierte. Die Band wird von nun an gegen ihre eigene Messlatte ankämpfen müssen. Das tut sie bisher aber mit Bravur. Good lads!
Anhören: “She’s Got Standards”, “Hometown Blues”, “Spend A Lifetime”, “Repeated Offender”

12. The Arcade Fire “Neon Bible” (2007)

41vwC81em9L-_SL160_AA115_Halleluhja! Im Gegensatz zur Konkurrenz benötigte das Künstlerkollektiv Arcade Fire aus Kanada gerade mal zwei Alben, um die Musikwelt in Ehrfurcht zu erschüttern und alle für sich zu begeistern. Von der Spex bis zur Süddeutschen, von Bono bis Bowie. Alle sind sich einig! Kaum eine Band wird von Kollegen, wie Fans gleichermaßen hoch gelobt wie die Band um Win Buttler und Régine Chassagne. Man ist fast schon gewillt bewusst, nach Fehlern zu suchen. Nach dem Haar in der Suppe. Doch einmal „Neon Bible“ gehört, bleibt mir am Ende nichts anderes als im Staub zu knien und Buße zu tun. Die Band schafft das fast Unmögliche. Das ohnehin schon geniale Debüt „Funeral“ wird mit „Neon Bible“ fast noch übertrumpft. Ein Triumphzug sondergleichen. Und sobald das nervöse Brodeln des Openers „Black Mirror“ beginnt, ist man gefangen in dieser fantastischen, hymnischen Welt. Wobei es dabei nicht mal eine Fantasiewelt ist, sondern unsere Welt. Jeder Song, um in der Bibelsprache zu bleiben, eine Offenbarung für sich. Von den todtraurigen Balladen „Ocean of Noise“ oder „Windowsill“, bis hin zu diesen unglaublichen Hymnen wie „No Cars Go“ oder „Intervention“, die alles auffahren, was man auffahren kann. Orchester, Chöre und eine hauseigene Kirchenorgel. Alles andere wäre zu mickrig. Es ist der größte Verdienst von Arcade Fire, dass sie neben den Standard-Instrumentenrepertoire einer Indieband auch spielend leicht alles Andere, von der Flöte, über Harfen, bis hin zu Cello und Drehorgel in ihrer Musik benutzen und damit ihren Songs die Größe verleihen, die ihnen auch zusteht. Überhaupt halten Arcade Fire nix von der Einfachheit anderer Künstler. Der beste Beweis dafür, dass Popmusik und große Produktion auch abseits von Klischees und Schwulst funktionieren kann. Diese Musik will groß sein, sie will episch und hymnenhaft sein, verliert dabei aber nie ihre Intensität und ihr Gefühl. Und weil all diese Elemente so gut passen, kann ich als Freund guter Musik auch nicht anders, als diese Band zu lieben. Arcade Fire verpacken ihre Songs über die Probleme dieser Welt und die Probleme eines jeden einzelnen in große, verzweifelte, aber doch auch irgendwie trostspendende Popmomente. „Windowsill“ wünscht sich all den Mist, den man täglich vom Fenstersims aus sieht weg und „No Cars Go“ wünscht sich in eine mit Pauken und Chören durchsetzte Traumwelt. Oder vielleicht sogar in den Tod als Erslösung selber? Selten war Suizid so schön verpackt. „Set My Spirit Free“ fleht Buttler im famosen Abschlusssong „My Body Is A Cage“, begleitet von der ganzen Band und ihrer Orgel. Ein Flehen nach einer besseren Welt. Eine Band, die politischer ist, als man ihr immer zutraut. Am Ende bleibt einfach dieses Gefühl der Überwältigung. Man ist Zeuge wunderbarer Musik geworden, die im Idealfall natürlich lebensrettend ist. „Neon Bible“ ist bereits jetzt ein moderner Klassiker, der Lust auf mehr macht. Und eigentlich wär ein neues Album 2010 ja fällig, liebes Spielhallenfeuer. Auf das du noch eine Weile weiter lodern wirst!
Anhören: “Keep The Car Running”, “Intervention”, “Windowsill”, “No Cars Go”, “My Body Is A Cage”

11. Editors “An End Has A Start” (2007)

51Ry84PRcEL-_SL160_AA115_Darf’s etwas mehr sein? Wenn eine Band ihren Sound gern etwas größer gestalten will, ist der schottische Produzent Jacknife Lee meist eine gute Adresse. Immerhin ging der bei U2 in die Schule. Und nachdem das Debüt „The Back Room“ von den Editors bereits 2005 immer wieder nach der großen Bühne schrie, bekam der Nachfolge gleich die volle Dröhnung. Mehr Gitarren, mehr Pomp, mehr Soundwände… Mehr! Mehr!! Mehr!!! Es scheint so, als bekommt die Band auf “An End Has A Start” endlich den Sound, der ihnen gebührt. Ein Sound der nach der großen Bühne schreit. Die ganz großen Gesten, die der schlacksige Frontmann Tom Smith ja auch gern auf der Bühne bis zum Exzess lebt, in XXL. Und natürlich die wunderbaren Texte über Tod, Vergänglichkeit und all die düsteren Themen unserer Existenz. Das spricht mich und meine immer gern wiederkehrende Teenage Angst an. Also ist das Zweitwerk der Editors das ganz große Leiden mit zirpenden Gitarren und wuchtigem Schlagzeug. Der Opener „Smokers Outside The Hospital Doors“ breitet bereits seine Arme gaaaanz weit aus um wirklich alle in der Stadt willkommen zu heißen. Und mit „An End Has A Start“, „Bones“ oder „The Racing Rats“ hat man auch wieder die unwiderstehlichen Indie-Disco-Hits dabei, welche Jacknife Lee diesmal noch stärker auf Tanzen getrimmt hat. Doch dann ist da noch der Rest. Die unglaubliche Dringlichkeit dieses Hammerriffs von „Escape The Nest“, das Flehen nach Flucht in seinem Aufbau und in der Stimme von Tom Smith. Ja, ich fliehe mit, Tom! Lenk den Fluchtwagen! Und dazu so düstere Liebeslieder wie das epische „The Weight Of The World“. „Love replaces fear“ singt Smith da. Und in dem Moment als er dies in dem Song tut, flutet ein warmes Licht den Raum und erfüllt alles und jeden. Schlagzeug, Gitarre, Bass und Klavier drücken jeden Song in seinem Ausdruck nach vorn. Diese Musik will sich nicht verstecken, sie will raus und gehört werden. Vermutlich rastet Smith deshalb gern mal so auf der Bühne aus. Dieser dürre Mann mit dem Lockenkopf und der markanten Stimme. Hier schreit er alles heraus. Seine Angst, seinen Frust, seine Zweifel! Unüberhörbar! Vielleicht übertreiben es Band und Produzent an manchen Stellen auch ein wenig, denn teilweise wirkt „An End Has A Start“ richtig dick aufgetragen. Doch das verzeih ich ihnen gern. Selbst wenn das neue Album dieses noch mal durch eindrucksvolle musikalische Neuausrichtung in den Schatten stellt… das zweite Album der Editors bleibt ein persönlicher Meilenstein in meiner musikalischen Hörentwicklung. Ein Album, das damals, wie heute unglaublich wichtig war und geholfen hat, diese Band als eine meiner Top-Bands für alle Zeit zu etablieren, obwohl es sie noch gar nicht so lang gibt. Toppen kann dies nur das Debüt und das findet sich, welch Überraschungen, in der Top 10, welcher uns wir nun in nächster Zeit feierlich zuwenden werden.
Anhören: “Smokers Outside The Hospital Doors”, “An End Has A Start”, “The Racing Rats”, “Escape The Nest”

Mittwoch, 2. Dezember 2009

Rainbow Party - (6) Prosperousness

Ach, wie sehr habe ich mich darauf gefreut. Heute endlich kann ich meinen Beitrag leisten zum Thema peinliche Lieblingslieder. Sprich Songs, die sehr gut sind, nur leider von Interpreten vorgetragen werden, die eher nicht dadurch auffallen. Jeder hat sie und so halt auch ich. Viel Freude beim Wiederentdecken!

25.) Die Ärzte - Junge, 2007



Gut ... wirklich peinlich ist es nicht Die Ärzte toll zu finden. Schließlich haben sie sich beharrlich und mit sehr viel Eigensinn einen unabhängigen und dennoch erfolgreichen Status erspielt. Und dass sie musikalisch wirklich was drauf haben, ist auch kein Geheimnis. Was soll's: Der Titel war auf Platz 1 und wurde in dem Sommer vor 2 Jahren zu Tode gespielt. Nur halt nicht bei mir.
Auch jetzt höre ich es noch sehr gerne. Kompositorisch kann man einfach nur neidisch sein auf dieses kraftvolle und dennoch - durch die Melodie in Moll - melancholische Werk. Und auch die Performance ist kaum steigerbar. Herr Urlaub singt mit so viel Leidenschaft, dass es eine wahre Freude. Der Einsatz in den Refrain entfacht einen wahren Orkan, der droht den Hörer hinfort zu spülen, wenn er sich nicht rechtzeitig festhält. Die Gitarren peitschen, das Schlagzeug hämmert und prompt bricht es auch wieder in der Strophe zusammen. Dazu der wahrscheinlich extrem nachvollziehbare Text über die Diskrepanz zwischen Eltern und Kind. Macht summa summarum einen reifen, kraftvollen und wunderschönen Popsong.
Eigentlich wäre es ja angebracht dazu auch das recht aufwendige Zombievideo zu zeigen. Jedoch finde ich, dass es leider zu sehr von dem fantastischen Lied ablenkt und es leider auch etwas ins Lächerliche zieht, was es nicht verdient hat. Aber so ist das nunmal mit den störrischen Die Ärzte. Alles Schöne muss anscheinend zerstört werden.


24.) Kylie Minogue - Can't Get You Out Of My Head, 2001




Auch das dürfte nicht gerade eine große Überraschung sein. Schließlich wurde ja schon zur Zeit der Veröffentlichung klar, dass wir es hier mit einem unglaublich eingängigen und dennoch langlebigen Titel zu tun haben, der am Ende des Tages einfach nur brilliant komponiert, arrangiert und produziert ist.
Wenngleich Kylie Minogue das Lied ganz hübsch eingesungen hat, dürfte klar sein, dass sie sonst nicht viel damit zu tun hat. Die Anerkennung geht an dieser Stelle an die beiden Schreiberlinge. Das wären zum Einen Rob Davis, der früher mit seiner eigenen Band Mud schon recht erfolgreich war und später vor allem mit dem Song Groovejet (Spiller) wieder in Erscheinung getreten ist. Zum Anderen gehen die Props an die Britin Cathy Dennis, die bereits eine erstaunliche Latte an tollen Songs mitgeschrieben hat, wie beispielsweise Katy Perrys I Kissed A Girl , oder auch Toxic von Britney Spears, die neben ihrer unbestreitbaren Güte auch unwahrscheinlich erfolgreich waren. Wobei dieser hier wohl zu ihrer wichtigsten Arbeit gehören dürfte.
Was ist daran nun so toll? Wer die Original Disko-Version nicht so mag, dem sei an dieser Stelle empfohlen, sich die schon fast postrockige Interpretationen von Coldplay oder die pompös-schmachtende von The Flaming Lips mal zu Gemüte zu führen. Da werden wirklich noch ganz neue Qualitäten dieses Machwerks offenbart. Zum Beispiel wie wunderbar traurig diese Melodie ist (Flaming Lips), oder wie sich der Song immer flächiger aufbaut, bis man nahezu in einen Trancezustand verfällt. Und was das für ein Lied ist, das eigentlich nur zur Nacht passt (Coldplay).
Doch auch das Original hat so seine Qualitäten. Neben dem offensichtlichen hervorragendem Groove und dem hauchenden Mädchen-Gesang von Ms. Minogue, sind es auch die kleinen Detail, die dieses Lied so liebenswert machen. Beispielsweise, die hin und wieder auftretenden spacigen Störgeräusche, dem schönen hohen Streichersynthie gegen Ende, dieser Wah-Synth rechts bei Won't you staaayy, der kurze Background-Gesang zum Schluss. Und vor allem dem ganz gar perfekten Rhodes-Piano ab der zweiten Strophe. Das sind Sachen, die man eigentlich nur mit Kopfhörern wahrnimmt, weil sie so weit an den Rand gedrängt sind, dass sie fast verloren gehen. Aber halt nicht ganz. Und dadurch tragen sie das Lied in wahrhaft höhere Ebenen.

23.) Avril Lavigne - Losing Grip, 2003




Die vierte Single aus dem absoluten Kassenhit Let Go wurde, glaube ich, schon gar nicht mehr so richtig wahrgenommen und konnte auch nur noch in Hong Kong die Spitzenposition der Charts erklimmen. Warum das so ist, erschließt sich mir aber nicht. Denn im Gegensatz zu den recht langweiligen und auch nicht gerade mit Jahrhundertmelodien gesegneten ersten Singles Complicated und Sk8er Boy haben wir hier einen grandiosen, treibenden, eingängigen und leidenschaftlichen Hit vorliegen, der, wenn er von den Foo Fighters gespielt worden wäre, sicher auch in erlauchten Musikkritiker-Kreisen ein gutes Renommee erhalten würde. Schließlich stammt er auch aus der Feder des erfahrenen Songwriters Cliff Magness. Zwar bekommt auch Avril Lavigne writing credits, die sich wahrscheinlich aber hauptsächlich auf den Text beziehen, der aber leider etwas flach geraten ist.
Nichtsdestotrotz haben wir hier einen unfassbar tollen und wieder einmal gut molligen Refrain vorliegen, auf den natürlich das ganze Lied zuläuft, was aber nicht heißen soll, dass die Strophen nur zum unnützen Beiwerk vorkommen, sondern auch diese sind sehr stringent und schön anzuhören. Nicht zuletzt ist es auch beachtenswert, dass an der Stelle doch recht laute Gitarren zum Einsatz kommen, was dem ganzen einen hübschen Grunge-Touch verleiht, dem ich natürlich sehr zugetan bin.
Ein superber und kraftvoller Album-Opener, wie er im Bilderbuch der Poprock-Musik steht.

PS: Ich möchte die Leserschaft mal dazu anhalten auch die Vorgänger-Single I'm With You und das sehr gute David LaChapelle-Video jetzt viele Jahre nach dem Hype noch einmal neu zu goutieren und ein halbwegs objektives Urteil zu fällen. Ihr werdet staunen. Hoffe ich. Sonst muss ich ganz schön an mir zweifeln.

22.) Evanescence - Going Under, 2003



Noch ein vergleichsweise unbeachteter Albumopener. Neben den Smashern Bring Me To Life und My Immortal fand Going Under etwas mehr außerhalb der Öffentlichkeit statt.
Gut, Vorraussetzung um das zu mögen ist natürlich, die sehr gepresste Gesangsart von Amy Lee und auch die pseudo-düsteren Samples zu ertragen. Wenn man da aber mal drüber wegschaut, kommt ein erstaunlich kompakter und dennoch schwelgerischer Popsong bei rum, den ich mir immer wieder gerne anhöre. Besonders hervorzuheben ist natürlich der sehr luftige Pre-Chorus (I'm dying again) der daraufhin sehr hübsch von dem schon übermenschlich schönen Chorus samt Post-Chorus niedergewalzt wird und den Hörer dabei ganz weit weg befördert. Das textliche Bild vom Treiben im Wasser wurde - meiner Meinung nach - ziemlich gut getroffen, um die Stimmung des Liedes zu vermitteln. Okay. Mehr kann ich dazu gar nicht beschreiben, denn dafür ist das ganze doch viel zu eingängig und vordergründig. Das Lied hat kein Geheimnis, sondern legt sich dem Hörer frei vor die Füße. Es liegt dann nur an ihm, ob er es aufnimmt, oder darüber hinwegsteigt. Ich empfehle sehr ersteres zuzulassen.

21.) Britney Spears - Everytime, 2004




So ein schönes, poetisches, trauriges Liebeslied, das für so eine Big Production erstaunlich zurückhaltend produziert wurde.
Dass Britney Spears in den meisten peinliche Lieblingslieder-Listen auftauchen muss, weiß man spätestens seit dem Travis-Cover von Hit Me Baby One More Time. Denn irgendwie schafft sie es immer, die besten Songwriter um sich zu scharren. So konnte sie unter anderem Cathy Dennis und Max Martin verpflichten, welche uns bereits viele Popperlen verschafft haben. Für diesen Song hat sie sich jedoch mit Αννέτ Αρτάνι (repräsentierte 2006 mal Zypern beim Eurovision Song Contest) zusammengesetzt und gemeinsam haben sie diesen Traum von Ballade entworfen.
Luftig instrumentiert mit Piano, Glockenspiel und sehr dezenten Tabla-Percussions bietet es genug Raum, damit sich Britney Spears mit großer Zärtlichkeit in die Ohren des Hörers schmeicheln kann. Und der kann sich rundherum wohl fühlen, wenn sie ihren traurigen Abgesang auf eine Beziehung heraushaucht. Im weiteren Verlauf gesellen sich dann noch Synths und Streicher dazu, die aber nie die Oberhand gewinnen und stets Raum zum atmen lassen.
Aber auch ohne den ganzen Produktionshandwerk von Guy Sigsworth (u.a. Björk, UNKLE) haben wir immer noch ein wunderbar melancholisches Werk vorliegen, dass in allen Teilen und im Zusammenspiel perfekt ist. Dass wir den Song nun mit dieser sehr hübschen Instrumentierung und nicht als episches Death Metal-Stück haben, halte ich für einen doppelten Bonus. Denn so kann es sein komplettes Potenzial entfalten. Und das ist groß.

Das wäre es dann erstmal mit dem Special. Von nun an gibt es wieder Titel, die einem nicht von jedem Billboard entgegen schreien. Dennoch sollte dadurch mal wieder klar geworden sein, dass tolle Musik überall liegt, vom feinsten Bob Dylan-Loft bis zur Eurodisco-Gosse. Man sollte nur die Ohren offen halten.
Bis nächste Woche.

Sonntag, 29. November 2009

rhododendron's ranking ... 48/ 2009

So, wir machen’s mal relativ kurz und knapp zum 1. Advent. Es bleibt besinnlich in der Spitzengruppe. Alles wie gehabt bei den vorderen Plätzen. Muse schmuggeln sich langsam aber sicher Richtung Spitze. Einen Neueinstieg gibt es auf Platz 4 mit der neuen, sehr kurzweiligen Single von Vampire Weekend. Wie immer inklusive sehr lustigem Video. Eine Band, die vor Kreativität strotzt. „Cousins“ macht sehr viel Lust aufs neue Album „Contra“ im Januar. Der zweite Neueinsteiger stammt von alten Bekannten auf Platz 10… Depeche Mode melden sich noch einmal mit einer neuen Single aus dem diesjährigen Album „Sounds Of The Universe“ zurück. „Fargile Tension“ ist ein sehr schnittiger Popsong mit nem lustig psychodelischen Video dazu. Guter Song, der trotz intensiven Einsatzes in der o2-Handywerbung noch nicht wirklich nervt. Abseits der vorderen zehn Plätze geht’s für alle Beteiligten ein paar Plätze tiefer. Die Abstürze halten sich aber noch im Rahmen. Und nun viel Vergnügen beim Plätzchenbacken und –essen.

01.( 01 / #4 ) Girls “Lust For Life”
02.( 02 / #2 ) The Drums “I Felt Stupid”
03.( 04 / #4 ) Muse “Undisclosed Desires”
04.(NEW/ #1) Vampire Weekend “Cousins”
05.( 03 / #6 ) Florence And The Machine “You’ve Got The Love”
06.( 07 / #3 ) Yeasayer “Ambling Alp”
07.( 06 / #5 ) Ellie Goulding “Under The Sheets”
08.( 05 / #8 ) The Sound Of Arrows “Into The Clouds”
09.( 08 / #3 ) The Big Pink “Dominos”
10.(NEW/ #1) Depeche Mode “Fragile Tension”
11.( 09 / #6 ) Arctic Monkeys “Cornerstone”
12.( 10 / #3 ) Athlete “Black Swan Song”
13.( 12 / #3 ) Jay-Z “Empire State Of Mind”
14.( 13 / #4 ) Calvin Harris “Flashback”
15.( 14 / #11) The xx “Basic Space”
16.( 11 / #7 ) Julian Casablancas “11th Dimenson”
17.( 16 / #4 ) Jamie T “The Man’s Machine”
18.( 15 / #6 ) Vampire Weekend “Horchata”
19.( 18 / #7 ) Mew “Repeaterbeater”
20.( 17 / #8 ) Röyksopp “This Must Be It”



Samstag, 28. November 2009

Die besten Alben 2000 - 2009 / Plätze 20 - 16

AlbumsOfTheDecade-100-91

20. Elbow “Cast Of Thousands” (2003)

21QVFFYG35L-_SL160_AA115_Wie kann der gute Mann denn weiter oben schreiben, das “Seldom Seen Kid” das wohl beste und ausgereifteste Elbow Album ist und dann befindet sich noch eins weiter oben? Ja, auf dem Papier mag das vielleicht so sein, aber dieses Ranking ist ja weitab davon entfernt, nur objektiv zu sein. Also ist es vor allem die Tatsache, dass mich „Cast By Thousands“ aus dem Jahr 2003 schon wesentlich länger begleitet, als das 5 Jahre später erschienene Album welches der Band aus Manchester endlich den großen Erfolg brachte. Und somit verbindet mich mit dem Zweitwerk der Band auch wesentlich mehr, weshalb es vermutlich auf nicht absehbare Zeit mein Favorit bleiben wird. Nach dem etwas introspektiven Debüt „Asleep In The Back“ wagt sich die Band hier auf ihre schrullige Art und Weise ein wenig in die Welt hinaus und lässt bereits ihr Stärken erahnen. Wunderbar gefühlvolle Britpopsongs voller Sehnsucht und Melancholie, aber auch voll Schrulligkeit und auch gern mal Sex. „I’ve got your Number“ dürfte dafür der beste Beweis sein. Aber auch der noch etwas verschlafene Opener „Ribcage“, der uns sozusagen inklusive Gospelchor am Aufstehen teilhaben lässt, bevor uns dann das schmissige „Fallen Angel“ durch den Tag begleitet. Doch immer wieder ist es die Melancholie, die uns dabei einholt. Wie bei der streichergetränkten Hommage an das „Fugitive Motel“, in der wundervollen Ballade „Switching Off“ oder der entspannt-sommerlichen Ballade „Not A Job“. Hier läuft die Band zu absoluter Höchstform auf. Und schon wieder und permanent ist es Guy Garveys Stimme. Dieser warme, biergestählte Klang seiner Worte, voller Hoffnung und Trauer. Als ob er trotz seines nicht so hohen Alters schon alles gesehen hätte. Dann wird das Album wieder ein wenig düsterer und verspielter und besucht bei „Crawling With Idiot“ auch schon mal, so scheint es, die örtliche Irrenanstalt. Doch aus diesem Dunkel dringen die ersten Gitarrenakkorde des wunderbaren „Grace Under Pressure“, welches in den nächsten fünf Minuten zu einem der schönsten Songs aller Zeiten heranwachsen wird. Als am Ende halb Glastonbury mit anstimmt: „We still believe in love so fuck you!“ ist das ein Moment nahe der Perfektion, bei dem man gern selber unter dem Cast von Tausenden dabei gewesen wäre. Große Songkunst, welche diese Band hier erneut zelebriert. Songs, welche sich bedingungslos allen Klischees verweigern, aber dann irgendwie doch „klassisch“ klingen. Aber vor allem klingen sie, wie kaum eine andere Band. „Cast By Thousands“ bleibt, gerade durch die 3,4 wirklich herausragenden Songs drauf, die Elbow’s Sperrspitze gegen den schlechten Geschmack bilden, auch 6 Jahre nach seiner Erstveröffentlichung immer noch ein Kapitel für sich, dass ich mir immer wieder gern gönne.
Anhören: „Fallen Angel“, „Switching Off“, „Not A Job”, “Grace Under Pressure”

19. Manic Street Preachers “Lifeblood” (2004)

3155E9Z8WSL-_SL160_AA115_Es ist vielleicht das überraschenste Album in meinen Top 20. Denn wenn ich meine Liebe zum 2004er Werk der Manic Street Preachers äußere treff ich häufig über erstaunte Gesichter. Kein Mensch scheint dieses album zu mögen. Kritiker haben es damals verrissen, Käufer gemieden, Fans sowieso und selbst die Band war schon kurz nach dem Release nicht mehr davon überzeugt und hat es mittlerweile als missglücktes Experiment zu den Akten gelegt. So wird „Lifeblood“ immer der Aussetzer in der Manics Biographie bleiben. Ein vollkommen zu dick produziertes Kitsch-Pop-Album voller 80er-Stadion-Rock-Momente. Kaum etwas, wofür man die drei Waliser mag findet sich auf diesem Album in Fülle wieder. Warum also? Weil ich es liebe und nicht anders kann. Allein der Opener, der melancholische, aber kraftvolle Rückblick ins Jahr 1985 reißt einen in einen Sog aus Hymnen, Gitarrensoli und jede Menge Synthesizern. Zu viel von allem, aber ich nehm es gern in Kauf. „Morrissey and Marr gave me a choice.“ Da kann man Nicky Wire nur zustimmen. Auch der Rest steigt locker mit ein. Egal, ob Coldplay-Pianos auf „Empty Souls“, furchtbare Schwulst-Soli auf „Glastnost“, dicke 80er Bassläufe auf „Always Never“ oder ne Mundharmonika auf „Fragments“… was die Killers erst Jahre später für sich beanspruchen sollten… die Manic Street Preachers waren eindeutig schneller. Das ganze funktioniert vielleicht nicht unbedingt als Manics Album, aber als hervorragendes Gitarren-Retropop Album mit extrem eingänigen Melodien und guten Songs. Und das muss man der Platte einfach zu gute halten: die Songs sind sehr, sehr stark. Eigentlich keine Schwachstellen auf dem Album. Und die Kitsch-Produktion ist natürlich gerade bei den Garagenrock-verwöhnten Manics Fans sicher umstritten, aber man muss halt einen Draht dazu finden. Vielleicht hätte die Band das Album mal lieber 5 Jahre später veröffentlichen sollen, denn heute ist das Ganze vermutlich wieder wesentlich salonfähiger, als damals. Im Jahr 2004 hatte die Welt zu Zeiten von Libertines und Franz Ferdinand vermutlich ein anderes Zeichen von den Herren erwartet. Ironischerweise habe ich abseits dieses Albums und einiger ihrer tollen großen Hits der 90er nie wirklich einen Zugang zu der Band gefunden. Kommt vielleicht noch. Aber vielleicht geht es auch anderen, verlorenen Seelen ähnlich und ihnen gibt „Lifeblood“ etwas, das ihnen andere Manics Alben nicht geben. Und all die können diese Platzierung hier nachvollziehen. Der doughnut ist schon mal auf meiner Seite. Wer schließt sich noch an?
Anhören: “1985”, “Empty Souls”, “Emily”, “Solitude Sometimes Is”

18. Athlete “Tourist” (2005)

51eogvAsjeL-_SL160_AA115_Ja, das ganz große Gefühl. Athlete können da sicher das ein oder andere Liedchen von singen. Am besten auf diesem Album hier, ihrem Zweitwerk „Tourist“. Nachdem verspielt-leichten Debüt „Vehicles & Animals“ (Platz 45 der Liste) schlägt man danach richtig traurige Töne ein. Als ob die Band über Nacht erwachsen geworden ist. Und so begrüßt einen der Opener „Chances“ sofort mit Piano und großen Streicherflächen, sowie der eindringlichen Botschaft „I need some more love“. Donnerwetter! Nix mehr mit Kurzurlaub in El Salvador. Dennoch funktioniert der ernstere Grundton auf „Tourist“ außerordentlich gut, weil die Songs zum Einen sehr gut gemacht sind und die Produktion zwar voller Pathos und Kitsch ist, einen dabei aber selten erschlägt. So wie beim Opener bleibt das ganze auch bei anderen Schmonzballaden, wie „Wires“ oder „Yesterday Threw Everything At Me“ im Rahmen. Und die richtig ruhigen Momente, wie „Trading Air“ oder das traumhafte „Street Map“ berühren sogar mit angezogener Handbremse. Zwischendurch gibt es das schleichende Tittellied und uplifiting Momente mit „Half Light“, sowie dem wunderbar melancholischen „If I Found Out“, bei dem am Ende sogar der Chor noch mitsingen darf. Doch nie wirkt es übertrieben, stets schafft die Band eine gute Balance. Gut, außer vielleicht am Ende bei „Twenty Four Hours“. Da trägt man dann vielleicht sogar etwas zu dick auf, entschädigt aber gleich im Anschluss mit dem akustischen „I Love“. Und neben der neuen Melancholie mit Streichern und Piano schimmern auch nachwievor ein wenig die schrulligen Elektroexperimente des Debüt durch, wenngleich natürlich in wesentlich reduzierterer Form. Irgendwie würde es auch nicht ganz so klingen. Das etwas heitere „Modern Mafia“ fällt somit auch irgendwie aus dem Kontext. Schon beeindruckend, das eine Band hintereinander zwei Alben wie Tag und Nacht produzieren kann, sie aber beide mit einem individuellen Farbton bemalen kann. So funktioniert „Tourist“ als geschlossenes Album mit traumhaft melancholischen Britpopsongs und vielen sehr guten Erinnerungen in meinem Herzen. Der Brillianz dieser ersten beiden Alben läuft die Band seit dem ein wenig verzweifelt hinterher. Gerade das diesjährige „Black Swan“ ist trotz seiner Rückkehr zu vielen Stärken von „Tourist“ eine gleiche Enttäuschung. Vielleicht ist die Luft ja doch schneller raus, als ich damals dachte. Aber wer so gute Songs wie hier schreiben kann, der macht das doch nicht aus Zufall. Ich behalte die Hoffnung vorerst.
Anhören: “Chances”, “Tourist”, “Wires”, “If I Found Out”, “Street Map”

17. Thirteen Senses “The Invitation” (2004)

411Q8F5XT5L-_SL160_AA115_Hoffnung ist auch ein gutes Stichwort bei den Landsmännern von Athlete, den Thirteen Senses. Die waren ja mit ihrem Debüt große Hoffnungsträger auf den Raum, den Coldplay mit ihrem Melancholiepop hinterlassen hatten, nachdem sie sich Richtung Stadionrock entschieden haben. Heute wie damals ist „The Invivation“ eines der besten Debüts der vergangenen zehn Jahre. Ich erinner mich noch an den Moment, als Blogkollege doughnut auf mich zukam und mir 2005 den Song „Into The Fire“ ans Herz legte. Was für ein traumhaftes Stück melancholischer Britpop. Die butterweiche Stimme von Sänger Will South legte sich auf ein feines Instrumentarium, welches man von eben jenen einschlägigen Bands aus England zu Beginn dieses Jahrzehnts so kannte. Pianopop, der niemandem weh tut und dabei aber zum melancholischen Nachdenken anregt. Während da sicher auch bei mir der Durst danach mittlerweile etwas erlischt ist, war dies vor fünf Jahren noch nicht der Fall, also nahm ich die musikalische Einladung von „The Invitation“ dankend an und habe mich sehr schnell in die wunderbar traurigen Liebeslieder mit ihren kryptischen Lyrics verliebt. Eine Liebe, die bis heute angehalten hat. „The Salt Wound Routine“ bleibt einer der schönsten Songs dieser Dekade, genauso wie das wunderbar leichte „History“. Doch wirklich leicht ist natürlich nichts auf „The Invitation“. Über den Songs liegt Trauer, Zerbrechlichkeit und das große Gefühl. Vom erlischenden Feuer der Liebe in „Gone“ bis hin zur vermeindlichen Rettung in der sechsminütigen Pianoträumerei „Saving“. „I need this undivided, I want this thing to stop“ fleht South mit seinem zerbrechlichen Falsetto. Dies alles ist natürlich ziemlich weit entfernt davon, irgendwie kreativ oder innovativ zu sein. Genaugenommen waren die Thirteen Senses ja relativ spät dran mit dieser Musik, denn in England regten sich schon ganz neue Strömungen. Mein Argument für „The Invitation“ heißt Liebe! Ich habe mich damals in dieses Album verliebt und die Songs verinnerlicht und zu einem wichtigen Teil meines Lebens gemacht. So hat mir dieses Album über viele Probleme hinweg geholfen und dafür muss ich ihm einfach danken. Für mich hat die Musik immer noch die Magie von damals. Vielleicht würde ich’s ansonsten heut anders sehen. Den Erfolg konnte die Band leider nicht mehr wiederholen. Trotz okayer Qualität floppte der Nachfolger „Contact“ in gigantischer Art und Weise und an einem vermeindlichen dritten Album arbeitet man irgendwie schon verdächtig lange. Na ja, die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.
Anhören: „Into The Fire“, „The Salt Wound Routine“, „Saving“, „History“

16. Interpol “Our Love To Admire” (2007)

51m3zVRlFBL-_SL160_AA115_Beweisen muss mir diese Band nichts mehr. Bei Interpol steht der Name für Qualität. Drei Herausragende Alben in fünf Jahren sprechen eine eindeutige Sprache. Auf ihrem letzten nähert sich die Band mit Lichtgeschwindigkeit der Perfektion des eigenen Sounds, so dass man sich ernsthaft fragt, was denn da noch auf dem für Anfang 2010 angekündigten neuen Longplayer kommen soll, außer Stagnation auf hohem Niveau oder der komplette Umbruch. Auf „Our Love To Admire“ spielt das Quartett aus New York die bisherigen Stärken aus und serviert ihr bestes und zielgerichtetes Album bisher. Die Band selber überlässt keinen Akkord dem Zufall. Das merkt man diesen Songs auch an. Alles ist an seinem Platz, alles wirkt stimmig, atmosphärisch sowieso. Allein der Opener „Pioneer To The Falls“ ist von einer so erschreckend guten Qualität, dass es einem die edlen Schuhe auszieht. Daniel Kessler’s markante Gitarren, Paul Banks Stimme ... und von Carlos Dengler’s Bass fang ich mal gar nicht an. Bereits „Pioneer“ umweht dieser düstere Wind der Präzision, der Interpol so magisch macht. Auch die neuen Elemente des Albums, Keyboard, Bläser und Piano fügen sich nahtlos in das Gesamtkonzept Interpol ein. Und obwohl Songs wie „No I in Threesome“ oder das kongeniale „Pace Is The Trick“ irgendwie eingängiger als bisher wirken, haben sie dennoch nix von ihrer Tiefe verloren. Interpol besitzen diese eigenen, prägnanten Sound, welcher sie unverkennbar macht. Sehr verhalten und introvertiert auf der einen Seite, aber auch sehr druckvoll und spannungsgeladen auf der anderen. Wie eine innere Zerrissenheit. Auch wenn Songs wie „Mammoth“ und „Who Do You Think?” so direkt nach vorn gehen, wie vorher selten Songs der Band, so bleiben auch sie in diesem seltsam, verhaltenen Rahmen. Spannung durchsetzt die Musik von Interpol. Ein radikaler Soundwechsel blieb auch diesmal aus, die düstere Magie der epischen Songs ist geblieben, wenngleich man halt etwas fokussierter zu Werk geht. Doch die Überraschungen bleiben. Wundervoll und gespenstisch zugleich, wenn die Band am Ende bei „The Lighthouse“ mit ihrem Gitarrenspiel die Wellen des Meeres immitiert. Die etwas sehr reine Produktion des Albums könnte unter Umständen Fans des Debüts abschrecken, aber zu meckern gibt es bekanntlich immer etwas und wir jammern hier ja auch auf einem sehr hohen Niveau.
Anhören: „Pioneer To The Falls“, „No I In Threesome“, “Pace Is The Trick”, “The Lighthouse”

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