Hängematte statt Tanzfläche
Es erscheint zwar erst in ein paar Wochen, aber irgend jemand hat das neue Metronomy-Album dennoch schon ins Internet gebracht. Also können wir ja schon mal wagen, darüber ein paar Worte zu verlieren. So muss ich meine Begeisterung nicht länger zurückhalten...
Ich bin durchaus ehrlich, wenn ich gestehe, dass mir Metronomy im Zuge der Unmengen von gehypten Indie-Rock-Pop-Bands der letzten Jahre aus dem Vereinten Königreich und sonst wo her irgendwie am Allerwertesten vorbeigegangen sind. Das Mainstream-Debüt „Nights Out“ hatte zwar so seine 2,3 Hitsingles und lustigen Musikvideos, aber ansonsten überzeugte mich das musikalisch nicht wirklich, sondern wirkte eher wie eine Ansammlung gut gemeinter Skizzen und Soundentwürfe, die sich noch nicht wirklich zu einem Album finden wollten. Verzichtbar und aus meiner Sicht schon bald wieder vergessen. Dachte ich. Und die Zeichen standen irgendwie auch so. Drei Jahre sind seit dem Album vergangen, in unserer schnelllebigen Zeit durchaus eine kleine Ewigkeit. Und auch Metronomy haben sich verändert. Vom Trio zum Quartett gewachsen, Gabriel Stebbing ist weg, zwei Neue sind dabei. Die stechen aufgrund von schwarzer Hautfarbe zu Einen und weiblichen Geschlecht zum Anderen schon mal optisch aus der Weiße-Männliche-Nerds-Konstellation heraus. Aber hat das auch Auswirkungen auf den Sound von Metronomy?
So ganz genau lässt sich das natürlich nicht unbedingt genau an den neuen Personen festmachen, aber schon beim ersten Durchhören von „The English Riviera“ wird klar, dass die Uhren da etwas anders ticken, als wie noch bei „Nights Out“. Irgendwas ist anders, klingt zwar immer noch vertraut, aber gleichzeitig auch irgendwie neu. So neu und anders, dass sogar ich auf einmal meinen Spaß an dieser Band hab. Was ist also passiert? Primär eine Tempodrosselung gepaart mit musikalischer Gereiftheit. Im Gegensatz zu „Nights Out“ klingen Metronomy nämlich 2011 gesetzter und gefestigter und nicht mehr ganz so hibbelig, übertrieben, wie auf dem Vorgänger. Mit Ausnahme des Strandimpressions-Intros fehlen auch instrumentale Experimentierfelder. Und auch die Präsenz der Synthies wurden zurückgeschraubt. Bass und Gitarre hört man diesmal wesentlich klarer und präsenter und spielen dabei extrem smooth, sehr entspannt und fast schon etwas melancholisch auf. Letzteres ist wohl die überraschendste Entwicklung des neuen Albums: Metronomy lassen es ruhig angehen, servieren entspannte Popsongs mit einer gehörigen Prise Melancholie, die aber, vielleicht auch durch die bewusst reduzierte Instrumentierung, eine gewisse Entspanntheit durchweht. Eher wie ein lauschiger Abend am Strand. Insofern macht die Titelvergabe der Platte ja durchaus Sinn. Band-Chef Joseph Mount klingt dabei auch wesentlich gefühlvoller und direkter, als auf dem Debüt, verstellt seine Stimme weniger. Falsettgesang darf in Tracks wie „Trouble“ natürlich auch nicht fehlen, aber er hält sich im Vergleich zum Vorgänger deutlich zurück. Und natürlich gibt es hier nicht nur Balladen, sondern Tracks wie „The Look“, „Corinne“ oder „The Bay“ sind ziemlich groovige Popsongs. Höchst eingängig und irgendwie auch tanzbar. Allerdings kann man dazu genauso gut in der Hängematte mit einem Schirmchendrink relaxen. Man kann das, wenn man auf Genre-Eingrenzung steht, dann auch gern mal Lounge-Pop nennen. Ein bisschen 60er-Jahre-Beach-Boys-Sound weht auch noch wie ein kleines Sommerlüftchen mit. Doch die Reduktion auf einfache Strukturen und die nötigste Instrumentierung bewahrt Metronomy in der Regel davor im Kitsch-Morast zu versinken. Der Sound wirkt klar, direkt und gerade die Gitarren kommen ohne verhältnismäßig viel Schichten oder Effekte aus.
Wie nennt man das jetzt also? Beach Pop? Vielleicht eine Art The XX für laue Sommertage? Große Kunst in kleinen Popsongs? Vielleicht von allem ein bisschen. Eine fast perfekte Popformel für den Sommer 2011, mit Hits wie „The Look“, „The Bay“ oder „Some Written“ kann eigentlich gar nichts mehr schief gehen. Und sicher, die Indie-Puristen werden wieder behaupten, sie hätten das schon vor 3,4 Jahren erkannt, aber selbst die müssen sich eingestehen, dass heute einiges anders läuft und klingt im Hause Metronomy. Und das überzeugt sogar mich. Fans des Debüts werden sich evtl. über den ruhigeren Grundton aufregen, müssen sie aber nicht. Alle anderen Freunde guter Populärmusik sei „The English Riviera“ sowieso wärmstens ans Herz gelegt. Auch ohne Hängematte im Haushalt.

So ganz genau lässt sich das natürlich nicht unbedingt genau an den neuen Personen festmachen, aber schon beim ersten Durchhören von „The English Riviera“ wird klar, dass die Uhren da etwas anders ticken, als wie noch bei „Nights Out“. Irgendwas ist anders, klingt zwar immer noch vertraut, aber gleichzeitig auch irgendwie neu. So neu und anders, dass sogar ich auf einmal meinen Spaß an dieser Band hab. Was ist also passiert? Primär eine Tempodrosselung gepaart mit musikalischer Gereiftheit. Im Gegensatz zu „Nights Out“ klingen Metronomy nämlich 2011 gesetzter und gefestigter und nicht mehr ganz so hibbelig, übertrieben, wie auf dem Vorgänger. Mit Ausnahme des Strandimpressions-Intros fehlen auch instrumentale Experimentierfelder. Und auch die Präsenz der Synthies wurden zurückgeschraubt. Bass und Gitarre hört man diesmal wesentlich klarer und präsenter und spielen dabei extrem smooth, sehr entspannt und fast schon etwas melancholisch auf. Letzteres ist wohl die überraschendste Entwicklung des neuen Albums: Metronomy lassen es ruhig angehen, servieren entspannte Popsongs mit einer gehörigen Prise Melancholie, die aber, vielleicht auch durch die bewusst reduzierte Instrumentierung, eine gewisse Entspanntheit durchweht. Eher wie ein lauschiger Abend am Strand. Insofern macht die Titelvergabe der Platte ja durchaus Sinn. Band-Chef Joseph Mount klingt dabei auch wesentlich gefühlvoller und direkter, als auf dem Debüt, verstellt seine Stimme weniger. Falsettgesang darf in Tracks wie „Trouble“ natürlich auch nicht fehlen, aber er hält sich im Vergleich zum Vorgänger deutlich zurück. Und natürlich gibt es hier nicht nur Balladen, sondern Tracks wie „The Look“, „Corinne“ oder „The Bay“ sind ziemlich groovige Popsongs. Höchst eingängig und irgendwie auch tanzbar. Allerdings kann man dazu genauso gut in der Hängematte mit einem Schirmchendrink relaxen. Man kann das, wenn man auf Genre-Eingrenzung steht, dann auch gern mal Lounge-Pop nennen. Ein bisschen 60er-Jahre-Beach-Boys-Sound weht auch noch wie ein kleines Sommerlüftchen mit. Doch die Reduktion auf einfache Strukturen und die nötigste Instrumentierung bewahrt Metronomy in der Regel davor im Kitsch-Morast zu versinken. Der Sound wirkt klar, direkt und gerade die Gitarren kommen ohne verhältnismäßig viel Schichten oder Effekte aus.
Wie nennt man das jetzt also? Beach Pop? Vielleicht eine Art The XX für laue Sommertage? Große Kunst in kleinen Popsongs? Vielleicht von allem ein bisschen. Eine fast perfekte Popformel für den Sommer 2011, mit Hits wie „The Look“, „The Bay“ oder „Some Written“ kann eigentlich gar nichts mehr schief gehen. Und sicher, die Indie-Puristen werden wieder behaupten, sie hätten das schon vor 3,4 Jahren erkannt, aber selbst die müssen sich eingestehen, dass heute einiges anders läuft und klingt im Hause Metronomy. Und das überzeugt sogar mich. Fans des Debüts werden sich evtl. über den ruhigeren Grundton aufregen, müssen sie aber nicht. Alle anderen Freunde guter Populärmusik sei „The English Riviera“ sowieso wärmstens ans Herz gelegt. Auch ohne Hängematte im Haushalt.
rhododendron - 31. Mär, 17:27