Hängematte statt Tanzfläche revisited

Jetzt noch mal Musik, die ganz hervorragend in der Hängematte funktioniert, aber eigentlich so konzipiert ist, dass die Tanzfläche in Bewegung kommt. Locker funkende Popmusik gibt es auf dem Album Illumination von Miami Horror zu hören. Der Sommer hat ja bereits einen Vorgeschmack von sich gelassen. Wer es noch nicht erwarten kann: Hier ist er schon mal in der Stereoanlage.
Eine richtig gute Stimmung ist – meiner Meinung nach – die Zeit nach dem Aufstehen bei einem Festival. Als notorischer Frühaufsteher habe ich da auch bereits die Möglichkeit zu beobachten, wie der Zeltplatz so langsam wieder zum Leben erwacht. Verschlafene, aufgedunsene Gesichter mit verstrubbelten Haaren oben dran, stecken ihr angewidertes Gesicht zwischen die Reißverschluss-Zahnreihen ihrer Zelte. Mehr als ein erschöpftes “Mor’n” bekommt man meistens nicht kommuniziert – dieses dafür in einer bedenklich tiefen Tonlage. Die müden Festivalkrieger schleppen sich gebeugt von ihrer Schlafstätte zum nächsten Textilstuhl, um sich umgehend wieder niederzulassen und zunächst ein Dosenbier zu entkorken “um erst mal wach zu werden”. Dazu brennt die Sonne schon wieder erbarmungslos vom Firmament, was alle Energie, die man eventuell aufbringen könnte sofort neutralisiert. Und so sitzen in Mitten einer jeder Zeltstadt geschaffte junge Menschen im Kreis und erzählen sich in träger Verfassung flache Witze. Der Vorteil bei dieser Sache zeitig aufzustehen: Müde ist man sowieso, aber man kann wenigstens dieses Spektakel begutachten UND man kann die Musik bestimmen.
Zum Wecken bietet sich natürlich ein Slayer-Best-Of oder dieses unfassbar aggressive Mixtape an. Aber spätestens nach einer halben Stunde möchte man es doch etwas entspannter angehen lassen. Dafür kann das vorliegende Album Illumination perfekt kommen. Das hier ist nicht lahm, nein, es hat einen straighten Beat plus treibende HiHat. Dazu einen stark soulig rollenden Bass. Der Rest ist Synthie und klingt wie aus den 70ern oder 80ern. Flächig, melodisch, oft wie Bläser. Insgesamt lässt sich die Musik unter einem Begriff zusammenfassen: Disco.
Nur bringen die Stimmen die Musik raus aus irgendwelchen rauchigen, stickigen, dunklen Kellergewölben. An die Luft. Zur Sonne. Der Herr Benjamin Plant hat sich selbst zu einer Art Beach Boys-Chor multipliziert. Zuweilen klingt dies zwar ein wenig psychedelisch, aber stets werden eine Reihe unterhaltsamer Popmelodien unter die Leute gebracht.
Und so kommen einige Perlen wie das von der Neuseeländerin Kimbra unterstützte I Look To You, das wunderbar entspannte Imagination, der sehr gute Fußwipper beziehungsweise doch-irgendwie-Dancefloor-Killer Sometimes oder vor allem Holidays, dass vollständig korrekt betitelt wurde und mit seinem treibenden Bass und seinen Wahwah-Gitarren nach einer Cabriofahrt schreit.
Ja, der Australier, welcher sich Miami Horror nennt, spricht Gute Laune und Sonne fließend und kann sich grundlegend in Disco und Trägheit verständigen.
Illumination ist seit Sommer 2010 als Import erhältlich und wird am 29.04. auch in Deutschland erhältlich sein.
Hörbeispiel: Holidays