Geschliffen, poliert und in Öl gebadet.

Denn wenn man mal dezent sucht, stellt man fest, dass man fast das ganze Album von allerlei Blogs bekommt:
01. Guns And Horses
02. Starry Eyed (noch besser ist der Russ Chimes-Remix)
03. This Love (mal nur als live-Version)
04. Under The Sheets
05. The Writer
06. Everytime You Go
07. Wish I Stayed (feat. FrankMusik)
08. Your Biggest Mistake
09. I'll Hold My Breath
10. Salt Skin
Sollte irgendwann nochmal der Titel This Love sich in der Originalversion breit machen, empfehle ich, sich diesen unbedingt reißerisch zu unternageln. Dann hat man wirklich alle relevanten Titel so bekommen. Den Rest kann man sich sparen.
Denn die anderen Songs unterscheiden sich nicht großartig von den erhältlichen. Man hört durchweg ganz nette Singerei von Songwriterei, die im Synthpop-Darm eingewurstet ist. Das klingt auch alles nicht schlecht und wenn man mit sehr viel Konzentration sich den einzelnen Songs widmet, stellt man auch fest, dass diese noch nicht mal wirklich schlecht sind - außer dem sehr einfältig nervenden Everytime You Go, das zu allem Überfluss auch noch mit einem jaulenden Gitarrensolo abgedroschen wurde. Allerdings ist die Gefahr riesig über die ganze Albumlänge schnell mal gedanklich abzudriften und die Musik beginnt am Trommelfell abzuperlen, als wäre das mit Teflon beschichtet. Auf der ganzen Kunststoffscheibe findet sich kein Widerhaken, Nix was aus dem Meer aus romantischer Schöngeistigkeit herausragt. Die Pianos klimpern, die Lagerfeuergitarren kullern, der Bass brummelt warm, die Beats tänzeln verspielt, die Synthies unterfüttern sanft und die Stimme haucht zurückhaltend (beziehungsweise versucht sie ihr dünnes Organ mit permanenter Dopplung und unendlichen eigenen Backingvocals künstlich zu verdicken. Meine liebe Frau Gesangsverein, so nicht!). Sicher auch alles in seinen Einzelteilen ganz erstaunlich, in seiner Summe, kommt allerdings ein derart glitschig-glattes Albummolluskel heraus, welches man einfach nicht greifen kann und je fester man drückt, desto schneller entgleitet alles.
Natürlich brauchte man nach den Vorabliedern Under The Sheets und Starry Eyed kein In Utero erwarten, schließlich haben wir es hier mit Popmusik der mainstreamigsten Sorte zu tun. Allerdings haben wir ja erst letzte Woche anhand von Two Door Cinema Club erfahren, wie man aalglatte Popmusik machen kann und dennoch sich im Kopf verankern kann.
Kleine Aufreger und Hängenbleiber können kleine Stilwechsel sein, eine nacktere Produktion, ein Ausbruch aus der Verse-Chorus-Bridge-Struktur und eine variablere Stimme. All das findet auf Lights nicht statt. Daran krankt dieses Machwerk.
Wenn man in der richtigen Stimmung ist, können solche Stücke wie Your Biggest Mistake oder Guns And Horses auch durchaus begeistern. In seiner Gesamtheit allerdings passiert hier nix von Substanz oder etwas, worüber man noch mehr Worte verlieren müsste.
The Fall On Deaf Ears - 10. Mär, 19:22
Right!