Peinliche Popvorlieben / Teil 5
Amy Meredith – Young At Heart
Was für eine schöne Stimme. Zumindest, wenn man die Black Kids mag. Denn hier befindet sich das vokale Gegenstück dazu aus Australien. Dazu wird formatierter Indierock gereicht, der so auf Nummer-Sicher getrimmt wurde, dass Fort Knox wie ein Witz dagegen wirkt. Simpler Text, simple Melodie, simples Arrangement und irgendwie sehr kalt in seiner Ausdrucksweise. Also alles das, was man landläufig so unter Formatrock versteht. Passend dazu auch ein Hochglanzvideo, voller Lichtreflexe und fröhlicher Indie-Models und einer Band aus dem Hipster-Katalog. Perfekt. Sitzt, passt, wackelt und hat Luft.
Alles das sollte einem treuen Alternativ-Popper ja schon mal ordentlich die Halsschlagader schwellen lassen. Das tut es auch. Bis man sich dabei ertappt, wie man auf einmal die Refrain-Melodie so vor sich hin pfeift. Tonight we’re all still young at heart. Es merkt sich unmerklich ein gutes, befriedigendes Gefühl ein, wenn man den Track dann doch noch einmal anspielt. Die schmalzigen Keyboardflächen breiten einem die Arme aus, die Mannequins aus dem Videoclip stecken einen mit ihrer guten Laune an und prompt ist man infiziert.
Der Rest ihrer Musik ist im Prinzip nicht der Rede wert. Doch dieser eine Song kann einem schon den Tag versüßen, wenn man über die Formatradio-Oberfläche hinweg blicken kann. Mal schauen, ob das nur mir so geht oder ob sich das noch zum veritablen Hit entwickelt. Bisher wurde das Ganze noch nicht als Single veröffentlicht, auch wenn das Video bereits verfügbar ist. Aber mit Sony im Rücken und einer gewissen Penetranz in der Beschallung mag das klappen. Doch auch wenn dem nicht so sein sollte: Ihr kennt es erstmal. Something good will come.
Ach ja: Wem das alles zu 00er ist, der kann sich auch gerne den Visitor-Remix von Young At Heart zu Gemüte führen. Das klingt wiederum heftig nach 80er.
Sinn?