Kurz und Bündig - 04/ 2011

Fleet Foxes – Helplessness Blues
Bei den Fleet Foxes und mir gilt das gute, alte Sprichwort vom gut Ding, das Weile haben will. Das selbst betitelte Debüt ging irgendwie so halb an mir vorbei bzw. hab ich’s erst wesentlich später schätzen gelernt. Das liegt vielleicht auch an der Musik. Denn ur-amerikanischer Folk-Pop-Hinterwäldler-Kram, um es mal überspitzt zu kategorisieren, entspricht nicht wirklich meinem Wesen und meiner musikalischen Sozialisation. Dennoch mag ich die Foxes dann doch sehr gern und vor allem lieber als andere Auswüchse dieser Gattung. Das liegt zum Einen an Robin Pecknolds butterweicher Samt-Stimme, zum Anderen an den hochwertigen, gefühlvollen Songs mit ihren ehrlichen Texten. Qualität spricht mich an, egal in welchem Genre. Und das was die Fleet Foxes machen, ist qualitativ hochwertige Musik, ohne Wenn und Aber. Auch das neue Album „Helplessness Blues“ knüpft da an, wagt mal ein paar Experimente, kehrt aber am Ende immer wieder zum akustischen, harmoniegesang-geschwängerten Emotionskarussell zurück, welches diese Band auszeichnet. Auch alle Skeptiker sollten jetzt ruhig mal reinhören.
Download Titeltrack - "Helplessness Blues" [mp3]
Art Brut – Brilliant! Tragic!
Da war doch was oder? Art Brut- Top of The Pops. Gerade mal etwas mehr als eine halbe Dekade her, wirkt der britische Indie-Rock-Hype um die Kaiser Chiefs, Maximo Park und Co. wie aus einer anderen Zeit. Kein Wunder, der Markt wurde zuerst überschwemmt und mittlerweile wurde das Genre so verwässert und kommerzialisiert, dass zumindest mir schlichtweg die Lust vergangen ist auf all das. Vielleicht ist es auch das Alter. Aber sagt das mal Eddie Argos, Frontmann von Art Brut. Ja, die Art Brut. „My Little Brother“, „Good Weekend“, „Direct Hit“… was haben wir damals mitgefeiert. Doch der Drops ist gelutscht, der Witz ist erzählt. Schon beim Vorgänger “Art Brut vs. Satan” hatte sich das ewig gleiche Prinzip “Eddie Argos spricht bzw. schreit seine ewig pubertären Gedanken über simplen Garagenrock“ ziemlich totgelaufen. Umso witziger ist die Tatsache, dass die Band immer noch weiterspielt und das neue Album auch nicht so mies, wie das letzte ist. Band und Frontmann variieren innerhalb ihres Kosmos ein wenig. Richtig spannend wird’s aber dadurch auch nicht mehr. „Grown up now, but refuced to learn“ sang Argos mal in einem älteren, von mir geschätzten Stück der Band. Wenigstens bleibt er konsequent.
Stream der Single "Lost Weekend"
Yelle – Safari Dance Club
Joe Le Taxi. Dass die Franzosen Ahnung von Elektro-Pop haben wissen wir ja seit jeher. Die beiden Roboter oder die beiden Druffis mit ihrem Leuchtkreuz muss ich namentlich da gar nicht mehr erwähnen. Selbiges gilt für das Kitsuné Label, was die Welt seit Jahren mit dem neuesten Scheiß aus dem elektronischen Hitbereich versorgt. In einer Welt, in der Synthiepop wieder salonfähig ist, hat das Label zwar seine einstige Pionierstellung, welche man im Zuge der New-Rave-Bewegung erlangt hat, etwas eingebüßt, aber veröffentlichen tut man immer noch reichlich. Gerade für Newcomer wichtig. Yelle, stammen ebenfalls aus diesem Dunstkreis und sind so was, wie die französische Ausgabe von La Roux. Sprich: Frontfrau Julie Budet ist Yelle, hat aber noch diverse Bandmitglieder, die sich aber eher im Hintergrund halten. Und auch musikalisch kann man gern Parallelen zur britischen Kollegin ziehen. „Safari Dance Club“ ist punktgenauer, eingängiger Elektro-Pop, der wirklich niemandem wehtut, dafür aber die ein oder andere nette Melodie beinhaltet. Und komplett auf Französisch gehalten ist, was den Niedlichkeits-Faktor ja noch mal ordentlich erhöht. Nicht sonderlich tiefgründig, das Ganze, aber in Anbetracht der Tatsache, dass Yelle demnächst Katy Perry supporten sollte man auch nichts anderes erwarten. Gibt wesentlich Schlimmeres in diesem Sektor.
Album-Stream zu "Safari Disco Club"
Maritime – Human Hearts
Er war schon immer der besser Bohlen. Darvey von Bohlen und seine Mitstreiter, die amerikanische Indie-Rock-Band Maritime, sind schon seit Jahren Garanten für hochwertige Musik aus diesem Genre. Die klingt zwar nie sonderlich innovativ, macht aber stets Laune und produziert vor allem stets wunderbare Musik, so dass die bisherigen Alben zu meinen Favoriten zählen und ich mich deshalb gefreut hab, dass es jetzt, nach immerhin vier Jahren, endlich ein Neues gibt. Die Vorabsingle „Paraphernalia“ klang dann auch so, wie ich erwartet und mir erhofft habe. Das Album „Human Hearts“ hingegen etwas anders. Irgendwie sperriger, irgendwie nicht so geschmeidig, wie die bisherigen Platten. Das soll allerdings nicht automatisch etwas Schlechtes implizieren. Ich erlaube mir da nach nur zwei Mal Anhören lediglich noch kein abschließendes Urteil des Ganzen. Vielmehr werde ich mir das alles noch mal etwas intensiver einverleiben müssen, schätze ich. Einige Hits kristallisieren sich immerhin schon mal heraus und das ist doch schon mal eine vernünftige Grundlage, um sich erneut einen Platz in meinem menschlichen Herz zu sichern.
Album-Stream bei Soundcloud
The Pains Of Being Pure At Heart – Belong
The Smiths? Nie gehört! Meine erste Begegnung mit den New Yorker Indie-Poppern von The Pains Of Being Pure At Heart hatte ich in Form eines schriftlichen Interviews vor Jahren, in welchem die Band behauptete, niemals bewusst Morrissey und Marr gehört zu haben. Sicher. Vor allem, wenn man sich das Debüt dazu angehört hat, auf dem die Band teilweise so dreist einige Johnny-Marr-Gedächtnis-Riffs fabriziert hat, dass ich dachte, der Man schaltet bald ’nen Rechtsbeistand ein. Egal. Der Nachfolger „Belong“ macht da weiter. Bisschen Smiths hier, bisschen Cure da… alles, was man in den 80ern als New-Wave-Rock bezeichnen konnte und wollte. Viel Hall auf allem, viel Gefühl in der Stimme. Die jungen Damen und Herren machen dies aber so dermaßen gut und gepaart mit feinen Songs, dass man jeden Rip-Off-Vorwurf gleich wieder zu den Akten legt. Zumal ich eh nichts sagen kann, weil mich diese Form der Musik auch nach Jahren immer noch und immer wieder anspricht. So kann ich auch „Belong“ jedem Sympathisant dieses Genres sehr bewusst ans Herz legen. Sie erfinden das Rad vielleicht nicht neu, aber ihre Songs sind wunderbar melodiös, ihre Texte gefühlvoll und für eine neue Generation von Teenagern zu recht sicher lebensrettend. Und am Ende kommt es ja auf diese Songs an. Das wusste ja bekanntlich auch schon Morrissey.
Album-Stream zu "Belong" auf Soundcloud

Es war irgendwann zu Beginn der 80er-Jahre, da gab es in den USA eine kurzlebige, aber intensive „Disco Sucks“-Bewegung, entsprechende Buttons inklusive. Amerika (und anschließend auch die Welt) hatte die Schnauze voll von 70er-Jahre-Disco-Musik. Platten wurden zusammengetragen und verbrannt, musikalisch widmete man sich dann eher schlimmen 80er-Rock oder dem guten alten Synthie-Pop. Smoothe Discobeats hatten ausgedient, so ist halt das zirkulare Wesen der Popkultur. Sobald etwas lang genug und omnipräsent vorhanden ist und der Konsument gesättigt ist, dreht sich das Genre-Rad weiter. Der Indie-Rockwelle der mittleren 00er-Jahre ging es ja zuletzt ähnlich. Auf einmal muss jede Band 80er und 90er-Synthies benutzen und der Pop wird wieder ganz groß geschrieben. Und auch im Kontext dieser verstärkten Hinwendung zum Pop ist die Welt mal wieder reif für Disco. Eine eindeutige Welle ist erkennbar, das haben Acts, wie Hercules And Love Affair, Aeroplane oder viele der jüngsten Releases auf dem alt eingesessenen New Yorker DFA Label gezeigt. Und wo wir gerade dabei sind… auch Holy Ghost! bewegen sich im Dunstkreis von James Murphy’s Label, haben in der Vergangenheit schon einige sehr schwungvolle Remixe für Phoenix, Datarock, MGMT oder Moby abgeliefert und hauen jetzt endlich nach der feinen „Static On The Wire“-EP aus dem Vorjahr ihr Debütalbum auf den Markt.
Ich bin durchaus ehrlich, wenn ich gestehe, dass mir Metronomy im Zuge der Unmengen von gehypten Indie-Rock-Pop-Bands der letzten Jahre aus dem Vereinten Königreich und sonst wo her irgendwie am Allerwertesten vorbeigegangen sind. Das Mainstream-Debüt „Nights Out“ hatte zwar so seine 2,3 Hitsingles und lustigen Musikvideos, aber ansonsten überzeugte mich das musikalisch nicht wirklich, sondern wirkte eher wie eine Ansammlung gut gemeinter Skizzen und Soundentwürfe, die sich noch nicht wirklich zu einem Album finden wollten. Verzichtbar und aus meiner Sicht schon bald wieder vergessen. Dachte ich. Und die Zeichen standen irgendwie auch so. Drei Jahre sind seit dem Album vergangen, in unserer schnelllebigen Zeit durchaus eine kleine Ewigkeit. Und auch Metronomy haben sich verändert. Vom Trio zum Quartett gewachsen, Gabriel Stebbing ist weg, zwei Neue sind dabei. Die stechen aufgrund von schwarzer Hautfarbe zu Einen und weiblichen Geschlecht zum Anderen schon mal optisch aus der Weiße-Männliche-Nerds-Konstellation heraus. Aber hat das auch Auswirkungen auf den Sound von Metronomy? 
Vielseitigkeit ist der entscheidende Vorteil in der Arbeitswelt. Also, wird einem ja ständig gesagt. Seien sie vielseitig einsetzbar, flexibel usw. Darin soll die Stärke liegen. Na ja. Aber hier geht's ja nicht um harte Arbeit, sondern um das purer Vergnügen der Freizeit von FallOnDeafEars und meiner Wenigkeit. Sprich, neben unserer Bloggerei auf Nobono und einem durchaus vorhandenem Sozialleben, sind wir auch musikproduzierend unterwegs. Ich hab ja an dieser Stelle schon mal des öfteren Werbung für meine Mixtapes und Tracks als
Man möchte ihn ja fast anbringen bei Elbow, den guten alten Spruch “Gut Ding will Weile haben.” Denn die hat es gebraucht, bis die Band aus Manchester sich sozusagen in mühevoller Kleinarbeit nach oben gespielt hat und mit ihrem letzten, vierten Album „The Seldom Seen Kid“ endlich die Früchte in Form von uneingeschränktem Publikums- und Kritikerlob einsammeln konnten. Der Bann des ewigen Geheimtipps schien, zumindest in der britischen Heimat, endgültig gebrochen. Elbow sind im Mainstream angekommen und dieser Status führt neben einigen Vorteilen leider auch meist zu einer grundlegenden Skepsis seitens der eigenen Fans. Kommt jetzt die oft unausweichliche Stadionrock- oder Formatradiofalle? Nimmt man jetzt alles mit? Bzw. ist der Ofen schon aus.
