Aufwachen! Euphorie!
The Arcade Fire @ Columbiahalle, Berlin, 08.11.07
Wie groß eine Band mittlerweile geworden ist, erkennt man ja nicht nur an den unzähligen Rezensionen und Kritiken, sowie durch die Tatsache, dass selbst Leute aus dem Bekanntenkreis die Musik hören, von denen man das nie erwartet hätte („Ja, die Kaiser Chiefs, voll cooool!“). Nein, besonders, wenn man auf Konzerte geht, wird man von der Masse an Leuten durchaus überrascht. Und das Konzerte von The Arcade Fire etwas besonderes darstellen hat sich mittlerweile auch über David Bowie und Spiegel hinweg herumgesprochen. Mit welcher Scharr prominenter Fans diese Band auftrumpfen kann, möchte ich nicht nochmal erwähnen. Genausowenig die Tatsache, dass ich noch nie eine schlechte Kritik über sie gelesen hab. Eine Band, auf die sich irgendwie alle Musikliebhaber einigen können und auch müssen. Besonders wenn man die Freude hatte, sie live zu erleben.
So freute ich mich nach dem Southside-Appetizer vom Sommer auf mein erstes vollständiges Konzert dieser großartigen Band. Und nicht nur ich. Die Columbiahalle in Berlin war randvoll mit Menschen denen es genauso ging. Das war mitunter auch der einzige Kritikpunkt des Abends. Nichts gegen viele Menschen, aber das war schon mehr als hart an der Grenze. Ist zwar lustig, wenn man aus der Toilette kommt und schon direkt im Publikum steht, aber wenn man sich keinen Meter mehr bewegen kann ist das nur semi-lustig. Die Luftqualität zollt dann auch ihren Tribut und man kann der Band nur danken, dass sie vorher ein Rauchverbot für die Halle verhängt hat. Gut, nächstes Mal Rang. Da hat man auch mehr Platz zum Tanzen.
Und den braucht man, wenn diese Band erstmal loslegt. Nach der netten, aber reichlich unspektakulären Vorband Wild Light legte das Kollektik um das charmante Frontehepaar Win Buttler und Régine Chassagne dann irgendwann gegen 10 Uhr los. Und wie. Auf den Leinwänden leuchten Fernsehprediger auf, daneben die „Neon Bible“, das Symbol der Band, die mit ihrer Musik und ihren ersten zwei Alben schon so eine Art musikalische Bücher der Offenbarung vorgelegt haben. Fantastische Traumwelten, offensichtlich ausdrucksstark mit viel Pathos und Bombast, aber auch viel Düsterkeit und schlichter Melancholie. Mit Pauken und Trompeten. Wie an diesem Abend. Als mit „Black Mirror“ der verhaltene Opener erschallt, baut sich, synchron zum Song eine langsame Euphorie im Publikum auf, die endgültig mit dem nächsten Block, bestehend aus den Tanzfegern „Keep The Car Running“, „Laika“ und „No Cars Go“, ausbricht und die Band sicher durch den ganzen Abend trägt. Hier wird Musik zelebriert, wie sie momentan nur eine Band macht. Die Berliner Morgenpost schreibt zwei Tage später, Arcade Fire seien die Retter der Popmusik. Und damit haben sie gar nicht mal so unrecht. Arcade Fire zelebrieren Pop und Rock auf einem Niveau und mit einer Größe, wie es dieser Musik gebührt. Die Songs handeln sowohl von Urängsten als auch von der politischen und gesellschaftlichen Stimmung auf dieser Welt. Den schnellen Stücken folgen tolle Balladen wie „Haiti“, durch welches sich Régine so charmant durchträllert, das man mit ihr sofort in selbiges Land fliehen möchte. Gut, aber sie hat ja ihren Will. Die Songauswahl lässt zwar ein paar persönliche Favouriten vom neuen Album („Ocean of Noise“, „My Body Is A Cage“) vermissen, aber recht machen kann man es ja bekanntlich niemandem. Am Ende des ersten Blocks geht’s dann nochmal rund.
Dem euphorischen „Intervention“ (mit echter Mini-Kirchenorgel auf der Bühne) folgt das hämmernde „Power Out“, sowie der vermutlich beste Song der Band, „Rebellion (Lies)“, einer der prägensten Songs des neuen Jahrtausends. Schon jetzt. Auch von der Message her unverzichtbar. Danach ist Schluß, doch Berlin will mehr. Die Menschen jubeln an allen Orten frenetisch. Von der hintersten Reihe, über die Ränge, zu den Menschen an der Bar bis hin zu denen ganz vorne, deren Kondition nochmal gesondert gelobt sein soll. Hier ist keiner enttäuscht, selbst wenn er hinter ner Säule steht und nichts sieht. Und die Band kommt wieder. Win kündigt mit „Surf City Eastern Bloc“ einen Song an, den er damals als Teenager in Berlin geschrieben hat und anschließend läutet er mit der Band das Finale in Form von „Wake up“ ein, jener unbeschreiblichen Stadionhymne, die viel zu groß für die Columbiahalle ist, aber wohl auch zu groß für’s Olympiastadion. Heillose Euphorie unter den Menschen! Und am Ende sind sich wohl auch alle einig, dass dies ein großer Abend war, egal ob man nix gesehen hat, der Sound an manchen Stellen doof war oder einem auf die Füße getreten wurde. Ich weiger mich davon zu sprechen, dass diese Band momentan auf ihrem Zenit spielt, aber andererseits: was soll da noch kommen? Hoffentlich irgendwas! Hoffentlich mehr! Und hoffentlich erreichen sie noch mehr Menschen mit ihrer traumhaften Musik! Denn dann würde es der Welt vielleicht ne Spur besser gehen... hmmm, na ja, oder zumindest würden sie vielleicht in ner größeren, geräumigeren Location spielen.
Setlist: 01 Black Mirror 02 Keep The Car Running 03 Neighbourhood #2 (Laika) 04 No Cars Co 05 Haiti 06 Black Wave/ Bad Vibrations 07 In The Backseat 08 Neon Bible 09 Age of Consent 10 (Antichrist Television Blues) 11 The Well And The Lighthouse 12 Neighbourhood #1 (Tunnels) 13 Intervention 14 Neighbourhood #3 (Power Out) 15 Rebellion (Lies) 16 Surf City Eastern Bloc 17 Wake Up
Wie groß eine Band mittlerweile geworden ist, erkennt man ja nicht nur an den unzähligen Rezensionen und Kritiken, sowie durch die Tatsache, dass selbst Leute aus dem Bekanntenkreis die Musik hören, von denen man das nie erwartet hätte („Ja, die Kaiser Chiefs, voll cooool!“). Nein, besonders, wenn man auf Konzerte geht, wird man von der Masse an Leuten durchaus überrascht. Und das Konzerte von The Arcade Fire etwas besonderes darstellen hat sich mittlerweile auch über David Bowie und Spiegel hinweg herumgesprochen. Mit welcher Scharr prominenter Fans diese Band auftrumpfen kann, möchte ich nicht nochmal erwähnen. Genausowenig die Tatsache, dass ich noch nie eine schlechte Kritik über sie gelesen hab. Eine Band, auf die sich irgendwie alle Musikliebhaber einigen können und auch müssen. Besonders wenn man die Freude hatte, sie live zu erleben.
So freute ich mich nach dem Southside-Appetizer vom Sommer auf mein erstes vollständiges Konzert dieser großartigen Band. Und nicht nur ich. Die Columbiahalle in Berlin war randvoll mit Menschen denen es genauso ging. Das war mitunter auch der einzige Kritikpunkt des Abends. Nichts gegen viele Menschen, aber das war schon mehr als hart an der Grenze. Ist zwar lustig, wenn man aus der Toilette kommt und schon direkt im Publikum steht, aber wenn man sich keinen Meter mehr bewegen kann ist das nur semi-lustig. Die Luftqualität zollt dann auch ihren Tribut und man kann der Band nur danken, dass sie vorher ein Rauchverbot für die Halle verhängt hat. Gut, nächstes Mal Rang. Da hat man auch mehr Platz zum Tanzen.
Und den braucht man, wenn diese Band erstmal loslegt. Nach der netten, aber reichlich unspektakulären Vorband Wild Light legte das Kollektik um das charmante Frontehepaar Win Buttler und Régine Chassagne dann irgendwann gegen 10 Uhr los. Und wie. Auf den Leinwänden leuchten Fernsehprediger auf, daneben die „Neon Bible“, das Symbol der Band, die mit ihrer Musik und ihren ersten zwei Alben schon so eine Art musikalische Bücher der Offenbarung vorgelegt haben. Fantastische Traumwelten, offensichtlich ausdrucksstark mit viel Pathos und Bombast, aber auch viel Düsterkeit und schlichter Melancholie. Mit Pauken und Trompeten. Wie an diesem Abend. Als mit „Black Mirror“ der verhaltene Opener erschallt, baut sich, synchron zum Song eine langsame Euphorie im Publikum auf, die endgültig mit dem nächsten Block, bestehend aus den Tanzfegern „Keep The Car Running“, „Laika“ und „No Cars Go“, ausbricht und die Band sicher durch den ganzen Abend trägt. Hier wird Musik zelebriert, wie sie momentan nur eine Band macht. Die Berliner Morgenpost schreibt zwei Tage später, Arcade Fire seien die Retter der Popmusik. Und damit haben sie gar nicht mal so unrecht. Arcade Fire zelebrieren Pop und Rock auf einem Niveau und mit einer Größe, wie es dieser Musik gebührt. Die Songs handeln sowohl von Urängsten als auch von der politischen und gesellschaftlichen Stimmung auf dieser Welt. Den schnellen Stücken folgen tolle Balladen wie „Haiti“, durch welches sich Régine so charmant durchträllert, das man mit ihr sofort in selbiges Land fliehen möchte. Gut, aber sie hat ja ihren Will. Die Songauswahl lässt zwar ein paar persönliche Favouriten vom neuen Album („Ocean of Noise“, „My Body Is A Cage“) vermissen, aber recht machen kann man es ja bekanntlich niemandem. Am Ende des ersten Blocks geht’s dann nochmal rund.
Dem euphorischen „Intervention“ (mit echter Mini-Kirchenorgel auf der Bühne) folgt das hämmernde „Power Out“, sowie der vermutlich beste Song der Band, „Rebellion (Lies)“, einer der prägensten Songs des neuen Jahrtausends. Schon jetzt. Auch von der Message her unverzichtbar. Danach ist Schluß, doch Berlin will mehr. Die Menschen jubeln an allen Orten frenetisch. Von der hintersten Reihe, über die Ränge, zu den Menschen an der Bar bis hin zu denen ganz vorne, deren Kondition nochmal gesondert gelobt sein soll. Hier ist keiner enttäuscht, selbst wenn er hinter ner Säule steht und nichts sieht. Und die Band kommt wieder. Win kündigt mit „Surf City Eastern Bloc“ einen Song an, den er damals als Teenager in Berlin geschrieben hat und anschließend läutet er mit der Band das Finale in Form von „Wake up“ ein, jener unbeschreiblichen Stadionhymne, die viel zu groß für die Columbiahalle ist, aber wohl auch zu groß für’s Olympiastadion. Heillose Euphorie unter den Menschen! Und am Ende sind sich wohl auch alle einig, dass dies ein großer Abend war, egal ob man nix gesehen hat, der Sound an manchen Stellen doof war oder einem auf die Füße getreten wurde. Ich weiger mich davon zu sprechen, dass diese Band momentan auf ihrem Zenit spielt, aber andererseits: was soll da noch kommen? Hoffentlich irgendwas! Hoffentlich mehr! Und hoffentlich erreichen sie noch mehr Menschen mit ihrer traumhaften Musik! Denn dann würde es der Welt vielleicht ne Spur besser gehen... hmmm, na ja, oder zumindest würden sie vielleicht in ner größeren, geräumigeren Location spielen.
Setlist: 01 Black Mirror 02 Keep The Car Running 03 Neighbourhood #2 (Laika) 04 No Cars Co 05 Haiti 06 Black Wave/ Bad Vibrations 07 In The Backseat 08 Neon Bible 09 Age of Consent 10 (Antichrist Television Blues) 11 The Well And The Lighthouse 12 Neighbourhood #1 (Tunnels) 13 Intervention 14 Neighbourhood #3 (Power Out) 15 Rebellion (Lies) 16 Surf City Eastern Bloc 17 Wake Up
rhododendron - 11. Nov, 15:32

Mr. Green machte nicht viel Tam-Tam. Die ersten 3,4 Songs (darunter mit „Friends of Mine“ der erste Hit) vergingen ohne nennenswerte Kommenatre von seiner Seite. Groupierufe, wonach er seine Hose bitte ausziehen sollte, erwiederte er mit ungläubigen Kopfschütteln und Gestammel. Später bewies er Schlagfertigkeit, als den weiblichen Fans gekonnt den Mund verbot. Denn heute ging es nicht um den flapsigen Tänzer und verpeilten Entertainer Adam Green, sondern um den talantierten Musiker, der in seinen kleinen feinen 2-minütigen Folk-Nummern genauso konfuse, wie amüsante und auch zwischendurch gern mal glaubwürdige Geschichten erzählte. Da wurden auch sämtliche erdenklichen Schmipfwörter und Geschlechtsorgane besungen. Etwas, was man ihm lassen muss, denn selbst das bringt er noch sympathisch rüber. So wechselten sich im Laufe des Abends Songs seiner ersten 4 Alben mit neuen Songs ab, immer wieder gewürzt mit dem ein oder anderen Hit á la „Carolina“ oder „Gemstones“, sowie auch vollkommen unzurechenbaren Coversongs. Und unterhalten hat er trotzdem. Niemand stimmt seine Gitarre so publikumswirksam, wie er. Jeder falsche Akkord oder versungene Vers wurde positiv aufgenommen. Mit diversen Räusperern und Wortfetzen, die er wahlweise in verschiedenen Tonlagen ins Mikro pustete sorgte er für mehr Unterhaltung bei dem bunt gemischten Publikum, als vermutlich ein kompletter Abend vorm Fernseher. Seine gutaussehende Freundin kam auch noch auf die Bühne und zusammen sang man dann Stücke von der neuen Platte, wobei sie nicht wirklich eine stimmliche Begabung hat. Aber was hat man da auch erwartet? Nach „Dance with me“ gings erstmal von der Bühne, doch der Applaus holte ihn zurück und die Pierces kamen gleich mit. Das erweiterte Instrumentarium sorgte dann für noch mehr Stimmung. Leider verschwanden die Damen schon wieder nach einem Song, was etwas schade war. Danach waren Publikumswünsche gefragt. Und nach einer seltenen Nummer vom ersten Album und der Entschuldigung, dass er keine Ahnung hat, wie man „Choke on a Cock“ auf der Gitarre spielt, wurde auch mein Wunsch erfüllt. Zusammen mit noch 2,3 anderen im Publikum nahm Adam die flehenden Wünsche nach „What a Waster“, jener tollen Hymne, mit der die Libertines einst den Durchbruch schafften, war und spielte diese Nummer einmal mehr mit einer Inbrunst, dass es selbst Pete Doherty den Hut wegblasen würde. Danach folgte erstmal das Kinderlied „Twinkle, Twinkle, Little Star“, sowie die komplette Besingung des Alphabets. Aber selbst das macht keiner so gut, wie er. Der Applaus war dann so groß, dass er noch zu einer zweiten Zugabe auf die Bühne kam. So endete das Set ganz Adam-like natürlich noch mit einem Song über Drogenverherrlichung („Drugs“) und der Aussage, dass man auch Frauen ohne Gliedmaßen sexuell glücklich machen kann („No Legs“). Am Ende gab’s vom Dresdner Publikum stehende Ovationen und vom Künstler noch ein typisches Siegestänzchen. Eine kleinere Location wäre vielleicht noch besser gewesen, aber bei dem Ansturm wohl nicht zu erwarten. Anyway, Adam Green hat wohl heute abend dem letzten bewiesen, dass er kein Clown ist. Und wenn doch, dann einer, der hervorragende Musik machen kann. 