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Montag, 8. Februar 2010

I LOVE REMIXES / #03 - The Twelves

I_Heart_Remixes_Logo_SMALL

Auf zu einer neuen Runde! Auf unserer internationalen Reise durch die Welt der Remixe bewegen wir uns von Frankreich (Fred Falke), dieses Mal weiter Richtung Südamerika, Brasilien bzw. Rio de Janeiro um genauer zu sein. Dass da musikalisch mehr geht außer Samba oder CSS dürfte mittlerweile jedem klar sein. Und eine der Top-Adressen in Sachen zackiger Disco-Elektronik ist seit einigen Jahren das Duo „The Twelves“.

Nachdem sie 2007 mit einem schicken M.I.A.-Remix von „Boyz“ in den Nu-Rave-geilen Blogkreisen schnell für Furore sorgten, geht es seitdem produktionstechnisch stetig nach oben. Und untriebig sind die beiden allemal. Gut 30 Remixe hat das Duo in den letzten knapp 3 Jahren produziert, von denen sich am Ende 17 im heutigen gut 50minütigen Minimix finden. Darunter natürlich große Namen im Indie-Bereich wie Fever Ray, New Young Pony Club oder die Kanadier von Metric. Doch auch alten Klassikern ist man nicht abgeneigt… das dürfte die Neuinterpretationen von A-Ha und dem Alan Parsons Project erklären, die wir hier finden. Musikalisch kann man den Twelves dabei natürlich keinen anderen Stempel als „Disco“ aufdrücken. Der passt einfach Bestens zu den treibenden Beats der Brasilianer. Dabei orientiert man sich wesentlich weniger an French House oder Elektro-Gebratzer á la Boys Noize, sondern stärker auf die späten 70er und frühen 80er. Gerade mit den letzten Remixen für Fever Ray oder Noah And The Whale driften die Beiden immer stärker in die Bereiche Funk und Disco-Soul ab, was eine erfrischende Abwechslung gegenüber anderen Remixern bietet. Zusehens halten somit auch organische Instrumente Einzug in die Welt der Twelves. Die Bee Gees könnten noch davon lernen.

TheTwelves
Das macht natürlich Lust auf zukünftige Eigenproduktionen, denen man sich jetzt verstärkt widmen will. Eine EP ist für demnächst angedacht und welche musikalische Richtung man damit einschlagen wird, bleibt interessant. Mit einem geschmeidigen Disco-Mix, der sich jenseits jeglichen Kraches irgendwo zwischen den funkigen Daft Punk und dem New Yorker DFA-Label ansiedelt, wird das zur Pflichtbeschäftigung. Es sei noch gesagt, dass die beiden Zauberer vom Zuckerhut auch regelmäßig ein paar eigene, noch abwechslungsreichere Mixtapes auf ihrer MySpace-Seite zum Download anbieten, aber eine so kompakte Ansammlung ihrer eigenen Remixe gab es bisher noch nicht, weshalb ich nun einfach auf den folgenden Download verweise und viel Vergnügen damit wünsche.

01 Metric – Help I’m Alive (The Twelves Remix)
02 Terry Poison – Comme Ci, Comme Ca (The Twelves Remix)
03 Thieves Like Us – Drugs In My Body (The Twelves Remix)
04 Alan Parsons Projetc – I Wouldn’t Want To Be Like You (The Twelves Re-Edit)
05 Yelle – Ce Jeu (The Twelves Remix)
06 M.I.A. – Boyz (The Twelves Remix)
07 New Young Pony Club – Get Lucky (The Twelves Remix)
08 Fever Ray – Seven (The Twelves Remix)
09 Database vs. French Horn Rebellion – Beaches And Friends (The Twelves Remix)
10 Noah And The Whale – Blue Skies(The Twelves Remix)
11 Yuksek – So Far Away From The Sea (The Twelves Remix)
12 Black Kids – I’m Not Gonna Teach Your Boyfriend How To Dance With You (The Twelves Remix)
13 Groove Armada – Drop The Tough (The Twelves Remix)
14 Pacific! – Hot Lips (The Twelves Remix)
15 Erlend Øye – Sudden Rush (The Twelves Remix)
16 Radiohead – Scatterbrain (The Twelves Remix)
17 A-Ha – Take On Me (The Twelves Remix)

DOWNLOAD HERE:
http://uploaded.to/file/sgx5dm


Laufzeit: 50:41min

Homepage: http://www.myspace.com/thetwelves

Sonntag, 7. Februar 2010

rhododendron's ranking ... 05/ 2010

Nach dem letztwöchigen Überraschungseinstieg behaupten sich die HURTS an der Spitze meines Rankings und auch dahinter gibt es nur geringfügige Verschiebungen in den Top 10. Den höchsten Neueinstieg gibt’s dabei für die britischen Lads von den Courteeners, einer Band, die selbst Morrissey gut findet. Sowas kommt ja nicht allzu oft vor. „You Overdid It Doll“ heißt die erste Single aus dem Zweitwerk „Falcon“. Ur-Britisch und Ur-Poppig kommt sie daher. Dafür gibt es Platz 6. Ebenfalls locker dahin groovt die neue Rogue Wave Single. Mit „Good Morning“ schielen die Indierocker aus Amerika auch mal auf die Tanzflächen. Warum auch nicht… so was verkauft sich ja bekanntlich immer gut an die Massen. Albumschelte hin oder her… auch Hot Chip können noch einmal ein paar Plätze gut machen, wogegen 30 Seconds To Mars in der 8. Woche dann doch langsam die Luft ausgeht. War vielleicht ein wenig zu viel Bombast am Start.

01.( 01 / #2 ) HURTS “Wonderful Life”
02.( 02 / #4 ) Miike Snow “Silvia”
03.( 04 / #5 ) Beach House “Norway”
04.( 03 / #3 ) Muse “Resistance”
05.( 05 / #3 ) Shout Out Louds “Fall Hard”
06.(NEW/ #1) The Courteeners “You Overdid It Doll”
07.( 06 / #5 ) Editors “You Don’t Know Love”
08.( 08 / #2 ) Yeah Yeah Yeahs “Skeletons”
09.( 07 / #8 ) Delphic “Doubt”
10.( 09 / #4 ) The XX “VCR”
11.( 10 / #2 ) Gorillaz ft. Mos-Def & Bobby Womack “Stylo”
12.(NEW/ #1) Rogue Wave “Good Morning”
13.( 11 / #10) Vampire Weekend “Cousins”
14.( 13 / #7 ) Kent “Hjärta“
15.( 17 / #7 ) Hot Chip “One Life Stand”
16.( 16 / #7 ) Tocotronic “Macht es nicht selbst”
17.( 15 / #5 ) Get Well Soon “Angry Young Man”
18.( 12 / #8 ) 30 Seconds To Mars “Kings And Queens”
19.( 14 / #5 ) Lightspeed Champion “Marlene”
20.( 18 / #4 ) Calvin Harris “You Used To Hold Me”



Samstag, 6. Februar 2010

Zu sperrig, um es aus dem Ohr zu bekommen ...

Das zweite Album der Band Yeasayer, namens Odd Blood bietet erneut einen bunten Blumenstrauß an Stilen, dem aber ordentlich Dünger ins Wasser getan wurde. Zwar gedieh es und wurde ungesund viel. Sieht aber dafür hervorragend aus.

Cover

Ich hätte nie im Leben gedacht, dass diese Musik mir jemals gefallen könnte. Denn es ist wohl geeignet für Fans von Grizzly Bear und Animal Collective. Beides Kapellen die auf mich wirken, wie der Besuch vom Sandmann persönlich. Und so geschah es auch hier. Yeasayer konnten mich nicht lange bei der Stange halten. Bei dem Intro The Children dachte ich noch: "Ziemlich spooky, ziemlich cool. Toller Effekt auf der Stimme. Nettes Intro, jetzt geht es bestimmt los!"
Nun ja, dann kommt das allseits bekannte Ambling Alp. Das ist zwar ein verfluchter Ohrwurm, aber würde man es nicht schon kennen, auch nicht gerade ein Floorfiller oder klassischer Kopfnicker. Es zappelt, zuckt und blitzt zwar an allen Ecken und Enden, aber wirklich von der Stelle kommt es nicht. Denn das Tempo ist eher für die Invalidendisco gedacht, als für Beingesunde. Mit dem darauffolgenden Madder Red wird es sogar noch ruhiger. Und den anschließenden Titeln kann ich gar nicht mehr folgen. Lediglich das etwas flottere und funkige Rome reißt mich etwas aus dem Dämmerzustand, der aber durch die sehr monotone Struktur sofort wieder eintritt. Und so zieht es sich durch bis ich es schon verpasse, dass das schließende Grizelda vorbei ist und nur noch Stille herrscht.
Große Enttäuschung. Und große Verwunderung, warum die Burschen denn so viel Anerkennung finden.
"Gut", denke ich, "nächster Versuch!"
Was bin ich froh, dass ich die Sache nicht ad acta gelegt habe, sondern noch eine weitere und viel mehr Chancen gegeben habe. So schälten sich dann Stück für Stück geniale und bewegende Songs aus dem grauen Einerlei.
Denn zum Beispiel das sehr unflüssige ONE kann durch den schönen Refrain No! You don't move me anymore. And I'm glad that you don't, 'cause I could take it anymore. gefallen. Diese Zeile, oder auch das It's just a matter of it's just a matter of time aus Rome bekommt man den ganzen Tag nicht mehr aus dem Kopf.
Das seltsame an Frozen von Madonna und Cry Me A River von Timbaland/Justin Timberlake zugleich erinnernde Love Me Girl, kickt einem bei entsprechend basslastiger Anlage die Kalotte vom Kopf. Das vorher als langweilig empfundene Madder Red scheint das traurigste und schönste Lied der Saison zu sein, bei dem Chris Keatings (bekannt aus Simian Mobile Discos Audacity Of Huge) warme bis schwule Stimme im voller Schönheit zum Tragen kommt.
Die vorher als sehr fragmentarisch und nervig empfundenen Samples und Synthie-Stückchen am äußeren Hörfeld fügen sich zu einem wohlschmeckenden Eintopf zusammen.
Und vor allem eröffnet sich irgendwann, wie heftig den Herren Yeasayer im Studio die Eier geschwollen sein müssen. Der Sex perlt hier aus jeder Pore, aus jedem knurrigen Basslauf, tropft aus allen Drum (-computer) - Parts, schwillt aus jedem kruden Gitarrensolo, schwitzt mit aus jeder gurrenden Orgel und erregt mit allen Bläserstellen.
Das alles findet sein Höhepunkt (!) in dem unvergleichlichen Mondegreen, dass mit einem extrem treibenden (!!) Beat und der sehr einprägsamen und einprägenden Textzeile Everybody is talking about me and my baby, making love 'til the morning light die Latte (!!!) für Beischlafmusik dieses Jahr schonmal sehr hoch legt.
Logischerweise ist auch bei diesem Album nicht alles soooo toll. Strange Reunions hätte man auch weglassen und Grizelda eine Minute kürzer machen können. Die beiden wirken wie Good Morning Good Morning und Within You, Without You auf der Sgt. Peppers: zu verdrogt, zu schrullig, zu nervig ... überflüssig und Füllmaterial.
Zusammenfassend kann man über das Album dennoch sagen, dass all das, was mir vorher anständig über den Zeiger flanierte - dieses Bee Gees-Hintergrund-Geplärre, das hyperaktive Ge-Orgele, der sehr repetitive Aufbau, das gebremste Tempo - sich wundersamer Weise doch noch in den Hörkanal einnisten konnte, um mich dort hin und wieder mit fiesen Ohrwürmern zu piesacken.
Odd Blood ist letztendlich doch das dichte, pulsierende, ganz und gar hervorragende Werk, wofür man die Band mögen muss.

P.S.: Vielleicht sollte ich es jetzt doch noch einmal mit Grizzly Bear und Animal Collective probieren ...

Freitag, 5. Februar 2010

Groovende Elektronik für den Alltagsgebrauch

Als ich letztes Wochenende früh morgens zum Tagesbgeinn mit der Berliner U-Bahn das Nachtleben gen Schlafplatz verließ, kam mir, wie so häufig die Frage, wie man solche Momente musikalisch untermalen könnte... und wann immer ich so eine kleine Idee bekomme, lässt sie mich meist nicht mehr so schnell los. Also habe ich mal wieder eine musikalische Zusammenstellung getätigt und herausgekommen ist das vierte PBMR Mixtape mit dem schönen Titel "Here Comes A Visible Horizon.
Mixtape-4-Cover

Wie das kleine Cover es schon sagt, befindet sich darauf ein knapp 60minütiger Minimix mit elektronischen Klängen, die mir in den letzten Wochen und Monaten ans Herz gewachsen sind. Seien es die treibenden Grooves der Australier von Lifelike oder den Presets, der entspannte House von Aeroplane oder Classixx, sowie die obligatorische Portion Minimal-Techno von Größen wie Gui Boratto oder Paul Kalkbrenner. Na ja, wenn schon von Berlin inspiriert, dann darf der ja nicht fehlen. Eine abwechslungsreiche Mischung, die nicht komplett auf die Zwölf geht, sondern sich auch gern mal ruhige Momente gönnt. Und die Rahmenhandlung der Bahnfahrt bleibt natürlich bestehen. Aber natürlich lässt sich das Ganze natürlich auch in anderen Kontexten hören, als zum Tiefschlaf in der Ringbahn. The Fall On Deaf Ears weiß, wovon ich spreche ;-)

Hier das Tracklisting:

01 After The Hours (Intro)
02 Lifelike feat. Yota – Sunset (Original Mix)
03 Depeche Mode – Fragile Tension (Kris Menace Love On Laserdisc Remix)
04 The Presets - If I Know You
05 Pretty Boy Makes Rave – Snow In March
06 Aeroplane – Pacific Air State
07 Munk – Back Down (Cut Copy Jackmaster Remix)
08 Boys Noize – Ja!
09 Friendly Fires – Jump In The Pool (Moscow Remix)
10 Miike Snow – Silvia (Sinden Remix)
11 Gui Boratto – Notations (Rafael Noronha & Re Dupre Remix)
12 Richardo Villalobos – Dexter
13 The XX – Fantasy (PBMR Remix)
14 Major Lazer – Cash Flow (Classixx Glass Bottom Dub Remix)
15 Filur – You And I (Trentemøller Remix)
16 Paul Kalkbrenner – Azure
17 Phoenix – Love Like Sunset (Turzi Remix)

UND HIER GEHTS ZUM DOWNLOAD!

Genießt es einfach wie ein gutes Glas warmer Milch... oder so ähnlich.

Herzlichst, der pretty rhododendron

Mittwoch, 3. Februar 2010

Im eigenen Schatten

Unsicherheit macht sich breit. Das neue Hot Chip Album wirft die Frage auf, wieviel "Pop" einer Band überhaupt gut tut...

41EIQThw08L-_SL500_AA240_Schafft man es eigentlich, eine Hot-Chip Rezension zu schreiben, ohne dabei das N-Word in den Wund zu nehmen? Nein, nich dieses N-Wort… Ich meine natürlich „Nerd“. Hot Chip werden ja gern mal als solche bezeichnet und machen auch keine Anstalten, etwas dagegen zu unternehmen. Man frickelt stets an neuen Ideen, hat ein überdimensioniertes Wissen in Sachen Popmusik und Front-Softie Alexis Taylor pflegt sein Fabel für große Hornbrillen auch im Jahr 2010 immer noch einigermaßen. Die Frage ist natürlich, wo geht diese meist wegweisende Band in der neuen Dekade denn musikalisch hin? Die letzten Platten waren mit ihrem wilden Genre-Mix stets eine erfrischende Bereicherung in der bunten Musikwelt und zeigten, dass Experimentierfreudigkeit und eingängige Popsongs keinen Widerspruch darstellen müssen. Die Messlatte liegt nach dem 2008er „Made In The Dark“ jedenfalls hoch.

Und wieder schafft es die Band mit dem nun mehr vierten Album zu überraschen… wenngleich sie das auf andere Art und Weise tut, als man es erwartet. Denn stärker als je zuvor will das Kollektiv Hot Chip den Pop. Diese drei Buchstaben sind das Credo unter dem „One Life Stand“ steht. Der Lernprozess ist vorbei. Folgt also am Ende die Kür? Das neue Hot Chip Album ist das bisher eingängigste und melodieverliebteste Album der fünf Briten. Die Frage ist natürlich, inwieweit dies eine gute oder eher unvorteilhafte Entwicklung der Band ist. Auf der Haben-Seite stehen aber wieder einmal unverschämt eingängige Ordner. Der treibende Beginn mit „Thieves In The Night“ oder das Synthie-Streicher-verliebte „I Feel Better“. Diesen Songs kann man sich nicht widersetzen, hier spielt die Band ihre Trümpfe aus. Nach dem netten, aber irgendwie etwas belanglosen Titeltrack wird dann erstmal das Tempo gedrosselt und die Herren Taylor und Goddard können ihrer Vorliebe für schmalzigen Soul frönen, wie sie es schon auf dem Vorgänger bestens gemacht haben. Hier geht dem Album aber etwas die Luft aus… prinzipiell sind Songs wie „Brothers“ oder „Slush“ okaye Songs, aber gerade letzteres ist viel zu lang und schafft es nicht, die Spannung durchgängig zu halten. Ein kleines, feines Juwel, wie „Alley Cats“ hingegen zeigt, dass die Band es neben all dem nerdigen Elektrogefitzel auch schafft, einen einfach nur mit traumhaften Melodien zu bewegen. Am Ende reißt man dann das Ruder noch etwas rum und gerade der luftig leichte Schlusspunkt „Take It In“ verdient noch einmal vollste Hingabe. Soweit so handelsüblich.

Das eigentliche Problem an der ganzen Sache ist aber irgendwie nicht, dass die Songs nicht unbedingt ausreichen, sondern es ist der eigene Schatten, welcher über der Band liegt. Ich meine lassen wir mal das relativ uninspirierte 2004er Debüt „Coming On Strong“ außen vor… aber „The Warning“ und „Made In The Dark“ waren einfach in vielen Bereichen aufregender, überraschender und auf eine positive und spannende Art und Weise gewöhnungsbedürftiger. Es fehlt „One Life Stand“ trotz ausgeprägtem Retropop- und Melodiegespür ein wenig die besondere Note, die Hot Chip immer anhaftete. Selber Schuld, wenn man die Messlatte so hoch legt, ihr Nerds. „One Life Stand“ ist also kein schlechtes Album, sondern sogar ein überdurchschnittlich gutes Popalbum. Und das muss man ja, angesichts des vielen Einheitsbreis in der bunten Welt der Popmusik immer noch betonen… dennoch fehlt da diesmal ein wenig dieses gewisse Etwas, wo ich als Hörer spontan „Wow!“ aufschreien würde. Gerade in den ruhigen Momenten sülzt man unnötig herum. „One Life Stand“ ist also weder Fisch, noch Fleisch, sondern einfach nur Pop… dafür aber von hoher Qualität. Für die Verbreiterung der Fanbasis könnte das aber von Vorteil sein. Und die Welt soll ja auch langsam mal raffen, wie gut diese Band ist. Beim nächsten mal von mir aus auch wieder mit mehr Mut zum Wagnis. Vielleicht sind Kontaktlinsen ja schon mal der erste Schritt.

Hot Chip @ MySpace

Sonntag, 31. Januar 2010

rhododendron's ranking ... 04/ 2010

Relativ übermüdet von einem zünftigen Partywochenende in der Hauptstadt, meldet sich meine Wenigkeit auch diesen Sonntag mit einem neuen Ranking zurück! Und gleich mit einer neuen Überraschungs-Nr.-1, die ich so vor einer Woche nicht auf dem Zettel hatte. Aber wenn man so dreist und unwiderstehlich die 80er kopiert, wie das Synthiepop-Duo HURTS aus Manchester (ja, und immer wieder Manchester), dann kann ich nicht anders. Als ob man optisch und soundtechnisch 25 Jahre in die Vergangenheit reißt. „Wonderful Life“ ist Edel-Kitschpop, bei dem selbst Acts wie die Tears For Fears neidisch Anerkennung zollen müssten. Deshalb mein neuer Liebling! Alte Lieblinge sind die Yeah Yeah Yeahs, die mit der tollen neuen Single „Skeletons“ mal wieder balladesque Töne anschlafen und damit gefallen können. Was für ’ne Hymne! Dafür gleich Platz 8. Und mit dem Comeback der Gorillaz haben wir auch gleich noch einen dritten und finalen Neuzugang in den Top 10. Die neue Single „Stylo“ groovt antspannt vor sich hin und zeigt, dass Mr. Albarn soundtechnisch 2010 noch ein paar Ässer im Ärmel hat. Wir sind gespannt aufs neue Album. Und ich werde mir dann noch mal einen verspäteten Nachmittagsschlaf gönnen, um fit für die anstehende Woche zu sein. Cheers!

01.(NEW/ #1) HURTS “Wonderful Life”
02.( 01 / #3 ) Miike Snow “Silvia”
03.( 03 / #2 ) Muse “Resistance”
04.( 02 / #4 ) Beach House “Norway”
05.( 06 / #2 ) Shout Out Louds “Fall Hard”
06.( 05 / #4 ) Editors “You Don’t Know Love”
07.( 04 / #7 ) Delphic “Doubt”
08.(NEW/ #1) Yeah Yeah Yeahs “Skeletons”
09.( 08 / #3 ) The XX “VCR”
10.(NEW/ #1) Gorillaz ft. Mos-Def & Bobby Womack “Stylo”
11.( 09 / #9 ) Vampire Weekend “Cousins”
12.( 07 / #7 ) 30 Seconds To Mars “Kings And Queens”
13.( 11 / #6 ) Kent “Hjärta“
14.( 14 / #4 ) Lightspeed Champion “Marlene”
15.( 10 / #4 ) Get Well Soon “Angry Young Man”
16.( 13 / #6 ) Tocotronic “Macht es nicht selbst”
17.( 12 / #6 ) Hot Chip “One Life Stand”
18.( 18 / #3 ) Calvin Harris “You Used To Hold Me”
19.( 16 / #5 ) Simian Mobile Disco feat. Beth Ditto “Cruel Intentions”
20.( 19 / #5 ) Uffie “MC’s Can Kiss”





Mittwoch, 27. Januar 2010

|:Mottenkiste :| / Zuckerknüppel

Hiermit wird jetzt eine neue Rubrik an den Start geschossen. Sie lautet Mottenkiste, wo ihr nun in unregelmäßigen Abständen tolle Musiktipps bekommt, die bewusst nicht der aktuellste Kram ist, sondern schon ein paar Jährchen sich auf den Rücken geschnallt hat.
Diese Sparte werde wohl im Wesentlichen ich betreuen, weil ich es nicht mit so viel Akribie verfolge die ganz neuen Sachen zu erschließen, was ja bei einer Veröffentlichungsrate von circa einhundert Alben pro Woche in Deutschland auch ein Ding der Unmöglichkeit ist. Allerdings bringt der rhododendron da wesentlich bessere Voraussetzungen mit. Irgendwie hat er es geschafft, da mehr im Puls der Zeit zu sein. Der Fall On Deaf Ears kann dann eher unter der Kategorie "Spätzünder" katalogisiert werden. Ich weiß ja gerade mal seit einer reichlichen Woche, wie geil das The XX-Album eigentlich ist.
Von daher wühle ich mal lieber im musikalischen Gedächtnis der vergangenen Jahre, um da mal wieder ein paar alte Schätze zu heben, zu entstauben und für alle Augen sichtbar auszustellen. Viel Vergnügen


My Vitriol - Finelines , 2000

Cover

Woher man diese Band kennen sollte? Nun, auf den britischen Inseln scheinen sie den Bekanntheitsgrad eines bunten Hundes aufzuweisen, jedoch haben sie hierzulande nie jemanden ernsthaft interessiert. Eventuell hat man einzelne Titel, wie Grounded mal bei Buffy - The Vampire Slayer gehört, aber in der deutschen Musikszene an und für sich wurden sie nie richtig wahrgenommen. Wohingegen sie im Vereinigten Königreich mehrere Top 40-Hits hatten und nach einer vierjährigen Pause zuletzt immer noch Tausender-Hallen füllen konnten.
Nun ... was gibt es zu hören? Es wird gerne unter dem Begriff Shoegaze eingeordnet. Für alle, die da mal eine fixe Nachhilfe brauchen: Eine Gruppe junger, dünner - zumeist britischer - Menschen ergötzen sich daran, dem Publikum einem wahren Phonfön auszuliefern. Da sie aber zu viel mit ihren fußbetretenen Effektgeräten beschäftigt sind, können sie die schmerzverzerrten Gesichter im Publikum nicht wahrnehmen, sondern starren ausschließlich in Richtung ihrer Schuhe. Wir lernen also: Jesus And The Mary Chain waren Shoegaze (sie drehten dem Publikum sogar zusätzlich noch den Rücken zu!), Manowar sind's trotz berstiger Lautstärke nicht.
Wobei natürlich auch bei My Vitriol das berühmte Manowar-Motto gilt: Wimps and posers, leave the hall. Denn auch hier wird nicht lange gefackelt und alle Schlappschwänze und Posierer werden schon mit den ersten Alpha Waves von der Macht der Dezibel aus dem Raum gedrängt. Die Sache ist nur: Im Gegensatz zu der Heroen des Genres - My Bloody Valentine (ja, das scheint ein sehr possessives Musikgebiet zu sein) (zweite Klammer: ACHTUNG! nicht Bullet For My Valentine!) - haben dieses Herren noch eine gehörige Portion Pop zum Frühstück genascht, was diese Musik doch etwas zugänglicher macht.
Anderseits sollte der Rezeptient schon so starke Nerven haben, dass er es über die Spielzeit von 49 Minuten erträgt, dass ihm die wahrhaft hymnischen Melodien von dampframmenartigen Gitarren tief und unbarmherzig ins Ohr geschoben werden und von dort aus mit einem zusätzlichen Jota Druck auch gleich weiter ins Hirn, wo sie zwar nicht eklig kleben bleiben, aber dennoch ihre Wirkung entfalten. Man muss sich das vorstellen, wie Muse bei Fillip, nur dass halt auch die Strophen von Strom bedeckt sind.
Gerade sehr versierten Indie-Hasen und Technojüngern sei natürlich nicht nahe gelegt gleich mit dem Skit C.O.R., loszulegen, da es sich hierbei um ein fast lupenreines Hardcore-Stück handelt.
Vielmehr sei zu Beginn vielleicht das unwiderstehliche Always: Your Way nahe gelegt, welches einfach mit ganzem Pomp und voller Grandezza verdeutlicht, womit wir es hier zu tun haben. Dass wird eigentlich bereits ab der 1. Sekunde deutlich: die breiteste und bewegendste Wall Of Sound, die man sich vorstellen kann. Da werden sogar Morning Runner blass. Hier werden einfach alle Räume dicht gemacht. Lücken entstehen bei diesem dichten Netz aus Gitarren und verzerrtem Bass einfach nicht. Aber letztendlich wärmen die glühenden Verstärker genauso schön wie Omas Ofenbank. Jede Verspannung löst sich und es überkommt einen einfach ein Gefühl der Zufriedenheit.
Und so bauen sie ihre Hymnen in Perfektion: bei Liedern, wie Ode To The Red Queen, The Gentle Art Of Choking oder Cemented Shoes regiert natürlich im Wesentlichen der Stromknüppel, der aber lecker mit Zucker bestehend aus hervorragenden Melodien bestrichen ist.
Diese werden von dem sehr schönen Organ des sehr schönen (wie eigentlich die ganze Band) Som Wardner einem liebevoll aufs Trommelfell gestrichen, aber ab und zu z.B. bei Losing Touch muss er es auch mal schreiend striegeln. Aber auch das gehört zur Fellpflege dazu.
Natürlich lassen sie einem auch immer wieder Luft zum Atmen - etwa bei dem auch wortlos sehr leidendem Tongue-Tied, dem etwas leichteren Popsong Pieces oder dem getragenen quasi-Abschluss Falling Off The Floor, doch auch da treten früher oder später die verzerrten Gitarren schnell wieder in Erscheinung. Das nennt man halt Rock.
Allerdings kann ich mir schon gut vorstellen, warum das hier nicht so gezündet hat: für die raubeinigen Rockrecken und die sehr schlauen Progprofessoren ist das einfach zu poppig. Und für die weich ei-ngelegten Coldplay-Anhänger doch eine Nummer zu laut.
Doch für alle, die schon den Indie-Waschlappen in der einen Hand haben und die Hart-Kern-Seife in der anderen, brauchen natürlich noch die ordentlich breitwandige Sounddusche, um die anderen Sachen überhaupt schätzen zu können.

Zusammenfassend muss man sagen, dass das im Moment natürlich hoffnungslos altmodisch ist. Heute regiert die Lücke, wie bei The XX, jegliche Gitarren werden zugunsten von Synthesizern weg-Editiert. Auch wenn MGMT die feinen Herren von A Place To Bury Strangers im Vorprogramm sich auf die Füße starren lassen, ein Trend für die Massen ist das gerade nicht. Zum Erscheinen des Albums regierten noch die Nachwehen des Grunge und der NuMetal hatte sich zu voller Größe aufgeschwungen, da wirkte dieses laute Britrock-Album wohl noch etwas anders und konnte wenigstens bescheidene Erfolge einstreichen. Würde es heute erscheinen, wirkte es etwas fremdkörperlicher. Aber letztendlich: egal ob 1990, 2000 oder 2010: Am Ende zählt die Melodie. Und die gab es damals wie heute in schöner und weniger schöner Form anzutreffen.
Mit Finelines haben wir einen Vertreter der besseren Zunft vorliegen.

Hörbeispiele:
Always: Your Way
Grounded

Montag, 25. Januar 2010

I LOVE REMIXES / #02 - Fred Falke

So schnell geht das. Ja, ich hatte etwas Zeit vergangenes Wochenende und präsentiere somit bereits vor Monatsfrist den nächsten Teil von „I Love Remixes“. Ja, und in Sachen Remixen gehört der Franzose Frédérick Falke sicher zu den Produktivsten seiner Zunft, weshalb eine Betrachtung an dieser Stelle unabdingbar scheint. Man kann sicher sein, dass der gute Mann während ihr diese Zeilen lest, bereits wieder an 2,3 Remixaufträgen parallel arbeitet. Erst seit ein paar Tagen gibt es einen von OneRepublic. Und in diesem Geschäft hat sich Mr. Falke in den letzten Jahren einen ordentlichen Ruf erarbeitet. Bereits seit über einer Dekade produziert er feinsten French House. Und ich weiß natürlich, das French House ein kritisches Thema ist, denn wer das sagt, kann in dem Atemzug auch gleich David Guetta sagen, der ja hier bei den Nobono Awards vor kurzem erst auf sensationelle Art und Weise zum schlechtesten Act des vergangenen Jahres gekürt wurde. Französische Housemusik hat in ihrem Glanz und Glitter natürlich den unbedingten Hang zur Oberflächlichkeit, dem auch Falke sich nicht wiedersetzen kann. Hier bratzt nix und spontane Tempowechsel und Experimente sollte man lieber nicht erwarten. Wir sind hier nicht bei Soulwax, Dirk.

fred_falke1Dennoch sind seine Tracks aus meiner Sicht wesentlich erträglicher, vielleicht auch weil er sich noch nicht wirklich an die US-Urban-Music-Szene angebiedert hat, wie Kollege Guetta und weil Falke eher der zurückhaltende Typ im Hintergrund zu sein scheint. Und wenn man einen Fred Falke für einen Remix beauftragt, bekommt man auch das, was man bestellt. Treibende Discobeats mit jede Menge Retro-Flair… die 80er schielen bei Falke immer ein wenig deutlicher vor, was ihn vielleicht auch für mich ansprechender macht. Früher hat er noch viel mit Kollege Alan Braxe zusammengearbeitet, aber seit 2,3 Jahren macht Fred sein Ding solo und kommt seit dem mit neuen Remixen gar nicht hinterher. Fast monatlich gibt es neues Futter des guten Mannes. Dabei ist er längst bei den großen Namen des Popbusiness angekommen… U2, Robbie Williams, Sugababes oder Casting-Star Will Young sind nur ein paar seiner Auftraggeber. Oder dieses neue Hüpf-Pop-Ding Ke$ha. Zwar ist auch nicht jeder Mix ein Geniestreich und manchmal hört man die Auftragsarbeit deutlich raus, doch zu großen Teilen macht Falke seinen Job super. Breitflächige Synthies, pumpende Bässe und straighte Beats kennzeichnen seine Neuinterpretationen, die gelegentlich aus den Songs von Whitest Boy Alive oder Gossip (Bester Remix des Jahres 2009 auf Nobono!) noch mehr rausholt, als man in diesen vermutet hätte. Falke gibt den Tracks eine neue Richtung, versteht einiges in Sachen Houseproduktion und Trackdramaturgie. Wer sich von relativ glatten und geschmeidigen Housetracks nicht gleich abschrecken lässt, der ist herzlich eingeladen, sich diesen neuen knapp 50minütigen Minimix mit einigen von Falke’s feinsten Werken anzuhören. Und egal, ob ihr dazu tanzt oder einfach nur eine Tasse Tee trinkt… ihr werdet es mit Sicherheit genießen.

01 Example - Watch The Sun Come Up (Fred Falke Remix)
02 Ke$ha - Tik Tok (Fred Falke Club Remix)
03 BURNS - First Move (Fred Falke Remix)
04 Ladyhawke - Back Of The Van (Fred Falke Ultimate Beverly Mix)
05 Miike Snow - Animal (Fred Falke Remix)
06 Sneaky Sound System - I Love It (Fred Falke Remix)
07 Miami Horror - Make You Mine (Fred Falke Remix)
08 The Gossip - Heavy Cross (Fred Falke Remix)
09 Grizzly Bear - Two Weeks (Fred Falke Remix)
10 U2 - Magnificent (Fred Falke Full Length Remix)
11 The Whitest Boy Alive - Golden Cage (Fred Falke Remix)
12 Pnau ft. Ladyhawke - Embrace (Fred Falke Remix)
13 Annie - Anthonio (Fred Falke Remix)

DOWNLOAD HIER:
http://uploaded.to/file/s6ftbt

Laufzeit: 51:54min

Homepage: www.myspace.com/fredfalkemusic

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