Mittwoch, 4. November 2009

Rainbow Party - (2) Extrapolation

Der Neuankömmling meldet sich zurück. Hier folgt sie nun, die zweite Runde meiner 50 liebsten Tracks der ausgehenden Dekade.

45.) Naked Lunch - God, 2004



Naked Lunch sind eine lustige kleine Band, aus dem, von Forbes frisch gekürtem, Rentnerparadies Österreich. Ihre unglaubliche Gute-Laune-Musik hat mir schön viele leichte Stunden gebracht.
Schlüssiger und effektiver als auf ihrem sehr feinen 2004er Werk mit dem unvergleichlichem Party-Titel "Songs For The Exhausted" , waren sie nicht und sind sie auch nicht geworden. Der unangefochtete Spitzenreiter darauf lautet "God", eröffnet das Album und hat sich bei mir tief ins Herz gebrannt. Denn ein schmerzhafteres Lied habe ich in den letzten 10 Jahren kaum gehört. Nicht weil es irgendwie besonders kratzbürstig daher kommt. Nein, im Gegenteil: Es ist vielmehr von einer seltsam außerirdischen Schönheit geprägt. Jedoch fängt es unvermittelt mit diesem leiernden Gitarrenriff an, der irgendwie wie die Brachialvariante der Singenden Säge wirkt, die sich erbarmungslos ins Gehör scheuert. Dann in der Strophe beginnt Oliver Welter mit seiner permanent zerbrechenden Stimme an zu singen, die ebenso keinen Ton bei sich halten kann. Er singt von traurigen Jungen und Mädchen und einem verzweifeltem Gott. Gemeinsam mit der sehr schönen Orgel und der Vocal-Produktion, die die Stimme klingen lässt, als sitze der Sänger allein in einem viel zu kleinen Raum, kommt das Gefühl des Verlassenseins hervorragend rüber.
Nun, bereits das könnte ein tolles Lied machen. Doch die Klagenfurter geben sich damit nicht zufrieden und schieben den wohl traumhaftesten, wenngleich sehr spacigen, C-Teil ein, den man sich nur vorstellen kann. Nur um einen dann mit dem wieder einsetzenden Riff ganz weit nach unten zu ziehen.
Kein klassischer Popsong, wobei er einen solche Struktur vorweist, sondern mehr eine liedgewordene Katharsis.

44.) Tom Waits - God's Away On Business, 2002



Normalerweise bin ich immer sehr zurückhaltend, altgediente Helden der Musikgeschichte zu loben. Und das werde ich auch jetzt beibehalten, obwohl da oben Tom Waits steht. Denn nicht sein Status hat ihn hier in diese Liste gebracht, sondern dieses Lied. Das könnte meinetwegen von den unsäglichen Jonas Brothers stammen und ich würde es trotzdem fantastisch finden.
Denn ein derart beängstigendes Stück zu schreiben, muss man erstmal schaffen. Ja, ich betone das Wort beängstigend. Denn wann kommt es schonmal vor, dass man von einem Musikstück ein schrecklich-schauriges Gefühl bekommt? Bei mir sehr selten, beziehungsweise eigentlich nur hier. Düster schunkelnde Musik im Hintergrund, von der man meinen könnte, sie würde von Skeletten gespielt (oder Grim Fandango hat mich unterbewusst doch stärker geprägt als gedacht). Über allem thront diese unfassbar kaputte Stimme des Herrn Waits, bei der man meinen könnte der Sensemann persönlich grölt dir was ins Ohr.
Der Titel/Refrain trifft es eigentlich perfekt: weil Gott Geschäfte zu erledigen hat, konnten sich die Pforten der Hölle öffnen und die Bewohner derselben haben hiermit ihre Hymne mitgebracht. Schauer!

43.) The Sleepy Jackson - This Day, 2003



Huch! Ist das Aydo Abays zehnte Band? Nein, der gute Mann, der hier trällert nennt sich Luke Steele. Er und seine Sleepy Jackson haben den wohl fröhlichsten Song in diese Liste der Miesepetrigkeiten geworfen.
Er ist sommerlich beschwingt, tanzbar, und hat gegen Ende sogar einen "nana na na na naa naa"-Part. Man stelle sich vor! Und doch geht er durch eben genau diese Qualitäten jedes Mal wieder sehr zu Herzen. Ich liebe ihn einfach. Wahrscheinlich liegt es daran, dass nix desto trotz von Trennung, Alleinsein und Schmerz gesungen wird. Aber das muss wieder so eine unbewusste Geschichte sein, weil mir Lyrics für Gewöhnlich nicht so wichtig sind.
Wie bereits erwähnt, zuerst war ich durch die simple und beglückende Beschwingtheit dieses Werkes angefixt. Und so wird er vermutlich auch vom veehrten Leser goutiert.

42.) Madrugada - Step Into This Room And Dance For Me , 2001



Prompt gehen nun die Lichter wieder aus. Und zwar alle.
Nur ein Spot beleuchtet die Tänzerin im Ballettdress und wie sie über die staubigen Bretter des alten Theaters schwebt.
So müsste eigentlich das Video zu diesem Song aussehen. Doch dieses Video existiert nicht. Denn die Norweger von Madrugada hatten 2001 ein Problem. Sie haben mit "The Nightly Disease" ein Album veröffentlicht, welches ausschließlich aus sehr guten Titeln bestand. Welches sollte man also zuerst als Single veröffentlichen. Letztendlich entschieden sich die Knaben dann für das famose "Hands Up - I Love You" und das nicht minder begeisternde "A Deadend Mind". Der dunkel funkelnde Diamant auf diesem Album hört allerdings, meiner Meinung nach, auf den Namen "Step Into This Room And Dance For Me".
Dieses Stück klingt bereits so, als wäre es über alle Kritik erhaben. Ruhig, bedächtig, klar die Instrumentierung. Ein stetig fließender, alles vereinnahmender Fluss des faszinierendem Gitarren-Lick zu dem dann klar und präzise Bass und Schlagzeug einsetzen. Später kommen noch Piano und Mandoline hinzu - doch auch diese sind deutlich differenzierbare Einsätzen, die wie in Granit gemeißelt zu sein scheinen.
Der Hermelinmantel, der dieses Lied vollendet majestätisch werden lässt, ist natürlich die unsagbar tiefe und erhabene Stimme des Sivert Høyem, der sonst eher an Tom Smith (Editors) gemahnt. Ebenfalls klar akzentuiert und formvollendet, trägt er ruhig seine Weise vor. Dem Hörer bleibt nix Anderes übrig als auf die Knie zu sinken und sich von diesem stetigen Strom an Musik weit hinfort tragen zu lassen. Wer Ohren hat, der höre!

41.) Cruiserweight - Goodbye Daily Sadness, 2005




Jetzt wird sich der geneigte Leser sicher fragen: Was ist denn das? Pop-Punk. Die fröhliche Sorte. Ganz nett. Unspektakulär.
Recht hat er. Also warum dieses Lied?
Nun, so unspektakulär finde ich das alles nicht. Zum ersten ist die Produktion unglaublich fett, rauh und interessant. Denn immerhin fängt das Lied in Mono an, bis es dann schließlich nach knapp fünfzig Sekunden förmlich in Stereo explodiert. Solche kleinen Spielereien finde ich super.
Wie immer bei mir spielt auch hier der Gesang eine wichtige Rolle, warum ich das Lied so mag. Kraftvoll, hoch und irgendwie sehr emotional. Die Melodie im schönsten Moll, was dem Ganzen eine eigenartige Traurigkeit verleiht, die in gewisser Weise auch den Text konterkariert, der scheinbar davon handelt, wie toll es ist, Plateuschuhe zu tragen, bzw. wie traurig es ist, klein zu sein. Dazu schroten die Gitarren fette Wände, die dem Lied einen ziemlich krasses Punch verpassen.
Und persönlich folgt nun der nächste Superlativ: Das Lied, das ich vermutlich am Häufigsten wiederentdeckt habe. Mehrmals habe ich es wieder vergessen, bis ich ihm mal wieder begegnete und er sich sofort in meinem Gehörgang für die nächsten Tage fest verkrallt hat. Und das ganz ohne mich zu nerven. Und jetzt - im Zuge dieser Rezension - natürlich wieder.

So weit erstmal für heute. Ich wünsche erstmal eine schöne Woche, bis nächsten Mittwoch der dritte Streich erfolgt - und zwar dann mit dem lang ersehnten ersten Special!

Sonntag, 1. November 2009

rhododendron's ranking ... 44/ 2009

In der 44. Woche bleiben die vorderen Plätze des Rankings recht stabil, aber dahinter gibt’s wie immer ein paar Neuinteressierte. Gleich auf Platz 4 ist es mal wieder Zeit für eine weitere Neuentdeckung aus dem zuletzt beliebten Bereich „Britische-Popmädchen-machen-Synthiepop“… diesmal heißt das Mädchen Elli Goulding und der Pop in diesem Fall „Under The Sheets“. Einen gewissen Ohrwurmcharakter kann ich dieser Nummer auch nicht wirklich abstreiten. Mal sehen, wie lang mich die gute Dame begeistern kann, bevor sie die Nervquote einer Little Boots erreicht. Julian Casablancas, sozusagen die männliche Antwort darauf, kann selber nochmal zwei Plätze gut machen. Die Arctic Monkeys sogar 3… damit willkommen in den Top 10. Außerhalb dieser befindet sich auf Platz 13 mit „Bye Bye Bayou“ da neue Lebenszeichen von LCD Soundssytem. Ein gewohnter Club-Burner. Da kann man ja froh sein, das James Murphys angekündigte Zangspause doch am Ende so kurz geworden ist. Ein neues Album soll im März erscheinen! Wann das Album der Newcomer „Ou Es Le Swimming Pool“ erscheint kann ich nicht sagen. Nen Preis für den ausgefallensten Bandnamen des Jahres dürfte aber locker drin sein. „Dance The Way I Feel“ ist ein nettes Stück Retro-Elektropop, welches sich im hinteren Bereich der Top 20 platzieren kann. Und ab dafür!

01.( 01 / #4 ) The Sound Of Arrows “Into The Clouds”
02.( 03 / #2 ) Florence And The Machine “You’ve Got The Love”
03.( 02 / #7 ) The xx “Basic Space”
04.(NEW/ #1) Ellie Goulding “Under The Sheets”
05.( 07 / #3 ) Julian Casablancas “11th Dimenson”
06.( 05 / #2 ) Vampire Weekend “Horchata”
07.( 04 / #6 ) Empire Of The Sun “Without You”
08.( 06 / #10) Editors “Papillon”
09.( 08 / #4 ) Röyksopp “This Must Be It”
10.( 13 / #2 ) Arctic Monkeys “Cornerstone”
11.( 12 / #5 ) La Roux “I’m Not Your Toy”
12.( 09 / #9 ) Jamie T “Chaka Demus”
13.(NEW/ #1) LCD Soundsystem “Bye Bye Bayou”
14.( 10 / #3 ) Ladyhawke “Magic”
15.( 11 / #4 ) Everything Everything “My Keys, Your Boyfriend”
16.( 12 / #4 ) Death Cab For Cutie “Meet Me On The Equinox”
17.(NEW/ #1) Ou Est Le Swimming Pool “Dance The Way I Feel”
18.( 15 / #4 ) Kent “Töntarna”
19.( 17 / #3 ) Mew “Repeaterbeater”
20.( 16 / #8 ) Robbie Williams “Bodies”





Meine 100 Alben 2000 - 2009 / Plätze 50 - 41

AlbumsOfTheDecade-100-91

50. Bright Eyes “I’m Wide Awake, It’s Morning” (2005)
So, die Hälfte hätten wir bereits geschafft, widmen wir uns also den oberen 50. Und es gibt kaum ein besseres Album, um einzusteigen, als der große Klassiker „I’m Wide Awake, It’s Morning“ von Conor Oberst aka Bright Eyes. Allein der Albumtitel gehört zu meinen All-Time-Favourites. Was wurde dieses kleine Folk-Album damals zu Beginn des Jahres 2005 in der Musikpresse gelobt. Oberst war der Wunderknabe schlechthin. Ein Typ, der bereits mit Anfang 20 unglaubliche Singer/Songwriter-Eigenschaften vorweisen kann. Selbst in diversen Lifestyle-Magazinen konnte man dem jungen Mann mit den tiefgründigen Augen und der Emo-Tolle damals nicht entkommen. Die Vorschusslorbeeren sind aber durchaus verdient, denn obwohl ich prinzipiell wenig mit Folk anfangen kann, muss selbst ich die Qualität dieses Albums neidlos anerkennen. Zu gut ist die Songauswahl auf Obersts 2005er Werk. Denn neben den sehr guten Texten und dem Gefühl, dass die Songs vermitteln, ist auch eine recht hohe Hitdichte im Pop-Sinne zu finden. So lädt bereits der Opener „At The Bottom Of Everything“ (inkl. Spoken-Words-Intro) zum munteren Mitsummen ein, obwohl wir uns thematisch mitten in einem Flugzeugabsturz befinden. Auch die weiteren Songs sind eingängig und kreieren Bilder im Kopf des Hörers. „We Are Nowhere And It’s Now“ als Bestandsaufnahme eines Wartenden oder „Old Soul Song“, als romantisch-melancholische Ballade, indem eine Kamera zum wichtigsten Utensil in einer Demonstration wird. Oder in „First Day Of My Life“, dem einfachsten, ehrlichsten und vielleicht gerade dadurch, in meinen Augen schönsten Liebeslied, das in den letzten Jahren entstanden ist. Trauer, Depression, aber auch Freude und Zuversicht… dieses Album deckt thematisch jede Menge ab, ist dabei erstaunlich gut gemacht und mit wundervollen Songs bestückt. Connor Oberst ist ein guter Geschichtenerzähler. Auf Dauer vielleicht etwas zu viel Geschichten für meinen Geschmack, aber zwischendurch gerne auch unverzichtbar.
Hörpflicht: “Old Soul Song (For A New World Order), “First Day Of My Life”, “Road To Joy”

49. Doves “Lost Souls” (2000)
Ach, da sind sie ja wieder: Die Doves aus Manchester. Nach Platz 65 mit „Some Cities“ hier der erste Wiederholungstäter. Diesmal ist es das wesentlich sphärischere und breitschichtigere Debüt-Album des Trios, namens „Lost Souls“. Dieses Album umweht dabei eine ganz eigene und besondere Atmosphäre, auf die ich mich auch nach Jahren immer wieder gern einlasse. Bereits das erste verspielte Blubbern beim Opener „Firesuite“ lässt einen automatisch die Augen schließen und mit der Musik mit fließen. Irgendjemand hat mir mal gesagt, die Musik eigne sich besonders gut zum Einschmeißen von bewusstseinserweiternden Substanzen. Ich lass das jetzt mal im Raum stehen, aber ein Fünkchen Wahrheit ist da schon dran. Im Gegensatz zu den späteren Alben schimmern die formidablen Britpop-Songs der Doves hier meist durch eine Wand aus schrägen Sounds, Effekten und butterweichen Soundteppichen durch. Gut, gelegentlich bricht man auch aus, wie beim rockig-poppigen „Catch The Sun“ oder dem epischen „The Cedar Room“, welches mehr die späteren Doves erkennen lässt. Doch ansonsten wirkt der Grundton verhalten, abwartend und entspannt melancholisch, ohne dabei in der Traurigkeit zu versinken. Für mich ist dieses Album immer ein toller Soundtrack für laue Sommerabende oder entspanntes Liegen am Strand gewesen. Und immer wieder ist es die warme Stimme von Jimi Goodwin, welche die Songs trägt. Ja, das hab ich schon bei „Some Cities“ geschrieben und das werd ich, soviel sei schon mal verraten, auch noch mal innerhalb dieser Auflistung schreiben, aber es ist halt einfach die Wahrheit. „Lost Souls“ ist ein Kapitel für sich, vom ersten bis zum letzten Ton. Wundervolle Britpop-Songs voller Gefühl, die zumindest ich mir immer und immer wieder anhören kann. Auch heute noch. Und auch zu anderen Jahreszeiten.
Hörpflicht: “Firesuite”, “The Man Who Has Everything”, “The Cedar Room”

48. Friendly Fires “Friendly Fires” (2008)
Oh wunderbare, wunderbare Friendly Fires! Ich merke ja selber, dass es mit zunehmendem Alter immer schwerer wird, die gleiche Euphorie für neue Musik zu entwickeln, wie dies noch vor ein paar Jahren der Fall war. Vielleicht lasse ich mich auch immer schwerer mitreißen. Doch oft wird mir ja das Gegenteil bewiesen, wie vor knapp einem Jahr, als mir das unglaublich tolle Debüt-Album dieses Trios aus dem britischen St. Albans über den Weg gelaufen ist. So Feuer und Flamme war ich schon lange nicht mehr für ein Album. Das selbst betitelte Debüt der Friendly Fires ist eines der kurzweiligsten, hitlastigsten Pop-Alben der letzten Jahre und definitiv eines der besten Debüts der letzten 10 Jahre.
Wie kann man diese Musik am besten beschreiben? Energetischer, tanzbarer Indie-Rock mit starkem Ausschlag Richtung Pop, Elektronik und … ähm… Samba? Na ja, Percussionalarm ist schon gegeben, besonders beim Opener „Jump In The Pool“. Heftiger Cowbell-Dauereinsatz! Was für ein Ausrufezeichen! Die typischen jingle-jangle-Indie-Gitarren vermischen sich spielend leicht mit lockeren Bassläufen und breiten Synthieflächen. „Paris“, das flehende Liebeslied, genauso wie das unglaublich groovige „Lovesick“. Selbst eine ruhige Nummer, wie „Strobe“ besitzt dieses Treibende, Tanzbare, welches das Album von Anfang bis Ende durchzieht. Hier ist wirklich mal der Uralt-Spruch „All Killer, No Filler“ angebracht! Wie auch immer es diese Band gemacht hat… sie hat aus all diesen Fragmenten am Ende einen Sound gebastelt, welcher 1:1 allen meinen Vorlieben entspricht. Ich kann einfach nicht anders, als dieses Album uneingeschränkt zu lieben. Der 2009er Nachfolgehit „Kiss Of Life“ hat ja im Sommer bereits bewiesen, dass diese Band auch für Album Nr. 2 noch genug Ideen hat. Es gibt wenig Momente in diesem Jahrzehnt, wo der gute alte Pop spannender war, als auf diesem Album. Entweder verglüht diese Band jetzt in der exakt gleichen Geschwindigkeit, wie ihr Stern aufgestiegen ist, oder sie beschert uns auch in der nächsten Dekade noch einige Überraschungen. Bitte, bitte letzteres!
Hörpflicht: „Jump In The Pool“, „Paris“, „Strobe“, „Lovesick”

47. The Libertines “Up The Bracket” (2002)
Ausnahmsweise waren die Amis mal etwas eher dran zu Beginn dieses Jahrzehnts. Die New Yorker Strokes hatten da nämlich die Retro-Rock-Welle losgetreten und wie hieß die Antwort aus dem Vereinigten Königreich? Richtig, Pete Doherty! Und Blutsbruder Carl Bârat war auch dabei. Zusammen mit den anderen beiden, deren Namen irgendwie immer unwichtig sein werden, gründeten sie die Libertines und somit war der Hype geboren. Das größte britische Ding seit Oasis! Wie immer. Für den NME war’s sicher das größte Ding seit den Pilzköpfen, immerhin lagen die Libertines damals bei diversen Ewigkeitslisten immer knapp hinter den Beatles. Doch dem ganzen Presseecho zum Trotz kommt so was ja nicht von ungefähr. So ist „Up The Bracket“ eine gute Frischzellen-Kur für die britische Rockmusik gewesen. Nach all dem Coldplay/Travis/Starsailor-Schwulst der letzten Jahre, war es mal wieder Zeit, ein wenig aus der Lethargie zu erwachen und einfach drauflos zu spielen. Das machen die Libertines natürlich in bester Garagen-Atmosphäre ohne dabei aber die Melodien zu vernachlässigen. Das ist auch eine ihre größten Stärken. Neben dem rauen Sound haben Bârat und Doherty nämlich auch stets ein Gespür für tolle Melodien gehabt. „Time For Heroes“, „Tell The King“ oder „I Get Along“ seien hier mal exemplarisch erwähnt. Hoher Mitsingfaktor, der auch gern mal ins alkoholisierte Gröhlen wechseln kann. So schräg die Hauptsongschreiber des Quartetts auch waren, eine gewisse Genialität kann man Pete und Carl einfach nicht abschreiten. Letztendlich definierte „Up The Bracket“ in großen Teilen schon die Richtung, welche Franz Ferdinand und Konsorten zwei, drei Jahre später richtig ausgekostet haben. Lauter, schroffer und dennoch melodieverliebter Britrock zweier begnadeter Songwriter, die sich aber nach dem selbstbetitelten Nachfolger erstmal für ein paar Jahre zerstritten haben. Die Nachfolgebands Babyshambles und Dirty Pretty Things zeigten aber, dass in diesem Fall das alte Motto „Nur gemeinsam seid ihr stark!“ gilt. Mittlerweile ist Doherty aus den Gossipmeldungen raus und hat sich auch mit Carl wieder vertragen. Eine Reunion für 2010 ist realistischer als je zuvor. Vielleicht braucht die Welt dann wieder den explosiven, punkigen Rocksound des Duos, vorrausgesetzt, sie wissen noch, wie das geht.
Hörpflicht: „Vertigo“, “Time For Heroes” „Up The Bracket“, „I Get Along”

46. Maximo Park “Our Earthly Pleasures” (2007)
Paul Smith sieht nicht nur unglaublich gut aus und ist eine olle Rampensau… Nein, der Maximo Park-Frontmann ist auch einer der intelligentesten Texter in der britischen Musiklandschaft. So zeichnen sich Smiths Songs stets durch eine gewisse Feinfühligkeit und diverse lyrische Spielereien aus. Außerdem versteht er es, zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Worte zu wählen und die richtigen Akzente zu setzen. Mit so was kann man mich leicht beeindrucken. Auch auf dem Zweitwerk „Our Earthly Pleasures“ aus dem Jahr 2007 hat Smith wieder einiges zu erzählen bzw. zu besingen. 12 wunderbare kleine Popsongs über das Leben. Über Liebe und Verlust, Tod, menschliches Verlangen und, logischerweise, Bücher. Diesmal auch in Kartons. Der dringliche, nervöse Sound des 2005er Debüts „A Certain Trigger“ ist dabei einem etwas gesetzteren Pop-Outfitt mit mehr Piano gewichen. Für viele Fans des Debüts immer noch eine Streitfrage, aber ich hatte damit nie ein Problem. Denn die wunderbaren Melodien mit Smiths melodischem Gesang und seinen sophisticated lyrics sind geblieben. Daneben wurde „Our Velocity“ für mich du einer persönlichen Hymne des Jahres 2007, weitere Songs wie das Smiths-artige „Books From Boxes“, das melancholische „Your Urge“, sowie die immer noch unkaputtbare und unterschätze Hymne „Sandblasted And Set Free“ haben sich ihren Platz in meinem jungen Herzen erkämpft. Sicher auch ein Album voller Erinnerungen an eine Zeit des Aufbruchs und Neudefinition in meinem Leben, wenngleich das mittlerweile auch mit einem bittersüßen Nachgeschmack genossen werden kann. Was bleibt sind die wunderbaren Songs und das wunderbare Gefühl, dass sie vermitteln. Sicher, es ist kein „A Certain Trigger“, aber es hat einen ganz eigenen Klang. Man sollte Maxïmo Park nicht als kleine, feine Tanzrock-Kapelle abstempeln, sondern als eine wichtige, durchaus auch mal tiefsinnige, aber dennoch nicht schwermütige, musikalische Fußnote der aktuellen Popmusik. Und drei sehr gute Alben in 5 Jahren sprechen da eine eindeutige Sprache!
Hörpflicht: “Our Velocity”, “Books From Boxes”, “By The Monument”, “Sandblasted And Set Free”

45. Athlete “Vehicles & Animals” (2003)
Ach, Athlete! Sicher eine der kurzweiligsten spannendsten und mir persönlich liebsten Bands des vergangenen Jahrzehnts. Dennoch war das damals schon ein ziemlicher Kulturschock mit „Vehicles & Animals“. Also, zumindest für mich. Nachdem ich mir zuerst das zweite Album "Tourist" geholt hatte, war ich mehr als überrascht als ich meinen Ohren das Debüt servierte. Von der Melancholie und Schwere des Nachfolgers ist hier nichts zu spüren... stattdessen erwartet uns fröhlicher, frecher und frischer Pop, jenseits jeglicher Britpop-Klischees. Zum Glück, kann man da nur sagen! Das für den Mercury Prize nominierte Album besticht mit einer netten Ansammlung fröhlicher, kleiner Popsong, denen auch gern mal das Prädikat „Casio Pop“ anhaftet. Kein Wunder, denn neben den Gitarren blitzt die Elektronik an vielen Ecken immer wieder durch, jedoch immer recht kess und verspielt, ohne einen dabei zu erschlagen. "El Salvador" kommt als Opener schon extrem sommerlich rüber. Eine flotte Melodie zum Mitsingen und Mitwippen, ein Beat dem man sich nicht entziehen kann. Dazu dieser stetige Wunsch des Ausbrechens untermalt mit einer jugendlichen Unbekümmertheit der Band, die immer wieder mitreißt. Sei es in der Anti-Rockstar-Hymne „Westside“ oder in der sympathischen Liebeserklärung „You Got The Style“. „Uh, it’s getting hot in here, must be something in the atmosphere“ … nicht schlecht. Richtig schön wird es dann bei dem immer noch unkaputtbaren “Shake Those Windows”, der vielleicht besten Nummer, welche diese Band bisher geschrieben hat. Eine wehmütiger, aber doch stets aufmunternder Rückblick auf die Jugend und die Musik. Unverzichtbar! Eine Platte voll guter Erinnerungen an einige persönliche Sommer. Leider hat die Band später nie wieder die Leichtigkeit dieses Debüts erreichen können. Zwar ist dies nicht so schlimm, weil so immerhin Abwechslung in der Musik garantiert wird, aber angesichts einer schwachen Formatradio-Platte, wie dem diesjährigen „Black Swan“ aus diesem Jahr, wünsch ich mir schon manchmal die alten Tage zurück, als die Band noch unverkrampfter zu Werke ging und die Fenster zum Wackeln brachte. Ein wundervolles Album, dessen ganz eigene Magie auch heute noch vorhanden ist.
Hörpflicht: “El Salvador”, “One Million”, “Shake Those Windows”

44. Sigur Rós “Takk...” (2005)
Die Isländer von Sigur Rós waren bei der Aufstellung dieser Liste sicher das größte Problem, muss ich ganz ehrlich eingestehen. Einfach, weil ich der Meinung bin, dass dieses Quartett die schönste Musik unserer Zeit macht. Von meinem Standpunkt aus. Immer wenn Sigur Rós bei mir laufen, ist es die schönste Musik auf Erden. Märchenhaft, Elfengleich, nicht von dieser Welt sozusagen… gut, geht mir auch bei anderen Bands so, aber bei Sigur Rós ist dies etwas Besonderes, etwas Magisches, das geschieht, wenn diese Musik, ja, spricht. Deshalb natürlich die Frage, wie man so etwas in den Top 100 Kontext presst, wo doch eigentlich fast alle Alben in den Top 10 sein müssten. Da muss man natürlich stark differenzieren, was aber auch nicht so leicht ist, da alle Sigur Rós Alben auf ihre Art und Weise genial sind und keine Schwachstellen haben. Also sind es andere Kriterien. Der a-ha-Effekt ist sicher bei den ersten Alben größer, genauso wie die jahrelange emotionale Bindung. Deshalb kommt das 2005er „Takk…“ „nur“ auf Platz 44, was aber angesichts der vielen Konkurrenz keine Schande ist. Auch das vierte Album der Band ist ein Wunderwerk seinesgleichen. Mann legt diese CD ein und entschwindet für etwas mehr als eine Stunde in einer Welt voller fantastischer Klänge und Musiken, voller Gefühl und Emotion. Lichtjahre von dem entfernt, was es da draußen noch gibt, weit weg von all der Hektik, dem Stress und der Angst, die der zivilisationsbedingte Alltag so mit sich bringt. Und man findet sich wieder irgendwo in Island... an den felsigen Küsten, den grünen Hügeln, am Meer, Keine Menschen, kein Nichts... nur diese Musik. Selten passten Herkunftsland und Band so gut zusammen, wie hier. Aber es muss auch nicht Island sein. Das ist ja das schöne an dieser Musik. Sie macht einen in gleichen Maasen traurig und melancholisch wie auch optimistisch und hoffnungsvoll. "Takk...", zu deutsch „Danke, ist nach dem etwas experimentelleren "( )" wieder näher am 200er Debüt "Agaetis Byrjun". Insgesamt arbeitet die Band aber weiterhin daran ihren Sound und ihre Strukturen klarer zu machen, ohne dabei etwas von ihrer Vielschichtigkeit einzubüßen. Das Piano steht mehr im Vordergrund und man öffnet sich langsam den Pop, wie „Hoppípolla“ zeigt. Ansonsten würde es einfach nicht gerecht sein, weitere Songs gesondert herauszugreifen. Sigur Rós sind eine absolute Ausnahmeerscheinung in der Musikwelt. Keine Band klingt wie sie. Sie sind ein Unikat und schaffen es sowohl unglaublich einfühlsam und eingängig, wie gleichzeitig sehr laut und sperrig zu sein und mit ihren Klängen eine eigene Welt zu kreieren. Nachwievor und immer wieder aufs Neue. Hoffentlich bleiben sie uns noch sehr lang erhalten.
Hörpflicht: “Hoppípola”, “Sæglópur“, „Gong“, „Andvari“

43. South “With The Tides” (2003)
Da will man mal eben live recherchieren und muss feststellen, dass sich die Band, über die man schreiben möchte, dieses Jahr aufgelöst hat. Das gibt dem ganzen natürlich eine traurige Note. Sehr traurig sogar, denn es ist eigentlich nicht fair. South, ein britisches Indierock-Trio aus London hatten alles Potential der Welt. Die richtigen Songs vor allem. Wunderbare kleine Songs, die sich der Konkurrenz (ich sach jetzt ma Death Cab oder Nada Surf) ruhig stellen konnten. Ja, sie hatten ja sogar ’nen Song auf dem „O. C. California“ Soundtrack, als der Hype um diese olle Lifestyle-Serie überschwappte. Doch leider sind sie nie über den Status eines kleinen Geheimtipps hinausgekommen. Woran liegt so was dann eigentlich? Ist das nur Pech? Mit den falschen Leuten zusammengearbeitet? Immerhin war Ian Brown einer der frühen Förderer. Ich weiß es einfach nicht. Vermutlich werd ich mir jetzt posthum noch ein paar South Sachen dazu kaufen. Zum Gedenken. So, wie ich’s beim 2003er Zweitwerk „With The Tides“ gemacht habe. Ab und an finde ja auch ich mal in meinem doch oft mainstream-orientierten Geschmack versteckte Schätze, die sonst relativ unbekannt sind. Meine Motivation hieß in diesem Fall „Colours In Waves“ und ist offiziell einer der schönsten Songs des Jahrzehnts. Eine wunderbare Gitarrenhymne, welche die Atmosphäre der Wellen wunderbar musikalisch rüberbringt. Dazu auch die wunderbare Stimme von Sänger Joel Cadbury, in welche ich mich gleich verguckt habe. Also gleich das Album per Second Hand erstanden und glücklicherweise wurde ich auch nicht enttäuscht. „With The Tides“ hat mir mit seinem wunderbar melancholisch-melodischen Indierock einen ganzen Sommer versüßt und funktioniert darüber hinaus immer noch. Viele elektronische Spielelemente geben dem Klang eine gewisse Vielschichtigkeit. Die Melodien sind einprägsam, wie bei „Motiveless Crime“ oder „Loosen Your Head“ und stets umweht die Band dabei etwas atmosphärisches, fast so wie bei den Doves, die ich ja auch sehr schätze. Auch die ruhigen Balladen, wie „Straight Lines To Badlands“ oder das wundervolle „9 Lives“ überzeugen auf ganzer Linie. Nein, es macht wirklich keinen Sinn, warum diese Band nicht Größeres erreicht hat. Das hier ist besser als vieles, was die Konkurrenz in den letzten Jahren abgeliefert hat. Auch das 2008er Album „You Are Here“ war von ähnlicher Qualität. Kann man nur hoffen, dass die Nachfolgebands noch weniger Erfolg haben und man sich auf die alte Band besinnt. Zumindest bei mir haben sie einen sehr guten Eindruck hinterlassen.
Hörpflicht: “Motiveless Crime”, “Colours In Waves”, “Nine Lives”

42. Morning Runner “Wilderness Is Paradise Now” (2006)
Und wo wir gerade bei der großen Ungerechtigkeit sind... hier kommt eine Band, die davon ebenfalls ein Liedchen singen kann: Morning Runner. Sie kamen, hinterließen einen tollen Eindruck und verschwanden danach auch schon wieder, doch für ca. ein Jahr haben sie es geschafft, mich total zu begeistern. Selten habe ich so gespannt auf das Debüt einer Band gewartet, wie auf das dieses britischen Quartetts. Jeden mp3-Bootleg-Schnipsel habe ich im Vorfeld gesammelt und dieses Album sofort importiert, als es erschienen ist. Monate vor dem deutschen Release. Man ließ sich dafür aber auch Zeit. Ganze drei sehr gute Singles ließen die Vorfreude bei mir vor Albumrelease ansteigen. Der Auslöser ist „Be All You Want Me To Be“. Nachwievor ein kleines Meisterwerk. Und auch das komplette Album ist eines geworden. Das Besondere an dem Sound der Jungs aus dem englischen Reading ist vielleicht ihre Vielseitigkeit. Der Opener „It’s not like Everyone’s my Friend“ erschlägt einen förmlich mit markanten Gitarrenriffs und Matthew Greener, der leidenschaftlich ins Mikrofon schreit. Daran sollte man sich auf dem Album schon mal gewöhnen. Wo Coldplay und Co. beim Leiden oft in mitleidiges Säuseln abdriften, gibt diese Band noch einmal Gas. Matthew Greeners Stimme schwankt zwischen Zerbrechlichkeit und energetischen Schreien, seine Texte zwischen Trauer und Zuversicht. Energie trotz Melancholie. Allein das famose „Burning Benches“ geht in gut 3 Minuten von Null auf Hundert. Es beginnt als ruhige Klavierballade und endet voller Kraft. Das unterstreicht das Gefühl, das Flehen in Greeners Songs noch zusätzlich. Aber Songs wie „Have A Good Time“ oder „Gone Up In Flames“ zeigen auch, dass man das Tempo durchgängig hoch halten kann, während die ruhigen Balladen „Hold Your Breath“ und „Oceans“ zur Albummitte ein wenig das Tempo drosseln. Danach zieht man mit Songs wie „Work“ noch einmal an. Daraus auch einer meiner persönlichen Lieblingszitate… „What’s a movement If you don’t move?“ Enough said. Das traurige „Best For You“ entlässt uns im Wiener Walzer Schritt aus diesem wirklich, wirklich wundervollen Debüt. Und da hätte noch so viel mehr kommen können, doch die Band ist am Ende an ihrer Plattenfirma zerbrochen und so vielleicht auch an sich selbst. Das Major Label wollte mehr Hits, doch die Band wollte nicht soweit gehen und hat die Arbeiten am Nachfolger abgebrochen. Warum ist man denn nicht zu einem Indie Label gegangen? Vielleicht war da noch mehr im Busch. Momentan kein Lebenszeichen. Vielleicht kommt da noch irgendwann etwas. Vielleicht bleibt es aber auch nur ein frommer Wunsch eines vereinzelten Fans. So bleiben Morning Runner ein großes Ausrufezeichen in der britischen Musiklandschaft dieses Jahrzehnts! Ich wünsche ihnen nur das Beste!
Hörpflicht: “Burning Benches”, “Oceans”, “Be All You Want Me To Be”, “Best For You”

41. The xx “The xx” (2009)
Ganz frisch und schon für die Ewigkeit. Wenn nicht mehr großartige Sachen dazwischenkommen, dann ist „The xx“ von gleichnamigen Band mein Album dieses Jahres (entsprechende Liste folgt später) und somit bereits bestens für die Top 100 des Jahrzehnts qualifiziert. Das kann ich schon nach zwei Monaten Dauerhörens mit Sicherheit so sagen. Kaum ein Album hat mich in letzter Zeit so bewegt. Da ist etwas ganz Besonderes am Werk, auch wenn einige das anders sehen. Puristischer geht’s dabei gar nicht. Das Quartett aus London entfaltet mit einfachsten Mitteln eine düstere Schönheit voller Melancholie und Zerbrechlichkeit, die aber auch gut in die Ohren geht. Zwei Gitarren, ein Bass und getriggerte Beats aus’m Drum-Computer sowie ein paar leichte Elektroversatzstücke reichen aus, kombiniert natürlich mit unglaublichen Hits, die eigentlich alles sein wollen, nur nicht eben solche. Und es ist dieser düstere New Wave Touch, der mich auch diesmal, wie schon bei Bands wie Joy Division oder Interpol, in den Bann zieht. Traurig, melancholisch, trist, aber immer wieder voller Momente der Hoffnung. Bspw. Wenn Sängerin Romy Madley Croft mit ihrer wunderbaren Stimme das Mikro ergreift und in „Islands“ den Angebeteten ansingt. Oder Wenn bei „Heart Skipped Beat“ leichte Hoffnung in der Dunkelheit aufkeimt. Besonders im Wechselgesang mit Bandkollegen Oliver Sim macht Crofts fragiler Soul unglaublich Sinn. Beide ergänzen sich bestens und führen so ihre eigenen, kleinen Dialoge. Introvertierte Liebeslieder in düsteren Zeiten. Ideal für die Nacht, für den Herbst und für alle einsamen Momente. Dieses Album ist so unglaublich groß und wunderbar anzuhören, dass es mir fast sogar die Tränen in die Augen treibt. Lange wurden Verzweiflung, Isolation und Dunkelheit nicht mehr so gut in Musik verpackt, wie hier. Alle Songs sind ausnahmslos zu empfehlen. Und natürlich sieht diese Band aus wie eine Schülerband und baut all ihre Songs auf einer simplen Grundidee auf. Das macht sie aber mit abwechslungsreichen Melodien und einer Idee, die wesentlich spannender ist, als die von Glasvegas. Ich werde mir Freude verfolgen, wohin der Weg dieser Band in den nächsten Jahren führen wird.
Hörpflicht: „VCR“, „Islands“, „Shelter“, „Night Time“

Mittwoch, 28. Oktober 2009

Rainbow Party - (1) Shakedown

Nanu? Ein unbekannter Name!
Ja, ich habe die Ehre in die sehr ehrwürdigen Web-Hallen des NoBono aufgenommen worden zu sein, um die Seite a) zu bereichern und das Spektrum der Popmusik hier mal zu erweitern oder b) in den Ruin zu stürzen und auf die Halde mit BetaMax und HD-DVD zu kommen.
Werden wir mal schauen.

Normalerweise gehört es sich so, dass man zu dieser Gelegenheit Kuchen mitbringt und sich dann erstmal mit Lebenslauf, Familienstand und ein paar närrischen Anekdoten vorstellt. Aber da scheiß ich einfach mal drauf.
Meine Art der Vorstellung wird sein, dass ich von nun an jede Woche Mittwoch 5 meiner Lieblingsstücke der vergangenen zehn Jahre vorstelle. Analog zu dem Mammutprojekt, was der Rhododendron hier gerade veranstaltet.
Nur warum nehme ich nicht auch ganze Alben? Nun zum einen gibt es - meiner Meinung nach - sehr wenige Alben, wo ausschließlich sehr gute Songs vertreten sind und die dann auch noch so einen geilen Fluss aufbauen, dass ich das Album gar nicht mehr loslassen und immer weiter hören will. Letztendlich gibt es nur sehr viele LPs, die ich ein-, zweimal durchhöre und wo dann eh nur 2 Lieder dauerhaft hängen bleiben. Und zum Anderen stoße ich auch oft einfach nur so auf einzelne Lieder, die mich total in ihren Bann ziehen, dass der Rest niemals mithalten kann.
Und so möchte ich den lieben Lesern hiermit einfach ein paar Kleinode vorstellen, auf dass sie sie (wieder-) entdecken, oder sich in ihrem musikalischen Geschmack bestätigt fühlen.
Ihr werdet sicherlich schnell feststellen, dass ich recht häufig die Worte melancholisch, traurig, verzweifelt, oder deprimierend verwende. Das liegt aber wahrscheinlich in der Natur der Sache, dass die fröhlichen Dinge sich meist nicht so tief ins Gemüt verankern, bzw. die negativen Sachen uns intensiver emotional fordern. Das verstehe wer will. Ich scheine aber nicht der Einzige zu sein, dem es so geht.

Die Reihenfolge stellt nicht zwangsläufig ein Ranking dar, da ich mich mit solchen Sachen immer etwas schwer tue. Aber natürlich gibt es zum Schluss nur meine 5 absoluten Toptitel. Der Rest sollte ein buntes Sammelsurium der Absonderlichkeiten und naheliegenden Sachen sein. Es wird auch zweimal thematische Specials geben, bei denen es hier mal aus anderen Hörnern tröten wird, als man es hier bisher gewöhnt war. Denn wie bei einer Rainbow Party viele Lippenstifte ... na ihr wisst schon ... so haben auch meinen Musikgeschmack sehr unterschiedliche Sachen von Thrash Metal bis Chart-Pop geprägt.

50.) JJ72 - October Swimmer, 2000



Wer iss'n das? JJ72 ist eine kleine irische Band, die Anfang dieses Jahrzehnts mit ihrem selbstbetitelten Debüt-Album recht erfolgreich in UK und Irland waren. Da Nachfolger hat trotz Erfolg in der Nordsee hierzulande nicht mehr allzu viele vom Sessel geworfen. Eigentlich dachte ich bis gerade eben noch, dass sie ein ziemlicher One-Hit-Wonder waren. Naja ... anscheinend konnte sie länger von dem Erfolg zehren als gedacht.
Eine Single, die sich veröffentlichten, hieß "October Swimmer" und ist einfach nur durch seine pure Schönheit hier in diese Liste gerutscht. Ich verbinde damit nix, der Text ist mir egal und ehrlich gesagt auch wie die Band aussieht. Aber dieser Song! Beginnt leise und verhalten, mit dieser kleinen feinen reinen Melodie, die sich fortlaufend durch das gesamte Lied ziehen wird und dabei aber langsam zu einem emotionalen Höhenrausch aufgeworfen wird. Immer mehr Instrumente setzen ein, um Mark Greney dabei zu unterstützen, seine Stimme in immer bedenklichere Höhen zu schrauben.
Und etwas kurz nach dem Übertreiben finden sie sogar einen Schlusspunkt. Fantastisch!

49.) Hot Chip - Boy From School, 2006


Hot Chip - Boy From School dir. Garth Jennings

Ramzi | MySpace Video


Dieser Track hat die No.1-Trance-Stimmung, die ich mir bei nicht-bratzigen Electro-Titeln immer so wünsche. Ein unnerviges Sample, was durchgezogen wird. Und dazu herrlich trippiger Gesang, der so warm und schön klingt, dass man sich fühlt, als deckte man sich damit zu. Irgendwie könnte das Teil von Paul Van Dyk stammen, was ich als absolutes Kompliment verstanden haben möchte. Ich weiß gar nicht, was ich noch groß drüber schreiben soll, denn schließlich dürfte "Boy From School" so bekannt sein wie "One Night In Paris" und wer beim Hören nicht sofort in eine tänzerisch-träumerige Stimmung versetzt wird, muss ... Mitglied bei Manowar sein, oder so.

48.) Azure Ray - Nothing Like A Song, 2003



Schließt die Augen und lasst euch von diesen beiden Damen aus Nebraska forttragen. Über Felder und Auen, über die Wolken und der ganze Klischee-Quatsch. Ja, diese Musik ist federleicht, ohne Ecken und Kanten und gefällt sogar meiner Mutter. Dieses Lied ist unschuldig, falls man das so sagen kann. Diese sanften Stimmen und die herrliche Streicherbegleitung jagen mir einfach eine Gänsehaut nach der nächsten über die Unterarme.
Wen es dann noch interessiert: das sind die beiden Background-Sängerinnen der Bright Eyes und dementsprechend auch auf dem Saddle Creek-Label vertreten, was früher mal ein Garant für neue analoge Folkmusik war. Zum Glück haben es die beiden Damen damit nicht so genau gesehen und spätestens mit dem Album "Hold On Love", dem dieser Song entnommen ist, mit der Hilfe von Mike Mogis den Stücken einfach alles gegeben was sie brauchen. Elektronik, Orchester, Zurückhaltung oder Pomp. Alles war dabei. Und dieses Lied ist der Klimax davon. Hübscher geht es kaum.

47.) Aphex Twin - Vordhosbn, 2001



Auf diesen Song hat mich der Eric (morgen!) über ein Video auf YouTube aufmerksam gemacht. Nein, das ist nicht das offizielle, sondern eins, was einer mal so zusammengeschnipselt halt. Aber wie! Deswegen, schaut euch dieses Video an und lasst es auf euch wirken. Von der düster-traurigen Stimmung einnehmen. Und auch etwas verwirren und meschugge machen. Mittendrin dachte sich der Regisseur, dass es mal nett wäre die angespielten Instrumente fix einzublenden. Spätestens zu dem Part sollte man dann verstanden haben, was für ein unglaublicher Aufwand hinter dieser Schneidearbeit steckt. Irgendwann ist das Werk dann vorbei und es wird einem klar, was für ein unfassbares mitreißendes Material man gerade bezeugt hat. Und dann sollte man verstanden haben, was an Aphex Twin so toll ist. Wer es bis dahin nicht schafft: Gute Nacht, träumt süß.

46.) Radiohead - How To Disappear Completely (And Never Be Found), 2001



Weltflucht wurde nie passender vertont, als auf diesem Machwerk, was auf dem etwas weirdem 2001er "Kid A" zu finden ist.
Zu zarter, zurückhaltender Instrumentierung singt Thom Yorke mit seinem unverwechselbarem Leiden-Christi-Gesang von dem sehr nachvollziehbaren Gefühl der absoluten Entfremdung von seiner Umwelt. Stück für Stück gerät der Hörer immer weiter in Trance, wird von den sanften Wogen der Sounds von einer Seite auf die andere geschunkelt. Der Raum um ihn wird größer und weiter. Sollte er sich gut drauf einlassen und ohne Ablenkung sein, kann sogar eine Art Meditation stattfinden, die natürlich auf Radiohead'sche Manier gen Ende doch nicht sein soll. Etwas Dissonanz darf bei den Indie-Meistern natürlich nicht fehlen. Der ideale Einstieg um Radiohead zu verstehen. Und für mich eines der schönsten Depri-Lieder überhaupt.
(Das Video ist übrigens nicht offiziell.)

Dienstag, 27. Oktober 2009

Meine 100 Alben 2000 - 2009 / Plätze 60 - 51

AlbumsOfTheDecade-100-91

60. The Postal Service “Give Up” (2003)
Endlich eine Band, die ihrem Namen auch wirklich gerecht wird. Der amerikanischen Post ist es letztendlich zu verdanken, dass Soundtüftler Jimmy Tamborello und Ben Gibbard von Death Cab For Cutie dieses wunderbare kleine Album neben ihren Hauptaktivitäten produzieren konnten. Wohl auch, weil das Internet vor 6,7 Jahren noch nicht das war, was es heute ist, waren beide gezwungen ihre Ideen per Post hin und her zuschicken, da sie wohl auch geographisch nicht unbedingt in der selben Nachbarschaft wohnten. So zeichnet sich Tamborello für die Musik und Gibbard für Texte und Melodien verantwortlich. „Give Up“, das bisher einzige Produkt ihre postalen Zusammenarbeit ist ein wunderbares kleines Indie-Pop-Album, dass sich besonders durch das häufig bewusste Weglassen von Gitarren und herkömmlichen konventionellen Instrumenten auszeichnet. Stattdessen gibt es feines Synthiegeklimper und zackige Elektrobeats und allerhand Spielereien. Ganz nebenbei produziert das dynamische Duo dabei noch ein paar astreine Hits, wie das tolle „Such Great Heights“, welches bereits jetzt ein moderner Indie-Disco-Klassiker ist, oder das traumhafte „Sleeping In“ oder „We Will Become Silhouettes.“ Dazu singt Gibbard einige seiner besten Texte, mal witzig, mal wie immer hoffnungslos romantisch. Insgesamt ist dies ein recht kurzweiliges Popalbum geworden, welches gekonnt die musikalischen Welten von Bands wie Röyksopp oder den Pet Shop Boys mit denen von Death Cab und Co. vereinigt. Ich weiß gar nicht, ob dieses Album letztendlich den Genre-Begriff „Indietronic“ erfunden hat, oder nur einfach bekannter gemacht hat. Jedenfalls trifft er die Songs ganz gut. Ein weiteres Album wird es wohl vorerst nicht geben. Aber vielleicht packt die beiden ja in den nächsten Jahren noch mal die kreative Lust, neue Songideen zu entwickeln, dann ist der Nachfolger auch ein Kandidat für das Abschlussranking der 10er Jahre.
Bester Song: „Such Great Heights“

59. Coldplay “X&Y” (2005)
Ist schon ne verdammte Axt mit dieser Erwartungshaltung… Coldplay können ein Liedchen davon singen. Immerhin wurden ihre beiden ersten Alben zu Millionensellern, welche gleichzeitig von herausragender musikalischer Qualität sind. Wie toppt man das Ganze letztendlich? Ursprünglich sollte das Drittwerk „X&Y“ eine Neudefinition von dem werden, was Coldplay ausmacht. Irgendwie stellte sich aber relativ etwas Ernüchterung ein. Chris Martin und seine Jungs wählen den leichten Weg und überschätzen sich dabei ein wenig. Anstelle der Weiterentwicklung glättet man die letzten Ecken und Kanten ihrer Songs, füllen den Rest mit Streichern und Retro-Synthesizern auf und übertreiben es etwas. „Square One“ funktioniert als üppiger Opener trotzdem hervorragend, aber einige Songs, wie „What If“ und „X&Y“ ersticken relativ aussagelos im Kitsch und bekommen erst gar nicht die Möglichkeit, zu berühren. Das tolle „Fix You“ schafft es trotzdem, besonders weil es im sensationellen Finish noch mal alles gibt. Und ansonsten gibt es nicht nur Schwachstellen auf diesem Werk. „Talk“ mitsamt seinem Kraftwerk-Sample ist einfach ein geborener Hit und bei „Swallowed In The Sea“ kann man irgendwie schön mitschunkeln. Und mit "Til Kingdom Come" beweisen die Jungs am Ende auch noch, dass sie einfache Songs machen können. Insgesamt ist das Album ist ganz gut, aber Weniger wäre halt hier Mehr gewesen. Durch die Bombastproduktion einiger Nummern verlieren diese nämlich dass, was früher mal Coldplay ausgemacht hat. So hat es das Gefühl einfach schwer gegen all die Gitarrenspurren und Synthie-Effekte. Ich mag die Platte immer noch recht gern, aber sie hat die letzten Jahre kontinuierlich an Begeisterung verloren, besonders im Angesicht des sehr guten Nachfolgers „Viva La Vida“. Die Band sieht es mittlerweile ähnlich. So ist „X&Y“ am Ende ein recht gutes Übergangsalbum einer Band geworden, die sich auf den Sprung zur Welteroberung macht. Coldplay sind, so viel sei schon mal verraten, die einzige Band mit vier Alben in den Jahrzehnt-Top-100. Es darf also ab jetzt munter spekuliert werden, wo denn die anderen drei gelandet sind.
Bester Song: “Fix You”

58. The Last Shadow Puppets “The Age Of The Understatement” (2008)
Scheint ja so, als ob Alex Turner mit den Arctic Monkeys oder seinem Privatleben mit UK-Starlett Alexa Chung nicht ausgelastet genug ist. Der Mann ist ein Arbeitstier, durch und durch. So blieb im Vergangenjahr mal eben Zeit, um ein Herzensprojekt wie die Last Shadow Puppets verwirklichen. Sein Partner dabei Miles Kane, der damals noch bei den Rascals spielte, die aber mittlerweile verlassen hat. Auf diesem Album frönen die beiden Jungspunde ihrer offensichtlichen Liebe zum Gitarrenpop der guten alten 60er mit allem was dazu gehört. Tonnen von Streichern (meisterhaft von Owen Pallett arrangiert), Harmoniegesang und vor allem kurze und knappe Popsongs, die in zweieinhalb Minuten einfach alles sagen, was sie sagen müssen. So ist „The Age Of The Understatement“ grad mal etwas mehr als eine halbe Stunde lang. Länger müssen Alben auch gar nicht sein, wenn sie gut sind. Das war vor 40 Jahren so und ist heut keinesfalls anders. Turner und Kane wissen das und konzentrieren sich deshalb auf die Songs als solche. Diese sind, mit einem Wort, einfach traumhaft! Es fällt mir gar nichts Schlechtes ein und ich werde auch noch weit über ein Jahr später immer noch von der hohen Qualität dieser Musik umgehauen. Zu gut sind die Melodien, zu perfekt ist die Instrumentierung, zu treffsicher das Arrangement. All das gibt diesem kleinen Album einfach eine epische Größe, so dass es, wäre es vor 40 Jahren erschienen, durchaus heute ein Klassiker wäre. Nur, dass der Sound heut einfach besser ist. Egal, ob der epische Titelsong, das sonnige „Standing Next To Me“, das düstere „In My Room“, das traumhafte „The Meeting Place“... alles passt zusammen, wie eine Symphonie in Popform. Ein Album, wie eine Zeitreise, ein Urlaub von all dem, was sich heute Popmusik schimpft. Warum diese Jungs keiner nach einem Bond-Song gefragt hat und warum dieses Album nicht mit drei Dutzend Grammys überhäuft wird, verstehe wer will. Gut, es ist hoffnungslos altmodisch. Aber manchmal hat die Musik so etwas nötig. Um sich auf das zu besinnen, was wichtig ist. Und ein Nachfolgealbum haben die beiden nicht ausgeschlossen. Ein Schritt den ich sehr, sehr begrüßen würde.
Bester Song: “The Meeting Place”

57. Damien Rice “O” (2002)
Einer der schlimmsten Trends der vergangenen Jahre ist sicher dieses nervige Unterlegen von TV-Serien mit eigentlich wunderbarer Musik, die man an diesen Stellen gar nicht erwartet. Auf der anderen Seite ist das für den Künstler mittlerweile die beste Promotion. Fragen sie mal Snow Patrol. Oder Emiliana Torrini. Die hätte ohne Heidi Klum’s Topmodel-Mist sicher keinen Blumentopf in den deutschen Charts gewonnen. Wenn man sich den Wikipedia-Eintrag des irischen Singer/Songwriters Damien Rice anschaut, gibt’s da nen ganzen Abschnitt über sein musikalisches Auftauchen in allen möglichen Medien. Dem 2004er Film „Hautnah“ und dem dort verwendeten „The Blower’s Daughter“ hat Rice sicher einiges zu verdanken. Und so gesehen ist das halt immer eine Hassliebe mit den TV-Serien und Filmen. Denn, um mich damit selbst zu entlarven… mein erster Kontakt war der tolle Song „Delicate“, welcher damals natürlich in einer Schlusszene bei der besten TV-Serie dieser Dekade, „Lost“, lief. Tja, also bin ich selber ein Opfer der Maschinerie. Wer weiß, ob ich von dem jungen Mann sonst irgendwie Notiz genommen hätte. Das Album hab ich oft und sehr gerne gehört und immer noch fasziniert dieser Klang, voller Ehrlichkeit und Wärme. Egal, über was Rice singt, sei es Liebe, sei es Schmerz, Trauer oder Wut… stehts kommt es dabei, so scheint es nicht nur, von Herzen. Authentisch, ehrlich und berührend. „Canonball“… was für ein wunderbarer Song… „Cold Water“… wie bewegend. Ein Song schöner, als der andere. Auch nach all diesen Jahren hat dieses wunderbare Stück nichts von der Wärme und Emotionalität verloren, die es damals hatte. Ein Album sowohl für die einsamen Stunden im Winter, als auch für traute Zweisamkeit. Und das ganze klingt dann so schön, dass ich auch ganz schnell milde gegenüber den TV-Produzenten gestimmt bin. Leben und Leben lassen.
Bester Song: „Delicate“

56. Wir Sind Helden „Von Hier An Blind“ (2005)
Die Berliner Band Wir Sind Helden ist sicher DIE Ausnahmeerscheinung in der deutschen Popmusik des zurückliegenden Jahrzehnts. Dafür dass sie eine Welle an deutschsprachiger Pop/Rockmusik losgetreten haben, die uns seitdem mit teils furchtbaren Auswüchsen, wie bspw. Silbermond überrollt, haben sie stets über den Dingen gestanden und musikalisch stets überzeugt, selbst als sich der kommerzielle Großerfolg eingestellt hat. Während andere deutsche Bands, wie die Sportfreunde oder Rosenstolz im Zuge steigender Popularität schnell in der Belanglosigkeit aus Schlager und Ideenlosigkeit verschwinden, spielen die Helden auf konstant hohem, musikalischen und textlichem Niveau. Dazu ist die Band auch zu sympathisch, zu bodenständig und Front-Hippiemädchen Judith Holofernes zu klug und zu geschmackssicher. Bereits das Debüt „Die Reklamation“ war ein munterer Weckruf für die deutsche Musiklandschaft, auf dem 2005er Nachfolger „Von Hier An Blind“ perfektioniert die Band ihren Sound fügt der durchgeknallten NDW-Note noch eine gehörige Prise Melancholie und Tiefsinn in den Texten bei. Neben den Partyhits, wie „Gekommen um zu bleiben“ oder dem Titeltrack, können so gerade Songs, wie „Echolot“, „Ich werde ein Leben lang üben…“ oder „Bist Du Nicht Müde?“ punkten. Und so ein wunderbar kraftvoller, wie gleichzeitig nachdenklicher Opener wie „Wenn Es Passiert“ muss einer Band erstmal gelingen. Das ganze wirkt erstaunlich unpeinlich, erstaunlich ehrlich und musikalisch auf internationalem Niveau. Zu den perfekten Popsongs gesellt sich nun also auch noch produktionstechnische Perfektion dazu. Eine Band, die man trotz ihrer Popularität einfach immer noch lieben darf. Nach dem sehr guten Nachfolger „Soundso“ und der verdienten Baby- und Bandpause wird hoffentlich nächstes Jahr wieder angegriffen. Die deutsche Musiklandschaft hätte es mal wieder nötig und vielleicht überrascht uns die Band musikalisch ja sogar noch mal und beweist, dass nicht alle deutschen Bands langläufig an Qualität verlieren. Wer jetzt zweifelt, sieht nicht klar.
Bester Song: „Wenn Es Passiert“

55. Bloc Party “Intimacy” (2008)
Puh! Bloc Party, Bloc Party... hmmm, wo fang ich da nur an, ohne nicht schon auf das vorzugreifen, was ich später im Verlauf der Top 100 noch über sie sagen möchte? Am besten beschränken wir uns mal nur auf „Intimacy“, das dritte Album, das im Sommer 2008 quasi aus dem Nichts kam. Während jeder dachte, dass die Band nach der aufwendigen Tour zum Vorgänger „A Weekend In The City“ erstmal etwas Pause machen würde, kündigten die ihr drittes Album an… nur ein paar Tage vor dem digitalen Release. Damit hatte man die Leute promotiontechnisch natürlich schon mal auf seiner Seite. Natürlich muss „Intimacy“ dabei zwangsläufig ein wenig im Schatten der beiden übermächtigen Vorgänger stehen, gut ist es aber dennoch, trotz einiger Schwachstellen. Dem eher verhaltenen, glatten Vorgänger setzt die Band einen treibenden Anfang entgegen. „Ares“ ist verstörendes Chaos voller Kraft und Rave-Sirenen, „Mercury“ alles, nur kein Rocksong. Hier verwirft die Band mal wieder aufs Neue alles, was man von ihr erwartet hat. Auch die ruhigen, sehr minimalistischen und elektronischen Balladen, wie „Biko“ oder „Signs“ lassen die Band wieder im neuen Licht erscheinen. „Intimacy“ ist Sänger Kele Okereke’s Seelenstrip. Ein Album voller Wut, Trauer und emotionalen Balast, den es zu verarbeiten gilt. In den lauten, wütenderen Momenten, wie bei „One Month Off“ oder „Better Than Heaven“ spürt man die Authentizität dieses Mannes am Deutlichsten. Die Texte berühren nach wie vor, leisten sich dabei aber kleinere Aussetzer, auch songtechnisch. „Halo“ und „Trojan Horse“ wirken eher wie schwache Kompromisse um die konventionellen Fans der Band nicht zu vergraulen. So mangelt es „Intimacy“ ein wenig an der Geschlossenheit, welche die Vorgänger noch boten. Dennoch zeigt es den inneren Drang der Band zur musikalischen Extension und Neudefinition. Eine moderne Band, die zwischen den Stühlen steht. Es bleibt abzuwarten, wie die Zukunft dieser Band aussieht. Mit dem Italo-Disco-Verschnitt „One More Chance“ haben sie ihre musikalische Bandbreite vielleicht etwas überdehnt und die Stimmen, die nach einer Rückbesinnung zu mehr Kanten und mehr Inhalt schreien, werden, auch von meiner Seite aus, lauter. Nach gut 5 Jahren Dauerarbeit ist die Band momentan leicht ausgebrannt und hat sich erstmal eine Zwangspause verordnet. Wie lange sie dabei wirklich still sitzen werden, wird sich zeigen.
Bester Song: “Signs”

54. Embrace “Drawn From Memory” (2000)
Ich möchte ja nicht irgendwie nostalgisch werden, aber irgendwie war die Welt vor 10 Jahren doch noch viel angenehmer. Kein 9/11, keine Wirtschaftskrise, kein Westerwelle als Außenminister, kein Klimawandel (gut, den gab’s schon, aber die Menschheit hat’s halt nich gerafft), keine Generation von ADS- und medienverseuchten Emo-Teenagern, keine Social Networks, kein Atzenmusik, kein Hype aller zwei Minuten, keine Downloads… irgendwie war alles noch ein wenig unkomplizierter und sicher auch ne Spur ehrlicher, wenngleich das sicher auch daran liegt, dass man noch jünger war und sich als Jugendlicher mit ganz anderen Themen rumschlagen musste. Und musikalisch war das Jahrzehnt ja bestens ausgerüstet, wie man anhand dieser Auflistung sieht. Doch ab und an legt man ein altes Album rein und wünscht sich in die Zeit zurück, als melancholischer Britpop noch Spaß machte und nicht durch Coldplay, Snow Patrol (und viele andere Bands, die ich mag) zur Allerweltsmusik gemacht wurde. Dann hör ich mir doch gern die frühen Travis an oder dieses wunderschöne Embrace-Album aus dem Jahr 2000. Heute würden diese seichten Gitarrenpopsongs mit ihrem leichten Hang zur Übertreibung sicher niemanden mehr hinterm Offen hervorlocken, dazu ist „Drawn From Memory“ sicher an die damalige Zeit gebunden, denn eigentlich isses ja fast noch ein Überbleibsel der 90er, die mit dieser Musik und Bands wie Oasis oder The Verve ja die Hochphase des Britpop waren. So verbinde ich mit den großen Hymnen dieses Albums, wie „The Love It Takes“, dem optimistischen „You’re Not Alone“ oder dem träumerischen Titelsong vor allem gute Erinnerungen an eine Zeit der Unschuld und musikalischen Sozialisation in diese Richtung. Denn den Coldplays und Embraces dieser Welt hab ich’s letztendlich zu verdanken, dass ich mich dann irgendwann mal mit 14/15 angefangen habe, mich musikalisch abseits der Charts oder Mitschüler zu orientieren. Deshalb kann der Band nicht hoch angerechnet werden. Christian, wenn du das liest, wirst du mir beipflichten, oder? Am Ende singt Danny McNamara, dass er die Zeit seines Lebens hatte. Muss man mehr sagen? Bitte mal gut 6 Minuten in diesen Song fallen lassen. Es funktioniert immer noch, nach all der Zeit und all dem eher durchschnittlichen Kram, den Embrace später gemacht haben.
Bester Song: “I Had A Time”

53. Trentemøller “The Last Resort” (2006)
Wenn man den Leuten sagt, dass man auch gern mal elektronische Musik hört, dann wird das ja oft missverstanden und man wird sofort in die Techno-Party-Ecke geschmissen. Ja, sicher, die mag ich auch gern mal hören bzw. dazu die Puppen tanzen lassen, aber es geht auch gern anders… Anders Trentemøller um genauer zu sein. Puh, was’n Wortspiel. Reißer! Trentemøller macht Minimal Techno, wenn man das vielleicht Genre-technisch so einordnen kann oder will. Na ja, aber so „minimal“ ist der am Ende gar nicht. Was den Dänen von der Konkurrenz abhebt, ist die Fähigkeit mit seinen Tracks Atmosphäre zu erzeugen und Bilder zu zeichnen. Während er bei Remixen stets den Tanzhammer auspackt, umgibt sein Debütalbum „The Last Ressort“ eine ganz andere, vielschichtigere Atmosphäre. Das Cover ziert ein gespenstisch-nebliger Wald und so klingt auch seine Musik. Düster, experimentell, nicht unbedingt gradlinig, sondern vielschichtig. Allein der fulminante Opener „Take Me Into Your Skin“ wechselt mehrmals seine Form und Farbe und weiß zu begeistern. Im weiteren Verlauf schöpft Trentemøller die CD-Länge bestens aus (das komplette Album ist fast genau 80min lang) und nimmt den Hörer mit auf eine düster-groovende Reise in die Nacht. Dabei wird es gelegentlich etwas tanzbarer und härter, aber nie im Übermaß. Stets schimmert die Melancholie und Introspektive seiner Tracks durch. Und die ganzen kleinen Elemente, die sich abspielen… hier ein kleiner Effekt, da ein Echo. Auch produktionstechnisch macht es einfach Spaß diese Platte zu hören und zu analysieren. Der Sound ist klar, wie die kalte Nachtluft, die ihn umweht. „The Last Resort“ ist eines der elektronischen Ausnahmealben dieses Jahrzehnts, das sicher vom prolligen Techno-Dude bis zum Indie-Nerd ein breites Publikum ansprechen kann. Wie dieses Album interpretiert und gehört wird, muss jeder letztendlich für sich selbst entscheiden. Ich folge Trentemøller jedenfalls gern auf seinem dunklen Weg.
Bester Song: „Take Me Into Your Skin“

52. Feeder “Comfort In Sound” (2002)
Die Umstände unter denen das vierte Feeder-Album entstanden sind waren sicher nicht die besten, aber musikalisch hat es der Band auf jeden Fall die richtige Richtung gegeben. Kurz vorher hatte Schlagzeuger John Lee Selbstmord begangen und die Band so vor eine neue Situation gestellt. Vorher war man eher eine spaßige Fun-Britrockband, welche bspw. „Seven Days In The Sun“ sang. Doch der plötzliche Tod von Lee zwang die Band zum nach- und umdenken. Sänger Grant Nicholas schrieb daraufhin einige herzerwärmende Songs voller Trauer, Ratlosigkeit, aber auch Hoffnung, welche sich allesamt auf diesem Album wieder finden. „Come Back Around“ hieß die erste Single, deren Adressat natürlich recht eindeutig auszumachen war. So strotzen die Balladen „Just The Way I’m Feeling“, „Forget About Tomorrow“ oder “Summer’s Gone” voller Kraft und sicher auch etwas übertriebenen Pomp, aber vielleicht sind es gerade die Umstände, in denen sie entstanden sind, die das ganze für mich so authentisch machen, zumal Nicholas nach wie vor eine der angenehmsten, wärmsten und kraftvollsten Stimmen der britischen Musikszene besitzt. Nebenbei versprühen Songs wie „Comfort In Sound“ oder „Find The Colour“ auch einen leisen Optimismus. Die abschließende, fast siebenminütige Ballade „Moonshine“ sei übrigens jedem Menschen da draußen zu empfehlen, besonders eben nachts, zum Mondschein, dann entfaltet das Stück ungeahnte Kräfte. Es ist witzig, dass es Feeder nie großartig geschafft haben, außerhalb von Großbritannien Erfolg zu haben, denn dieses Album wäre ja bestens dazu geeignet gewesen. Sicher keine sonderlich innovative Musik und stellenweise aus heutiger Sicht etwas zu kitschig, aber dieses Ranking soll ja nicht nur die heutige Sicht auf die Dinge behandeln, sondern auch den Blick auf die Vergangenheit und gerade deshalb ist dieses Album für mich gefüllt mit Erinnerungen an einige gute Momente in meinem Leben, an die ich mich immer wieder gern zurückerinnere, wenn ich es höre. John Lee wäre stolz auf seine Bandkollegen.
Bester Song: “Forget About Tomorrow”

51. Pet Shop Boys „Yes“ (2009)
Meine fast bedingslose Verehrung der Pet Shop Boys dürfte mittlerweile weit über die Grenzen dieses Blogs hinaus bekannt sein. Neil Tennant und Chris Lowe sind das Beste was britische Popmusik in den letzten Jahrzehnten hervorgebracht hat. Sie sind intelligent, stil- und hitsicher und schreiben nebenbei wunderbare Songs, traumhafte Melodien. Und das seit 25 Jahren! Und ich hätte am wenigsten gedacht, dass ihn mit „Yes“ in diesem Jahr noch mal ein so großer Wurf gelingt, denn vor der Veröffentlichung war durchaus Skepsis angebracht. Erfolg um jeden Preis sollte garantiert werden, das „kommerziellste Album seit Jahren“ wurde versprochen und notfalls sollten auch die Girls-Aloud/Sugababes-Produzenten Xenomania nachhelfen. Das wirkte mehr, wie zwei Herren um die 50 in der Midlife-Crisis. Doch all der Zweifel wurde mit dem phänomenalen „Love etc.“ weggewischt, der besten PSB-Single seit Ewigkeiten, die es, wie das Album, darüber hinausschaffte nach Jahren mal wieder ein Zielpublikum weit unter 30 anzusprechen. Der Musikpresse und dem allgemeinen 80er-Revival sei Dank. „Yes“ ist am Ende genau das, was der Titel ankündigt. Euphorie-Plaste-Pop, hoffnungslos melodieverliebt und naiv und gerade dadurch in seiner Konsequenz, Glätte und Eingängigkeit fast schon rebellisch. Intelligenz und Tiefsinnigkeit, verpackt in scheinbar oberflächlichen Elektro-Pop. Schon lange nicht mehr klangen Tennant und Lowe dabei so zielsicher, wie auf „Yes“. Kein schwacher Song, dazu jede Menge Hits. Neben der Single natürlich noch das famose „All Over The World“, welches vielleicht jetzt doch noch Weihnachtssingle wird und der größte Hit des Albums ist. „Beautiful People“ spielt sich mit schönem Streicher-Arrangement durch die 60er, „King Of Rome“ erinnert an alte „Behaviour“-Zeiten, während „Pandemonium“ noch mal Gas gibt, während „The Way It Used To Be“ sicher einer der spannendsten PSB-Songs der letzten Jahre ist. Man kann eigentlich jeden Song dieses Albums nehmen. Am Ende bleibt es offensichtlich. Die Pet Shop Boys leben die Unwiderstehlichkeit des Pops. „Yes“ ist ihr bestes Album der letzten zehn Jahre. Hier fügen sich die Puzzelteile besser zusammen, als auf den Platten zuvor. Und wie gesagt, wenn Lady Gaga, die Killers oder MGMT schon dem elektronischen Glamour-Pop der 80er zelebrieren und sich als Fans des Duos geäußert haben, dann ist es für die Originale noch lange nicht Zeit, in Rente zu gehen
Bester Song: „All Over The World“

Sonntag, 25. Oktober 2009

rhododendron's ranking ... 43/ 2009

Schichtwechsel an der Spitze! The xx beenden ihr zweiwöchiges Gastspiel auf Platz 1 und räumen diesen für die schwedischen Retro-Popper The Sound Of Arrows, deren zuckersüßer Popsong „Into The Clouds“ mir einfach nicht mehr aus dem Kopf gehen will. Nebenbei gibt es auch wieder Neueinsteiger in den Top 10. Englands neue Popsensation Florence And The Machine kann mit ihrer wunderbaren neuen Single „You’ve Got The Love“ direkt in meinem Herzen punkten und sich damit Platz 3 sichern. 2 Plätze dahinter befindet sich die Comeback-Single der wunderbaren Vampire Weekend, welche uns mit „Horchata“ den düsteren Herbst versüßen und auf sonnige Gedanken bringen. Ganz toller, kleiner Popsong ist das, der Lust auf das Zweitwerk „Contra“ macht. Ansonsten können sich einige Acts in den Top 10 behaupten, während La Roux und Everything Everything sie verlassen müssen. Auf Platz 13 befindet sich mit der neuen, balladesquen Single der Arctic Monkeys mein dritter Neueinsteiger in dieser Woche. Ein toller Song, dem allerdings das dämlichste Musikvideo des Jahres mitgeliefert wird. Bitte weiter unten anklicken, um sich selbst zu überzeugen.

01.( 02 / #3 ) The Sound Of Arrows “Into The Clouds”
02.( 01 / #6 ) The xx “Basic Space”
03.(NEW/ #1) Florence And The Machine “You’ve Got The Love”
04.( 03 / #5 ) Empire Of The Sun “Without You”
05.(NEW/ #1) Vampire Weekend “Horchata”
06.( 04 / #9 ) Editors “Papillon”
07.( 07 / #2 ) Julian Casablancas “11th Dimenson”
08.( 08 / #3 ) Röyksopp “This Must Be It”
09.( 05 / #8 ) Jamie T “Chaka Demus”
10.( 10 / #2 ) Ladyhawke “Magic”
11.( 06 / #3 ) Everything Everything “My Keys, Your Boyfriend”
12.( 09 / #4 ) La Roux “I’m Not Your Toy”
13.(NEW/ #1) Arctic Monkeys “Cornerstone”
14.( 11 / #3 ) Death Cab For Cutie “Meet Me On The Equinox”
15.( 14 / #3 ) Kent “Töntarna”
16.( 15 / #7 ) Robbie Williams “Bodies”
17.( 17 / #2 ) Mew “Repeaterbeater”
18.( 12 / #12) The Twang “Barney Rubble”
19.( 13 / #13) Delphic “This Momentary”
20.( 18 / #14) Friendly Fires “Kiss Of Life”





Samstag, 24. Oktober 2009

Wie ein dunkler Traum

Nicht, dass wir es hier unter den Tisch fallen lassen. Ein kurzes Statement über das wunderbare dritte Album der Editors muss an dieser Stelle angebracht sein.

41NlmGmB2NL-_SL500_AA240_Ein wenig seltsam fühlt sich das dritte Editors-Album beim ersten Hören schon an. Denn bereits das Titelstück zu Beginn gibt den Weg vor. Eine treibende Sequenzer-Basslinie trifft auf Tom Smiths düstere Liebeserklärung gegenüber seiner Heimatstadt London, sowie auf breite Synthieflächen, die uns direkt in die 80er mitnehmen. Bereits der erste Song kreiert eine bedrohliche, aber durchaus vertraute Atmosphäre, die bestimmend ist für den Rest des Albums. Auch das kontrollierte Chaos am Ende von Track Nummer Eins beweist dies. Die Neuerfindung der Editors überrascht und zieht dabei aber gleichzeitig sofort in den Bann. Die Dunkelheit besiegt im Gegensatz zum Vorgänger „An End Has A Start“ diesmal das Licht und serviert uns auf 9 Songs ein Album voller großer Momente und traumhafter Songs… vorausgesetzt man hat Lust darauf, über die Dunkelheit zu träumen. Die Einflüsse von Depeche Mode, über New Order bis hin zum Blade-Runner-Soundtrack, wie die Band immer wieder im Vorfeld betonte, hört man an allen Ecken und Enden. Die Bassläufe sind düster, die Beats mechanisch präzise und kalt. Dazu singt Sänger Tom Smith mit düster-flehender Stimme von allerhand pessimistischen Thematiken. Im Prinzip klingen die Editors ganz neu, aber irgendwie auch doch nicht, denn die Songs sind so gut, wie eh und je und die Melodien sind da, entweder eindeutig, wie bei „Papillon“ oder „Like Treasure“ oder versteckt wie beim introvertierten „The Big Exit.“ Statt der üppigen Gitarrenwände bilden nun Synthesizer und Sampler den zentralen Kern des Sounds. Eine Veränderung, die durchaus Sinn macht. Zu sehr war das Quartett zuletzt von sich selbst genervt und so setzt man dem Trend Richtung Stadionrock, Coldplay und Formatradio eine erstaunliche Kompromisslosigkeit entgegen. Sicher, so sperrig ist es am Ende auch nicht, denn Songs wie „Papillon“ oder „Eat Raw Meat = Blood Drool“ bleiben einfach gute Popsongs mit tollen Melodien und spannenden Arrangements. Doch die Editors gehen nun einen neuen Weg, probieren sich in neuen Bereichen aus und fordern nun etwas Bereitschaft vom Hörer, sich auf die Reise einzulassen. Wenn man dies tut, dann nimmt einen „In This Light And On This Evening“ auf eine spannende Reise, hinein in die Dunkelheit und Melancholie. Somit untermauert diese Band ihren Status als eine der spannendsten und bewegensten Bands, die es in den letzten Jahren gab und bewegt sich weiterhin kontinuierlich nach oben auf der Erfolgskurve. Zum Glück schlagen sie dabei einen spannenden vielseitigeren Weg ein, als die Konkurrenz.

Editors @ MySpace

Freitag, 23. Oktober 2009

Meine 100 Alben 2000 - 2009 / Plätze 70 - 61

AlbumsOfTheDecade-100-91

70. The Boxer Rebellion “Union” (2009)
Die Band Boxer Rebellion ist eine Band der Rekorde, wenngleich man das natürlich erst auf den zweiten Blick sieht. So war ihr zweites Album „Union“ durchaus erfolgreich in diesem Jahr, schaffte es als erstes Album in der Geschichte in die US-Charts ohne einen Plattenvertrag zu haben. Die Kritiken sind toll und das Quartett hat sich eine treue Fangemeinde weltweit erspielt, doch steht sie immer noch zu diesem Zeitpunkt ohne Label da. Deshalb kann man die Arbeit, die diese Band in die Eigenverbreitung ihrer Musik steckt auch nicht hoch genug würdigen. Hier spielt sich eine Band vermutlich am Existenzminimum den Arsch ab, um der Welt zu zeigen, dass sie existiert. Dieser traurige Zustand steht symbolisch für dutzende Bands weltweit im Anbetracht der aktuellen Situation der Musikbranche. Und es ist einfach so unfair, weil diese Musik so gewaltig, so wunderbar ist. „Soviets“ ist eine wunderbare Hymne für die Ewigkeit, für so etwas wie „Spitting Fire“ würden Coldplay töten und die ruhigen Momente, wie „Misplaced“ oder „The Gospel Of Goro Adachi“ zeigen die Band vielseitig, feinfühlig und mit einem wahnsinnig guten Gespür für Melodien und Gefühl. Emotionale Britpop-Hymnen, die in dieser Form momentan nur die wenigsten hinbekommen. Und genau deshalb sollte diese Band einfach von der ganzen Welt gehört werden. Vielleicht platzt der Knoten ja in den nächsten Jahren noch. Es wäre einfach so überfällig. Bis dahin bleibt „Union“ das einzige Album ohne Label, welches es in meine Top 100 des Jahrzehnts schafft. Vielleicht hebt das ja die Stimmung der Band ein wenig.
Bester Song: “Soviets”

69. Snow Patrol “Final Straw” (2003)
Sicher, mittlerweile rollt man ja ein wenig mit den Augen, wenn der Name “Snow Patrol” erwähnt wird. „Grey’s Anatomy“ und „Chasing Cars“ sei Dank, muss man diese eigentlich ziemlich gute Band mittlerweile mit der halben Welt teilen und permanent im Formatradio wegschalten. Auch musikalisch hat die Truppe um Sänger Gary Lightbody ein wenig darunter gelitten. Dumme Sache eigentlich. Da erinnert man sich doch gern wieder an das Jahr 2003 zurück als die Welt noch in Ordnung war und Snow Patrol ersr die Fühler ausstreckten, um in dieser gehört zu werden. „Final Straw“ ist ihr persönliches Meisterwerk, das den Balanceakt zwischen Hittauglichkeit und verschrobener Eigenheit erstaunlich gut hinbekommt. Die Balladen wirken erstaunlich erdig, selbst das epische „Run“ wirkt trotz Stadionbombast keinesfalls übertrieben. Und „Grazed Knees“ ist wohl eine der schönsten Versuchungen, seit es kurze Songs gibt. Und wenn die Band bei Songs wie „Wow“ oder „Gleaming Auction“ sogar aufs Gaspedal tritt, macht das unheimlich Freude. Und das tolle „Chocolate“ sowieso… I can make my first step as a child of 25”. Trifft heute mehr denn je auf mich zu. Es ist egal, wie man heut zu Snow Patrol steht und wie genervt man manchmal von ihnen ist, dass sie etwas drauf haben steht natürlich nicht zur Debatte und dieses Album ist der Beweis dafür. Wäre schön, wenn man sich in Zukunft mal wieder auf die ein oder andere Stärke besinnen würde.
Bester Song: “Chocolate”

68. U2 „How To Dismantle An Atomic Bomb“ (2004)
So, und was ist natürlich noch schlimmer als Snow Patrol? Richtig, die Großväter des Stadionrock, nämlich U2. Das U2 ein Kapitel für sich sind, dürfte außer Frage stehen. Eine Band, die gleichzeitig so stark begeistert wie polarisiert und das seit gut 30 Jahren… das ist schon gewissermaßen eine Klasse für sich muss man sagen. Natürlich haben U2 ihre besten Zeiten schon hinter sich. Die 80er als quasi stetige Weiterentwicklung von der Garagenband zu Stadionrockern und die experimentellen 90er, in denen die Band mit Alben wie „Achtung Baby“ oder dem unterschätzten, weil nicht verstandenen „Pop“ mein Herz für sich gewinnen konnten. Jetzt im neuen Jahrtausend gab’s die Rückbesinnung auf alte Rockwerte und insgesamt drei annehmbare Platten, auf denen sich eine Band präsentiert, die alles erreicht hat und deshalb niemandem mehr etwas beweisen muss und auch nicht unbedingt will, welche aber immer noch in der Lage ist, gute bis phänomenale Songs zu schreiben. Die besten der vergangenen 10 Jahre finden sich auf dem 2004er „Atomic Bomb“, welches dank Jacknife Lee und Steve Lillywhite wieder etwas rockiger ausgefallen ist, wobei man da jetzt keinen Garagenrock erwarten sollte… „Vertigo“ ist da schon das Maximalste. Und sicher gibt es auch verzichtbares wie „City of Blinding Lights“ oder „All Because Of You“, doch in vielen Momenten laufen Bono und Co. noch mal zur Höchstform auf. Etwa auf dem traurig epischen „Sometimes You Can’t Make It…“, auf welchem Bono die Beziehung zu seinem kurz vorher verstorbenen Vater thematisiert und dabei trotz all des Bombasts und all der Klischees gegenüber seiner Person unglaublich intim und ehrlich wirkt. So gut, wie seit Jahren nicht mehr. Sicher, der Text von „Love And Peace Or Else“ ist unterirdisch, aber dafür hat der Song Feuer im Hintern. Das atmosphärische „One Step Closer“ weiß ebenfalls zu überzeugen und das optimistisch hymnische „Yahweh“ entlässt einen am Ende mit viel Liebe in die Nacht oder den Tag. Ja, in Bonos Welt zerstört nur die Liebe eine Atombombe. Ist zwar plump, aber, wenn man mal drüber nachdenkt, durchaus richtig. Nein, U2 sind ne Macht. All die Nörgler sollen mal selber versuchen, 30 Jahre lang so abwechslungsreiche und qualitativ hochwertige Musik zu machen. Yes, Bono!
Bester Song: „Sometimes You Can’t Make It On Your Own“

67. Arctic Monkeys “Favourite Worst Nightmare” (2007)
Verdammte Erwartungshaltung. Was lässt man dem am schnellsten verkauften Debütalbum aller Zeiten, einem Album, welches diese Generation zu vielen Teilen prägte… was lässt man dem folgen? Sicher nicht leicht für die Arctic Monkeys, doch ihr Zweitwerk vermochte zu überraschen und ist dem Erfolgsdebüt ebenbürtig und zu großen Teilen sogar besser. Sicher, es fehlen die offensichtlichen Mitgröhl-Hymnen des Vorgängers, doch die brauchte es diesmal gar nicht. Die Stärken liegen woanders und sind häufig versteckt. Der Sound ist vielschichtiger, komplexer, ohne aber einem glatt produzierten Bombast zu verfallen. Die 4 Lads aus Sheffield bewahren sich ihre Leichtigkeit und Verspieltheit nicht nur, sondern bauen diese sogar noch aus. Kompromisse werden nicht gemacht. „Favourite Worst Nightmare“ fungiert als Zwischenstück zwischen dem poppigen Debüt und dem ganz gegenteiligen „Humbug“ aus diesem Jahr. Die Entwicklung der Band wird gerade durch Songs wie „Do Me A Favour“ oder dem wunderbaren „If You Were There, Beware“ deutlich. Weg von klassischen Songkonstrukten, kompromissloser Arrangements und Refrains, die man eigentlich gar nicht als solche Bezeichnen dürfte. Getanzt werden darf trotzdem, zu Brettern wie „Brianstorm“ oder „Teddy Picker“. Die Arctic Monkeys erspielen sich mit diesem Album ihren ganz eigenen Sound, abseits all der anderen Indie-Masse. Die leisen Töne wirken noch gefühlvoller, während die lauten Parts auf den Hörer noch intensiver einknüppeln. Und so hat man auch nicht so schnell die Nase voll von „Favourite Worst Nightmare“, wie von „Whatever People Say...“. Eingängig und gleichzeitig vielschichtig. Mit dieser Band werden wir noch viel Freude in den nächsten Jahren haben, wenn die Leute nur endlich verstehen würden, dass sie kein „Whatever People Say I Am…“ mehr bekommen werden. Muss ja auch nicht.
Bester Song: “Do Me A Favour”

66. Myslovitz “Korova Milky Bar” (2003)
Ich glaub, es war im Frühjahr 2004, als ich mir relativ impulsiv das einzige englischsprachige Album der polnischen Rockband Myslovitz gekauft habe. Ich kannte vorher nur dieses „Sound Of Solitude“, was ich aber sehr, sehr gut fand und mittlerweile für einen der besten Songs der letzten Jahre halte. Na ja, und da der Media Markt (ja, damals hab ich noch da CDs gekauft) nur ein Exemplar da hatte und mir danach war, habe ich mir „Korova Milky Bar“ gekauft und damit viele schöne Stunden in den nächsten Jahren verbracht. Natürlich war dieses Album der Versuch für die Band, auch westlich der polnischen Heimat zu punkten und den Durchbruch zu schaffen. Immerhin haben sie mich überzeugt, denn „Sound Of Solitude“ habe ich ein paar Monate vorher auf MTV gesehen, aber ansonsten lief es bei den Jungs ähnlich wie bei den schwedischen Kollegen von Kent. Der Unterschied ist aber, dass ich die polnischen Songs der Band kaum kenne, wobei das natürlich ganz hervorragende Musik ist und die Sprache ja angesichts der an sich tollen Songs kein Problem darstellt. So bleibt dieses Album dann doch relativ allein für sich stehen, überzeugt aber mit ein paar echt schönen melodischen Popsongs, die sich vor der britischen Konkurrenz nicht verstecken müssen. Das recht verhaltene „Man of Glass“ beginnt sich langsam zu steigern, wie ein langsamer Sonnenaufgang, bevor man sich bei Songs wie „Dreamsellers“ und „Acidland“ auch mal an Hymnen heranwagt und bei „The Melancholy Tower“ oder „I’d Like To Die Of Love“ in der nebeligen Tristesse eines kalten Herbsttages versinkt. Dass der Sänger dabei den polnischen Akzent nicht wirklich versucht zu verstecken macht das ganze irgendwie auch sympathisch. Ein richtig schönes Album ist das, was hier in der Liste auftauchen muss, da es mir sehr ans Herz gewachsen ist. Potential hat diese Band allemal gehabt und hat es sicher immer noch, aber außerhalb ihres Heimatlandes wird man wohl auch zukünftig wenig Chancen haben, dass zu entdecken.
Bester Song: “Sound Of Solitude”

65. Doves “Some Cities” (2005)
Ach, die Doves. Die wunderbaren Doves. Wo fang ich denn da am besten an? Oder wo hör ich da auf? Wer mich kennt weiß, dass mir diese Band viel bedeutet und es geschafft hat, mich mit ihren vier Alben vollständig auf ihre Seite zu ziehen. Woran das liegt ist manchmal schwer zu sagen. Gut, offensichtlich muss es die Musik sein. Dieser hymnische Britpop, der gern mal ausladend ausfällt. Und die wunderbare Stimme von Jimi Goodwin, die einen ähnlich warmen Klang versprüht, wie die von Elbow-Kollege Guy Garvey. Doch im Gegensatz zu den befreundeten Kollegen von Elbow sucht diese Manchester Band den großen Pop. Auf dem 2005er Album geht sie es dennoch ein wenig reduziert an und verzichtet auf ein paar Soundflächen. So stampfen die Singles „Black & White Town“, sowie „Sky Starts Falling“ recht direkt vor sich hin, ohne großartig abzuschweifen. „Some Cities“ ist wesentlich direkter und schroffer produziert, ohne dabei auf das Hymnische in einigen Songs zu verzichten. Bspw. in den Tracks „Walk In Fire“ oder dem famosen „Snowden“. Es ist sicher nicht das beste Doves-Werk, aber für mich hat es nach wie vor einen großen Stellenwert, weil es das Album ist, über welches ich diese Band kennen und lieben gelernt habe. Deshalb sind all diese Melodien und all diese Klänge natürlich in erster Linie Erinnerungen für mich, wenngleich dies ihnen natürlich nicht die Qualität absprechen soll. „Some Cities“ ist das erdigste, direkteste und sicher düsterste Doves-Album bis dato und übt gerade dadurch einen großen Reiz aus.
Bester Song: „Snowden“

64. Kasabian “Kasabian” (2004)
Madchester, Ma-Ma-Madchester! Noch einige Zeit bevor das Rave-Revival in Großbritannien eingeläutet wurde, hat sich eine Band aus Leicester diesem Territorium genähert. Ihr Name: Kasabian… das Album? Heißt genauso. Dabei ist das selbstbetitelte Debüt der Band natürlich keine bunte-Pillen-Party-Platte für die Disco, sondern zieht seine Energie eher aus einem etwas düsteren, verrauchten Hinterzimmer einer solchen Disco. Irgendwo zwischen Pop, Britpop, Electronic und viel 60er-Jahre-Psychodelic entfaltet „Kasabian“ so eine ganz eigene Stimmung, die damals wie heute nichts von ihrer Faszination verloren hat. Von den Dance-Hits „Club Foot“, „Reason Is Treason“ zu den Mitsinghits “L.S.F.” oder “Cutt Off”, bis hin zum sphärischen Albumcloser “U Boat” nimmt einen dieses düstere, kleine Meisterwerk mit auf eine reise voll schleppender Beats, Synthiespielereien und kryptischen Texten über Verschwörrungen und LSD. Warum auch nicht. Während Kasabian in den nächsten Jahren lieber daran arbeiteten die größte Rockband des Vereinigten Königreichs zu werden (nur um außerhalb von eben diesem mal gar nichts zu reißen), blieb der düster-atmosphärische Grundton des Debüts leider etwas auf der Strecke, was ich persönlich schade finde. Herrlich eigen sind sie sowieso geblieben und dass der Psychodelic-Faktor die Oberhand gewonnen hat ist auch nicht unbedingt so ein großes Problem. Dennoch hat das nie wieder so gezündet, wie auf diesem Debüt. Vielleicht ist das auch der Tatsache geschuldet, dass dieser Sound damals für mich etwas wirklich halbwegs Neues darstellte, was damals erstaunlich frisch und eigenständig um die Ecke kam. Mit so was verschafft man sich einfach etwas mehr Eindruck. Auch über 5 Jahre später bleibt „Kasabian“ ein tolles Album, dessen nachtrunkene Atmosphäre heute, wie damals, begeistern kann.
Bester Song: „U Boat“

63. Amy Winehouse “Back To Black” (2006)
Man könnte ja mittlerweile glatt vergessen, dass Amy Winehouse auch mal Musik gemacht hat. Wobei es gerade erfreulicherweise mal etwas ruhiger ist, um die verwirrte Dame. Ab und an ließt man mal was über eine Brustvergrößerung, ’nen neuen Typen oder irgendeine Beleidigung gegenüber irgendwen. Was auch immer. In den Jahren 2007 und 2008 war die öffentliche Schnitzeljagd um Mrs. Winehouse ja schon nicht mehr auszuhalten. Amy hier, Drogen da. Blablabla… Das alles hätte aber nicht geklappt, würde am Anfang dieser beispiellosen Negativentwicklung nicht ein echt großartiges Album stehen, das man ausnahmsweise auch mal lieben darf, obwohl es mittlerweile fast jeder Mensch auf dieser Welt mittlerweile Original oder raubkopiert besitzen dürfte. „Back To Black“ ist auch ohne Skandale ein tolles, tolles Album. Produzent Mark Ronson kreierte mit dem Retro-Sound der 60er den Trend der stunde und gibt den wahnsinnigen Songs ein entsprechend geschmackvolles Gewand. Amy hat dabei bei jedem Ton den Soul in der Stimme, den man als so kaputtes Genie zum Singen braucht. Natürlich geht’s dabei um ihr verkorkstes Liebesleben und dem Hang zu Hochprozentigen. Aber warum nicht. Diese Songs sind Pop as Pop can be. Egal, ob himmelhoch jauchzend („Tears Dry On Their Own“) oder zu Tode betrübt („Love Is A Losing Game“)... dieses Album hört man gern an. So wenig Stil, wie diese Frau manchmal privat hat, so viel Geschmack und Glamour bietet diese Platte. Und trotzdem bewahrt sie sich, vielleicht auch durch ihr Privatleben, einige Kanten dabei, welche das Ganze jederzeit authentisch machen. Bitte auch in Zukunft wieder. Hoffentlich ist es dafür nicht schon zu spät.
Bester Song: “You Know I’m No Good”

62. Muse “Absolution” (2003)
Klein haben Muse noch nie gedacht. Von Anfang an hat diese Band in größeren Maßstäben gedacht und eine musikalische Klasse an den Tag gelegt, die beeindruckend war. Kaum zu glauben, dass das britische Trio beim Release ihres 99er-Debüts „Showbiz“ gerade mal die Volljährigkeit erreicht hatte. In diesem Jahrzehnt ging die Erfolgskurve ihres hymnisch-lauten Alternative-Rocks stetig nach oben. Man konnte richtig mitverfolgen, wie es diese Band schaffte, von Album zu Album mehr Menschen anzusprechen und ihren Sound immer wieder nach vorn zu puschen. 2009 sind sie somit weltweit als begnadete Live-Band bekannt, bespielen die größten Locations und ihr jüngstes Album „The Resistance“ schaffte es fast überall direkt auf Platz 1 der Charts. Vielleicht stellt das 2003er-Album „Absolution“ diesbezüglich eine Wende da, denn es geht die Dinge wesentlich klarer und direkter an, als das sperrige Vorgängerwerk „Origin Of Symmetry“. Wenngleich hier natürlich nicht die durchgängig die Lautstärke gedrosselt wird. „Apocalypse Please“ gibt gleich die Richtung vor, während „Stockholm Syndrome“ auch nach Jahren nichts von seiner Kraft verloren hat. Mit „Time Is Running Out“ und „Hysteria“ hat man glücklicherweise auch gleich ein paar Mitsing-Taugliche Power-Singles in der Hand und nebenbei wagt man sich auch in neue Bereiche. „Blackout“ ist wohl die schönste Versuchung, seit es Suizid gibt und „Endlessly“ kann ja fast als astreiner Elektro-Popsong durchgehen. Richtig toll wird diese Band natürlich erst, wenn Matthew Bellamy seine klassische Ader ausleben kann, so wie beim wunderbaren Piano-Zwischenteil des phänomenalen „Butterflies And Hurricanes“, welches in seiner absoluten Wucht gleich mal in fünf Minuten definiert, warum gerade diese Band mittlerweile eine der Größten dieses Planeten ist. „Best, you’ve got to be the best“ felht Bellamy da mit einer Armee aus E-Gitarren und Streichern im Hintergrund, als ob er sich selber motivieren müsste. Vollkommen unnötig.
Bester Song: „Butterflies And Hurricanes”

61. Maritime “We, The Vehicles” (2005)
Ich weiß gar nicht so genau, wass ich über dieses Album so schreiben soll. Letztendlich, wenn man es mal pragmatisch sieht, ist „We, The Vehicles“ nichts so Besonderes und prädestiniert dazu, um in den Jahrzehntrankings übersehen zu werden. Und dennoch hat sich das zweite Album von Maritime seinen Platz hier ganz tapfer erspielt, da es insgesamt elf sehr gute Indierocksongs bietet, die einfach ein paar schöne Mitsing-Melodien beinhalten. Vor allem ist es aber die Qualität der Songs. „People, The Vehicles“ und „Calm“ sind genauso verträumt, wie „Tearing Up The Oxygen“, während man zu „Parade Of The Punk Rock T-Shirts“ oder „Don’t Say You Don’t“ sogar mal das ein oder Tanzbein leicht in Bewegung setzen könnte. Und dazu die schöne Stimme von Sänger Davey van Bohlen, welcher ich einfach sehr gern zuhöre. Das ist eigentlich die Sorte sympathischer-nicht-störrender Indie-Rock, die mir sehr gern mal auf den Geist geht, aber irgendwie ist das bei diesem Album nicht wirklich der Fall, also ein ziemlicher Glückszustand, der halt aus guten Songs und einer angenehm heiteren Grundstimmung resultiert. Ein Album für den beschwingten Start in den Frühling oder Sommer. Je nachdem. Tut nicht weh und vermag zu gefallen.
Bester Song: “Tearing Up The Oxygen”

Sonntag, 18. Oktober 2009

rhododendron's ranking ... 42/ 2009

In dieser Woche können The xx ihre Top-Position verteidigen und belegen mit “Basic Space” weiterhin die 1. Doch mit den fulminanten Zuckerbecker-Pop der Sound Of Arrows liegt bereits die Konkurrenz im Nacken. Für „Into The Clouds“ geht’s diese Woche ganze 5 Plätze hoch. Auch der höchste Neueinsteiger wagt sich musikalisch in die 80er rein. Strokes-Frontmann Julian Casablancas präsentiert uns seine erste Solosingle, die vor allem eines ist: unglaublich einprägsam. Dafür gleich Platz 7. Auf Platz 10 befindet sich mit Ladyhawke eine alte Bekannte. Selbstverständlich ist auch die neue Single „Magic“ wieder ein ziemlich feistes Pop-Brett, dass auch, obwohl ich das Album ja schon Monate lang kennen, locker den Einstieg schafft. Außerhalb der Top 10 können Death Cab for Cutie noch mal 2 Plätze gut machen, Twilight-Sellout hin oder her, lieber doughnut, aber die Nummer ist ganz anständig. Für die robusten Langzeitvertreter Muse und Friendly Fires scheint dafür aber langsam das Licht auszugehen. Vor ihnen steigt auf Platz 17 mit „Repeaterbeater“ noch die schmissige neue Mew-Single ein. Vielleicht ist da auch nich Potential nach oben. Wir werden ihren Weg weiter verfolgen...

01.( 01 / #5 ) The xx “Basic Space”
02.( 07 / #2 )The Sound Of Arrows “Into The Clouds”
03.( 03 / #4 ) Empire Of The Sun “Without You”
04.( 04 / #8 ) Editors “Papillon”
05.( 02 / #7 ) Jamie T “Chaka Demus”
06.( 05 / #2 ) Everything Everything “My Keys, Your Boyfriend”
07.(NEW/ #1) Julian Casablancas “11th Dimenson”
08.( 09 / #2 ) Röyksopp “This Must Be It”
09.( 06 / #3 ) La Roux “I’m Not Your Toy”
10.(NEW/ #1) Ladyhawke “Magic”
11.( 13 / #2 ) Death Cab For Cutie “Meet Me On The Equinox”
12.( 08 / #11) The Twang “Barney Rubble”
13.( 12 / #12) Delphic “This Momentary”
14.( 15 / #2 ) Kent “Töntrana”
15.( 10 / #6 ) Robbie Williams “Bodies”
16.( 11 / #9 ) The Cribs “Cheat On Me”
17.(NEW/ #1) Mew “Repeaterbeater”
18.( 14 / #13) Friendly Fires “Kiss Of Life”
19.( 17 / #11) Muse “Uprising”
20.( 18 / #3 ) Snow Patrol “Just Say Yes”





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