I LOVE REMIXES / #03 - The Twelves

Auf zu einer neuen Runde! Auf unserer internationalen Reise durch die Welt der Remixe bewegen wir uns von Frankreich (Fred Falke), dieses Mal weiter Richtung Südamerika, Brasilien bzw. Rio de Janeiro um genauer zu sein. Dass da musikalisch mehr geht außer Samba oder CSS dürfte mittlerweile jedem klar sein. Und eine der Top-Adressen in Sachen zackiger Disco-Elektronik ist seit einigen Jahren das Duo „The Twelves“.
Nachdem sie 2007 mit einem schicken M.I.A.-Remix von „Boyz“ in den Nu-Rave-geilen Blogkreisen schnell für Furore sorgten, geht es seitdem produktionstechnisch stetig nach oben. Und untriebig sind die beiden allemal. Gut 30 Remixe hat das Duo in den letzten knapp 3 Jahren produziert, von denen sich am Ende 17 im heutigen gut 50minütigen Minimix finden. Darunter natürlich große Namen im Indie-Bereich wie Fever Ray, New Young Pony Club oder die Kanadier von Metric. Doch auch alten Klassikern ist man nicht abgeneigt… das dürfte die Neuinterpretationen von A-Ha und dem Alan Parsons Project erklären, die wir hier finden. Musikalisch kann man den Twelves dabei natürlich keinen anderen Stempel als „Disco“ aufdrücken. Der passt einfach Bestens zu den treibenden Beats der Brasilianer. Dabei orientiert man sich wesentlich weniger an French House oder Elektro-Gebratzer á la Boys Noize, sondern stärker auf die späten 70er und frühen 80er. Gerade mit den letzten Remixen für Fever Ray oder Noah And The Whale driften die Beiden immer stärker in die Bereiche Funk und Disco-Soul ab, was eine erfrischende Abwechslung gegenüber anderen Remixern bietet. Zusehens halten somit auch organische Instrumente Einzug in die Welt der Twelves. Die Bee Gees könnten noch davon lernen.

Das macht natürlich Lust auf zukünftige Eigenproduktionen, denen man sich jetzt verstärkt widmen will. Eine EP ist für demnächst angedacht und welche musikalische Richtung man damit einschlagen wird, bleibt interessant. Mit einem geschmeidigen Disco-Mix, der sich jenseits jeglichen Kraches irgendwo zwischen den funkigen Daft Punk und dem New Yorker DFA-Label ansiedelt, wird das zur Pflichtbeschäftigung. Es sei noch gesagt, dass die beiden Zauberer vom Zuckerhut auch regelmäßig ein paar eigene, noch abwechslungsreichere Mixtapes auf ihrer MySpace-Seite zum Download anbieten, aber eine so kompakte Ansammlung ihrer eigenen Remixe gab es bisher noch nicht, weshalb ich nun einfach auf den folgenden Download verweise und viel Vergnügen damit wünsche.
01 Metric – Help I’m Alive (The Twelves Remix)
02 Terry Poison – Comme Ci, Comme Ca (The Twelves Remix)
03 Thieves Like Us – Drugs In My Body (The Twelves Remix)
04 Alan Parsons Projetc – I Wouldn’t Want To Be Like You (The Twelves Re-Edit)
05 Yelle – Ce Jeu (The Twelves Remix)
06 M.I.A. – Boyz (The Twelves Remix)
07 New Young Pony Club – Get Lucky (The Twelves Remix)
08 Fever Ray – Seven (The Twelves Remix)
09 Database vs. French Horn Rebellion – Beaches And Friends (The Twelves Remix)
10 Noah And The Whale – Blue Skies(The Twelves Remix)
11 Yuksek – So Far Away From The Sea (The Twelves Remix)
12 Black Kids – I’m Not Gonna Teach Your Boyfriend How To Dance With You (The Twelves Remix)
13 Groove Armada – Drop The Tough (The Twelves Remix)
14 Pacific! – Hot Lips (The Twelves Remix)
15 Erlend Øye – Sudden Rush (The Twelves Remix)
16 Radiohead – Scatterbrain (The Twelves Remix)
17 A-Ha – Take On Me (The Twelves Remix)
DOWNLOAD HERE:
http://uploaded.to/file/sgx5dm
Laufzeit: 50:41min
Homepage: http://www.myspace.com/thetwelves
rhododendron - 8. Feb, 16:48



Schafft man es eigentlich, eine Hot-Chip Rezension zu schreiben, ohne dabei das N-Word in den Wund zu nehmen? Nein, nich dieses N-Wort… Ich meine natürlich „Nerd“. Hot Chip werden ja gern mal als solche bezeichnet und machen auch keine Anstalten, etwas dagegen zu unternehmen. Man frickelt stets an neuen Ideen, hat ein überdimensioniertes Wissen in Sachen Popmusik und Front-Softie Alexis Taylor pflegt sein Fabel für große Hornbrillen auch im Jahr 2010 immer noch einigermaßen. Die Frage ist natürlich, wo geht diese meist wegweisende Band in der neuen Dekade denn musikalisch hin? Die letzten Platten waren mit ihrem wilden Genre-Mix stets eine erfrischende Bereicherung in der bunten Musikwelt und zeigten, dass Experimentierfreudigkeit und eingängige Popsongs keinen Widerspruch darstellen müssen. Die Messlatte liegt nach dem 2008er „Made In The Dark“ jedenfalls hoch.
Dennoch sind seine Tracks aus meiner Sicht wesentlich erträglicher, vielleicht auch weil er sich noch nicht wirklich an die US-Urban-Music-Szene angebiedert hat, wie Kollege Guetta und weil Falke eher der zurückhaltende Typ im Hintergrund zu sein scheint. Und wenn man einen Fred Falke für einen Remix beauftragt, bekommt man auch das, was man bestellt. Treibende Discobeats mit jede Menge Retro-Flair… die 80er schielen bei Falke immer ein wenig deutlicher vor, was ihn vielleicht auch für mich ansprechender macht. Früher hat er noch viel mit Kollege Alan Braxe zusammengearbeitet, aber seit 2,3 Jahren macht Fred sein Ding solo und kommt seit dem mit neuen Remixen gar nicht hinterher. Fast monatlich gibt es neues Futter des guten Mannes. Dabei ist er längst bei den großen Namen des Popbusiness angekommen… U2, Robbie Williams, Sugababes oder Casting-Star Will Young sind nur ein paar seiner Auftraggeber. Oder dieses neue Hüpf-Pop-Ding Ke$ha. Zwar ist auch nicht jeder Mix ein Geniestreich und manchmal hört man die Auftragsarbeit deutlich raus, doch zu großen Teilen macht Falke seinen Job super. Breitflächige Synthies, pumpende Bässe und straighte Beats kennzeichnen seine Neuinterpretationen, die gelegentlich aus den Songs von Whitest Boy Alive oder Gossip (Bester Remix des Jahres 2009 auf Nobono!) noch mehr rausholt, als man in diesen vermutet hätte. Falke gibt den Tracks eine neue Richtung, versteht einiges in Sachen Houseproduktion und Trackdramaturgie. Wer sich von relativ glatten und geschmeidigen Housetracks nicht gleich abschrecken lässt, der ist herzlich eingeladen, sich diesen neuen knapp 50minütigen Minimix mit einigen von Falke’s feinsten Werken anzuhören. Und egal, ob ihr dazu tanzt oder einfach nur eine Tasse Tee trinkt… ihr werdet es mit Sicherheit genießen.